Deutlich mehr SARS-Fälle in Beijing
 
Die einwöchigen 1. Mai-Ferien sind gestrichen worden, um die weitere Verbreitung von SARS zu verhüten.

Von Zhang Feng, Mitarbeiter der „China Daily“

Die Beijinger Behörden sagten gestern, dass mit Stand vom 18. April 339 Menschen klinisch mit dem akuten Atemwegssyndrom SARS diagnostiziert worden seien – 302 mehr als in der Woche zuvor.

Weitere 402 verdächtige Fälle der atypischen Lungenkrankheit sind in der chinesischen Hauptstadt identifiziert worden.

Der Vizegesundheitsminister Gao Qiang sagte auf einer Pressekonferenz des Informationsbüros des Staatsrates, dass 18 Patienten an der Krankheit gestorben seien.

Die Zentralregierung habe die einwöchigen 1. Mai-Ferien gestrichen, um die Menschen vom Reisen abzuhalten und die weitere Verbreitung der Krankheit zu verhüten, äußerte Gao.

Mit Stand vom 18. April habe es auf dem chinesischen Festland insgesamt 1807 klinisch diagnostizierte SARS-Fälle gegeben, so Gao.

Insgesamt 79 Fälle bzw. 4,3% seien an der Krankheit gestorben, während 1165 Patienten wieder genesen und von den Krankenhäusern entlassen worden seien, setzte er hinzu.

Von heute an werde China nicht wie zuvor nur alle fünf Tage, sondern täglich Informationen über SARS-Fälle liefern.

Staatspräsident Hu Jintao sagte, er sei zuversichtlich über Chinas Fähigkeit, Wege zu finden, SARS durch die Nutzung von Hochtechnologie und unermüdliche Anstrengungen zu bekämpfen.

Er machte die Bemerkungen während eines Besuches der Mikrobiologischen Abteilung des Medizinischen Institutes der Chinesischen Volksbefreiungsarmee und des Genealogischen Institutes der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Beijing, so die Nachrichtenagentur Xinhua.

Schnelle Testmethoden

In einem Xinhua-Bericht hieß es, dass China eine Testmethode eingeführt habe, die den SARS-Virus innerhalb von einer Stunde feststellen könne.

Die Methode, basierend auf der Sequenz des Genoms des Virus, war von dem Beijinger Genom-Institut der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und dem Institut für Mikrobische Epidemien des Medizinischen Forschungsinstitutes der Volksbefreiungsarmee gemeinsam entwickelt worden.

Die neue Methode nutze das eigens modifizierte Protein des Virus, um die Präsenz eines Antikörpertypus, den der Körper als Reaktion auf die Infektion mit dem Virus produziere, zu entdecken, so Experten, die äußerten, dass die Präsenz des Antikörpers ein absolut sicheres Zeichen für die Existenz des Virus sei.

Gao sagte auf der Pressekonferenz, die Schwierigkeiten der Diagnostizierung von SARS erklärten teilweise, warum die jüngsten Zahlen für Beijing so viel höher als die vor einigen Tagen seien.

Ein Mangel an effektiver Kommunikation und Informationsaustausch unter Krankenhäusern in Beijing sei ein weiterer wichtiger Grund gewesen, bemerkte er.

Gao sagte, das Gesundheitsministerium sei nicht gut für eine öffentliche Gesundheitsnotlage vorbereitet gewesen, und das epidemische Kontrollsystem sei relativ schwach. Dies zusammen habe zu dem krassen Anstieg der SARS-Fälle in Beijing geführt.

Er sagte, das Aufsichtsteam, das vom Staatsrat am 15. April nach Beijing geschickt worden sei, habe mit der Beijinger Stadtregierung und zuständigen Abteilungen der Zentralregierung zusammengearbeitet. Sie gingen in Krankenhäuser in Beijing, um die Anzahl der SARS-Fälle zu überprüfen und Patienten zu registrieren.

Diese harte Arbeit habe zu verifizierten Zahlen der SARS-Patienten geführt, einschließlich der aus anderen Provinzen, die jetzt in Krankenhäusern in Beijing behandelt werden, sagte er.

„Der plötzliche Anstieg in den Zahlen heute und mögliche weitere Zunahmen von Fällen in Beijing bedeuten nicht, dass die Epidemie sich schneller als zuvor verbreiten wird, da die Mehrheit der jetzt gemeldeten Fälle in den letzten 10 Tagen im März und den ersten 10 Tagen im April von den Krankenhäusern aufgenommen worden waren“, sagte Gao.

Er setzte hinzu, dass nach einer Periode von Diagnosen und Behandlungen einige der Verdachtsfälle mit offensichtlichen Symptomen jetzt als SARS-Patienten bestätigt worden seien, womit die Gesamtanzahl von SARS-Fälle gestiegen sei.

Fünf Ausländer wurden in Beijing mit SARS diagnostiziert, und weitere vier stehen unter Beobachtung.

Gao sagte, die Regierung habe die lokalen Funktionäre gedrängt, strikt über die Epidemie zu berichten. Diejenigen, die dies unterlassen würden, würden streng bestraft werden.

China werde keine Kosten scheuen, um SARS unter Kontrolle zu bringen, sagte er.

China habe Direktoren von Krankenhäusern in China gesagt, dass sie SARS-Patienten unter keinen Umständen ablehnen dürften, Finanzgründe eingeschlossen.

Gao sagte, jegliche Ablehnung von SARS-Patienten werde strikt bestraft werden.

Die Regierung wird ebenfalls medizinische Hilfe und Zuschüsse für bedürftige Menschen zur Verfügung stellen, darunter die ländlichen Wanderarbeiter in urbanen Gebieten und die Landbevölkerung, die mit SARS infiziert worden sind, während medizinischem Personal im Einsatz gegen die Krankheit Zuschüsse für die Gesundheitsvorsorge gegeben wird.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe den „großen Fortschritt“, den China in der Berichterstattung über die SARS-Situation gegenüber der Öffentlichkeit gemacht habe, zur Kenntnis genommen, so ein WHO-Beamter.

Junko Mitani, eine Pressesprecherin der WHO in China, sagte, dass der chinesische Vizegesundheitsminister Wang Longde mit WHO-Vertreter in China Henk Bekedam zusammengetroffen sei und ihm die neuen Zahlen der „wahrscheinlichen Fälle“ an SARS in China präsentiert habe.

„Diese Zahlen repräsentieren verstärkte Bemühungen der (chinesischen) Regierung, alle wahrscheinlichen und verdächtigen SARS-Fälle in allen Krankenhäusern und Gemeinden in China zu identifizieren und zu melden, sagte sie.

Hochrangige Funktionäre verlieren Parteiposten

Der Gesundheitsminister, Zhang Wenkang, und Meng Xuenong, Bürgermeister von Beijing, sind vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas (KPCh) ihrer Parteiposten enthoben worden.

Einem Xinhua-Bericht zufolge hat das Komitee Zhang als Sekretär der Führungsgruppe der KPCh im Gesundheitsministerium entlassen. Meng ist nicht länger Vizesekretär des Beijinger Stadtkomitees der KPCh.

Für ihre Entlassungen wurden in dem Bericht keine Gründe genannt.

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Bestätigte SARS-Fälle auf dem chinesischen Festland

(Stand vom 18. April 2003)

Ort Anzahl

Guangdong 1304

Beijing 339

Shanxi 108

Innere Mongolei 25

Guangxi 12

Hunan 6

Sichuan 5

Fujian 3

Shanghai 2

Henan 2

Ningxia 1

Gesamt 1807

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Mehr Geld für die Bekämpfung der Krankheit

Von Jiang Zhuqing, Mitarbeiter der „China Daily“

Zusätzliche 900 Mio. Yuan (108 Mio. US$) werden für die Beschleunigung der Entwicklung der Krankheitskontrollinstitutionen in den zentralen und westlichen Gebieten Chinas bereitgestellt, um die Verbreitung der akuten Atemwegserkrankung SARS zu verhüten.

Die Staatliche Entwicklungs- und Reformkommission sagte am 20. April, der Gesamtfonds werde 2,9 Mrd. Yuan (349 Mio. US$) erreichen.

Ein Krankheitsverhütungs- und Kontrollnetzwerk werde Ende des Jahres fertiggestellt werden, hieß es weiter.

Die Nation werde 600 Mio. Yuan (72,3 Mio. US$) bereitstellen, um die erste Phase des Nationalen Zentrums für Krankheitsverhütung und -kontrolle zu unterstützen.

Vom 21. April an müssten alle Passagiere von Inlandsflügen einen Bericht über ihren Gesundheitszustand einreichen, bevor sie sich einchecken, so die Allgemeine Verwaltung der Zivilluftfahrt Chinas (CAAC).

Yan Yuanyuan, Chef der CAAC, sagte, Abteilungen müssten Maßnahmen ergreifen, um die potentielle Verbreitung von SARS durch das Flugzeug zu verhüten.

Passagiere sollten die Länder und Städte, die sie in den letzten 14 Tagen besucht hätten, angeben und den Flughafenbehörden melden, wenn sie an Husten, Fieber oder Atemschwierigkeiten leiden.

Reiseagenturen, Hotels, Bus- und Schiffsunternehmen und die Bahn in China hätten Vorbeugungsmaßnahmen ergriffen, um die Verbreitung von SARS zu stoppen, so Xinhua.

Das Hauptstadt-Taxiunternehmen in Beijing hat die hygienischen und Lüftungsvorkehrungen verstärkt und die Fahrer mit Desinfizierungsmitteln und Handschuhen ausgestattet.

In anderen Entwicklungen sind alle Hochschulen und Universitäten gedrängt worden, Vorkehrungspläne über die SARS-Verhütung und -kontrolle auszuarbeiten sowie Notfallsmechanismen einzurichten, um die Verbreitung des fatalen Virus auf dem Campus zu verhüten, hieß es in einer Mitteilung vom Bildungsministerium am Wochenende.

Die bildungsadministrativen Funktionäre in Beijing haben eine offizielle Mitteilung herausgegeben, strikte Maßnahmen zu ergreifen, um SARS in Mittel- und Grundschulen sowie Kindergärten zu verhüten.

Schulen und Kindergärten, die verdächtig SARS-Fälle unter Schülern und Lehrern haben, dürften den Unterricht vorübergehend einstellen, hieß es.

Aufklärung über SARS sollte unter Lehrern und Schülern betrieben werden, um den Selbstschutz zu verbessern.