Es ist ein Krieg des Volkes
 
Beijings Entlassung von zwei Funktionären markierte den Beginn einer landesweiten Kampagne gegen die tödliche Epidemie SARS.

Von Xiao Fang

Die Zentralregierung hat zwei hochrangige Funktionäre entlassen, die zuvor beauftragt gewesen waren, die Bemühungen der Nation, das Akute Atemwegssyndrom (SARS) in Schach zu halten, zu koordinieren. Dieses Vorgehen wurde von der chinesische Presse als ein korrekter Schritt zur Festlegung der richtigen Prioritäten begrüßt.

Am 20. April wurden Zhang Wenkang, ehemaliger Chef des Gesundheitsministeriums, und Meng Xuenong, ehemaliger Bürgermeister von Beijing, von ihren Positionen abgesetzt, und neue Koordinationsfunktionäre berichteten über eine Anzahl von Patienten in Beijing, die 10mal so hoch war, wie die, die einen Tag zuvor gemeldet worden war.

Die Presse sah diese Aktion auch als ein Zeichen für Beijings Mut, die Realität der Situation zuzugeben, die Transparenz der Regierung zu steigern und die Löcher im System auszubessern – und dem Leben Priorität einzuräumen.

Auf der Pressekonferenz an jenem Tag sagte Gao Qiang, Vizegesundheitsminister, dass es innerhalb Chinas medizinischem System einen ernsten Mangel an Kommunikation gegeben habe, da einige Krankenhäuser direkt der Zentralregierung und andere Lokalregierungen oder dem Militär unterstehen würden. Dies habe es schwierig gemacht, Daten zusammenzubekommen.

Um die Situation zu beheben, müssten alle medizinischen Einrichtungen in der Nation in ein einheitliches System gebracht werden, sagte der Vizeminister. Alle Krankenhäuser sollten ihre SARS-Fälle täglich dem lokalen Zentrum für Krankheitskontrolle und -vorbeugung (CDCP) melden. Auf der nationalen Ebene wird ein tägliches öffentliches Meldesystem das vorhergehende fünftägige Meldesystem ersetzen und mehr Details umfassen, darunter auch die Anzahl der verdächtigen SARS-Fälle.

Im Anschluss an diese Bekanntgabe wurde Vizeministerpräsidentin Wu Yi zur Chefkoordinatorin der Nation für die SARS-Eindämmungskampagne ernannt. Bei vielen ausländischen Geschäftsleuten als Madam Wu bekannt, war die Vizeministerpräsidentin einst Ministerin für den Außenhandel und hat reiche Erfahrung, was den Schutz Chinas Glaubwürdigkeit in kritischen Zeiten anbelangt.

Alle Abteilungen der Regierung arbeiten jetzt zusammen und haben ihren Teil geleistet, um den Weg für den Fortschritt der SARS-Bekämpfungskampagne zu pflastern. Alle ihre Aktionen zielen zunächst darauf, Handelszentren wie Shanghai vor einem Ausbruch, wie ihn Beijing erlebt hat, zu bewahren und zweitens zu verhüten, dass die Krankheit in Beijing, Guangzhou und einer Anzahl von anderen Orten weiter in die weniger geschützten ländlichen Gebiete vordringt. Bisher hat es nur einige wenige SARS- und verdächtige SARS-Fälle in Shanghai, dem größten Handelszentrum auf dem chinesischen Festland, gegeben.

Trotz der hohen lukrativen kommerziellen Gelegenheiten strich Beijing die einwöchigen 1.Mai-Ferien, die traditionell von Managern aus dem Tourismusbereich „goldene Woche“ genannt wird. Diese Streichung gilt landesweit, um die mögliche Verbreitung der Krankheit zu vermeiden, auch wenn sie mit Sicherheit der Hotel- und Gastronomiebranche einen heftigen Schlag versetzen wird.

Beobachtungs- und Aufsichtsgruppen sind von der Zentralregierung in die Provinzen, die von der Krankheit betroffen sind, geschickt worden. Vorbeugung und Überwachung sind in allen Orten mit einer hohen Bevölkerungsdichte wie Schulen, Bürogebäuden, Militärstützpunkten und sogar Gefängnissen intensiviert worden.

Die Regierung versprach zudem einen medizinischen Zuschuss für einkommensschwache Patienten, die Schwierigkeiten mit der Bezahlung für die Behandlung haben könnten, und medizinischem Arbeitspersonal sind ebenfalls besondere Subventionen von der Regierung zugesichert worden.

Während China seine Bemühungen im Rahmen der Bekämpfung von SARS forciert hat, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) der Beijing Rundschau gegenüber ihre große Sorgen um die Sicherheit der ländlichen Bewohner ausgedrückt.

„Das Überwachungssystem ist noch nicht wirklich vorhanden, und die medizinischen Bedingungen sind in den ländlichen Gebieten im Vergleich zu den Städten nicht so gut, die ländlichen Bewohner sollten unverzüglich über SARS aufgeklärt werden“, sagte Junko Mitani, eine WHO-Beamtin in Beijing.

Angesichts des hohen Prozentsatzes an Infizierten unter den medizinischen Mitarbeitern betonte die WHO-Beamtin zudem, dass den Bedingungen der Ärzte und Krankenschwestern größere Aufmerksamkeit geschenkt werden müsste, um ihnen zu helfen, nicht infiziert zu werden. Sie setzte hinzu, dass die Untersuchungsarbeit effektiv durchgeführt werden sollte, um in der Lage sein zu können, die Infektionskette zu verfolgen und sicherzustellen. „Wir sollten genauestens Bescheid wissen, wo die bestätigten oder verdächtigten Patienten gewesen sind und mit wem sie Kontakt gehabt haben.“

Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao drückte ebenfalls Sorge in dieser Hinsicht aus. Er äußerte, ein SARS-Fall könne, „bevor wir es wissen“, weitere anstecken und „die Konsequenzen könnten furchtbarer sein, als man sich jetzt ausmalen könnte“. Aber die WHO-Beamtin sagte, auch wenn nur eine Handvoll von Fällen vonnöten sei, um die Epidemie auf einen explosiven Punkt zu bringen, gebe es nach wie vor Hoffnung, sie einzudämmen, falls alle richtigen Maßnahmen rechtzeitig und auf die richtige Art und Weise ergriffen würden.