Die chinesische Hauptstadt geht geschlossen gegen SARS vor

 

Von Zan Jifang

Da die gemeldeten SARS-Fälle aufgrund von bürokratischen Verzögerungen und Falschmeldungen in den Anfangswochen einen drastischen Anstieg verzeichnet haben, ist Beijing mit der bisher härtesten Herausforderung im Zeitalter der Marktwirtschaft konfrontiert.

· Wie soll die Verbreitung der hoch ansteckenden Krankheit eingedämmt werden?

· Wie sollen die Millionen von Wohnungen und Büros, darunter Hunderte von diplomatischen Einrichtungen und Niederlassungen von den größten Unternehmen der Welt, geschützt werden?

· Wie soll die landesweite Verbreitung des tödlichen Virus angesichts der hoch mobilen Bevölkerung verhütet werden?

· Wie soll die größte treibende Kraft der asiatischen Wirtschaft gesichert werden?

Am entmutigendsten unter allem sei die Tatsache, dass medizinische Experten überhaupt keine Voraussagen darüber machen könnten, wie viel ernster die gegenwärtige Krise noch werden könnte oder wie lange sie noch andauern werde, so Zhang Junru, Sprecherin des städtischen Zentrums für Krankheitskontrolle und -verhütung (DCDP).

Trotzdem wird es keine weiteren Verzögerungen mehr geben. Dank dem Wechsel in der Stadtführung, der am 20. April verkündet wurde, hat die Maschinerie des Rathauses begonnen, entsprechend dem von der Zentralregierung – deren Spitzenführer im Land herumfahren, um stärkere und bessere SARS-Kontrollbemühungen zu fordern – festgesetzten Standard zu arbeiten.

Zum ersten Mal seit vielen Jahren sind alle Bewohner von Beijing, ständige und vorübergehende, vereinigt und mobilisiert, um die Stadt zu schützen und die tödliche Krankheit zu bekämpfen – genauso wie das medizinische Fachpersonal der Stadt es tut.

Die Stadt hat sich verändert:

· Alle internationalen Veranstaltungen und Einladungen für ausländische Gäste sind, außer einigen wenigen äußerst wichtigen Ausnahmen wie den diplomatischen Gesprächen über die Nuklearfrage der Koreanischen Halbinsel, um der öffentlichen Sicherheit willen abgesagt oder verschoben worden.

· Medizinisches Personal besucht Intensivkurse, um zu lernen, wie mit der neuen Krankheit SARS umzugehen ist, bevor es in speziellen Krankheitskontrollzentren eingesetzt wird. Als ein Krankenhaus, das für den Dienst für die ausländische Gemeinschaft von Beijing vorgesehen ist, hat das Beijing Union College Hospital seine erfahrenste englischsprechende Belegschaft im Westflügel, der für ausländische Patienten reserviert ist, eingesetzt. Das Management des Krankenhauses teilte der Beijing Rundschau mit, dass alle ausländischen SARS-Patienten im Krankenhaus sich jetzt in einem stabilen Zustand befänden und ihr Fieber langsam fallen würde.

· Gesetze und Vorschriften werden bezüglich der Pflichten der Bürger während eines Epidemie-Ausbruches neu formuliert, wie z.B.: was sie tun sollen, wenn sie oder ihre Angehörigen krank werden. Häuser und öffentliche Einrichtungen, wo SARS-Fälle gemeldet wurden, werden unverzüglich unter Quarantäne gestellt.

· Grund- und Mittelschulen sind vom 24. April bis 7. Mai geschlossen worden, um zu vermeiden, dass die Schüler in Klassenräumen, Turnhallen und Mensen das Virus übertragen.

· Öffentliche Transportmittel werden mehrmals täglich desinfiziert, wobei überall vorbeugende Gesundheitstipps aushängen, die jeden drängen, häufiger die Hände zu waschen und, wenn immer man an öffentliche Orte geht, einen Mundschutz aufzusetzen.

· Weniger Leute gehen einkaufen und in Restaurants essen, den Ratschlag der Regierung befolgend, von vollen öffentlichen Plätzen fern zu bleiben.

· Zudem reisen nicht mehr so viele Leute, weder international noch im Lande, selbst nicht, um das Wochenende im Vorortgebiet zu verbringen, den Ratschlag der Regierung befolgend, zu vermeiden, dass das Virus in die weniger geschützten ländlichen Gebiete vordringt.

Pang Xinghuo, ein Mitglied des SARS-Verhütungs- und Behandlungsteams des städtischen Beijinger Gesundheitsamtes sagte Beijing Rundschau, dass das Beijinger CDCP neue Krankenhäuser sowie 50 neue Ambulanzen für die Aufnahme von SARS-Patienten bestimmt habe.