Können wir es schaffen?
 

Von Zan Jifang

Gute Neuigkeiten – auch wenn die Auswirkungen des Akuten Atemwegsyndroms (SARS) auf die asiatische Wirtschaft ziemlich verheerend sein werden, was zu erwarten war, wird die Krise kurzfristig und begrenzt sein.

Es gibt nur einen Haken: Die Epidemie muss spätestens bis Juni effektiv unter Kontrolle gebracht worden sein.

Die rosige Prognose mit all ihren Dornen war das Ergebnis eines Sonderseminars mit dem Thema „SARS und Asiens Wirtschaft – Auswirkungen und politische Empfehlungen“, das vom 13.-14. Mai in Beijing stattfand.

Vertreter der chinesischen Regierung, aus akademischen Kreisen, internationalen Organisationen, diplomatischen Institutionen und von Multis stimmten darin überein, dass die wirtschaftliche Vitalität und das Investmentumfeld in Asien, insbesondere in China, aufgrund des starken Fundaments unverändert bleiben würden.

„China bietet nach wie vor den konkurrenzfähigsten Arbeitskräftemarkt und bleibt einer der größten Verbrauchermärkte, und dessen Größe wächst rapide“, sagte Long Yongtu, Generalsekretär des Boao-Asienforums, einer der Sponsoren des Workshops, in seinen Eröffnungsbemerkungen.

„Selbstverständlich“, so Long, „liegt der Schlüssel zur Wiederherstellung und Erhaltung des Vertrauens der internationalen Investoren darin, wie schnell wir die Epidemie in den Griff bekommen können.“

Wirtschaftsexperten gaben zu, dass die Wirtschaft möglicherweise mit einer Wachstumsrate im zweiten und dritten Quartal, die nach dem bemerkenswerten Anstieg von 9,9% in den ersten drei Monaten dieses Jahres fallen werde, Rückschläge durchmachen würde. Sie erwarteten jedoch einen Anstieg im letzten Quartal.

Hu Angang, Direktor des Zentrums für Chinesische Studien der Tsinghua-Universität, sagte, er sei, was die Wirtschaft von Beijing und die des ganzen Landes anbelange, nach wie vor optimistisch, und zwar aufgrund des Potentials für ein langfristiges Wachstum von Chinas Wirtschaft, deren Motor und der stabilen Makroökonomie des letzten Jahrzehnts.

Hu sagte voraus, dass Chinas Wirtschaftswachstum trotz SARS das höchste der Welt bleiben würde. „Auch wenn Beijing von der Epidemie stark betroffen ist, beläuft sich die Auswirkung von SARS auf die hiesige Wachstumsrate gegenwärtig auf nur 0,5%. Ohne SARS sollte sich die Zahl bei 12-13% befinden“, sagte er.

Während die kurzfristigen Wirkungen von SARS akzeptiert würden, so Andy Xie, Generalmanager von Morgan Stanley und Chefökonom der asiatisch-pazifischen Region, sei das Auslandsinvestment nicht gestrichen, sondern lediglich aufgeschoben worden, und das Investmentwachstum würde nächstes Jahr wieder ansteigen.

„Die meisten transnationalen Unternehmen haben ihre Ansichten über Chinas Investmentumfeld jetzt nicht geändert, und ihr Kapital wird nicht in andere Märkte wie Mexiko bewegt werden, dies ergaben Untersuchungen von Morgan Stanley“, sagte er.

„Die Nachfrage nach Waren wie Computer und Handys ist nach wie vor vorhanden“, sagte er, „und die Konsumption könnte im vierten Quartal oder nächstes Jahr wiederkehren.“

Vertreter der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB), ebenfalls Sponsor des Forums, sagten, die Bank habe keine Pläne gemacht, ihre Investmentpolitik in China zu ändern. „An diesem Punkt sind wir zweifelsohne zuversichtlich, was Chinas Wirtschaft anbelangt“, so Bruce Murray, Vertreter von ADB in Beijing, gegenüber Beijing Rundschau, „unser China-Geschäftsbereich fährt mit unserem Investment hier fort, und unser Geschäftsbereich in Asien war mit der Implementierung der Projekte, die grundlegend in guter Form sind, äußerst zufrieden.“

„Unser zukünftiges Programm ist nach wie vor stark darauf konzentriert, wie die Infrastruktur in Westchina zu verbessern ist und wie Umweltprobleme und ähnliches zu lösen sind“, sagte Murray. „Falls die chinesische Regierung wünscht, dass wir Hilfe für Gebiete, die von SARS betroffen sind, liefern, sind wir selbstverständlich gerne bereit, dies mit ihr zu diskutieren.“

Ifzal Ali, Chef-Ökonom von ADB, zufolge sagte die vor kurzem herausgegebene Asiatische Entwicklungsprognose 2003 voraus, dass das BIP-Wachstum in den Wirtschaften Ost- und Südostasiens dieses Jahr wahrscheinlich um 0,2-1,8 Prozentpunkte reduziert werden würde, dies unter der Annahme, dass SARS keine weiteren ernsten Auswirkungen nach dem zweiten Quartal haben wird. Falls die Auswirkungen von SARS allerdings bis ins dritte Quartal andauern, wird Chinas BIP-Wachstum wahrscheinlich um 0,5 Prozentpunkte fallen.

Jüngste Recherchen der Peking-Universität zeigten, dass die SARS-Auswirkungen auf dem chinesischen Festland einen wirtschaftlichen Verlust von 210 Mrd. Yuan (25 Mrd. US$) verursachen werden, und prognostizierten, dass das BIP-Wachstum dieses Jahr um 1-2 Prozentpunkte fallen werde.

Jurist Yifu Lin, Direktor des Chinesischen Wirtschaftsforschungszentrums der Peking-Universität, sagte, die Auswirkungen auf die Wirtschaft seien vorübergehend, und setzte hinzu, dass SARS weder die Produktionsfähigkeit noch die soziale Struktur beeinträchtigen würde.

Lin verglich die Krise mit einem wirtschaftlichen Impfstoff für das Land, eine Mini-Krise, die der Regierung Immunität gegen größere Krankheiten geben könnte. „SARS ist wie eine Vorbeugeinjektion für die Regierung, um fähig zu sein, mit jeglicher Krise fertig zu werden“, sagte er. Er gab den Rat, dass die Regierung Lehren aus der SARS-Krise ziehen und so schnell wie möglich ein Krisenreaktionssystem etablieren sollte.

Lin zufolge muss das System umfassend sein – nicht nur für den Gesundheitssektor. Mit der Entwicklung der Gesellschaft und der Wirtschaft, und da die Bevölkerung mobiler wird, sind neue ansteckende Krankheiten wie SARS in der Zukunft möglich, was eine schlimmere Bedrohung als SARS mitbringen könnte.

Seit China der Welthandelsorganisation beigetreten ist, tragen die größeren wirtschaftlichen Gelegenheiten, mit denen das Land jetzt verbunden ist, ebenfalls ein größeres Risiko, von den Wirtschaftskrisen in anderen Ländern beeinträchtigt zu werden – der Preis des global integrierten Handels.

Lin sagte, das Krisenreaktionssystem bräuchte eine entscheidungsfällende Gruppe mit einer Autorität, die höher als die eines Ministeriums sei und eher der auf der Ebene des Staatsrates entspreche. Sie sollte und würde mit der Sammlung und Verbreitung von Informationen umgehen und korrekte Urteile und eine schnelle Reaktion gewährleisten. All dies seien Dinge, auf die die Regierung sich jetzt zu konzentrieren habe, sagte er.

Die Auswirkungen von SARS auf kleine und mittlere Unternehmen (SMEs) war ein großes Anliegen unter den Wirtschaftsexperten, die am Seminar teilnahmen. Mit begrenztem Kapital und eingeschränkter Fähigkeit, Risiken zu widerstehen, finden SMEs es hart, mit dem plötzlichen Schlag vonseiten der externen Faktoren fertig zu werden. Die Störung könnte für einige kleine Reisebüros, Restaurants, Friseursalons und Geschäfte fatal sein. Mit Null-Einnahmen für mehrere Monate in Folge könnten sie es eventuell nicht schaffen, was Chinas Wirtschaft als ein Ganzes heftig unterminieren würde. Statistiken zeigen, dass über 80% der neuen Beschäftigungsgelegenheiten in den letzten Jahren von privaten SMEs geschaffen worden sind.

Tang Min, Chefökonom von ADB in China, sagte, dass SMEs neue Geschäftsgelegenheiten finden sollten, da sich der Lebensstil und die Verbrauchergewohnheiten der Menschen aufgrund von SARS verändert hätten. Regierungen sollten Zuschüsse an Kleinunternehmen zahlen, und andere Industriesektoren sollten die Verluste mit ihnen teilen – beispielsweise indem die Steuern, Gebühren für Wasser und Elektrizität, Telekommunikationsausgaben oder Mieten reduziert oder erlassen werden. Tang schlug zudem vor, dass Regierungsdarlehen an Unternehmen, die stark beeinträchtigt wurden, aber noch Potential für Entwicklung zeigten, gewährt werden sollten.

Auch wenn Industrien wie der Tourismus, die Gastronomie, das Entertainment und der öffentliche Verkehr aufgrund des starken Rückgangs der Kunden gravierend nach dem Ausbruch der Epidemie zu leiden gehabt hätten, nahmen Wirtschaftsexperten auch die „stimulierende Rolle“ einiger Sektoren mit potentiellem Wachstum wie die Telekommunikation, medizinische Dienstleistungen, das Online-Business, der Wohnsektor und die Automobilindustrie zur Kenntnis.

„Die Auswirkungen von SARS auf Chinas Telekommunikationsindustrie ist nicht besonders schwer, und die Aktienpreise von China Mobile, China Telecom und China Unicom (drei wichtige Telekom-Unternehmen in China) fahren fort, in diesen Tagen zu steigen“, sagte Wu Ying, Generaldirektor von UT Starcom, auf dem Seminar.

„In der Tat sind einige unserer Installationsprojekte wirklich beeinträchtig worden“, setzte Wu hinzu, „ich denke jedoch, dass die Nachfrage nach wie vor stark ist und lediglich verschoben worden ist.“

Wie Wu drückte Zhang Suixin, Hauptgeschäftsführer von Volkswagen China, einige Bedenken über den Auto-Sektor aus. Zhang sagte, dass das Transaktionsvolumen von Volkswagen-Autos in Beijing im April sogar einen unerwarteten Anstieg gesehen habe, trotz 20% weniger Kunden, die die Ausstellungsräume besuchten.

Zhang äußerte jedoch, dass er über einige ungewisse Elemente beunruhigt geblieben sei. Er sagte, dass der Automarkt ganz besonders verletzlich gegenüber externen Faktoren sei und dass er nicht sicher sei, ob seine Firma ihre gute Leistung im zweiten und dritten Quartal fortsetzen würde. Zhang sagte, seine Firma arbeite Vorkehrungspläne aus, wie die normale Produktion zu gewährleisten sei, falls SARS ihre Fabriken schließen würde. „Falls wir unsere Fabrik für einen Tag schließen müssten, würden wir mehr als 2000 Autos verlieren“, setzte er hinzu.

Das Workshop hatte ebenfalls die Frage im Fokus, wie die psychologischen Auswirkungen von SARS zu bekämpfen seien und wie die internationale und regionale Kooperation hinsichtlich der In-Schachhaltung der Epidemie so schnell wie möglich zu verbessern sei.

Ong Keng Yong, Generalsekretär der Vereinigung Südostasiatischer Nationen (ASEAN), wandte sich per Brief an das Seminar, in dem er sagte, dass die Angst weltweit die Kontrolle über Unternehmen und Menschen ergriffen habe, was in jedem Land zu wirtschaftlichen Verlusten geführt habe.

Er rief die asiatischen Länder auf, Informationen über SARS weiterzugeben und Methoden der Verhütung der Verbreitung der Krankheit zu koordinieren. Er betonte ebenfalls die Wichtigkeit des öffentlichen Bewusstseins und der Fortsetzung der Aufklärung über SARS.

Wirtschaftsexperten, die an dem Seminar teilnahmen, stimmten ebenfalls darin überein, dass die breite Reichweite der wirtschaftlichen Auswirkungen von SARS bewiesen habe, dass die wirtschaftliche Globalisierung bereits eine Realität geworden sei. Menschen und Regierungen in verschiedenen Ländern müssen einander helfen, da ein Problem für einen ein Problem für alle ist.