Frustrierte Gesichter
 
Regierungsabteilungen und Universitäten sind darum bemüht, den Hochschulabsolventen eine helfende Hand anzubieten.

Von Lan Xinzhen

Guo Xiaoyong, ein Absolvent der Soziologie-Abteilung der Chinesischen Volksuniversität in Beijing, ist im Internet auf Jobsuche, bisher hat er 13 Bewerbungen verschickt. „Ich sehe wenig Hoffnung für einen Erfolg“, sagte Guo mit einem bitteren Lächeln.

Zu diesem Zeitpunkt hatten viele Hochschulabsolventen in den letzten Jahren ihren Anstellungsvertrag bereits in ihren Händen und waren dabei, in die Arbeitswelt einzutreten. Dieses Jahr stehen viele Absolventen allerdings immer noch mit leeren Händen da und fangen an zu verzweifeln.

Den Statistiken des Erziehungsministeriums zufolge schlossen 2,12 Mio. Studenten landesweit dieses Jahr ein Hochschulstudium ab, ein Plus von 46,2% gegenüber dem vorhergehenden Jahr. Hingegen hat es jedoch keinen entsprechend bedeutenden Anstieg in der Nachfrage nach Arbeitskräften gegeben.

In der Tat hat die Krise bereits letztes Jahr ihren Anfang genommen, als nur 65% der Absolventen Arbeitsverträge nach ihrem Abschluss unterzeichneten. Dieses Jahr haben nur etwa 50% der Absolventen einen Arbeitsvertrag abgeschlossen.

Eine derartig niedrige Zahl hat sowohl auf die Regierung als auch auf die Universitäten Druck ausgeübt, Maßnahmen zu ergreifen.

Der Staatsrat hat eine Reihe von Treffen einberufen, um diese Angelegenheit zu behandeln. Regierungsabteilungen auf allen Ebenen sind gedrängt worden, mit neuen Richtlinien aufzuwarten, und das Hauptbüro des Staatsrates gab eine Mitteilung heraus, die 11 Sondermaßnahmen zur Ankurbelung der Beschäftigung von Hochschulabsolventen umfasste.

Das Erziehungsministerium hat eine Website für die Absolventen eingerichtet, so dass u.a. auch Tipps für Arbeitssuchende ausgetauscht werden können. Hochschulen und Universitäten kommunizieren zunehmend mehr über das Internet, Telefon und Fax mit potentiellen Arbeitgebern, so dass sie den Absolventen so viele Informationen wie möglich zur Verfügung stellen können. Als sich abzeichnete, dass die SARS-Epidemie allmählich unter Kontrolle gebracht wurde, begannen Lokalregierungen, Jobmessen terminlich neu festzulegen, so dass Absolventen und potentielle Arbeitgeber sich in Vorstellungsgesprächen von Angesicht zu Angesicht engagieren konnten. Am 18. Juni wurde die Beijinger Jobmesse Yonghegong zum ersten Mal seit Ausbruch von SARS eröffnet, und mehr als 3000 Jobsucher machten ihre Aufwartung.

Unterdessen haben das Zentralkomitee des Chinesischen Kommunistischen Jugendverbandes und das Erziehungsministerium ein „Go West“-Programm initiiert, im Rahmen dessen Hochschulabsolventen aufgerufen werden, den westlichen Gebieten des Landes zu dienen. Die Hochschulabsolventen werden ersucht, als Freiwillige in Bereichen der Bildung, der öffentlichen Gesundheit, der Agrartechnik und der Armutsbeseitigung in armutsgeplagten Gebieten im Westen des Landes für ein oder zwei Jahre zu arbeiten.

Die regionalüberschreitende Beschäftigung ist ein auffallendes Kennzeichen im Rahmen der Beschäftigung der Hochschulabsolventen dieses Jahr. 289 Absolventen der Fudan-Universität haben einen Arbeitsplatz außerhalb Shanghais gefunden, eine Zunahme um 7% gegenüber 2002, darunter machen die Postgraduierten mehr als die Hälfte dieser Zahl aus. Neben Beijing, Guangzhou, Zhejiang und anderen Küstenprovinzen und -städten sind mittlerweile auch Städte im Westen Chinas wie Xi’an und Chengdu unter der Wahl von immer mehr Absolventen.

Staatseigene Unternehmen und Institutionen haben ihre Bemühungen ebenfalls verstärkt, um Arbeitsplätze für Hochschulabsolventen zur Verfügung zu stellen. Im Jahr 2002 hatten die Hochschulabsolventen, die von staatseigenen Unternehmen und Institutionen angestellt waren, 63,1% aller landesweit angestellten Hochschulabsolventen ausgemacht. Dieses Jahr hat das Hauptbüro des Staatsrates die Regierungsinstitutionen, staatseigenen Unternehmen und Institutionen ermutigt, noch mehr Absolventen einzustellen.

Liu Dawei, einem Funktionär im Erziehungsministerium, zufolge sind bisher 75% der Absolventen mit einem Anstellungsvertrag in den staatseigenen Einheiten gelandet.

Absolventen werden ebenfalls ermutigt, ihre eigenen Unternehmen zu starten. Das Hauptbüro des Staatsrates hat eine Mitteilung herausgegeben, in der verlangt wird, dass alle Lokalregierungen Hochschulabsolventen bei der Gründung von Unternehmen eine Vorzugsbehandlung gewähren sollen. Unternehmen, die von Hochschulabsolventen gestartet werden, werden für ein Jahr von verschiedenen Gebühren in Bezug auf die Registrierung und Administration befreit, ausgenommen sind lediglich die vom Staat beschränkten Branchen. Lokalregierungen stellen Hochschulabsolventen ebenfalls kleine Darlehen zur Verfügung.

Das Ministerium für Arbeit und Sozialabsicherung hat ebenfalls Schulungskurse für die Gründung von kleinen Unternehmen auf der Basis der Richtlinien der Internationalen Arbeitskräfteorganisation entworfen.

Allerdings entscheiden sich nur wenige Hochschulabsolventen dafür, ein eigenes Unternehmen zu starten. „Man braucht eine Menge gesellschaftliche Erfahrungen, um ein Unternehmen zu gründen. Momentan ziehe ich einen passenden Job vor“, sagte Guo Xiaoyong.

Hochschulabsolventen, die sechs Monaten nach dem Diplom noch keine Arbeit gefunden haben, werden in den lokalen Abteilungen für Arbeit und Sozialabsicherung als arbeitslos gemeldet und in die einheitliche Verwaltung der städtischen Beschäftigung aufgenommen. Lokalregierungen können dann soziale Teilzeitbeschäftigungen mit geringer Entlohnung für sie arrangieren.

Hochschulabsolventen, die langfristig Probleme haben, einen Job zu finden, sind verpflichtet, an einem Schulungsprogramm, das vom Erziehungsministerium in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Arbeit und Sozialabsicherung und dem Ministerium für Personalangelegenheiten organisiert wird, teilzunehmen. Die Lokalregierungen kommen für die anfallenden Gebühren auf.