Universitätsabsolventen gehen zum ehrenamtlichen Einsatz nach Westchina
 

Von Tang Yuankai

Li Meiping, eine Studentin der Hochschule für Traditionelle Chinesische Medizin der Provinz Jiangxi, war die erste, die sich für das Programm „Go West“ bewarb.

Li reichte ihre Bewerbung am 12. Juni ein, nachdem sie am Morgen in der China Youth Daily über das ehrenamtliche Einsatzprogramm „Go West“ gelesen hatte. Das Programm, das vom Zentralkomitee des Chinesischen Kommunistischen Jugendverbandes (CYLC) und dem Erziehungsministerium initiiert wurde, ruft nach 5000-6000 Freiwilligen unter den neuen Hochschulabsolventen, die jährlich zum Einsatz im Rahmen der Entwicklung der westchinesischen verarmten Kreise und Kleinstädte rekrutiert werden sollen. Die Ausgewählten werden für ein bis zwei Jahre als Lehrer, Agrartechniker oder Mitarbeiter im medizinischen Bereich oder im Rahmen der Hilfe zur Armutslinderung in den ländlichen Gebieten Westchinas arbeiten. Das Programm soll die Entwicklung der westlichen Gebiete beschleunigen und die Beschäftigungskanäle für Universitätsabsolventen vermehren.

„Ganz gleich, welche Arbeit ich übernehmen werde, ob als medizinische Mitarbeiterin oder als Lehrerin, ich werde den lokalen Einwohnern mit ganzem Herzen dienen. Ich habe diese Entscheidung nach langen Überlegungen gefällt, und ich bin stolz darauf. Ich bin davon überzeugt, dass diese Aufgabe auch eine große persönliche Chance ist.“

Lis Entscheidung erregte Aufsehen unter ihren Kommilitonen. Einige verstanden sie nicht und sagten ihr, sie würde Ärger herausfordern, da der Westen des Landes für seine rauen Naturgegebenheiten, Dürren und medizinischen Mängel berüchtigt ist, Li sagte jedoch, dass sie die Realisierung ihrer eigenen Wertvorstellungen anstreben würde. „Selbstverständlich können wir angemessene Gehälter fordern und ein angenehmes Leben in den großen Städten führen, die Westgebiete brauchen uns allerdings am meisten, und es ist genau dort, wo wir unsere Fähigkeiten voll entwickeln können“, sagte sie.

Die 12 Provinzen (bzw. autonomen Gebiete und regierungsunmittelbaren Städte) im Westen sind von einer unterentwickelten Wirtschaft und einem Mangel an Fachkräften geplagt. Das „Go West“-Programm hat eine Brücke zwischen diesem Gebiet und qualifiziert ausgebildeten Menschen geschlagen.

Am Tag, nachdem Li ihre Bewerbung eingereicht hatte, folgten ihrem Beispiel drei Kommilitonen ihrer Klasse, und viele Studenten von anderen Universitäten und Hochschulen taten es ihnen gleich. Mo Feng, ein Absolvent des Medizinischen Instituts der Peking-Universität, entschied sich, sich von dem gutbezahlten Posten im Krankheitsverhütungs- und -kontrollzentrum von Shenzhen, den er vor einigen Monaten angenommen hatte, abzuwenden und sich nach Westen aufzumachen.

„Der Lebensstandard und der Standard der medizinischen Versorgung in Shenzhen sind verhältnismäßig hoch. Da das Krankheitsverhütungs- und -kontrollzentrum von Shenzhen viele Uniabgänger und Postgraduierte hat, kann ich dort keine wichtige Rolle spielen, im Westen kann ich jedoch helfen, ein Krankheitsverhütungszentrum aufzubauen, und den lokalen Einwohnern helfen, ihre veralteten Konzepte und Lebensgewohnheiten zu ändern“, sagte Mo.

Es hat unzählige Anrufe zur Erkundigung nach detaillierten Informationen seit der Eröffnung der „Go West“-Hotline der CYLC gegeben. Einige Provinzen, autonomen Gebiete und Städte haben zudem ihre eigenen Hotlines eingerichtet.

„Wir werden ehrenamtliche Mitarbeiter aussuchen, die sowohl einen guten Charakter als auch einen guten Bildungsstand haben und Engagement zeigen“, sagte Zhou Qiang, erster Sekretär des Sekretariats des Zentralkomitees der CYLC. „Das Programm ist für die Entwicklung des Bildungs- und des Gesundheitswesens sowie anderer sozialer Unternehmungen im Westen und für die Heranziehung eines Kontingents junger Berufstätiger und die Linderung des Beschäftigungsdrucks gedacht.“

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter würden zusätzlich zu den Begünstigungsmaßnahmen, die den Hochschulabsolventen vom Staat gewährt werden, eine Vorzugsbehandlung genießen. Beispielsweise erhalten sie in ihrer Einsatzzeit einen Zuschuss in Höhe von 600 Yuan pro Monat für den Lebensunterhalt (800 Yuan in Tibet) und einen Zuschuss in Höhe von 1000 Yuan pro Jahr für Transportkosten. Diejenigen, die nach Tibet und Xinjiang gehen, genießen in Übereinstimmung mit den relevanten staatlichen Richtlinien sogar noch mehr Vorzugsmaßnahmen.

Sie werden ebenfalls lebens- und unfallversichert sowie mit einer Krankenversicherung ausgestattet. Zudem wird jedem ehrenamtlichen Mitarbeiter eine ATM-Karte gewährt, mit der man in Buchläden und Geschäften einen Rabatt erhält. Außerdem können sie später, wenn sie ein weiterführendes Studium antreten oder sich für einen Posten als Staatsbeamter bewerben, eine Vorzugsbehandlung genießen.

Nach ihrem Einsatzdienst werden diejenigen, die für ein Jahr gearbeitet haben, mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet werden, wohingegen diejenigen, die zwei Jahre Arbeit geleistet haben, mit einer Silbermedaille belohnt werden. Herausragende Mitarbeiter werden mit einer Goldmedaille geehrt, und denjenigen, die Beiträge für arme Gebiete geleistet haben, werden Preise verliehen.

Etwa 100 Kreise in den 12 Provinzen Westchinas werden von dem Programm profitieren. Die Zentralregierung und die Lokalregierungen haben Sonderabteilungen eingerichtet, die für diese Arbeit verantwortlich sind, um einen reibungslosen Fortschritt zu gewährleisten.

Es gibt 32 000 Positionen, die auf ehrenamtliche Mitarbeiter warten, darunter 3200 in Xinjiang. Lehrerposten machen 35% aus, die für medizinische Mitarbeiter 30% und die für Agrartechniker, Unternehmensmanager und diejenigen, die in neuen Produkten engagiert sind, den Rest.

Lokalregierungen, die der Ankunft der Absolventen freudig entgegen sehen, beschleunigen ihre Vorbereitungsarbeiten. Der ehrenamtliche Einsatz wird Ende August und Anfang September beginnen.