Die Gunst des Glücks suchen
 
Von Feng Jing

Ein Glücksstern im trostlosen Beschäftigungsmarkt: Wu Hong, die gerade ihr Studium der Finanzwirtschaft an der Chinesischen Volksuniversität abgeschlossen hat, ist von ihren Kommilitonen infolge guter Vorstellungsgespräche mit den vier Spitzenwirtschaftsprüfungsfirmen der Welt mit dem Spitznamen „die stets Siegreiche“ versehen worden.

Wu ist eine viel Beneidete unter ihren Kommilitonen, die alle unter einem bisher beispiellosen Druck, eine Anstellung zu finden, stehen. Dieses Jahr wird Zeuge des ersten Hochs an Uniabsolventen, seit Chinas Institutionen der Höheren Bildung 1999 die Studentenaufnahmezahl aufstockten. Dieses Jahr haben 2,12 Mio. Studenten ihren Abschluss gemacht. Zudem hat der Ausbruch von SARS die Schwierigkeiten bei der Jobsuche noch weiter verschlimmert. Anfang Juni hatten 50% der Absolventen immer noch keinen Erfolg bei der Arbeitssuche.

Vor dem Hintergrund der ungünstigen Beschäftigungssituation der Absolventen zeigen einige Unis und Hauptfächer allerdings ein anderes Bild. Die Nachfrage nach herausragenden Absolventen mit höheren akademischen Abschlüssen und nach denjenigen von namhaften Hochschulen und gefragten Hauptfächern sei in den letzten Jahren im Anstieg begriffen gewesen, sagte Wei Shanwei, ein Angestellter des Büros für Studentenangelegenheiten des Finanz- und Währungsinstituts der Chinesischen Volksuniversität.

„Studenten dieser Kategorien haben weniger Probleme, die Erwartungen ihrer Jobs zu erfüllen“, sagte Wei.

Ein Forschungsbericht über die für Hochschulabsolventen in Beijing zur Verfügung stehenden Jobs, der vom Personalbüro der Stadt veröffentlicht wurde, spiegelt Weis Bemerkungen wider. Der Bericht zeigte, dass die Hauptstadt in diesem Jahr 40 567 freie Posten für Hochschulabsolventen hatte, ein Plus von 6% gegenüber dem vorhergehenden Jahr. Erhältliche Posten für Postgraduierte zeigten einen leichten Anstieg von 3% auf 7289, was 18% aller Posten ausmachte. Freie Stellen für B.A.-Absolventen beliefen sich auf insgesamt 27 363, was sich praktisch mit dem Jahr zuvor die Waage hielt, ihr Anteil am Gesamtbetrag fiel jedoch um 5%.

Die größte Nachfrage bestand nach Ingenieuren, gefolgt von Absolventen in Ökonomie, Literatur, Medizin, Naturwissenschaften, Jura, Pädagogik, Agronomie, Geschichte und Philosophie. Abgänger der Ingenieurwissenschaften hatten 16 505 Jobgelegenheiten zur Auswahl, 41% aller, gefolgt von den Wirtschaftsabsolventen, die 16% aller Arbeitsplatzchancen hatte. Die 10 populärsten Fachgebiete – Computerwissenschaft und -anwendung, Englisch, Klinische Medizin, Marketing, Ökonomie, Computer-Software, Mathematik, Krankenpflege, Businessmanagement und Industrie- und Zivilbau – machen 24% aller freien Stellen aus.

Da sie an einer namhaften Hochschule in einem gefragten Fach ihren Abschluss gemacht hatten, wurden die Absolventen des Finanz- und Währungsinstituts der Chinesischen Volksuniversität von vielen Unternehmen willkommen geheißen. Dieses Jahr hatte das Institut 191 Studenten, die ihr Studium beendeten. Außer etwa 20 von ihnen, die einen weiterführenden Master-Abschluss machen, zum weiteren Studium ins Ausland gehen oder sich als Freiberufler versuchen wollen, hatten nur zwei der Absolventen Mitte Juni noch keinen Anstellungsvertrag unterzeichnet.

Im Vergleich dazu haben Absolventen der Geschichte und Philosophie der Chinesischen Volksuniversität es hart befunden, sich einen Arbeitsplatz zu sichern. Ein Fakultätsmitglied, das anonym bleiben möchte, sagte zu Beijing Rundschau, dass nur 60% der Geschichtsabsolventen und 80% der Philosophieabsolventen der Uni Mitte Juni einen Anstellungsvertrag unterzeichnet hätten.

Gegenwärtig bildet die Beschäftigung einen großen Druck sowohl auf die Absolventen als auch auf ihre Hochschulen. Die meisten Unis lehnen es ab, die Beschäftigungsquote ihrer Absolventen zu veröffentlichen, und tun sie als einen „irrationalen“ Index ab. Die Beschäftigung sei kompliziert und involviere verschiedene Faktoren, sagten Professoren. Wenn der Anteil der Absolventen, die sich entschieden, einen Master-Abschluss zu machen, im Ausland weiter zu studieren oder ein eigenes Unternehmen zu starten, hoch sei, würde die Beschäftigungsquote einer Hochschule oder Uni niedrig sein, da sie nur die Anzahl der Absolventen, die durch traditionelle Mittel angestellt worden seien, widerspiegele.

Geschlechterdisparität ist im Kampf um einen Arbeitplatz ebenfalls nicht zu leugnen. Viele Absolventinnen sagten, ihre Bewerbungen seien unter dem Vorwand „lieber Männer“ auf höfliche, aber entschiedene Ablehnungen gestoßen.

„ Es sei denn, dass wir in allen Bereichen den männlichen Konkurrenten weitaus überlegen sind, sonst haben wir keine Chance, die Schlacht zu gewinnen“, beklagte sich eine Absolventin des Beijinger Technologie-Instituts.