Nicht nur Versprechen
 

Freihandelsabkommen garantiert „ein Land, zwei Systeme“

Ist die Vereinbarung über eine engere Wirtschaftspartnerschaft oder kurz CEPA ( Closer Economic Partnership Arrangement) eine leere Geste der Zentralregierung, um der Sonderverwaltungszone Hong Kong Fürsorge zu garantieren oder bedeutet sie tatsächliche Veränderungen für die Handelsbeziehungen?

Lu Jinyong, Direktor des Chinesischen Forschungszentrums für ausländische Direktinvestitionen der Universität für Internationales Business und Wirtschaft, stand vor kurzem Beijing Rundschau-Reporter Ni Yanshuo für ein Exklusivinterview, in dem er seine Ansichten über die CEPA und die Zukunft des Handels zwischen Hong Kong und dem Festland mitteilte, Rede und Antwort.

Frage: Wie begreifen Sie die CEAP?

Antwort: Meiner Ansicht nach funktioniert die CEPA wie ein Freihandelsabkommen. Der einzige Unterschied zwischen ihnen ist, dass eine Freihandelszone verschiedene Länder umfasst, während die CEPA ein Abkommen im Rahmen „ein Land, zwei Systeme“ ist. Hong Kong, eine Chinas Sonderverwaltungszonen, ist gegenwärtig in einer schwierigen Situation, da es die ostasiatische Finanzkrise und den Ausbruch von SARS zu verkraften hatte, und sucht jetzt alle möglichen Maßnahmen, um die Schwierigkeiten zu überwinden. Gleichzeitig möchte die Zentralregierung Hong Kong ebenfalls eine Hand reichen, um ihm zu helfen, aus der Sackgasse herauszukommen. Die beiden Seiten begannen im Jahr 2001 mit ihren Verhandlungen und unterzeichneten die Vereinbarung am 20. Juni 2003. Ich bin davon überzeugt, dass die CEPA ein neues Kapitel in der Kooperation zwischen Hong Kong und dem Festland aufschlagen wird. Im Laufe der Zeit werden Klauseln in der CEPA weiter modifiziert werden und die beiden Seiten werden weiter Zusammenarbeit haben. Das Festland und Hong Kong werden schließlich wirtschaftlich integriert sein.

F: Wie wird die CEPA Hong Kong zugute kommen?

A: Lassen Sie uns zuerst die wirtschaftliche Struktur Hong Kongs analysieren. Hong Kong ist eine internationale Metropole und hat fast keine Landwirtschaft. Seine Herstellungsindustrie hat in den letzten Jahren nur etwa 5% seines BIPs ausgemacht. Seine größte als auch seine blühendste Branche sind die Dienstleistungen, die mehr als 90% zu seinem BIP beitragen.

Ich denke nicht, dass Hong Kongs Herstellungsindustrie viel von der CEPA profitieren wird, und zwar aus zwei Gründen: 1. Hong Kongs Produktionsbranche ist hauptsächlich auf die Leichtindustrie spezialisiert wie die Herstellung von Bekleidung, Uhren, Spielzeug und Papier. Allerdings gibt es unzählige solche Unternehmen auf dem Festland und einige sind im Vergleich von besserer Qualität. Außerdem sind viele von Hong Kongs Herstellungsunternehmen inzwischen bereits ins Perlflussdelta gezogen und haben sich dort gut entwickelt. 2. Hong Kong fehlt es an High-Tech-Herstellungsunternehmen. Dies wird die Wettbewerbsfähigkeit seiner Produkte ebenfalls schwächen. Es ist nicht einfach für Hong Kongs Herstellungsunternehmen Eintritt auf das chinesische Festland zu erhalten.

Die Dienstleistungsbranche ist Hong Kongs Säulenindustrie, die jedes Jahr mehr als 90% zu seinem BIP beiträgt. Aufgrund dessen hat Hong Kong seine Kampagne des wirtschaftlichen Übergangs vorgebracht und besonderes Gewicht auf den Dienstleistungssektor gelegt. Ein Beweis dafür ist, dass viele Herstellungsunternehmen in den letzten Jahren in das Perlflussdelta gezogen sind. Das Festland hat seinen Dienstleistungssektor für Hong Kong vor dem Termin, der im Rahmen seines WTO-Beitritts festgelegt wurde, zugänglich gemacht, womit der Sonderverwaltungszone ein Vorsprung gegeben wird, sich des großen Marktes früher als andere Länder und Regionen zu erfreuen.

Die CEPA umfasst drei Bereiche: Handel mit Waren, den Dienstleistungshandel und Handels- und Investmenteinrichtungen. In der Tat sind Letztgenannte die Basis der ganzen Vereinbarung. Nach der Implementierung der CEPA können Hong Konger Unternehmen einfacher Zweigstellen auf dem Festland eröffnen und mehr Fachkräfte können auf dem Festland eingestellt werden. Dies ist ebenfalls eine gute Gelegenheit für Unternehmen auf dem Festland, um ihr Business zu fördern und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

F: Lassen Sie uns mehr in Detail gehen. Wie sehr wird Hong Kongs Schmuckherstellungsbranche von der CEPA profitieren?

A: Offen gesagt glaube ich nicht, dass dieser Branche viel geholfen werden wird. Erstens ist der Wunsch der Menschen auf dem Festland, Schmuck zu kaufen, geschwunden, da sie jetzt weitaus rationaler konsumieren. Zweitens hat das Festland bereits einen gesättigten Schmuckmarkt, da viele Schmuckunternehmen aus Hong Kong wie Chou Tai Fook, Chow Sang Sang und Tse Sui Luen seit langem ihre Geschäfte dort etabliert haben. Drittens nehmen lokale als auch ausländische Schmuckhersteller auf dem Festland ebenfalls einen gewissen Marktanteil ein. Daher wird die CEPA Hong Kongs Schmuckbranche nicht sehr ankurbeln.

F: Einige Stimmen sagen, dass die CEPA lediglich eine leere Geste der Zentralregierung sei, um ihre Fürsorge für Hong Kongs Wirtschaft zu zeigen, und dass sie die Wirtschaft der SVZ nicht bedeutend ankurbeln werde. Wie lautet Ihre diesbezügliche Meinung?

A: Kurzfristig gesehen stimmt dies. Die CEPA kann Hong Kong lediglich helfen, jedes Jahr Zollabgaben in Höhe von etwa 750 Mio. HK$ (96 Mio. US$) zu sparen, was nur 0,4% zu seinem BIP beiträgt, und jedes Jahr etwa 10 000 Beschäftigungsgelegenheiten zu schaffen. Von diesen Zahlen lassen sich keine großen Vorteile der CEPA ablesen.

Langfristig gesehen kann die Hilfe der CEPA für Hong Kong allerdings nicht nur einfach anhand dieser Zahlen gesehen werden. Erstens zeigt die CEPA die Entschlossenheit der Zentralregierung, Hong Kong zu helfen, seine gegenwärtigen Schwierigkeiten zu lösen. Dies kann den Hong Konger großes Vertrauen in die zukünftige Prosperität schenken. Zweitens wird sie die wirtschaftliche Kooperation im Perlflussdelta, insbesondere zwischen Hong Kong und der Provinz Guangdong, beschleunigen.

Mit einer Bevölkerung von über 70 Mio. Menschen, das 10fache der Bevölkerung von Hong Kong, wird Guangdong als ein starkes Rückgrat für Hong Kongs wirtschaftliche Entwicklung dienen. In der Zukunft könnte die Zusammenarbeit über das Perlflussdelta hinausgehen und das Jangtse-Delta und sogar das ganze chinesische Festland umfassen. Macaos höchster Finanzbeamter Francis Tam Pak Yuen fuhr am 19. Juni nach Beijing, um Gespräche mit Funktionären des Handelsministeriums über eine Vereinbarung der engeren wirtschaftlichen Kooperation zwischen dem Festland und Macao zu führen. Dies bedeutet, dass diese Vorzugsbehandlung sich auf Macao ausweiten könnte.

F: Welche Arbeit gilt es nach der Unterzeichnung der CEPA zu erledigen?

A: Ich denke sie (Hong Kong und das Festland) sollten ihre Makrokontrolle verstärken. Guangdong, wo die Provinzregierung ihre Industriearrangements unter verschiedenen Städten entwirft, zeigt in dieser Hinsicht gute Leistungen. Wenn die CEPA in Kraft tritt, sollte eine derartige Makrokontrolle im ganzen Perlflussdelta praktiziert werden. Hong Kong wird in das Perlflussdelta integriert werden und sich gemeinsam mit anderen Städten in dieser Region entwickeln.