Eine Spritze in den Arm
 

Die CEPA kann Hong Kong von großer Hilfe sein, während dessen Wirtschaft durch eine beschwerliche Übergangsperiode geht.

Von Ba Shuhsong

(Der Autor ist Direktor des Wertpapierverbands Chinas Strategischen Entwicklungskomitees.)

Hong Kongs Wirtschaft geht durch ihren dritten beschwerlichen Übergang und die steigende Arbeitslosenquote zusammen mit den trostlosen wirtschaftlichen Aussichten, trotz der Verjüngungsbemühungen der Region, drohen, die Hong Konger Bewohner ihres Vertrauens zu berauben.

Verglichen mit Asiens anderen „drei Tigern“ – Singapur, Chinas Taiwan und der Republik Korea (ROK) – mag Hong Kong mit dem enormen Markt des chinesischen Festlandes als seinem Sicherheitsnetz und Wachstumsmotor wohl relativ gesegnet sein. Um diese Beziehung zu stärken, hat Hong Kong vorgeschlagen, dass die Region und das Festland die Vereinbarung über die engere Wirtschaftspartnerschaft (Closer Economic Partnership Arrangement, CEPA) eingehen sollten.

In seiner jüngeren Vergangenheit hat Hong Kong zwei wichtige Sprünge in seiner wirtschaftlichen Entwicklung gemacht. Der Erste fand während der 1950er statt, als Hong Kong sich von einem Handelsumschlaghafen zu einer Herstellungsbasis, angetrieben von der Leicht- und der Textilindustrie, entwickelte. Der zweite Sprung begann in den 1970ern, als Herstellungsunternehmen von Hong Kong auf das chinesische Festland zogen, womit Raum für eine rapide Entwicklung des Dienstleistungssektors der Region, einschließlich der Immobilien- und der Finanzbranche, geschaffen wurde.

Die CEPA wird hoffentlich als eine wirtschaftliche Spritze in den Arm fungieren, die Hong Kong durch seinen dritten historischen Sprung nach vorne treiben und der Metropole erlauben wird, sich zu einem Dienstleistungszentrum mit hoher Wertschöpfung zu entwickeln. Im Rahmen der Vereinbarung wird das Festland ab dem 1. Januar 2004 Tarife für 273 Warenposten Hong Konger Herkunft abschaffen. Diese Warentypen machen 60% Hong Kongs Exporte aufs Festland aus.

Das Festland hat sich ebenfalls einverstanden erklärt, ab dem 1. Januar 2006 Tarife auf alle Waren Made in Hong Kong aufzuheben. Die Vereinbarung wird 17 Sektoren auf dem Festland, einschließlich des Banken- und Finanzservices, zugänglich machen.

Da der Transithandel eine wesentliche Rolle in der Wirtschaft spielt, ist Hong Kong von dem internationalen Wirtschaftstief nicht verschont geblieben. Daher hat die anhaltende weltwirtschaftliche Rezession Hong Kong dazu getrieben, sich mehr dem Festlandmarkt zuzuwenden.

Gegenwärtig werden etwa 40% der Festlandwaren von Hong Kong reexportiert. Der Exportwert machte weniger als 40% Hong Kongs BIP in den 1960ern aus, stieg in den 1990ern jedoch steil auf über 100% an.

Da China mittlerweile jedoch der Welthandelsorganisation (WTO) beigetreten ist, ist Hong Kong dabei, seinen Job als Transithafen zu verlieren.

Darüber hinaus würden die Waren, die über Hong Kong reexportiert werden, ebenfalls im Abstieg begriffen sein. In der Vergangenheit waren die Unternehmen mit Auslandskapital, aufgrund der praktischen Exportlage, in der Regel in Südchina gelegen. Jetzt, wo es ihnen erlaubt ist, mehr Produkte auf dem Festland zu verkaufen, sind sie in andere Orte gezogen, die näher zur Rohmaterialversorgung liegen, wie das östliche Jangtse-Delta, das Shanghai, Jiangsu und Zhejiang abdeckt.

Im Rahmen der WTO-Voraussetzungen würden die Verbindungen im Handel, der Post, der Luft- und Schifftransportservices (die drei direkten Verbindungen) zwischen dem chinesischen Festland und Taiwan, ebenfalls beschleunigt werden. Da direkter Handel über die Taiwan-Straße 25% weniger Kosten als der Handel über Hong Kong bedeuten würde, würde dies ein weiterer wirtschaftlicher Schlag für Hong Kong sein.

Als Zwischenlandungsplatz für Auslandsinvestment auf dessen Weg auf das chinesische Festland hat Hong Kong sich ganz selbstverständlich in ein weltbekanntes Finanzzentrum gewandelt. In den letzten Jahren ist Hong Kongs Kapazität, ausländische Fonds aufzubringen, allerdings dramatisch im Nachlassen begriffen gewesen. Sein Finanzsektor muss einen neuen Motor suchen.

Und schließlich haben die Seifenblasen des Immobilien- und des Aktienmarktes, die sich in den letzten Jahren in Hong Kongs rapider Entwicklung entwickelt haben, die Managementkosten von Land- und menschlichen Ressourcen angehoben. Als die Wirtschaft einen Abwärtstrend verzeichnete, tauchten Missstände auf und forderten Hong Kongs Konkurrenzfähigkeit heraus.

Hong Kongs dritter wirtschaftlicher Übergang ist ein Echo Chinas Beitritts zur WTO, der beispiellose Herausforderungen sowie enorme Gelegenheiten anbietet.

Seit den 1980ern hat Hong Kong eine wichtige Rolle im Rahmen der Öffnung des Festlands nach außen gespielt. Nach seiner Rückkehr zum chinesischen Mutterland 1997 waren die beiden Wirtschaften dazu bestimmt, sich zu integrieren.

Im allgemeinen ist Hong Kong in Bereichen, in denen das Festland schwach ist, stark, was viel Raum für Kooperation schafft. Die CEPA wird in diesem Sinn Hong Kongs Wirtschaftswachstum fördern.

Erstens. Im Rahmen der CEPA werden einige Waren zum Nulltarif auf das chinesische Festland gelangen, was Hong Kong in die Lage versetzen wird, aus seinem Kapital, seinen Informationen, seinen Handelskonzepten und seiner Technologie in Kombination mit der wissenschaftlichen Forschung und den menschlichen Ressourcen des Festlandes Vorteile zu ziehen, um neu auftauchende Industriebranchen und Produkte mit hoher Wertschöpfung zu entwickeln.

Einige Industrien wie die Schmuck- und Uhrenbranche in der Hong Kong eine dominierende Position beibehält, werden neuen Fortschritt machen. Viele Branchen mit hoher Wertschöpfung werden ebenfalls in der Lage sein, in den Festlandmarkt einzudringen.

Zweitens. Die Vereinbarung wird Sektoren auf dem Festland zugänglich machen, darunter die Banken- und die Finanzservices, wodurch Hong Konger Firmen größerer Zugang zu dem rapide wachsenden und lukrativen Markt gegeben wird.

In der Tat wird Hong Kongs diesmaliger Vorsprung vor seinen Rivalen angesichts der nachlassenden Rolle des Dienstleistungssektors im lokalen Markt die Metropole in die Lage versetzen, schnell einen Halt in dem Multimilliarden Dollar- Festlandmarkt zu finden.

Auf der anderen Seite wird das Festland, während es sich weiter nach außen öffnet und mit dem Weltmarkt integriert, Zuflucht bei Hong Kong suchen, um Kapital und Informationen zu erhalten und sich den Märkten in Übersee zu öffnen. Hong Kongs einzigartige Rolle sowohl geografisch als auch kulturell wird gestärkt, nicht geschwächt werden.

Im Zuge des Beitritts zur WTO braucht das Festland dringend Kapital, Fachkräfte und Informationen von Branchen wie Finanzen, Telekommunikation, Versicherung und Wirtschaftsprüfung. Die Hong Konger Geschäftswelt ist reich an diesen Ressourcen.

Drittens. Aufgrund von Marktzugangsbeschränkungen und aus Vorsicht sehen einige ausländische Investoren noch davon ab, in den Festlandsmarkt einzusteigen. Hong Kong mit seinen starken Seiten der Verbindungen, Geografie und Kultur ist jedoch ein idealer Partner für Geschäftsleute aus Übersee. Hong Kong wird seine unersetzbaren langfristigen Vorteile in den Bereichen Finanzen, Informationen, Handel und Transport aufrechterhalten.

Viertens. Der Umzug von Hong Konger Firmen nach Norden wird ausländische Investoren davon abhalten, die Sonderverwaltungszone zu verlassen. Auch wenn das Festland ein riesiges Marktpotential hat, ist Hong Kong was die Dienstleistungen und das Rechtssystem anbelangt von ausgezeichneter Qualität. Firmen, die nach Norden ziehen, können ihre Geschäfte auf dem Festland expandieren, während sie Ratschläge für strategische Entscheidungen in Hong Kong ersuchen können. Daher ist es unwahrscheinlich, dass ausländische Unternehmen, insbesondere Multis, ihre Hauptniederlassungen von Hong Kong auf das Festland verlegen werden.

Die CEPA zielt darauf ab, Hong Kongs gegenwärtigen wirtschaftlichen Übergang zu erleichtern. Ob sie zum besten Nutzen eingesetzt werden wird, hängt von Hong Kongs eigenen Bemühungen ab.