ABF – Ein neuer Schritt der asiatischen Wirtschaftskooperation
 

Von Kuang Ji

Nach der asiatischen Finanzkrise 1997-98 begannen asiatische Länder nach neuen Wegen für die regionale Währungs- und Finanzkooperation zu suchen, um ihre Wirtschaften vor externen Einflüssen zu schützen. Ein wesentlicher Teil dieses neuen Trends ist der Start des Asiatischen Anleihenfonds (Asia Bond Fund, ABF), der offiziell in der Chiang Mai-Erklärung vom 22. Juni verkündet wurde.

Die Erklärung, die auf dem zweiten Ministertreffen des Forums des Asiatischen Kooperationsdialogs veröffentlicht wurde, zeigte den Konsens der 18 Mitglieder hinsichtlich der Entwicklung des asiatischen Anleihenmarktes, wodurch das Vertrauen in den ABF, der Anfang Juni durch das Manager-Treffen der Ostasiatisch-Pazifischen-Zentralbankgruppe gestartet worden war, gestärkt wurde.

„Wir haben unseren Reichtum niemals durch Festanlagen oder Schuldinstrumente des Westens übereignet. Ganz im Gegenteil, diese Reserven wurden genutzt, um der westlichen Hemisphäre mehr Reichtum hinzuzufügen. Manchmal seien sie zu Darlehen geworden, die uns vom Westen gegeben wurden, selbst wenn sie von unserem eigenen Geld abgezweigt wurden, sagte der thailändische Premierminister Thaksin Shinawatra auf der Abschlusssitzung des Ministertreffens.

Die Erklärung ruft zur Förderung des asiatischen Anleihenmarktes auf, indem die Steuereinkünfte, Gesetze, Kreditgarantien und -einstufungen, Tilgungs- und Zahlungssysteme und das Währungsaufsichtssystem der regionalen Wirtschaften verbessert und integriert werden.

Sie ermutigt die Mitgliedsländer auch dazu, Wertpapiere in asiatischen Währungen zu emittieren, regionales Direktinvestment zu fördern und eine Vielfalt von Finanzmodi zu verwirklichen.

Shinawatra betonte, dass Asien versuchen müsse, seine eigenen Vermögenswerte, Ressourcen und Stärken auf eine solche Weise zu managen, dass die Schaffung von asiatischen Finanzinstrumenten der Region am besten dienen würde.

Chen Yulu, Präsident des Finanzinstitutes der Chinesischen Volksuniversität, sagte, dass die Chiang Mai-Erklärung ein Dokument der Unabhängigkeit für Asiens Finanzen sei. Chen äußerte, dass der ABF nicht nur die regionalen Währungsgewinne sichern würde, sondern auch die politische Position der asiatischen Wirtschaften in der internationalen Finanzarena verbessern und die Kooperation unter den asiatischen Ländern stärken würde.

Der Fonds, mit einer Anfangsgröße von etwa 1 Mrd. US$, soll staatlich garantierte und halbamtliche US-Dollar-Wertpapiere erwerben, die von jedem Forumsmitglieder, außer Japan, Australien und Neuseeland herausgegeben wurden. Auch wenn der Fonds klein sein mag, sind seine Aussichten für die Entwicklung vielversprechend, angesichts der Tatsache, dass Asien etwa zwei Drittel der globalen Devisenreserven hat.

Der Start des ABF ist der erste Schritt auf den Aufbau einer regionalen Währungsunion hin. Viele Wirtschaftsexperten sagten jedoch, dass es noch zu früh sei, um über eine regionale Währungsunion zu sprechen. Der ABF wird sich wahrscheinlich in einen asiatischen Währungsfonds entwickeln, der vor Jahren von Japan vorgeschlagen worden war. Die meisten chinesischen Wirtschaftsexperten stimmen über die Notwendigkeit eines regionalen Währungsfonds überein, haben jedoch unterschiedliche Meinung über den diesbezüglichen Zeitplan.

Die große Kluft zwischen den asiatischen Wirtschaften werde zu Meinungsverschiedenheiten über die Entwicklungsziele führen, sagte Chen. Fortschritt verlangt, dass der Wertpapierfonds zunächst eine Kerngruppe formt, um den Wertpapiermarkt zu konsolidieren. Dann würde der asiatische Wertpapiermarkt sich letztendlich von einem US-Dollar-Wertpapiermarkt in einen Wertpapiermarkt lokaler Währungen entwickeln, sagte er. Es werde unvermeidlich zu einigen Streitigkeiten unter den asiatischen Ländern kommen, insbesondere was eine zukünftige regionale Einheitswährung anbelange, so Chen. Falls Asien dem Beispiel der EU folge, was erwartet werde, um einen asiatischen Währungskorb zu starten, so Chen, dann würde dieses Vorgehen mit einer hitzigen Debatte über das Gewicht der einzelnen Währungen in der einheitlichen Währung hervorrufen.

Die Entwicklung des Fondsmarktes erfordere die Einheit der asiatischen Länder, so China. Japan ist in die Fußstapfen der US-Führung getreten, um China zu drängen, den RMB aufzuwerten, was Chinas Wirtschaftswachstum stark beeinträchtigen und letztendlich Auswirkungen auf den regionalen Handel haben würde. Auch wenn die Aufwertung des RMB ein Entwicklungstrend sei, so Chen, sei es unmöglich für die chinesische Regierung, den Wert des RMB in der nahen Zukunft zu verbessern, da die Aufwertung des Japanischen Yen zu Japans seit 13 Jahren anhaltender Wirtschaftsstagnation und sogar zu einer Rezession geführt habe.

Was den Einfluss des ABF auf Chinas Währungspolitik anbelangt, so sagte Chen, dass der ABF China antreiben würde, die Konvertibilität des RMB zu beschleunigen. Er äußerte, die Konvertibilität des RMB könnte noch im Vorfeld der Olympischen Spiele 2008 verwirklicht werden. Der Fonds verlangt von China auch, seine Wechselkurs- und Zinssatzpolitik mit anderen asiatischen Ländern zu koordinieren. Allerdings, so Chen, sollte Chinas Währungs-, Finanz- und Handelspolitik der wirtschaftlichen Entwicklung Priorität einräumen, was eine günstige Hauptbedingung für die asiatische Finanzkooperation sei.