Der Bund: Fruchtbarer Boden für Privatunternehmer
 

Von Liao Fanbin

Wie bei allen Dingen gibt es auch in der Wirtschaft Auf und Abs. Dies trifft ebenfalls auf die Privatwirtschaft in Shanghai zu. Während eine Anzahl der mächtigsten Bauunternehmer in diesen Tagen aufgrund der Straffung der Kreditpolitik der Zentralbank und der Ermittlungen über die Finanzgeschäfte ihrer Firmen in Schwierigkeiten sein könnten, verdient die Stadtregierung Anerkennung dafür, dass sie Privatunternehmen erlaubt hat, sich in den letzten Jahren so eifrig zu entwickeln.

Der jüngste Fall einiger weniger Bauunternehmer kann den Privatunternehmen lediglich helfen, von den städtischen Behörden Zugang zu einer gesünderen Rechtsumgebung und besseren Dienstleistungen zu erhalten.

Seit 1998 hat die Shanghaier Stadtregierung eine Reihe von Richtlinien formuliert, um die Entwicklung der Privatunternehmen anzukurbeln. Die industrielle und kommerzielle Administration, die Steuer- und Finanzbehörden und der Zoll haben zusammengearbeitet, um Unternehmen mit Qualitätsservice zu versorgen.

Der Städtebau, die Bildungsinstitutionen und die Krankenhäuser werden allmählich für Auslandsinvestment zugänglich gemacht. Shanghais Anzahl von Privatunternehmen und privaten Außenhandelsunternehmen rangiert auf Platz eins im Land, und die Unternehmen in Shanghai erhalten mehr Kredite als diejenigen in jeglicher anderen Stadt in China.

Steigende Anteile

Statistiken der Shanghaier Industrie- und Handelsverwaltung zeigten, dass es im Jahr 2002 durchschnittlich 185 neue Privatunternehmen pro Tag gab. Ende des Jahres hatte die Gesamtanzahl 225 000 erreicht, ein Plus von 27,4% gegenüber dem Jahr 2001; sie machten 52% aller Unternehmen Shanghais aus und belegten landesweit Platz eins. Ende Februar dieses Jahres hatte die Anzahl der Privatunternehmen in nur zwei Monaten 236 700 erreicht.

Die Privatwirtschaft ist weiter expandiert, und ihre Stärke hat zugenommen. Im Jahr 2002 belief sich das gesamte eingetragene Kapital auf 272,6 Mrd. Yuan, ein Plus von 46,4% gegenüber dem vorhergehenden Jahr. Das eingetragene Kapital jedes Unternehmens belief sich auf durchschnittlich 1,21 Mio. Yuan, ein Plus von 14,9%. Es gab 4148 Firmen mit jeweils einem eingetragenen Kapital von 10 Mio. Yuan oder mehr, und 182 davon hatten ein eingetragenes Kapital in Höhe von 100 Mio. Yuan oder mehr, ein Plus von 61% bzw. 85,7% im Vergleich zu 2001. Die Shanghaier Maosheng Development (Group) Co. Ltd. brach mit einem eingetragenen Kapital von 1 Mrd. Yuan den Rekord in Sachen Umfang eines Privatunternehmens.

Im Jahr 2002 belief sich das Produktions- und Absatzvolumen der Privatwirtschaft in Shanghai auf insgesamt 331,17 Mrd. Yuan, ein Plus von 20% gegenüber dem vorhergehenden Jahr. Der Zusatzwert des ganzen Jahres belief sich schätzungsweise auf 59,7 Mrd. Yuan, ein Plus von 43,5% gegenüber 2001 und machte 11,1% des BIPs der Stadt aus. Der gesamte Einzelhandelsabsatz der Privatunternehmen, der einzelnen industriellen und kommerziellen Haushalte und der Unternehmen mit Auslandskapital ging über 100 Mrd. Yuan hinaus, wobei der Anteil der nichtstaatlichen Wirtschaften am gesamten Einzelhandelsabsatz zum ersten Mal über 50% betrug. Im Jahr 2001 rangierte die Shanghai Guomei Electric Appliances Co. Ltd. mit einem Absatzvolumen von 1,24 Mrd. Yuan auf Platz 83 unter Shanghais 100 Spitzenunternehmen, womit sie das erste Privatunternehmen war, das sich unter die 100 Spitzen-Unternehmen der Stadt einreihte.

Statistiken Shanghais Steuerbehörden zeigen, dass im Jahr 2002 mehr als 220 000 Privatunternehmen insgesamt Steuern in Höhe von 15,58 Mio. Yuan zahlten, jedes Unternehmen im Durchschnitt 70 000 Yuan, was ein Plus von 57,2% und höher als die Steuersumme der Unternehmen in anderen Eigentumsformen war. Der Anteil der Steuern, die von den Privatunternehmen gezahlt wurden, an den Gesamtsteuern der Stadt stieg von 9,1% im Jahr 2001 auf 10,8% im Jahr 2002 an, ein Anstieg um 1,7 Prozentpunkte.

Der Privatsektor ist eine Hauptkraft, was die Beschäftigung und die Wiederbeschäftigung in der Stadt anbelangt. Ende 2002 hat die Anzahl der Angestellten der Privatunternehmen 2,51 Mio. erreicht, eine Zunahme von 26,7% gegenüber dem vorhergehenden Jahr. Ein Drittel aller Angestellten in Shanghai arbeitet momentan in Privatunternehmen.

Nichtstaatliches Kapital von anderen Provinzen ist in Shanghai eingetreten. Im Jahr 2002 ließen sich etwa 75 093 Privatunternehmen hier nieder, um in die Stadt zu investieren, was ein Drittel aller Privatunternehmen Shanghais war. Ihr registriertes Kapital belief sich auf fast 100 Mrd. Yuan, was 40% des diesbezüglichen Gesamtbetrages Shanghais Privatunternehmen war.

Experten sagten voraus, dass der Zusatzwert Shanghais Privatwirtschaft jährlich mit einer durchschnittlichen Jahresrate von 15% wachsen werde. Im Jahr 2005 soll das BIP, das von der Privatwirtschaft geschaffen werden wird, 20% des Shanghais ausmachen, und die Steuern, die sie an den Staat gezahlt hat, sollen jährlich um 30% ansteigen und im Jahr 2005 über 16 Mrd. Yuan hinausgehen.

Mehr Bereiche abdecken

Zusätzlich zu den traditionellen Dienstleistungssektoren sind Shanghais Privatunternehmen weitgehend in die Sektoren Immobilien, Vermittlung, Konferenzen und Ausstellungen, Tourismus, Logistik, ökologische Landwirtschaft, Film- und Fernsehprogrammproduktion und Ladenketten gegangen. Einige haben begonnen, in wesentliche Infrastruktureinrichtungen und Schlüsselindustrien zu investieren.

Privatunternehmen haben beträchtlich in die Stadt investiert. Die Shanghai Junyao Group Co. Ltd. besitzt 18% der Aktien der Wuhan-Branche der China Eastern Airlines; die Shanghai Fuxi Investment Co. Ltd. gab 3,21 Mrd. Yuan aus, um 99,35% der Anteile des Shanghai-Abschnittes der Autobahn Shanghai-Hangzhou zu erwerben; und die Shanghai Huasheng Investment Co. Ltd. setzte 1 Mrd. Yuan in den Aufbau eines nordwestlichen Logistikstützpunktes in einer lokalen Entwicklungszone ein.

Die Shanghaier Stadtregierung ermutigt und unterstützt die Entwicklung von wissenschaftlichen und technologischen Privatunternehmen. Im Jahr 2002 übertraf die Anzahl der nichtstaatlichen wissenschaftlichen und technologischen Unternehmen und Institutionen 16 000 und machte 98% der Gesamtzahl der Stadt aus, darunter wurden 312 als High-Tech-Unternehmen bezeichnet. Dies war ein Anstieg um 58,4% im Vergleich zur gleichen Periode des Jahres 2001.

Exportrechte erhalten

Die Gewährung von gleichen Außenhandelsrechten an Unternehmen verschiedener Eigentümerschaft war eine der Hauptaufgaben, die von der Shanghaier Stadtregierung nach Chinas WTO-Beitritt angegangen wurde. Der Export von Privatunternehmen war zuvor von Außenhandelsfirmen abhängig. Mit den Exportrechten können sie jetzt direkt mit ausländischen Kunden handeln. Mit der Abschaffung der vermittelnden Verbindungen hat die neue Praxis die profitmachenden Gelegenheiten vermehrt und das Exportvolumen um eine große Spannweite erweitert.

Von allen Städten Chinas hatte Shanghai Ende 2002 die größte Anzahl von privaten Außenhandelsunternehmen. Letztes Jahr hatten die 1980 privaten Exportfirmen in der Stadt ein kombiniertes Exportvolumen von 327 Mio. US$, ein Plus um das Siebenfache gegenüber 2001. Unter den Exporten war das Volumen der allgemeinen Branchen, der 85,71% ausmachte, weitaus größer als das der verarbeitenden Branchen. Die Exporte konzentrierten sich in erster Linie auf Asien, Europa und Nordamerika und bestanden hauptsächlich aus Textilien, Bekleidung, elektro-mechanischen Produkten und Chemikalien.

Von Januar bis April dieses Jahres belief sich die Anzahl der neu registrierten privaten Exportunternehmen auf 933, was 86,23% aller registrierten Außenhandelsunternehmen während dieser Zeit war. Ende April hat sich die Anzahl der Unternehmen mit Inlandskapital, die eine Varietät von Exportrechten haben, auf 4835 belaufen, darunter gab es 2913 Privatunternehmen, was 60,3% der Gesamtzahl der Stadt ausmachte.

Eine kürzlich veranstaltete städtische Arbeitskonferenz über den Außenhandel schätzte, dass der Export von privaten Firmen dieses Jahr 500 Mio. US$ erreichen wird.

Anerkannt werden

Das Betriebsverhalten Shanghais Privatunternehmen ist konstant standardisiert worden. Die meisten Privatunternehmen wickeln ihre Geschäfte anständig und in Übereinstimmung mit dem Gesetz ab. Im Jahr 2002 wurden insgesamt 3567 Privatunternehmen von der jährlichen Qualifikationsbewertung ausgenommen, was 37% aller Privatunternehmen der Stadt war. Darüber hinaus wurden 470 Privatunternehmen oder 21,2% aller der Stadt als „vertrauenswürdige Unternehmen“ eingeschätzt.

Privatunternehmer sind aktiv in soziale Wohlfahrtsunternehmungen involviert und spendeten 2002 mehr als 20 Mio. Yuan. Ihre Beiträge sind in der Öffentlichkeit weit und breit anerkannt worden, und ihr sozialer Status hat sich merklich verbessert. Denjenigen, die herausragende Beiträge geleistet haben, sind Ehrentitel verliehen worden, und einige haben sogar einen gewissen politischen Status gewonnen.

Guo Guangchang, Vorstandsvorsitzender der Shanghai Fuxing (Group) Hi-Tech Co. Ltd. wurde zum Abgeordneten des X. Nationalen Volkskongress gewählt. Chen Rong, Vorstandsvorsitzender der Shanghai Zhonglu Group wurde zum Vizevorsitzenden des 11. Geschäftsführenden Komitees der Shanghaier Industrie- und Handelsförderation gewählt. Einige andere Unternehmer fungieren als Vorsitzende von Handelskammern auf Bezirksebene oder werden Abgeordnete der Volkskongresse auf Stadt- oder Bezirksebene oder Mitglieder der Stadtkomitees der Politischen Konsultativkonferenz des Chinesischen Volkes.

Allerdings, so sagten Wirtschaftsexperten, würden die Privatunternehmen, was den Marktzugang, die Nutzung von Informationen, die Richtlinien, die finanzielle Unterstützung und die Eigentumsgarantie anbelangt, noch nicht die gleiche Behandlung wie staatseigene Unternehmen und Unternehmen mit Auslandskapital erhalten. Ihre Situation bedarf für die weitere Entwicklung weiterer Verbesserungen.