Die größte, empfindlichste und stärkste Industrie der Welt
 

Von Lao Zhang

Einer der Sätze, den die Fachleute auf der Asien-Tourismus-Konferenz immer wieder betont haben, lautet, dass niemand den Tourismus auf die leichte Schulter nehmen sollte. Alle Tourismusgruppen, die von Vollzeit- oder Teilzeit-Reiseführern in allen Stätten der Welt geführt werden, schaffen heutzutage die größte Industrie der Welt.

„Die Gewohnheit, Ferien und Geschäftsreisen zu machen, ist so tief verwurzelt, dass die Leute ihre Abreise verschieben oder ihre Reiseziele wechseln, aber nicht das Reisen,“ so Francesco Frangialli, Generalsekretär der Welt-Tourismus-Organisation.

„Das ist der Grund“, sagte er, „dass trotz aller Hindernisse die Zahl der internationalen Ankünfte letztes Jahr (2002) um 3% wuchs und warum sich die Einnahmen aus dem Tourismus auf beeindruckende 480 Milliarden US-Dollar beliefen“. Dieser Betrag, betonte er, ist das Äquivalent zum Welthandelsvolumen aller Nahrungsmittel und Agrarprodukte.

Internationale Ankünfte in der Asien-Pazifik-Region gab es 2002 130 Mio., was diese Region befähigt, die amerikanische zu überrunden und den weltweit zweitgrößten Markt neben Europa zu bilden.

Wie auch immer, eine Industrie zu sein, die den Menschen angenehme Erfahrungen beschert, der Tourismus ist auch eine der empfindlichsten und am leichtesten zu verletzenden Industrien. Menschliche Grenzen in einer Zeit verschiedener globaler Beziehungen werden leicht durch viele Dingen umgestürzt – Terroranschläge oder durch den Ausbruch von Epidemien.

SARS zum Beispiel habe der Tourismusindustrie auf dem chinesischen Festland einen Einnahmeverlust von $88 Milliarden in der ersten Hälfte des Jahres gebracht, so He Guangwei, Direktor des Staatlichen Amtes für Tourismus. Von dieser Summe seien 4 Milliarden US$ aus dem internationalen Tourismus, der Rest, d.h. 84 Milliarden US$, aus dem inländischen Tourismus.

Vorübergehende Einbrüche beiseite gelassen, ist der Tourismus eine sehr starke Industrie. „Obwohl wir in einem sehr anfälligen Zeitalter leben, wo alles Mögliche die menschlichen Grenzen umwerfen kann, ist der Tourismus eine Industrie von großer Belastbarkeit“, bekannte Long Yongtu, Generalsekretär des Boao-Asien-Forums und früherer stellvertretender Minister für Außenhandel und Wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Jetzt hat die WHO (Weltgesundheitsorganisation) alle ihre Reisewarnungen bezüglich SARS aufgehoben, der Sturm zog vorüber, Hotels füllen sich langsam wieder, so eine Quelle aus „Shangri-La-Asien“ („Paradiesisches Asien“), das 35 Hotels im asiatisch-pazifischen Raum besitzt oder managt. Einige in Hong Kong ansässige Finanzanalytiker rechnen damit, dass die Hotelauslastung im vierten Quartal auf Vor-SARS-Niveau zurückkehrt.

Für die Konferenzteilnehmer kam die am meisten ermutigende Nachricht wie immer durch Victor Fung, den Vorsitzenden der Hong Konger Flughafenbehörde, nämlich dass die täglichen Ankünfte am gewaltigen Flughafen 68 000 erreichten, nahe bei 70% der normalen Kapazität, verglichen mit nur 50 000 während des Monats Mai.

Es gibt viele Touristen, die nicht mit dem Flugzeug nach Hong Kong reisen. Sie sind die sog. Festländer. 2002 kamen 7,77 Mio. Besucher vom Festland in die Sonderverwaltungszone (SVZ), während von der SVZ 61,88 Millionen auf das Festland kamen, oder jeder Hong Konger Einwohner besuchte das Festland 10mal.

Im Juni, als die Eindämmung von SARS langsam Früchte trug, fertigte das Staatliche Amt für Tourismus Reisegruppen aus der Provinz Guangdong nach Hong Kong ab, bevor sich die Reisen aus allen Provinzen nach Hong Kong im Juli neu belebten.

Inzwischen wurde die engere wirtschaftliche Partnerschaft zwischen dem Festland und Hong Kong Anfang Juli offiziell unterzeichnet. Jetzt können in Hong Kong ansässige Reisegesellschaften Zweigniederlassungen auf dem Festland eröffnen, so wie die Industrie jetzt für ausländische Investoren geöffnet wird.

Wieder Ende Juli gab es eine offizielle Vereinbarung mit Hong Kong, dass Individualreisende (i.G. Gruppenreisende) aus vier Städten Guangdongs -- Zhongshan, Jiangmen, Dongguan und Foshan – nach Hong Kong reisen dürfen.

Eva Cheng, Beauftragte für Tourismus der SVZ-Regierung in Hong Kong, sagte der „Beijing Review“, dass Reisende vom Festland mehr Geld für Shopping ausgeben als Reisende aus anderen Regionen.

Im Juli 2004 soll das Vier-Städte-Experiment auf die ganze Provinz Guangdong ausgedehnt werden, welche eine gemeinsame Grenze mit der SVZ hat und deren Einwohner im Grunde denselben Dialekt sprechen.

Wird diese Reisefreiheit auf alle Einwohner Chinas ausgedehnt, um Wochenend-Shopping und Unterhaltungsmöglichkeiten den Mittelklasse-Gästen aus Beijing und Shanghai anzubieten? „Gewiss, das wäre uns eine Freude“, sagte die Beauftragte.