BIP erreicht 8,2% in der ersten Hälfte des Jahres trotz SARS
 
Von Tang Qinghua

Der Ausbruch von SARS (akutes Atemwegssyndrom) kostete Chinas Wirtschaftswachstum 3,2 Prozentpunkte im 2. Quartal, trotzdem hält das vergleichsweise starke Wachstum in der ersten Jahreshälfte an.

Der Sprecher des Staatlichen Statistikamts (SSA) Yao Jingyuan verkündete auf einer Pressekonferenz am 17. Juli, dass Chinas Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 6,7% im 2. Quartal, verglichen mit dem selben Quartal ein Jahr zuvor, gewachsen sei. Das ist die niedrigste Wachstumsrate seit 1992.

Chinas BIP wuchs sonst Jahr für Jahr um 9,9% im 1. Quartal.

„Der plötzliche Ausbruch von SARS hatte dramatische Folgen für das 2. Quartal“, sagte Yao.

Zugleich fügt er hinzu, dass in der ersten Hälfte des Jahres das Wachstum des BIP

sich auf 8,2% verlangsamte, was freilich immer noch 0,4% mehr als im gleichen Zeitraum vorigen Jahres war.

Trotz SARS wird China also seine Wachstumsziele für 2003 realisieren.

„Die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungsziele, die anfangs des Jahres gesetzt wurden, sind erreichbar.“

Jetzt, da in der zweiten Hälfte des Jahres SARS unter Kontrolle war, und verschiedene politische Maßnahmen ergriffen wurden, werden sich einige von SARS schwer betroffene Wirtschaftssektoren wieder erholen, und eine gesunde Entwicklung kann erwartet werden.

Beamte in Beijing, das besonders schwer von SARS betroffen wurde, haben ähnliche Zuversicht verbreitet, obgleich das Wachstum von BIP im ersten Halbjahr auf 151,61 Mrd. Yuan (18,27 Mrd. $) um 2,1% unter dem erwarteten lag.

Die Hauptstadt erreichte ein Wachstum von 12,7% im 1. Quartal dieses Jahres.

„Beijing fühlte den Druck von SARS Mitte März, wurde am stärksten im Mai geschlagen, aber als die Epidemie im Juni unter Kontrolle kam, begann sich die Wirtschaft wieder zu erholen.“ Dies sagte Yu Xiuqin, Sprecher des Statistikamts der Stadt Beijing (SASB) auf einer Pressekonferenz am 15. Juli.

Yu sagte voraus, dass „die Hauptstadt das Ziel von 9% 2003 schaffen kann, und wenn Beijings Industrie in der zweiten Hälfte weiter kräftig wächst, und der Dienstleistungssektor schnell wieder Tritt fasst, dann wird hoffentlich das jährliche Wachstum eine zweistellige Ziffer erreichen.“

Insider sagten, dass die kurzfristige Epidemie keine Bedrohung der Grundlage der Wirtschaft darstellt, und der Wachstumstrend anhalten wird.

Chinas Wirtschaft wuchs insgesamt um 8% letztes Jahr, Beijing erreichte 10,2% im selben Zeitraum.

Die Reisewarnung der WHO wurde schließlich im Juni für Beijing aufgehoben. SARS verbreitete sich in der ganzen Welt, nachdem es zuerst in Chinas südlicher Provinz Guangdong letzten November aufgetaucht war.

Besseres Wachstum durch starkes Investment

Laut dem SSB erreichte der Umsatz im Einzelhandel, der den Hauptstoß von SARS im April und Mai auszuhalten hatte, gerade mal 6,7% im 2. Quartal, 8% in der ersten Jahreshälfte.

Der Preis-Index für Konsumgüter, der einen Warenkorb repräsentiert, der mit Lebensmitteln und Dienstleitungen¾ von Getreide bis zur Gesundheitsvorsorge¾ gefüllt ist, wuchs um 0,6% in der ersten Jahreshälfte.

Aber die festgelegten Anlageinvestitionen, die die Regierung in die Infrastrukturentwicklung wie Straßenbau, Kraftwerke oder Bewässerungssysteme steckt, wuchsen jährlich um 31,1% in der ersten Jahreshälfte.

Der Industrie-Output in den ersten sechs Monaten stieg auf 16,2% im Vergleich zum Vorjahr, und trug damit zu 70,2% zum Wachstum des Landes bei, was einem Anteil von 5,8 % am Wachstum des BIP entspricht.

Auch andere Zahlen sind ermutigend. Der Export, der auch während der SARS-Krise stark wuchs, kam auf 34% in der ersten Jahreshälfte, d.h. auf 190,3 Mrd. $, während der Import um 44,5% höher lag im gleichen Zeitraum, d.h. bei 185,8 Mrd. $.

Für Beijing zeigt ein Report des SASB im gleichen Zeitraum ein Wachstum von 3,7% der Landwirtschaft, d.h. ein Rückgang um 0,5%; die Industrie wuchs um 12,3%, ein Rückgang um 0,2%; und der Dienstleistungssektor sah ein Wachstum von 8,2%, eine Abnahme um 3,2%.

Im gleichen Zeitraum stand das Einzelhandelsvolumen bei 89,46 Mrd. Yuan (10,78 Mrd. $), ein Wachstum um 13,7% gegenüber dem letzten Jahr, aber ein Rückgang um 10,5% verglichen mit dem 1. Quartal.

Allein im Mai wurde das Einzelhandelsvolumen um 9,6% gegenüber dem gleichen Zeitraums des Vorjahrs reduziert.

Laut dem SASB-Report erlitt der Einzelhandel einen Verlust von 8,07 Mrd. Yuan (970 Mio. $) wegen SARS.

Wie auch immer, der Sprecher des SASB Yu stellte fest, dass Beijings Wirtschaft mit normaler Geschwindigkeit wächst, die v.a. durch das rasche Wachstum im Industriesektor angetrieben wird.

Chang Qing, eine Ökonomin der Wirtschaftkommission Beijings, wies darauf hin, dass Beijing in den letzten zwei Jahren große Anstrengungen unternommen hat, die Herstellungsindustrie zu entwickeln, die das kontinuierliche Wachstum der Industrie in Beijing unterstützt.

Sie erläuterte, dass Beijing eine Reihe von Schlüsselprojekten, z.B. im Automobil- oder der fotoelektronischen Industrie fördert. Die eindruckvollsten Anstrengungen werden in der Automobilindustrie einschließlich solcher Firmen wie Honda oder Beijing Jeep gemacht.

Die Statistik zeigt, dass der Umsatz der Autoverkäufe in Beijing von 13,15 Mrd. Yuan (1,58 Mrd. $) in den ersten sechs Monaten um 71% explodiert ist.

Der Autoverkauf trägt mit einem Anteil von 50,8% des gesamten städtischen Umsatzes im Einzelhandel zum Wachstum im ersten halben Jahr bei.

Gesunde Grundlagen

Obwohl die Nachwehen von SARS in der zweiten Jahreshälfte noch zu spüren sind, werden diese nach Meinung der Fachleute doch die wirtschaftlichen Grundlagen nicht gefährden.

Für Chen Huai, stellvertretender Direktor des Forschungszentrums des Staatsrats, ist die entscheidende Frage, ob die Wirtschaft nach SARS in eine Rezession gerät oder wieder einen Aufschwung erlebt.

Er sagte, der Fortschritt der Urbanisierung in China wurde durch SARS nicht behindert, und diese Entwicklung wird Chinas Industrie nicht nur für Jahre, sondern für die nächsten 20 Jahre unterstützen.

Was den von SARS hart betroffenen Tourismus und die Gastronomie angeht, so werden Verbraucher mit einem gewissen sicheren Einkommen sich durch eine kurzfristige Epidemie nicht ändern, so müssen sich diese Dienstleistungsbranchen keine Sorgen machen.

Weiter sagte er, dass die Wachstumslokomotiven wie die Automobilindustrie sich weiter formieren. Auch während der schlimmsten Periode von SARS erlebte der Automarkt ein fantastisches Wachstum.

Nach seinen Zahlen hat die Fahrzeugproduktion mit einem Output von 2,13 Mio. um fast 32,2% im ersten Halbjahr gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum zugenommen. Von den 2,13 Mio. sind 903 000 Autos, also fast so viele wie der Output an Fahrzeugen letzten Jahres, das waren 1,01 Mio. Fahrzeuge.

Zu guter Letzt sagte Chen, dass globales Kapital weiter nach China fließt. China weist ein einzigartiges Marktpotential auf, also „wie soll sich das Kapital leisten, nicht nach China zu kommen, nur wegen der kurzfristigen SARS-Krise?“

Nach der Statistik der SSA zog China 30,26 Mrd. $ ausländische Direktinvestitionen an, mehr als 34,33% im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Vertraglich vereinbarte ausländische Direktinvestitionen wuchsen im gleichen Zeitraum um 40,25% auf 50,96 Mrd. $.

Allein nach Beijing flossen 1,33 Mrd. $ an vertraglich vereinbartem ausländischen Kapital in der gleichen Periode, und davon werden jetzt 1,01 Mrd. $ an direkten ausländischen Investitionen realisiert, das macht ein Plus von 11,8%.