Wurzeln und Sprossen in China
 
Die Kampagne „Wurzeln und Sprossen“, die von Dr. Jane Goodall, einer weltbekannten Tierexpertin, Ethnologin und UNO-Friedensbeauftragten, initiierte wurde, hat den Umweltschutz und die humanitäre Gesinnung im Brennpunkt.

Von Tang Yuankai

Am 30. November 2002 versammelten sich mehr als 300 Lehrer, Universitätsstudenten und Mittel- und Grundschüler in der Jingshan-Grundschule in Beijing. Sie zeigten ihre Errungenschaften bei der Verbesserung der Umwelt und beim Tierschutz durch Tabellen, Bilder und Modelle. Sie sind Mitglieder der Wurzeln-Sprossen-Gruppen aus Beijing, Tianjin, Hangzhou und anderen Städten. Es gibt derzeit in ganz China Dutzende von derartigen Gruppen.

Bei diesem Treffen hielt Goodall eine Rede mit dem Thema „Eine Reise voller Hoffnung“ und verlieh Wurzeln-Sprossen-Gruppen aus der Chuiyangliu-Grundschule Nr. 2 in Beijing, der Internationalen Schule Shunyi in Beijing, der Zhongguancun-Mittelschule in Beijing und dem Wissenschaftlich-Technischen Klub der Mittelschule Nr. 4 in Tianjin 14 „Preise für Errungenschaften von Projekten“, und drei Wurzeln-Sprossen-Gruppen aus der Mittelschule Nr. 13 in Beijing und zwei anderen Schulen den „Umweltschutzpreis“. Goodall war sehr erfreut, als sie sah, dass immer mehr chinesische Schüler die Wichtigkeit des Umweltschutzes erkannt haben, und dass China sich für den Umwelt- und den Tierschutz begeistert.

Im Februar 1991 trafen 16 Schüler aus 8 Mittelschulen aus verschiedenen Ländern in Goodalls Zuhause zusammen, um über den Tier- und den Umweltschutz zu diskutieren. Nach der Rückkehr in ihre Schulen gründeten sie Schülergruppen, die „Wurzeln und Sprossen“ genannt wurden. Seither hat sich diese Organisation weltweit entwickelt. Inzwischen gibt es in Dutzenden von Ländern und Regionen mehr als 5000 derartige Gruppen, die Grund- und Mittelschüler sowie Hochschulstudenten, ja sogar Vorschulkinder, umfassen. Ihre Arbeit hat die Hochschätzung der UNO und der Regierungen vieler Länder gewonnen.

„Wurzeln und Sprossen“ beziehe sich auf alle jungen Leute in der Welt, sagte Goodall. Sie bohrten sich durch dicke Wände mit der Beharrlichkeit von Wurzeln und Sprossen; sie seien die Hoffnung der Welt, so Goodall.

Goodall ist in China gut bekannt. Die chinesische Bevölkerung, insbesondere die Kinder, sind durch ihre ungewöhnlichen Erlebnisse begeistert worden. Als sie 26 Jahre alt war, ging Goodall allein in den afrikanischen Urwald, wo sie Dutzende von Jahren mit Schimpansen lebte und diese studierte. Goodall hat viele Teile der Welt bereist, um ihr Wurzeln-Sprossen-Projekt durchzuführen, und sie besucht auch China oft. Als sie im Jahr 1998 zum ersten Mal nach China kam, stellte sie fest, dass viele Menschen begierig nach Kenntnissen über den Umweltschutz waren und den Wunsch hegten, sich aktiv zu beteiligen. Sie war der Ansicht, dass China ein fruchtbarer Boden für ihr „Wurzeln-Sprossen-Projekt“ sei. Von da an hat sich ihr Projekt in China schnell entwickelt. Nachdem das Jane Goodall Institut im September 2000 in Beijing das „Wurzeln-Sprossen-Erziehungsbüro“ gegründet hatte, wurden mehr als 100 Wurzeln-Sprossen-Gruppen in den folgenden Monaten ins Leben gerufen. Diese Gruppen verteilen sich über mehr als zehn Provinzen und regierungsunmittelbare Städte, einschließlich Beijing, Shanghai, Zhejiang und Yunnan. 2000 Schüler und Lehrer haben an einem diesbezüglichen Training teilgenommen.

Alle Mitglieder treten den Wurzeln-Sprossen-Gruppen freiwillig bei. Lehrer helfen Kindern unter 8 Jahren, während die Kinder über 8 Jahren die Arbeit selbst entscheiden, darunter die Wahl von Projekten, die Ausarbeitung von Plänen, das Schreiben von Berichten und die Suche nach Lösungen von Problemen, ja sogar die Kapitalbeschaffung.

„Kenntnisse, Verständnis, anhaltende Bemühungen und tiefgehende Gefühle“ sind die Prinzipien der Aktion aller Wurzeln-Sprossen-Gruppen in der ganzen Welt, die von einer Gruppe in Tansania vor einigen Jahren als erste aufgestellt wurden. Die Gruppen in China haben im Umweltschutz Fortschritte erzielt. Als einige Schülerinnen einer Grundschule in Shanghai feststellten, dass einige Baumaterialien auf einem Bauplatz um einen Baum herum aufgeschichtet waren, räumten sie diese weg, da sie befürchteten, dass das Wachsen des Baums gestört werden könnte. Die Bauarbeiter waren von dem Vorgehen dieser Schülerinnen tief beeindruckt und pflanzten diesen Baum auf deren Schulgelände um und gaben ihm den Namen „Baum der Hoffnung“. Diese Schülerinnen waren alle Mitglieder einer Wurzeln-Sprossen-Gruppe.

Die Wurzeln-Sprossen-Gruppe der Jingshan-Grundschule in Beijing rief zur Abschaffung von Einweg-Eßbehältern auf. Sie brachten Eßbehälter von Zuhause zum Mittagessen in die Schule mit und überzeugten ihre Eltern, dies ebenfalls zu tun.

Eine Wurzeln-Sprossen-Gruppe in Tianjin setzt sich momentan mit der Rettung von Tieren, die von Menschen mißbehandelt werden, ein und ist der Ansicht, dass Tiere wie Menschen Gefühle und das Verlangen nach einem besseren Leben haben. Sie appelliert an die Menschen, die Tiere zu schützen.

Eine Wurzeln-Sprossen-Gruppe in Wenzhou verfolgte Spuren von Verbrechern, die Wildtiere illegal fingen und verkauften, und lieferten für die Polizei viele Anhaltspunkte. Hierfür erhielt sie den „Ford-Automobil-Preis für ausgezeichnete Jugendliche für den Umweltschutz“ und den „Preis für Wurzeln-Sprossen-Errungenschaften 2002“.

Wurzeln-Sprossen-Gruppen haben an verschiedenen Aktivitäten teilgenommen, um die Fürsorge der Menschen für Tiere und die Umwelt zu fördern. Viele Mitglieder sagten, dass sie sich gut fühlten, etwas für die anderen, einschließlich der Tiere, zu tun.

Ni Yinong, ein Biologielehrer der der Peking-Universität angeliederten Mittelschule, ist einer der zahlreichen Lehrer, die die Aktivitäten von „Wurzeln und Sprossen“ unterstützen. Er ist der Ansicht, dass dieses Projekt Kindern helfen werde, das Leben an sich zu respektieren, die Umwelt zu schützen, verschiedene Kulturen und Überzeugungen kennenzulernen und ihr Ideal zu verwirklichen. „Wenn Kinder unabhängig nachdenken und Probleme hinsichtlich der Umwelt lösen können, können sie Selbstvertrauen gewinnen“, so Ni.

Roger A. Hart, ein Experte für Kindererziehung, äußerte, dass, auch wenn es einige kurzfristige Kampagnen für den Umweltschutz gebe, Kinder jedoch gerade erst begonnen hätten, sich daran zu beteiligen. Wir sollten ihre Bemühungen unterstützen. Nur durch noch mehr Taten könnten sie in der Wirtschaftsentwicklung eine anhaltende Rolle spielen, so Hart.

Die chinesische Regierung hat für die Entwicklung nichtstaatlicher internationaler Organisationen für den Umweltschutz einen Spielraum zur Verfügung gestellt. Zur Zeit gibt es in China nicht nur viele nichtstaatliche Organisationen für den Umweltschutz, von denen einige auch im Ausland aktiv sind, sondern auch nicht wenige nichtstaatliche Organisationen aus dem Ausland.