Harte Zeiten in den Kohlegruben
 
Eine Erhebung in vier großen Bergwerkstädten in der Provinz Heilongjiang zeigt, dass die Region, obwohl Bemühungen unternommen werden, die flaue Wirtschaft zu beleben, sich in einer ernsten Notlage befindet.

Von Wu Xiaodong & Liang Shubin

Es ist niemals einfach für Jixi, eine der vier großen Bergwerkstädte in der nordostchinesischen Provinz Heilongjiang, gewesen, seine wirtschaftliche Not los zu werden. Seit mehr als zwei Jahrzehnten hat die Stadt geplant, ein Thermalkraftwerk zu bauen, um ihre Wirtschaftsstruktur zu verbessern, sie hat jedoch immer noch kein Licht am Ende des Tunnels gesehen. Die Stadt hat kein Geld.

„Ich sehe nicht, dass in absehbarer Zeit Rauch aus dem Kraftwerk aufsteigt“, sagte Liu Jingwu, ehemaliger Direktor des Planungsbüros des zukünftigen Thermalkraftwerkes von Jixi.

Aufgrund von verschiedenen Schwierigkeiten, vergangenen und gegenwärtigen, haben Jixi und Heilongjiangs andere drei Bergwerkstädte – Hegang, Shuangyashan und Qitaihe – eine harte Zeit, ihre Kohleindustrie zu expandieren. Und die Kohleunternehmen in diesen Städten werden ohne eine starke Finanzspritze kein Wachstum verzeichnen, da der Kohleabbau eine geldkonsumierende Industrie ist. Darüber hinaus sieht die Zukunft des Kohlebergbaus nicht vielversprechend aus.

Bergbauprobleme

Vier Bergbauunternehmensgruppen dienten einst als wirtschaftliche Säulen in den vier Städten, aber ihre gegenwärtige wirtschaftliche Not zieht die lokale Wirtschaftsentwicklung hinunter. Zum Beispiel erlitt die Hegang Mining Group (HMG) von 1999 bis 2001 einen Gesamtverlust von 570 Mio. Yuan (etwa 68,84 Mio. US$). Selbst nachdem die Regierung beträchtliche Subventionen zur Verfügung gestellt hatte, stand der Gesamtverlust immer noch bei 260 Mio. Yuan (31,4 Mio. US$).

Aufgrund der langen Ausbeutung sind die vier Kohlegruben der Shuangyashan Mining Group (SMG) vollkommen erschöpft. Der Kohlenoutput der SMG ging von 10 Mio. t im Jahr 1989 auf 6,9 Mio. t im Jahr 2000 zurück.

Die HMG wird ein ähnliches Schicksal ereilen. Es ist vorausgesagt worden, dass drei der Kohlegruben der HMG in fünf Jahren nutzlos sein werden, da die Ressourcen schnell abgebaut werden. In 10 Jahren wird der Output der HMG von 12 Mio. t auf 8 Mio. t abnehmen.

Heilongjiang hat weitere Probleme, die durch den wirtschaftlichen Rückgang dieser Bergwerkunternehmen verschärft werden. Bisher gibt es etwa 200 000 freigesetzte Arbeiter und andere Arbeitslose in den vier Städten, und in einigen Jahren werden einige weitere Kohlegruben ihren Bankrott erklären, wodurch noch mehr Leute auf die Straße gesetzt werden werden. Unvollständige Statistiken zeigen, dass letztes Jahr fast 300 000 Menschen in den vier Städten unter Chinas minimalem Lebensstandard von 117 Yuan (14 US$) pro Monat lebten.

Shuangyashan ist eine typische Stadt, die sich auf staatliche Fonds verlässt. Sein Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs in den letzten fünf Jahren in einer Jahresdurchschnittsrate von 2%, was sogar weit hinter Chinas unterentwickelten Westgebieten liegt. Die lokalen Einnahmen für 2002 standen bei 260 Mio. Yuan (31,4 Mio. US$), was nur 173 Yuan (20,9 US$) pro Kopf repräsentiert.

Leben nach der Kohle?

Das Schicksal dieser vier Städte ist dem der Bergwerkindustrie Chinas, die einen großen Teil von deren Finanzeinnahmen ausmacht, gefolgt. In Hegang machen die Steuern aus der Bergwerksindustrie über 60% der Gesamteinnahmen der Stadt aus. In Qitaihe trägt eine staatseigene Bergwerkunternehmensgruppe zu über 80% der Gesamtsteuern der großen Industrieunternehmen der Stadt bei; und die Bergwerksunternehmen machten letztes Jahr über 41% der Finanzeinnahmen in Shuangyashan aus.

Eine fortbestehende Wirtschaftsrezession, Schulden der Lokalregierungen, eine veraltete Wirtschaftsstruktur, ein ärmlicher Lebensstandard und eine unzufriedene Bevölkerung – hieraus setzt sich die zerbröckelnde Grundlage der vier großen Bergwerksstädte Heilongjiangs zusammen. Sie haben in den letzten Jahren nach einem Ausweg aus der ernsten Notlage gesucht und mit wenig Erfolg versucht, Branchen außerhalb der Kohleindustrie zu entwickeln.

Shuangyashan hat nur eine langsame Entwicklung seiner Dienstleistungsbranche gesehen, daher wird diese wahrscheinlich nicht die neue Wirtschaftsantriebskraft der Stadt werden. In Qitaihe kommen 80% des industriellen Outputwertes, 70% der Finanzeinnahmen und 60% der nichtlandwirtschaftlichen Arbeitsgelegenheiten trotz des scharfen Rückgangs des Sektors nach wie vor aus der Bergwerksindustrie. Und in Hegang fällt die allumfassende Wirtschaftsentwicklung immer noch in den Einflussbereich der Bergwerksindustrie, zudem kommen über 60% der lokalen Steuereinnahmen aus dem Sektor. Traditionelle Industriebranchen wie der Maschinenbau und Baumaterialien tragen zu über 80% der Industrie in der Stadt bei, während es fast kein Leben in der Hightech-Industrie gibt.

Diese Städte kämpfen jedoch noch immer um ein besseres Leben. Jixi beschleunigt mit seinem fruchtbaren Land und sauberen Wasserressourcen seine Schritte, eine nationale Produktionsbasis für Biogemüse aufzubauen. Hegang entwickelt aufgrund seiner Waldressourcen am Fluss Heilongjiang eine Nutzholzverarbeitungsindustrie. In gewissem Sinn hält Nordostchina nach wie vor den Schlüssel für die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Es hat einen unvergleichlichen Pool der Herstellung von Know-how und ein gut ausgebildetes Arbeitskräftekontingent. Das Land kann es sich nicht leisten, die Region weiter hinterherhinken zu lassen, und China wird sich niemals wirklich entwickeln, solange der Nordosten des Landes wirtschaftlich daniederliegen wird.