Die Reform der Staatsaktien: Warten auf den Glanz
 

Anders als im Rest der Welt hat China etwa zwei Drittel seiner Aktien nicht für den Handel freigegeben. Das ursprüngliche Ziel war, zu verhüten, dass ausländische Investoren das Staatsvermögen an der Börse aufkaufen würden. Aber seit letztem Jahr hat die Regierung ihre Ansicht geändert und möchte mehr nicht-handelbare Aktien an ausländische Investoren verkaufen.

Allerdings beklagen Kritiker sich, dass der Verkaufspreis oft zu niedrig sei. Wird der Verkauf den Aktienmarkt in die Knie zwingen? Beijing Rundschau-Reporter Wang Yong untersucht diese Fragen auf der Grundlage seines Exklusivinterviews mit hochrangigen Regierungsbeamten und Experten sowie von tiefgehenden Rechtsanalysen.

Der offizielle Plan

Ein leitender Beamte der Chinesischen Wertpapieraufsichtskommission (CSRC), Chinas Wachhund für den Aktienmarkt, sagte am 20. August, dass die neuen Vorschriften später dieses Jahr veröffentlicht würden, um den zügellosen Schalterverkauf von nicht-handelbaren Aktien staatlicher Firmen zu stoppen.

Allerdings bedeutet dies nicht, dass die Regierung dem laufenden Transfer von nicht-handelbaren Aktien an ausländische Investoren ein Ende setzen wird.

„Wir ziehen nur in Betracht, Handelsplattformen innerhalb der Börsen in Shanghai und Shenzhen zu errichten“, sagte der Beamte aus der Rechtsabteilung der CSRC gegenüber Beijing Rundschau, unter der Bedingung, anonym zu bleiben.

Er äußerte, dass der Verkauf über den Schalter in vielen Regionen Korruption von Beamten involviere, wobei die Verkaufseinkünfte öfters als nicht in persönliche Taschen als in den Staatssäckel gehen würden.

„Eine konzentriertere Plattform wird dazu beitragen, dass die Regierung den Verkauf von nicht-handelbaren Aktien besser managen wird“, sagte er.

„Über den Schalter“-Verkauf bezieht man sich auf lokale Zentren für den Handel von Eigentum, wo die Verkäufe oft durch Feilschen abgewickelt werden. In diesem Sinn wird der Wert von Staatsaktiva, die einige nicht-handelbare Aktien repräsentieren, einfach verschachert, was folglich zu Verlusten für die Staatseinnahmen führt.

Der Beamte sagte, dass die CSRC die Börsen in Shanghai und Shenzhen aufgefordert habe, detaillierte Pläne zu entwerfen, um den Transfer von nicht-handelbaren Aktien zu ermöglichen. Er wollte keine Einzelheiten bekanntgeben, bestätigte jedoch, dass die neuen Pläne noch in diesem Jahr veröffentlicht würden.

Der Zweifel

Liu Jipeng, ein Professor der Capital Universiy of Econmics and Business und ein bekannter Reformer der Staatsbetriebe, hat Zweifel, was den Plan der Regierung anbelangt. Liu warnte, dass der Plan „sehr wohl den bereits schwachen Aktienmarkt durcheinander bringen könnte“.

In einem Exklusivinterview mit Beijing Rundschau, sagte Liu, er sei gegenüber dem Plan der Regierung, den Transfer von nicht-handelbaren Aktien an ausländische Investoren innerhalb der beiden Börsen des Landes zu unterstützen, „zurückhaltend“.

„Die Regierung sollte, was die Errichtung solcher Plattformen anbelangt, vorsichtig sein“, sagte er.

In seinen Augen ist das Ziel der Konzentration des Verkaufs von nicht-handelbaren Aktien innerhalb der Börsen den Verlust des Staatsvermögens zu reduzieren, der in den Schalterverhandlungen auftritt.

„Allerdings kann der neue Plan der CSRC als eine offizielle Bestätigung oder Ermutigung des Transfers von nicht-handelbaren Aktien an ausländische Investoren verstanden werden“, sagte er.

Liu nannte den Transfer „einen unfairen Deal“ für die unzähligen Aktionäre von handelbaren Aktien. Beispielsweise habe eine handelbare Aktie einer Firma X einen Marktwert von 9 Yuan (1,08 US$), aber eine nicht-handelbare Aktie der gleichen Firma habe überhaupt keinen Marktwert. Die nicht-handelbare Aktie werde oft mit einem Wert von 2 Yuan (0,24 US$) festgelegt, was beinahe dem Wert des Nettovermögens der Firma geteilt durch die Anzahl der Aktien entspreche.

So, falls die Besitzer von handelbaren Aktien solch eine Aktie für 9 Yuan erwerbe, sei es grundlegend unfair von der Regierung, eine nicht-handelbare Aktie an einen ausländischen Investoren für nur 2 Yuan oder sogar noch weniger zu transferieren.

„Falls die nicht-handelbaren Aktien eines Tages handelbar werden, werden ihre Preise vielleicht auf 4 oder 5 Yuan (was einen Gewinn für den Käufer mit sich bringt) steigen“, erklärte Liu. „Dies bedeutet, die Besitzer von handelbaren Aktien werden die Hälfte ihres Investments von handelbaren Aktien verlieren, da deren Wert von 9 Yuan auf etwa 4 Yuan zurückgehen wird.“

In anderen Worten, die große Wahrscheinlichkeit, dass nicht-handelbare Aktien in den Markt eintreten werden, verursacht einen riesigen psychologischen Druck auf den Aktienmarkt. „Dies ist der Grund, warum der Markt in letzter Zeit eine fallende Tendenz gezeigt hat“, sagte er.

Der CSRC-Beamte machte es klar, dass er nicht darüber sprechen würde, nicht für den Handel freigegebene Aktien handelbar zu machen. Er bestätigte erneut, dass nicht-handelbare Aktien selbst nach dem Transfer an ausländische Investoren nicht-handelbar bleiben würden.

Aber auf jeden Fall habe die Regierung an zwei Fronten versagte, so Liu. Erstens habe sie versagt, die Besitzer von handelbaren Aktien angemessen zu entschädigen. Sie gaben 9 Yuan pro Aktie aus, um die Börse zu unterstützen, können jedoch nicht an den Früchten des Regierungsverkaufs von nicht-handelbaren Aktien zu einem Preis von 2 Yuan pro Aktien teilhaben. Zweitens wollte die Regierung Geld von ausländischen Investoren verdienen, aber falls das, was diese erwerben sollen, nicht-handelbar bleibt, gibt es wenig Anreiz für diesen Deal.

„Chinas Aktienmarkt ist ein gelähmter Gigant“, sagte Liu, sich darauf beziehend, dass nur etwa ein Drittel der Aktien gehandelt werden können. Noch schlimmer ist, dass keine staatliche Firma in China preisgibt oder darüber diskutiert, wie sie mit ihren nicht-handelbaren Aktien verfahren wird.

„Dies ist, warum der Aktienmarkt nicht im Gleichschritt mit der Gesamtwirtschaft gewachsen ist“, sagte er. „Unser Aktienmarkt hat nicht das Fundament der Wirtschaft widergespiegelt.“

Der Vorschlag

Liu sagte, die Regierung sollte die nicht-handelbaren Aktien vor dem Transfer an andere Investoren handelbar machen.

„Der Startpunkt der Reform Chinas Aktienmärkte ist alle Aktien handelbar zu machen“, sagte er.

Beamte und Gelehrte sind noch geteilter Meinung, was die Frage anbelangt, wie alle Aktien handelbar gemacht werden sollen. Ein Grund ist, dass zu viele Regierungsabteilungen in der Administration von nicht-handelbaren Aktien involviert sind. China hat jetzt 1275 Staatsbetriebe, von denen etwa 950 Staatsaktien oder Aktien juristischer Personen haben. Diese Aktien werden von sechs oder sieben verschiedenen Abteilungen überwacht. Die übrigen Firmen sind meistens Privatbetriebe. Sie haben auch nicht-handelbare Aktien, werden jedoch nicht von so vielen Regierungsabteilungen überwacht.

Liu schlug vor, dass die Regierung zunächst mit diesen privat betriebenen Firmen experimentieren sollte. Er führte einen hypothetischen Fall an, in dem eine Firma Y handelbare Aktien zu einem Preis pro Aktie von 9 Yuan und nicht-handelbare Aktien zu einem Preis pro Aktie von 2 Yuan habe. Wenn bei Eintritt in den Markt die Preise dieser beiden Arten von Aktien bei 3 Yuan pro Aktie zusammenlaufen würden, sollte die Firma Y die Besitzer von handelbaren Aktien entschädigen, indem diesen zwei zusätzliche Aktien angeboten würden.