Die Xinhua-Buchhandlung: Neue Seite in der Reform aufgeschlagen
 

Von Lu Pi

Nur Reformen könnten der lang etablierten staatseigenen Xinhua-Buchhandlung helfen, Vorteile aus ihrer Größe zu ziehen und in der Marktwirtschaft zu überleben, so Zhang Yashan, Vizedirektor des Büros der Hauptniederlassung von Xinhua im April.

Jeder chinesische Buchliebhaber kennt die Xinhua-Buchhandlung, ein riesiges System, dessen Einrichtungen sich bis in jede Ecke des Landes erstrecken. Mittlerweile haben die Xinhua-Buchläden in vielen Provinzen und Städten mit marktorientierten Reformen begonnen, um sich zu Aktienunternehmen zu restrukturieren.

Shi Zongyuan, Direktor der Staatlichen Verwaltung für Presse und Publikationen (APP), sagte, dass, um die Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Verteiler zu stärken, Chinas Distributionsgruppen die Restrukturierung in Übereinstimmung mit den Erfordernissen eines modernen Betriebssystems angehen und regionale und nationale Hauptniederlassungen und ein landesweites Distributionsnetzwerk einrichten sollten, wobei die Xinhua-Buchhandlung als Hauptstütze dienen solle.

Xinhua, mit einer Geschichte von 50 Jahren, trägt momentan zu mehr als 90% zum gesamten Buchabsatz des Landes bei. Kurz nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 gründete die neue Regierung auf der Grundlage des Buchverteilungssystems, das in Yan’an, einem alten revolutionären Stützpunkt der Kommunistischen Partei Chinas, praktiziert worden war, die Buchhandlung Xinhua und den Buchladen Cathay. Seither sind „ein einheitlicher Ein- und Verkauf von Büchern“ von der Xinhua-Buchhandlung als auch dem Cathay-Buchladen praktiziert worden, wobei die Erstgenannte mit neuen Büchern und der Letztgenannte mit alten und Secondhand-Büchern handelt.

Mit mehr als 12 000 Einrichtungen im ganzen Land hat Xinhua stets den Löwenanteil des Buchabsatzes einkassiert. Von 1951-62 war die Hauptniederlassung von Xinhua für das Personal, die Finanzen und das Eigentum von allen Xinhua-Buchläden verantwortlich. In den folgenden Jahren, insbesondere nach 1987, als Chinas Reform und Öffnung weiter vertieft wurden, wurden jedoch alle Niederlassungen unabhängig und haben seither mit der Hauptniederlassung Geschäftsbeziehungen aufrechterhalten.

Mit der Öffnung des Bucheinzel- und -großhandels im Zuge Chinas WTO-Beitritts kann Xinhua nicht umhin, die vor ihm liegenden ernsten Herausforderungen anzugehen. Insider sagten, dass die gesonderten Buchdistributionskanäle, die von der Xinhua-Buchhandlung dominiert werden, ein chronisches Problem gewesen seien, die die Entwicklung Chinas Buchmarktes beschnitten habe. Angesichts des Zustroms von ausländischen Buchvertrieben mit Kapital- und Managementstärken und des Aufstiegs von chinesischen Privatunternehmen in der Branche hat das staatseigene Buchdistributionssystem gründliche Reformen zu ergreifen, um zu überleben.

Wer möchte diese Aktien haben?

Die Restrukturierung der Xinhua-Buchhandlung ist seit letztem Jahr im Gange, aufgrund von einigen noch ungelösten Problemen ist jedoch noch kein wesentlicher Fortschritt gemacht worden. Gegenwärtig hat China Bücher im Wert von 15-20 Mrd. Yuan auf Lager, und die meisten davon gehören zu Xinhua. Von einem Verhältnis von 2:3 ausgehend, betragen die notleidenden Vermögen dieser Buchläden etwa 10 Mrd. Yuan. Wer wird die Verantwortung hierfür übernehmen?

Zudem sind über 50% der Xinhua-Buchläden im Land Institutionen und müssen daher zunächst in Unternehmen umgewandelt werden, bevor sie in Aktiengesellschaften restrukturiert werden können. Das wohl herausstechendste Problem ist die Partnerwahl – inländische oder ausländische Investoren. Die Entscheidungsfällung obliegt den lokalen Informations- oder Presse- und Publikationsbehörden anstatt den Buchläden selber.

Gegenwärtig planen die Xinhua-Buchläden in den Provinzen Guangdong, Sichuan und Liaoning und in Shanghai und die Hauptniederlassung von Xinhua im Einklang mit den Erfordernissen der APP eine Restrukturierung vorzunehmen. Da das staatseigene Kapital nach wie vor die dominante Position einnimmt und noch kein Kapitalinput von anderen Sektoren vorhanden ist, haben die Buchläden in der Strukturreform noch keinen beachtlichen Fortschritt gemacht. Bisher gibt es noch keine börsennotierte Buchdistributionsfirma im wahren Sinne.

Der staatseigene Aufbau und der Mangel an Kapitalanhäufung haben die Entwicklung der Xinhua-Buchläden behindert. Die Aufnahme von Auslandskapital ist der Hauptweg für ihre Entwicklung.

Zuvor war im Rahmen der Restrukturierung der Xinhua-Buchläden auf eine 51prozentige Beteiligung der Regierung bestanden worden. Dies hat viele potentielle Investoren abgeschreckt. Mit den gelockerten Bedingungen wird davon ausgegangen, dass mehr Investoren an der Reform mitwirken werden.

Das Monopol beenden

Obwohl noch keine detaillierten Maßnahmen für die Restrukturierung ausgearbeitet worden sind, hat die Xinhua-Buchhandlung mit der Reform begonnen und bereits einige Errungenschaften erzielt. Lehrbücher haben im Prozess, dass Distributionskanäle sich vom Monopol Xinhuas zu einem Angebotssystems verwandeln, den Anfang gemacht; die Teilnahme von Einzelnen ist erlaubt, solange diese die Bedingungen, was Qualität und Lieferung anbelangt, erfüllen.

Den Daten, die von APP am 4. Juni 2002 herausgegeben wurden, zufolge publizierten Chinas 562 Verlagshäuser im Jahr 2001 6,31 Mrd. Buchtitel mit einem Wert von 46,68 Mrd. Yuan. Dies umfasste 3,34 Mrd. Lehrbücher im Wert von 17,46 Mrd. Yuan, was 52,9% bzw. 37,39% aller ausmachte.

Trotz des öden Buchmarktes stieg der Absatz von Lehrbüchern weiter und erzeugte 60% der Profite für Xinhua.

Im Oktober 2001 gaben die APP, das Erziehungsministerium und die ehemalige Staatliche Entwicklungs- und Planungskommission gemeinsam ein Dokument über Maßnahmen zur Angebotseinholung für die Distribution von Lehrbüchern heraus. Die Provinzen Anhui und Fujian und die regierungsunmittelbare Stadt Chongqing begannen unverzüglich mit Testprojekten für das neue System. Solche Projekte müssen 2003 in ganz China durchgeführt werden, bevor die Praxis offiziell 2004 landesweit eingeführt werden wird. Dies bedeutet, dass Xinhua dann in diesem Bereich seinen Vorteil einbüßen wird.

Vorteile behalten

Die Vorteile der Xinhua-Buchhandlung liegen in ihren zahlreichen Einrichtungen, reichen Erfahrungen und ihrer Stärke, was das Management von großen Geschäften anbelangt, und ihrem guten Ruf, der sich seit vielen Jahren entwickelt hat. Darüber hinaus haben viele Provinzen und Städte gigantische Xinhua-Buchläden gebaut, wie das Xidan-Buch-Gebäude in Beijing und die Bücherzentren in Shanghai, Shenyang, Changsha, Chengdu und Hefei. Diese großen Buchgebäude und zahlreichen Buchläden im ganzen Land werden den Namen Xinhua weiter in einer führenden Position im Buchdistributionswesen lassen.