Eine höhere Schwelle für Doktoranden
 
Von Wang Jun

Die Bildungsreform ist eines der ewig diskutierten Themen in China, und einer der Punkte, welche die Kritiker pausenlos ansprechen, ist das starre Prüfungssystem, ein System, das, wie Mao Zedong einst sagte, „die Studenten als seinen Feind betrachtet“.

Jetzt, wo jeder Teil des chinesischen Lebens sich in der Reform befindet, beginnen die Universitäten an ihrem Prüfungssystem herumzubasteln, um den Schwerpunkt, das Auswendiglernen von Lehrbüchern, zu kreativem Denken zu verlagern und den Studenten, anstatt wie früher nur eine Chance zu geben, jetzt viele Chancen, die Prüfung zu bestehen, zu gewähren.

Während ihr Reformplan (bisher noch nicht als Reform an sich in die Tat umgesetzt) weit und breit zu Kontroversen geführt hat, versucht die 105 Jahre alte Peking-Universität ebenfalls, das Prüfungssystem ihrer Doktoranden zu modernisieren.

Da die Anzahl der Doktorandenbewerber steigt, verändert die Peking-Universität (Beida) ihre Einschreibregeln, damit weniger Bewerber die Schwelle überschreiten können. Allerdings sind Bedenken aufgekommen, ob die neuen Regeln fair sind.

Im Jahr 2003 bewarben sich etwa 3400 Studenten für das Doktorandenprogramm der Beida; im Jahr 2002 waren es nur 2700 gewesen. Der Anstieg der Anzahl machte es für die Zulassungsprüfer unmöglich, alle Bewerber einzeln in einem Vorstellungsgespräch unter die Lupe zu nehmen.

In der Vergangenheit wurde mit jedem Bewerber direkt nach der schriftlichen Prüfung ein persönliches Vorstellungsgespräch geführt. Mittlerweile finden es die Verantwortlichen allerdings unmöglich, mit allen Kandidaten persönlich zu sprechen.

„Die Zeit für das Vorstellungsgespräch mit jedem Bewerber beträgt im Durchschnitt nur etwa 10 oder 15 Minuten“, sagte Sheng Yuhai, Direktor des Zulassungsbüros der Absolventenschule der Peking-Universität.

Ab dem Jahr 2004 wird der traditionelle zweiteilige Zulassungsprozess – schriftliche Prüfung plus Vorstellungsgespräch – einem dreiphasigen Prozess den Weg frei machen: schriftliche Prüfungen, Einreichung der Bewerbungsmaterialien und eine zweite Prüfungsrunde.

Die schriftlichen Prüfungen sind für den 13. und 14. März 2004 angesetzt. Vom 23. Februar bis zum 19. März müssen die Bewerber die Bewerbungsmaterialien bei den zuständigen Instituten und Seminaren einreichen. Auf der Grundlage der schriftlichen Prüfungen und der Bewerbungsmaterialien werden die Institute und Seminare die Bewerber umfassend überprüfen und die Kandidaten für die zweite Prüfungsrunde auswählen.

In den vergangenen Jahren reichten die Bewerber die Bewerbungsmaterialien im Oktober oder November ein. Diese Materialien waren zum Zeitpunkt der Einschreibung im März oder April nächsten Jahres oft schon wieder veraltet, womit es für die Zulassungsprüfer schwierig war, die Qualifikationen des Bewerbers einzuschätzen. Indem von den angehenden Studenten verlangt wird, die Bewerbungsmaterialien drei Monate vor und eine Woche nach den schriftlichen Prüfungen einzureichen, hofft die Universität jetzt, „frischere“ Informationen zu erhalten.

In der zweiten Prüfungsrunde wird sowohl eine schriftliche als auch eine mündliche Prüfung erfolgen, um den akademischen Background, die Fremdsprachenkenntnisse und die Fähigkeit des Bewerbers, zu erörtern und Neuerungen einzuführen, zu beurteilen. Eine Gruppe von Leitenden, anstatt einzelner Leitender, wird das endgültige Ergebnis entscheiden.

Sheng Yuhai sagte zu Beijing Rundschau, die Universität würde einige Maßnahmen ergreifen, um einen fairen Prozess zu gewährleisten. Eine dieser Maßnahmen, die nächstes Jahr beginnen würde, sei, dass Institute und Seminare in der Universität ein 30%iges Mitspracherecht haben würden, ob ein Kandidat akzeptiert werde oder nicht. Das Bewerbungsmaterial zählt auch zu einem gewissen Prozentsatz. Die Bewerber werden von einer Gruppe von sieben bis neun Leitenden anstatt von einzelnen Leitenden befragt werden. Jedes Mitglied der Gruppe, welche die mündliche Prüfung vornimmt, fällt seine Entscheidung allein, und die endgültige Entscheidung wird in einem Gruppenkonsens gemacht werden.

Eine weitere geplante Maßnahme ist das „Sonnenschein“-Projekt. Im Rahmen dieses Projektes veröffentlichen die Institute und Seminare nach jedem Schritt des Prüfungsprozesses eine Liste der erfolgreichen Kandidaten online. In der Namensliste stehen die Noten und Positionen aller Bewerber zur Verfügung. In den letzten Jahren ist dies eine allgemein angewandte Praxis an der Beida gewesen, und nur einige wenige Bewerber hatten diesbezüglich Beschwerden.