Schritt für Schritt zum Frieden
 

Von Wang Yong und Zhou Xinhua

Vom 27.-29. August fanden die ersten Sechs-Parteien-Gespräche über die koreanische Nuklearkrise in Beijing statt, die viele dazu veranlasste, sich zu fragen, ob der Frieden schließlich über die Gewalt auf der Koreanischen Halbinsel siegen werde. Können die Nationen Streitigkeiten auf eine andere Weise als die, welche wir im Irak gesehen haben, beilegen?

Beijing Rundschau war am 1. September Gastgeber eines Aufmerksamkeit erregenden Seminars, das ein bisschen Licht in die Angelegenheit bringen sollte. Sechs chinesische Experten, darunter ein ehemaliger Diplomat und ein Militärforscher, waren sich darin einig, dass, auch wenn ein holpriger Weg vor der Sache liege, der Dialog der einzige Ausweg sei.

Wir präsentieren die Diskussionen der Experten unter drei breiten Themen: „Waren die Gespräche symbolischer oder substantieller Natur?“, „Chinas Rolle: Nicht mehr, nicht weniger“ und „Die Zukunft: Nicht unbeschwert“.

Die Meinungen der Experten spiegeln nicht unbedingt Chinas offizielle Linie oder den Standpunkt der Beijing Rundschau wider.

Die Teilnehmer:

Wang Gangyi: Herausgeber der Beijing Rundschau und Leiter des Seminars

Wang Yusheng: Leitender Forschungsmitarbeiter der Chinesischen Stiftung für Internationale Studien und des Instituts für Weltentwicklung

Fu Mengzi: Leiter der Abteilung für Amerikanische Studien des Chinesischen Instituts für Zeitgenössische Internationale Beziehungen

Ruan Zongze: Stellvertretender Direktor des Chinesischen Instituts für Internationale Studien

Shi Yongming: Forscher des Chinesischen Instituts für Internationale Studien

Luo Yuan: Forscher der Chinesische Akademie der Militärwissenschaften

Gao Haikuan: Forscher der Chinesischen Vereinigung für Internationale Freundschaftliche Kontakte

Waren die Gespräche symbolischer oder substantieller Natur?

Wang Gangyi: Es gibt verschiedene Kommentare über die Sechs-Parteien-Gespräche. Einige sagen, dass die Gespräche substantieller Natur gewesen seien, andere sagen, dass sie nur eine Show gewesen seien. Was ist die Bedeutung der Gespräche?

Ruan Zongze: Die Gespräche waren konstruktiv und kreativ. Vor den Gesprächen wurden Sicherheitsangelegenheit in Nordostasien hauptsächlich durch bilaterale Verhandlungen angesprochen, was nicht den Bedürfnissen der Zeit entsprechen konnte. Die Sechs-Parteien-Gespräche pflasterten den Weg für einen multilateralen Kommunikationsrahmen in Nordostasien.

Während der Gespräche stimmten alle Parteien außer der Demokratischen Volksrepublik Korea (DPRK) überein, dass die Koreanische Halbinsel atomwaffenfrei sein sollte. Und alle Parteien außer den USA sprachen sich eindeutig für eine friedliche Beilegung der Nuklearkrise aus.

Wang Yusheng: Das Ergebnis der Gespräche war weitaus besser als erwartet. Dass die USA und die DPRK sich zusammen an einen Tisch gesetzt und die Angelegenheit in einer ruhigen Atmosphäre diskutiert haben, ist an sich bereits eine Errungenschaft.

Die Gespräche waren auf eine andere Weise wichtig: Sie sandten der Welt ein positives Signal, dass internationale Sicherheitsangelegenheiten nach dem 11. September 2001 durch einen Dialog anstatt durch eine Konfrontation gelöst werden können. Die Sechs-Parteien-Gespräche schufen ein Modell des Krisenmanagements, das anders als das für den Irak ist, nämlich im Einklang mit dem Geist der Charta der Vereinten Nationen.

Die Gespräche negierten zudem Unilateralismus jeglicher Art und willkürliches Denken jeglichen Landes. Die Gespräche demonstrierten, dass Unilateralismus manchmal siegen kann, allerdings gewinnt er nicht die öffentliche Meinung für sich und ist daher wirklichkeitsfremd. Aus demselben Grund ist willkürliches Denken ebenfalls nicht realistisch.

Gao Haikuan: Die Gespräche waren erfolgreich und bisher beispiellos. In der Vergangenheit wurden fast alle Treffen von einem heftigen Wortaustausch überschattet. Diesmal fanden die Gespräche auf eine ruhige und gemäßigte Weise statt. Die DPRK machte diesmal beträchtliche Bemühungen, und ich würde sagen, dass die DPRK zu gewissem Grad Erfolge erzielte.

Shi Yongming: Die Sechs-Parteien-Gespräche erreichten nur oberflächliche Ergebnisse. Es ist nicht klar, was die Spitzenführungskräfte der betroffenen Länder eigentlich machten.

Die Gespräche waren eine historische Chance für China, die DPRK und die Republik Korea, sie werden aber vielleicht nicht so wichtig für die USA oder Japan gewesen sein.

Fu Mengzi: In gewissem Sinne waren die Errungenschaften der Gespräche eher symbolischer als substantieller Natur. In der Tat wurde sich bereits in den 1990ern über eine atomwaffenfreie Koreanische Halbinsel geeinigt. Daher hatten die Sechs-Parteien-Gespräche im Grunde nichts Neues zu bieten. Sowohl die DPRK als auch die USA blieben diesmal eigentlich unnachgiebig.

Aber in anderer Hinsicht trug die Haltung der DPRK (dass sie nicht Atomwaffen entwickelt, um des Besitzes von Atomwaffen willen) dazu bei, dass andere Länder in der Region in die Schranken gewiesen wurden, die Nuklearentwicklung als eine Tarnung für andere Zwecke zu nutzen. Darüber hinaus brachten die Gespräche die betroffenen Parteien vom Abgrund des Krieges weg.

Luo Yuan: Es ist nicht wichtig, ob substantielle Errungenschaften erreicht worden sind. Was wichtig ist, ist, dass ein multipolares regionales Muster aufgetaucht ist, auch wenn es noch in einem embryonalen Stadium ist. Die koreanische Nuklearkrise ist für Chinas Interessen relevant, wenn sie auch nicht unbedingt ein Kerninteresse ist. Wir werden nicht sehen, dass unsere Beziehungen mit der DPRK geschwächt werden.

     
Wang Yusheng: „Eine verantwortungsvolle Großmacht sollte kein Unilateralist oder Unruhestifter sein.“   Shi Yongming: „Für die DPRK ist die größte Gefahr, dass die USA sich ihren Forderungen gegenüber taub stellen werden.“  

Luo Yuan: „Falls die USA Wirtschaftssanktionen über die DPRK verhängen sollten, wäre China das einzige Land, das in der Lage sein würde, mittels des Land- und Seetransports die Sanktionen zu durchbrechen.“

 
     
Gao Haikuan: „Wir haben Schritte auf der Treppe vernommen, allerdings haben wir niemanden herunterkommen gesehen.“   Fu Mengzi: „Was die USA möchten, wird wahrscheinlich nicht nur eine atomwaffenfreie Koreanische Halbinsel sein.“  

Ruan Zongze: „China wird eine größere Rolle spielen, sobald ein multilateraler Sicherheitsrahmen in Nordostasien etabliert sein wird.“

 

Chinas Rolle: nicht mehr, nicht weniger

Wang Gangyi: Nach den Gesprächen gab es zwischen den internationalen Medien und Analytikern Meinungsverschiedenheiten über die Rolle Chinas in den Gesprächen. Spielte China eine wesentliche Rolle?

Ruan Zongze: Wir sollten niemals denken, dass China den Schlüssel zur Lösung der koreanischen Nuklearkrise in den Händen hält. Letztendlich ist es eine Angelegenheit zwischen den USA und der Demokratischen Volksrepublik Korea (DPRK). China hat getan, was es tun konnte: nicht mehr, nicht weniger. China wird eine größere Rolle spielen, sobald ein multilateraler Sicherheitsrahmen in Nordostasien etabliert worden ist.

Shi Yongming: Bisher ist China ein ausgleichender Faktor gewesen. China sollte in der Zukunft eine größere Rolle spielen, da ein fundamentaler Grund hinter dem Auftauchen der koreanischen Nuklearkrise ist, dass die Geopolitik der Region aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Luo Yuan: Auf der einen Seite sollten wir die Rolle Chinas nicht übertreiben. Auf der anderen Seite sollten wir verstehen, warum China in der Lage gewesen ist, diese Rolle diesmal zu übernehmen. Es gibt drei Hauptgründe dafür.

Erstens, die koreanische Nuklearkrise ist ein Erbe des Kalten Krieges, an dem China, Russland, die USA und Japan alle beteiligt waren. Diese Länder haben unterschiedliche starke Interessen an der Angelegenheit. Darüber hinaus überschneiden sich Chinas Interessen mit vielen der anderen Parteien. Beispielsweise teilen China, die USA, Japan, die Republik Korea und Russland alle das Ziel, die Koreanische Halbinsel atomwaffenfrei zu halten; China, die DPRK, die Republik Korea, Japan und Russland teilen das Interesse, der DPRK zu helfen, ihre Wirtschaft zu entwickeln; China, die DPRK, die Republik Korea, Japan und Russland haben ähnliche Interessen im Rahmen der Gewährleistung der Sicherheit für die DPRK; und China, Russland und die Republik Korea sind alle dagegen, Sanktionen über die DPRK zu verhängen.

Zweitens, China und die DPRK haben eine spezielle strategische Beziehung. Sicherlich betrifft die koreanische Nuklearkrise in erster Linie die DPRK, deren Haltung und Art und Weise zusammen mit denen der USA der Schlüssel für die Beilegung der Angelegenheit sind. Alle anderen Nationen sind nur externe Faktoren, und nur wenige dieser Nationen können einen direkten Einfluss auf die DPRK ausüben. Beispielsweise haben die USA, Japan und die Republik Korea keine normalen diplomatischen Beziehungen mit der DPRK etabliert und können daher mit Letztgenannter nicht durch die normalen diplomatischen Kanäle kommunizieren. Nur China kann frei mit der DPRK kommunizieren.

Immerhin haben China und die DPRK eine besondere Geschichte der Kooperation. Vor einem halben Jahrhundert haben sie Seite an Seite gekämpft. Ihre Freundschaft hat die Prüfung der Zeit und des Krieges bestanden. Auch wenn sie heute über einige Themen unterschiedlicher Meinung sind, vertraut die DPRK China mehr als den USA, Japan oder der Republik Korea. Bevor die Sechs-Parteien-Gespräche begannen, besuchte Xu Houcai, ein General der Chinesischen Volksbefreiungsarmee, die DPRK. Der Besuch hatte eine tiefe symbolische Bedeutung, was für substantielle Themen auch immer von den beiden Seiten diskutiert wurden.

Falls die USA Wirtschaftssanktionen über die DPRK verhängen würden, wäre China das einzige Land, das die Sanktionen mittels des Land- und Seetransports durchbrechen könnte. Dies ist der Grund, warum sowohl die USA als auch die DPRK um die Unterstützung Chinas bemüht sind. Kurz gesagt, China ist von geografischer Bedeutung.

Drittens, China verfolgt eine diplomatische Politik der Unabhängigkeit und Blockfreiheit. China hat keine politische Voreingenommenheit und kann die Probleme und Forderungen aller betroffenen Parteien verstehen. Das Ziel der DPRK, Atomwaffen zu entwickeln, ist, die Welt darum zu bitten, ihr mit der nationalen Sicherheit und Entwicklung zu helfen. Die DPRK sollte in der Lage sein, wenn ihr Ziel erreicht ist, einen Kompromiss einzugehen. Die DPRK dachte, dass nur die USA in der Lage seien, diese Forderung zu erfüllen, daher war sie zunächst nicht bereit, sich in multilaterale Gespräche zu engagieren. Darüber hinaus hatte die DPRK befürchtet, dass multilaterale Gespräche den Fokus von ihrer nationalen Sicherheit und Entwicklung auf andere Themen lenken könnten. Allerdings wollten die USA keine bilateralen Gespräche mit der DPRK führen, da die Erstgenannte befürchtete, dass jegliches bilaterales Abkommen nicht bindend sein würde. Daher sprachen die USA sich für multilaterale Gespräche aus.

Nachdem es die Interessen beider Seiten untersucht hatte, schlug China vor, dass ein multilateraler Rahmen geschaffen werden sollte, in dem die USA und die DPRK bilaterale Gespräche führen könnten. Der Vorschlag führte als Erstes zu Drei-Parteien-Gespräche zwischen China, den USA und der DPRK und dann zu den Sechs-Parteien-Gesprächen.

Nach diesen Ausführungen ist es wichtig zu bemerken, dass Chinas Rolle begrenzt ist. Die USA und die DPRK sind die Quellen der koreanischen Nuklearkrise, und sie halten den Schlüssel zu einer Lösung in den Händen.

Wang Yusheng: Es ist fair von gewissen internationalen Medien, China für seine konstruktive Rolle zu loben. Es ist ebenfalls fair von gewissen Medien zu sagen, dass China den Sechs-Parteien-Dialog in seinem eigenen Interesse organisiert hat. Kamen denn nicht alle Teilnehmer aus ihren eigenen Interessen? China ist jedoch kein selbstsüchtiger Nationalist. Es berücksichtigt die Interessen aller Parteien als auch seine eigenen. Eine verantwortliche Großmacht sollte kein Unilateralist oder Unruhestifter sein. China hat alle Mittel versucht, um die betroffenen Parteien zu ermutigen, die Atompläne für die nationale Sicherheit aufzugeben und die koreanische Nuklearkrise „gleichzeitig und schrittweise“ beizulegen. Dies zeigt, dass China verantwortungsbewusst und prinzipientreu ist.

Die Zukunft: nicht unbeschwert

Wang Gangyi: Es ist nicht klar, ob die sechs Parteien in der Lage sein werden, sich in zwei Monaten wieder zu treffen, oder was für neue Errungenschaften erreicht werden würden, falls eine neue Gesprächsrunde stattfinden würde. Könnten Sie Prognosen abgeben?

Wang Yusheng: Die ganze Welt schaut zu, wie die koreanische Nuklearkrise sich entwickeln wird. Die Menschen hoffen, dass der hart verdiente Dialog weiter geführt werden kann und dass keine zusätzlichen Probleme auftauchen werden. Allerdings gibt es Bedenken, dass der Unilateralismus wieder an Schwung gewinnen wird.

Die USA sind im Nahen Osten und im Irak vollauf beschäftigt und unter Druck, daher möchten sie strategisch und taktisch die Situation in der asiatisch-pazifischen Region stabilisieren, insbesondere auf der Koreanischen Halbinsel. Gewisse US-Medien berichteten, dass US-Präsident George W. Bush Außenminister Colin Powell, der moderater ist, die koreanische Nuklearkrise handhaben und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, der aggressiver ist, die Irak-Angelegenheit regeln lässt, in der Hoffnung, zwischen den Hawks und den Doves in der US-Administration ein Gleichgewicht zu schaffen. Dies stimmt. Die Hawks halten sich, was die koreanische Nuklearkrise anbelangt, zurück, nicht weil sie es wollen, sondern weil sie es müssen. Wenn die Zeit reif ist, werden die Hawks allerdings zurückkommen und die Angelegenheit wieder in Wallung bringen. Wir müssen wachsam sein.

Shi Yongming: Das Wichtigste momentan ist, zu verhüten, dass die USA und Japan die Angelegenheit ins Unendliche verzögern. Das wahre Ziel der USA könnte der Sturz von Kim Jong Il sein, allerdings können sie dies nicht offen sagen. Sie sollten in der nächsten Runde der Gespräche (wenn es denn welche gibt) mit einer offiziellen Politik aufwarten.

Wir sollten nicht zu viel substantiellen Fortschritt in der ersten Runde der Sechs-Parteien-Gespräche erwarten, die nächste Runde sollte allerdings realer und substantieller sein. Für die DPRK ist die größte Gefahr, dass die USA sich ihren Forderungen gegenüber taub stellen werden.

In Nordostasien nicken die USA Japan zu, um ihre militärische Macht zu expandieren. Falls die Sechs-Parteien-Gespräche die koreanische Nuklearkrise nicht lösen können, könnte das Ergebnis sein, dass Japan in der Region arroganter werden wird.

Luo Yuan: Das Ziel der DPRK ist einfach und klar: nationale Sicherheit und Entwicklung. Dies ist leicht zu befriedigen. Das Problem liegt auf der Seite der USA, deren Politik nicht klar ist. Möchten sie Kim Jong Il stürzen?

Gao Kaikuan: Die Sechs-Parteien-Gespräche werden nicht die letzte Chance sein, die koreanische Nuklearkrise beizulegen. Die USA behaupteten, es sei die letzte Chance, damit haben sie jedoch nur Druck auf die DPRK ausgeübt. Es besteht die Möglichkeit weiterer Koordination unter relevanten Parteien, der Ball ist jedoch auf dem Feld der USA. Die Frage lautet: Wer wird als erstes Zugeständnisse machen? Wir haben Schritte auf der Treppe vernommen, allerdings haben wir niemanden herunterkommen gesehen.

Es ist nicht klar, ob es in den nächsten zwei Monaten zu einer neuen Gesprächsrunde kommen wird, ich bin jedoch davon überzeugt, dass der Dialog fortgesetzt werden sollte. Wir können es uns nicht leisten, zurückzugehen. Jeder Rückschritt würde ohne Hoffnung sein.

Fu Mengzi: Die Sechs-Parteien-Gespräche waren nur ein Beginn. Die USA und die DPRK sind weit von einer Annäherung entfernt. Es gibt zu viele Unsicherheiten in der Zukunft, und die DPRK hat wahrscheinlich nicht viele Karten auf Lager. Die USA möchten wahrscheinlich nicht nur eine atomwaffenfreie Koreanische Halbinsel, sondern könnte auch Themen wie Raketen und Menschenrechte in Bezug auf die DPRK anvisieren. Die Aussichten sehen nicht vielversprechend aus.

 

Zusatzinformation: Chronologie der DPRK-Nuklearkrise

1991

31. Dezember: Die Demokratische Volksrepublik Korea (DPRK) und die Republik Korea unterzeichnen die Gemeinsame Erklärung über eine atomwaffenfreie Koreanische Halbinsel.

1992

30. Januar: Die DPRK und die Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) unterzeichnen die Gemeinsame Erklärung über eine atomwaffenfreie Koreanische Halbinsel.

1993

12. März: Aus Unzufriedenheit mit der Inspektion der IAEA gibt die DPRK ihren Rückzug vom Nicht-Weitergabe-Vertrag (NPT) bekannt.

1994

21. Oktober: Die DPRK und die USA unterzeichnen ein Rahmenabkommen in Genf. Dem Abkommen zufolge stimmt die DPRK zu, ihr Nuklearprogramm im Austausch für den Bau von zwei Nuklearreaktoren vonseiten der USA einzufrieren. Bevor die Reaktoren jedoch gebaut werden, sollten die USA und ihre Alliierten der DPRK Treibstoff liefern.

2002

20. Oktober: US-Außenminister Colin Powell sagt, dass die DPRK gegenüber US-Präsidentschaftsgesandten James Kelly zugegeben habe, ein Nuklearprogramm zu haben und „uns für ihre Taten verantwortlich machte“. Die US-Regierung betrachtet den Atomvertrag zwischen den USA und der DPRK von 1994 als effektiv gescheitert.

14. November: Die Energieentwicklungsorganisation der Koreanischen Halbinsel, mit den USA, Japan und der Republik Korea als ihren wichtigsten geschäftsführenden Mitgliedern, entscheidet, die Schwerölverschiffungen für die DPRK ab Dezember einzustellen.

29. November: Das Aufsichtsgremium der IAEA verabschiedet eine Resolution, die von der DPRK verlangt, ihr Nuklearprogramm aufzugeben, alle betroffenen Einrichtungen zu schließen und IAEA-Inspektionen zu akzeptieren.

12. Dezember: Die DPRK erklärt, sie werde ihr Nuklearprogramm einfrieren.

31. Dezember: Alle IAEA-Inspektoren ziehen sich aus der DPRK zurück.

2003

10. Januar: Der DPRK-Botschafter in den USA Pak Gil Yon sagt, dass die IAEA und der NPT Instrumente der USA gegen die DPRK geworden seien. Folglich entscheidet die DPRK, sich aus dem Vertrag zurückzuziehen.

25. Januar: Das Außenministerium der DPRK erklärt, dass die DPRK dagegen sei, die Nuklearangelegenheit der Koreanischen Halbinsel zu internationalisieren, und drängt auf direkte Gespräche mit den USA.

12. Februar: Die IAEA entscheidet, die Nuklearangelegenheit der DPRK an den UN-Sicherheitsrat weiterzugeben.

21. April: Der Sprecher des Außenministeriums der DPRK sagt, dass die DPRK nicht an der Form des Dialogs festhalten werde, bis die USA ihre gegenwärtige DPRK-Politik verändern würden.

23.-25. April: Drei-Parteien-Gespräche werden in einem Versuch, eine friedliche Lösung zur Beilegung der koreanischen Nuklearangelegenheit zu finden, zwischen der DPRK, China und den USA in Beijing geführt.

30. Mai: Eine US-Kongress-Delegation besucht die DPRK, wo beide Seiten übereinkommen, einen Weg zu suchen, um die Nuklearangelegenheit durch einen Dialog beizulegen.

12.-13. Juni: Die USA, Japan und die Republik Korea halten Gespräche in Hawaii ab und diskutieren über ein multilaterales Treffen betreffs der koreanischen Nuklearkrise.

8. Juli: Die DPRK-Seite enthüllt vor amerikanischen Beamten auf einem informellen Treffen, dass die DPRK die Wiederaufbereitung von 8000 nuklearen Brennstäben Ende Juni beendet habe.

12.-15. Juni: Der chinesische Sondergesandte Dai Bingguo führt eingehende Gespräche mit dem DPRK-Führer Kim Jong-il über die koreanische Nuklearangelegenheit.

1. August: Der Sprecher des DPRK-Außenministeriums sagt, dass die DPRK ein Sechs-Parteien-Gespräch zwischen der DPRK, den USA, China, Russland, Japan und der Republik Korea und bilaterale Gespräche im Rahmen der Sechs-Parteien vorgeschlagen habe. US-Präsident Bush sieht dies als eine positive Entwicklung.

7.-9. August: Der chinesische Vizeaußenminister Wang Yi besucht die DPRK für eine umfassende und detaillierte Diskussion über die anstehenden Sechs-Parteien-Gespräche in Beijing.

27.-29. August: Die Sechs-Parteien-Gespräche finden in Beijing statt.

Zusatzinformation: Standpunkt der sechs Parteien

Der Leiter der DPRK-Delegation Kim Yong Il: Die DPRK wird ihre Bereitschaft, ihr Nuklearprogramm aufzugeben, zeigen, wenn die USA ihre Bereitschaft zeigen, ihre feindliche Politik gegenüber der DPRK aufzugeben.

Leiter der US-Delegation James Kelly: Die DPRK sollte die Entwicklung von Atomwaffen aufgeben, bevor die USA jeglichen Kompromiss in Betracht ziehen werden.

Der Leiter der Delegation der Republik Korea Lee Soo-Hyuck: Eine atomwaffenfreie Koreanische Halbinsel sollte verwirklicht werden, und die Sorge der DPRK über ihre Sicherheit sollte ebenfalls gelöst werden.

Der Leiter der chinesischen Delegation Wang Yi: Wir sollten die Halbinsel atomwaffenfrei machen und die Sicherheitssorgen der DPRK berücksichtigen. Der Dialog ist der einzige effektive Weg, den Frieden und die Stabilität der Halbinsel zu gewährleisten.

Der Leiter der russischen Delegation Alexander Losiukow: Gespräche sind der einzig durchführbare Weg, die komplizierte Angelegenheit der Koreanischen Halbinsel zu lösen.

Der Leiter der japanischen Delegation Mitoji Yabunaka: Die Atomwaffen-Entwicklung der DPRK ist nicht zu tolerieren. Die Nuklearkrise und die Angelegenheit der japanischen Geiseln sollten vor der Normalisierung der bilateralen Beziehungen Vorrang haben.

Zusatzinformation: Nach den Gesprächen – DPRK versus USA

Am 30. August sagte der Sprecher des DPRK-Außenministeriums: Die USA haben nicht die kleinste Bereitschaft gezeigt, ihre feindliche Politik gegenüber der DPRK zu ändern. Stattdessen versuchten sie, Nutzen aus den Gesprächen zu ziehen, um die DPRK abzurüsten. Wir möchten mit den USA friedlich koexistieren, sie möchten jedoch, dass wir unsere Waffen als erste niederlegen.

Am 29. August sagte der Sprecher des US-Außenministeriums: Die USA sind mit den Ergebnissen der Beijing-Gespräche zufrieden. Die USA versuchen, die Nuklearkrise friedlich zu lösen und nicht in die DPRK einzufallen.

Zusatzinformation: Sechs Punkte der Übereinstimmung

1. Die Nuklearkrise durch friedliche Mittel und Dialog lösen;

2. während eine atomwaffenfreie Koreanische Halbinsel verwirklicht werden sollte, sollten die Sicherheitsbedenken der Demokratischen Volksrepublik Korea ebenfalls berücksichtigt werden;

3. einen umfassenden Plan erforschen, um die Nuklearkrise auf eine faire und vernünftige Art und Weise und gleichzeitig und schrittweise lösen;

4. im Verhandlungsprozess sollten jegliches Vorgehen und Wort, welche die Situation verschlimmern könnten, vermieden werden;

5. der Dialog sollte weiter Vertrauen etablieren, Differenzen reduzieren und den gemeinsamen Grund erweitern;

6. die Sechs-Parteien-Gespräche sollten weitergehen, und über einen genauen Termin und Ort sollte so schnell wie möglich durch diplomatische Kanäle entschieden werden.