Zulassung von Privatbanken?
 
Die Ruhmeshalle: Die Shanghai Pudong Development Bank (SPDB), eine Chinas größter börsennotierter Firmen, zieht wegen ihrer hervorragender Leistung Auslandsinvestment in Millionenhöhe an. Im Mai erklärte sich die Citibank einverstanden, 556 Mio. Yuan (67,15 Mio. US$) auszugeben, um einen 4,62%igen Anteil an der SPDB zu erwerben. Die Citibank hat ebenfalls das Recht, zwischen 2006 und 2008 bis zu 24,9% der Firmenaktien zu kaufen, so heißt es in einem Dow Jones-Bericht. Die Hong Konger Hang Seng Bank plant, Aktien der Minsheng-Bank, Chinas einziger Privatbank, zu erwerben. Bisher haben nur wenige Ausländer angeboten, sich in Staatsbanken, die mit schlechten Außenständen durchsetzt sind, einzukaufen.

Von Feng Jianhua & Tan Wei

Die Chinesische Bankaufsichtskommission (CBRC) zieht in Betracht, dass nach der Zulassung der ersten Privatbank des Landes, der Mingsheng-Bank, 1996 fünf weitere Privatbanken genehmigt werden sollten. Sind die Bedenken der Regierung über den privaten Missbrauch von Bankmacht fehl am Platz? Kann der Markteintritt von privaten Banken – damit ist nicht die Privatisierung von Banken gemeint – China helfen, das Gesamtausmaß von schlechten Außenständen zu reduzieren?

Unbekanntes Schicksal der Fünf

Am 23. Juli reichte eine Anzahl von privaten Investoren und Gelehrten ihre Vorschläge für die Einrichtung von fünf Privatbanken bei der CBRC ein, und zwar mit der Überzeugung, dass das staatliche Monopol des Bankensektors aufgehoben werden müsse, wenn mit den emporragenden schlechten Außenständen des Landes fertig geworden werden soll.

Die fünf Banken mit einem durchschnittlichen eingetragenen Kapital von 300 Mio. Yuan (36,23 Mio. US$) werden den Status von Kommerzbanken erhalten, wenn sie von der CBRC genehmigt werden. In anderen Worten heißt das, dass sie wie jede andere staatseigene Kommerzbank mit Guthaben, Darlehen und Investment zu tun haben würden. Der einzige Unterschied wäre, dass die Privatbanken in ihrem Maßstab weitaus kleiner wären.

Die fünf vorgeschlagenen Banken sind die Shenyang Ruifeng Bank (in Shenyang, Provinz Liaoning), die Xi’an Great Wall Bank (in Xi’an, Provinz Shaanxi), die Jiangyin Commercial Bank (in Jiangyin, Provinz Jiangsu), die Foshan Nanhua Bank (in Foshan, Provinz Guangdong) und die Shenzhen Minhua Bank (in Shenzhen, Provinz Guangdong).

Xu Dianqing, ein unkündbarer Professor der University of West Ontario und der Chefarchitekt der Vorschläge, sagte, dass wahrscheinlich mindestens zwei bewilligt würden. Yi Xianrong, ein Forschungsrat der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, sagte jedoch, die Regierung solle keine dieser vorgeschlagenen Banken genehmigen.

Yi warnte, dass Privatbanken wahrscheinlich das Geld der Menschen absaugen würden, ohne Garantie, das Geld jemals zurückzubekommen. Er äußerte, er würde eher ausländische Banken auf dem chinesischen Markt willkommen heißen – da inländische Privatbanken einfach unzuverlässig seien.

Der China Economic Times zufolge gibt die CBRC keinerlei Anzeichen hinsichtlich der endgültigen Entscheidung. Kommissionsbeamte sagten zu Beijing Rundschau, dass sie „momentan keine klare Antwort (was das Schicksal der fünf Banken anbelange) geben können“. Analytiker sagten, dass die CBRC zu beschäftigt sei, sich mit den schlechten Außenständen der Staatbanken zu befassen, so dass sie nicht dazu komme, über die geplanten Privatbanken zu entscheiden.

Die Stille macht die fünf Banken nervös. In einem Exklusivinterview mit Beijing Rundschau am 12. August äußerte ein leitender Manager der Shenzhen Juyou Ltd., eines beabsichtigten Aktieninhabers der Shenzhen Minhua Bank, er habe noch keine positive Antwort von der CBRC erhalten.

„Wir haben uns vor zwei oder drei Jahren um die Abwicklung von privaten Bankengeschäften beworben, aber bisher haben wir noch kein zustimmendes Nicken erhalten“, sagte Liu Kangjian, Manager der Geschäftsentwicklung von Shenzhen Juyou. „Diesmal haben wir sogar noch weniger Zuversicht.“

Ein Vertreter der Guangdong Air Conditioning Co., der geplante größter Aktieninhaber der Foshan Nanhua Bank, sagte zu Beijing Rundschau, die Firma habe bisher noch keine Antwort von der CBRC erhalten. Allerdings sei die Firma davon überzeugt, dass sie möglicherweise die erste sein werde, die offizielle Zustimmung erhalten werde, sagte er.

Abgesehen von den Bedenken vonseiten der Regierung hinsichtlich der Glaubwürdigkeit von Privatbanken stehen auch noch gewisse technische Angelegenheiten im Weg. Zum Beispiel erlaubt der Vorschlag von Professor Xu einem einzelnen Aktieninhaber, mehr als 40% der Aktien in einer Privatbank zu besitzen, während das gegenwärtige Gesetz die Höchstgrenze bei etwa 10% festsetzt.

Ein dritter möglicher Grund für die Unentschlossenheit der CBRC ist, dass sie und die Privatinvestoren voneinander abweichen, was die Einführung der Privatbanken anbelangt. Die CBRC möchte die Privatbanken auf der Basis der von Schulden geplagten Ländlichen Kreditgenossenschaften etablieren, wohingegen die privaten Investoren diese Last nicht übernehmen wollen und darauf bestehen, dass die privaten Banken von Null eingerichtet werden.

Eine Erhebung, die letztes Jahr von der Chinesischen Volksbank, der Zentralbank des Landes, durchgeführt wurde, stellte fest, dass die meisten Privatinvestoren von der Idee der Reform der mehr als 40 000 Ländlichen Kreditgenossenschaften, die schlechte Außenstände in Höhe von insgesamt 500 Mrd. Yuan (60,39 Mrd. US$) angehäuft haben, nicht angetan waren. Als er aufgefordert wurde, einen Kommentar zu der Erhebung abzugeben, sagte ein CBRC-Beamter nur, dass die Kommission die Angelegenheit „sorgfältig studieren“ werde, bevor sie jegliche klare Antwort auf die Frage, ob die Privatbanken auf den Ländlichen Kreditgenossenschaften basieren sollten, geben werde.

Warum Privatbanken?

Tang Min, Chefökonom der Asiatischen Entwicklungsbank in China und ein ehemaliges Mitglied des Finanzinstitutes „Große Mauer“, sagte zu Beijing Rundschau, dass China aus drei Gründen mehr Privatbanken zu entwickeln habe:

· Kleine und private Banken sind die besten Unterstützer von Chinas kleinen und mittelgroßen Unternehmen, für die es nicht leicht ist, von großen staatlichen Kommerzbanken Geld zu leihen.

· Es gibt weltweit nicht viele Fälle, in denen staatseigene oder staatlich kontrollierte Banken erfolgreich gewesen sind, da es diesen Banken an effektivem Management, dass die Menschen entsprechend ihrem Verdienst entlohnt werden, fehlt; und

· private Banken, die auf Kreisen, städtischen Bezirken und Städten basieren, können leicht den Bedarf an Geld auf niedrigerer Ebene befriedigen.

Tang sagte, Privatbanken hätten zu einer wichtigen Komponente Chinas Bankwesens zu werden. Er gab zu, dass die Regierung hinsichtlich der Genehmigung von Privatbanken vorsichtig sein solle, da große Aktieninhaber die Banken nutzen könnten, Geld für illegale Zwecke aufzubringen.

„Aber vorsichtig zu sein bedeutet nicht, dass China keine Privatbanken haben sollte“, sagte er und bemerkte, dass die Minsheng-Bank, die einzige Privatbank in China momentan, weit davon entfernt sei, die öffentliche Nachfrage nach Darlehen zu befriedigen.

Gegenwärtig geben die staatlichen Kommerzbanken etwa 70% ihrer Darlehen an staatseigene Unternehmen. Die Folge ist, dass private Unternehmen, die normalerweise von kleinerer Größe sind, nicht viel leihen können.

Dies ist absurd, angesichts der Tatsache, dass Privatunternehmen etwa 50% der Anzahl aller Unternehmen ausmachen und etwa 20% Chinas ganzer Arbeitskraft anstellen. Eine wichtige Rolle der Privatbanken sei, diese gelddurstigen Privatunternehmen zu finanzieren, sagte Tang.

Eine weitere Funktion, die nicht so offensichtlich, aber wichtiger sei, sei der Wettbewerb, den Privatbanken Chinas stark monopolisiertem Bankwesen mitbringen würden, sagte der Wirtschaftsexperte.

„Der Erfolg der Finanzreform ist, den Markt für Privatinvestoren zu öffnen sowie die existierenden Staatsbanken zu renovieren“, sagte Tang.

Mit anderen Worten, die Reform der Staatsbanken allein schafft keinen Wettbewerb.

Es lohnt sich, zu erwähnen, dass kein Befürworter der Privatbanken für die Privatisierung aller chinesischer Banken spricht. Wofür beide, Tang und Xu, sich einsetzen, ist ein konkurrenzfähiger Markt, in dem private und staatliche Banken auf der gleichen Grundlage miteinander in den Wettbewerb treten. Dies unterscheidet sich grundlegend von dem Finanzsystem in Russland, wo die Staatsbanken privatisiert wurden, es aber zu keinem Wettbewerb kam.