Einen Platz, um seinen Hut aufzuhängen
 

Von Brett Davis

(Der Autor, Journalist, ist aus Australien und lebt gegenwärtig in Beijing.)

Ein Zuhause ist für mich mehr als vier Wände, ein Boden und eine Decke; es ist eine Bastion, die letzte Verteidigungslinie gegen eine raue und verwirrende Welt. Diese Abwehrfunktion hat für mich niemals zuvor so eine große Bedeutung wie in Beijing, eine Stadt, deren reine Größe und Tempo einen veranlassen können, seine Vorräte aufzustocken, die Tür zu verbarrikadieren und sich für Tage zu verkriechen, gehabt.

Dies bedeutet nicht, dass Wände niemals durchbrochen werden können. Eine meiner ersten Bleiben, die ich hier hatte, hatte eine besonders besitzergreifende Vermieterin, die dazu neigte, sich selbst unangekündigt in meine Wohnung zu begeben.

Eines frühen Morgens in meiner Mietzeit wachte ich auf und fand meine

Vermieterin, ihre Schwester und vier Arbeiter in meinem Schlafzimmer vor. Es ist nicht leicht, in einer solchen Situation seine Würde zu behalten, ich dachte jedoch, ich schaffe es, indem ich eiligst mein Laken ergriff, um meine Bescheidenheit zu schützen. Abgesehen von diesen gelegentlichen Unterbrechungen sehe ich meine Wohnung allerdings als eine Insel der Ruhe und Ordnung in einem chaotischen Meer.

Dennoch war der Zeitpunkt für Veränderungen vor kurzem, als mein Mietvertrag dabei war, auszulaufen, gekommen. Mit dem Gefühl, dass meine finanzielle Situation mir die Gelegenheit bot, mich zu verbessern, d.h. nach einer etwas größeren Burg als einem besseren Schuhkarton Ausschau zu halten, machte ich mich an die unermüdliche Aufgabe der Wohnungssuche.

Dies ist noch niemals, ganz gleich wo auch immer in der Welt, eine meiner liebsten Aktivitäten gewesen, hier ist es jedoch verbunden mit sprachlichen Barrieren und meiner allgemeinen Verwunderung über den elastischen chinesischen Prozess des Abschließens eines Abkommens.

So war es an der Zeit, die Anzeigen zu studieren und Runden von E-Mail-Korrespondenz und Telefonanrufen zu absolvieren und Leute an Straßenecken zu treffen, um auf Besichtigungstouren zu gehen. Über die erste Wohnung, die ich mir anschaute, war mir gesagt worden, dass sie neu sei und mir bestimmt gefallen würde. Sie war sicher neu, in der Tat jedoch eher noch eine Art Baustelle. Untapezierte Wände und ein nackter Betonboden grüßten mich, mir wurde jedoch versichert, dass die Innenausstattung innerhalb einer Woche abgeschlossen sein würde und ich eine Einrichtung ganz nach meinen Wünschen haben könnte. Ich muss zugeben, dass ich meine Zweifel über die Wahrhaftigkeit dieser Aussage hatte. Ein Grund hierfür war, dass die Wohnung direkt über meiner alten Bleibe, in den letzten sechs Monaten renoviert worden war, wobei all die Bauarbeiten den Einsatz eines Presslufthammers direkt über meinem Bett und zwar jeden Morgen um 7.30 Uhr zu benötigen schien.

Ich machte mir auch Sorgen über den Standard der Einrichtung, den ich auszuhandeln in der Lage sein würde, nachdem ich mich erkundigt hatte, wo die Klimaanlage installiert werden würde. Der Besitzer teilte mir mittels eines Agenten, der das Dolmetschen übernahm, mit, dass ich sechs Monatsmieten im Voraus zu bezahlen haben würde, um diese überhaupt installiert zu bekommen. Es ist unnötig zu sagen, dass ich beschloss, weiter zu suchen.

Ich schaute der nächsten Besichtigung aufgeregt entgegen, da die Wohnung innerhalb der zweiten Ringstraße gelegen war und ich mich darauf freute, so zentral inmitten des Lebens und der Farben der Stadt zu wohnen. Die Wohnung an sich war passabel, aber ich hatte Befürchtungen über die Wohnanlage: eine Reihe nach der anderen von identischen sechsstöckigen Gebäuden in enteneiblau. Die „Straßen“, die durch die Anlage verliefen, waren unheimlich ruhig und es kam einem vor, als seien sie von der Stadt außerhalb des Wohnkomplexes abgeschnitten. Etwas störte mich an der isolierten und sterilen Natur der Wohnanlage, die mir den Eindruck vermittelte, als könne sie überall in der Welt sein. Als ich mich daran machte, zu gehen, begleitet von dem Geräusch meiner Fußtritte, erwartete ich fast einen Steppenläufer vorbeischnaufen zu sehen und einen einsamen Hund in der Entfernung heulen zu hören.

Es gab viele Wohnungen, die etwa meinen finanziellen Möglichkeiten entsprachen, aber auf die eine oder andere Weise ihre Mängel hatten. Dies hatte oft mit dem Badezimmer zu tun, aber ich möchte nicht näher darauf eingehen, da man Jahre darauf verwenden könnte, über die Mysterien der Badezimmerdesigns in diesem Land nachzudenken. Eine Wohnung hatte in der Tat das kleinste Badezimmer, das ich je gesehen habe, und ich habe bereits auf einem Schiff gelebt. Der Duschkopf war direkt gegenüber der Toilette angebracht. Auch wenn die Erfüllung dieser beiden wesentlichen Aufgaben zur gleichen Zeit, die Dinge am Morgen sicher beschleunigen würde, würde es schwierig sein, zu lesen, was ich gewöhnlich gerne tue, wenn ich auf der Toilette hocke.

Letztendlich lag, wie so oft, wenn man Dinge in der Ferne sucht, das, wonach ich suchte genau vor mir. Um genau zu sein, gerade mal zwei Stockwerke über mir im gleichen Gebäude, wodurch der Umzug relativ einfach sein würde und meine Nachbarn mich schon kennen würden und noch wichtiger, mir bereits verziehen haben würden. Von meinem neuen Zuhause kann ich in die Welt hinabsteigen und mich so weit wie ich möchte in sie hineinsinken, wenn es sich jedoch danach anfühlt, dass sie mich unterkriegen wird, kann ich nach wie vor flüchten. Es ist wichtig, einen Ort zu haben, wo man die Tür schließen und damit den Rest der Welt außen vorlassen kann, wo die Regeln die eigenen sind und alles etwas mehr Sinn ergibt.