Viel Größe und Glanz zu Gesicht bekommen
 
Vier Kinder, 50 Gepäckstücke und eine einzigartige Reise

Von Shazia Pasha

(Die Autorin ist die Ehefrau eines pakistanischen Diplomaten in Beijing.)

Shanghai: Vielversprechendes Leuchtfeuer

Nach einem kurzen Flug von Beijing schafften wir es inmitten von Chaos und Verwirrung, die normalerweise vier Kinder begleiten, mit 50 Gepäckstücken und einer hysterischen Mutter intakt anzukommen. Der Reiseleiter, der uns begleiten sollte, brachte uns in dem palastartigen Hotel Huangfan unter, wo ich in der Lage war, mich zu erfrischen und meine reichlich angespannten Nerven zu beruhigen, bevor wir uns aufmachten, die Straßen von Shanghai zu erkunden. Während wir uns durch den stetigen Verkehrssturm wanden, schauten wir, als die Morgensonne sich in den hoch emporragenden Gebäuden spiegelte, mit ehrfürchtigem Staunen auf ein architektonisches Fest des modernen China.

Shanghai, eine der größten und kosmopolitischsten Metropolen Chinas: Hier leben 13 Mio. Menschen, und die Stadt entwickelt sich rasch zu einer der größten kommerziellen Epizentren der Geschäftswelt. Für einen erstmaligen Besucher Shanghais wie mich ist der erste Eindruck der moderne und schicke Anblick der Gebäude gewesen, die sich krass vor der Skyline abheben und sich schützend vor ihren Einwohnern in den Himmel erstrecken. Riesige Flächen mit sich weit ausbreitenden kommerziellen und Business-Niederlassungen dominieren Shanghais gesamtes Stadtbild. Shanghai bedeutet wörtlich übersetzt eigentlich „Stadt über dem Meer“. Sein Standort ist an der Küste der Ostchinesischen See und dem berühmten Jangtse.

Es war interessant, durch die Nachbarschaftsviertel zu spazieren, wo man eine einzigartige Vermischung von europäischer Architektur und alten chinesischen Gebäuden sehen konnte. Besonders das berühmte Viertel am Bund, wo die typischen Gebäude im viktorianischen und kolonialen Stil die einstigen deutschen, französischen und britischen Konzessionen repräsentieren, wurde in einem schillernden Farbenspiel, das den Himmel über Shanghai erleuchtete, zu Leben erweckt. Hier trafen Menschen aus allen Gesellschaftsschichten in Hunderten zusammen, um sich die herrliche Szenerie mit dem berühmten Fernsehturm „Perle des Orients“, der besonders schimmerte, ähnlich einer Perlenkette auf einem Jadebett, wie er oft beschrieben worden ist, anzusehen.

Eine interessante Fahrt durch den Tunnel unter dem Fluss ermöglichte uns, auf die andere Seite des Huangpujiang zu gelangen und das schicke, sich schnell entwickelnde Neue Gebiet Pudong zu erkunden. Der Jin Mao Tower, ein überwältigendes 88stöckiges Hochhaus, ist das höchste Gebäude in China und unter den drei höchsten Gebäuden der Welt. Von seinem Aussichtsbalkon erhielten wir einen atemberaubenden Ausblick auf Shanghai und staunten über dessen Modernität und Bauleistungen, die im Rest der Welt kaum seinesgleichen finden. Das halsbrecherische Tempo und die Mobilität, mit denen die Chinesen derartig komplexe und dennoch hochmoderne Gebäude in einer kurzen Zeit produziert haben, demonstriert wieder einmal die reine Hingabe und den Erfolg Chinas, mit denen es unter anderen Nationen aufsteigt, um die neue Weltgemeinschaft zu führen.

Die überall gegenwärtigen kommerziellen Attraktionen sorgen garantiert für einen Kaufrausch. Touristen sowie Ortsansässige bevölkern die Einkaufszonen und versuchen, ein Schnäppchen zu machen. Wir besuchten die berühmte Nanjing-Straße und erfreuten uns an einer Fahrt in einer der Bahnen, die dazu dienen, die Füße zu entlasten und die Beschwerden der Kinder, erschöpft zu sein, verstummen zu lassen. Die feinen Hinweise des Orients konnten von Zeit zu Zeit in den alten chinesischen Gebäuden gesehen werden, allerdings war ein starker westlicher Einfluss überall vorhanden. McDonald’s, KFC, Pizza Hut und Starbucks waren ein integrierter Teil der Shanghaier Einkaufswelt, sehr zur Freude der Kinder.

Wir verließen Shanghai nicht, ohne den namhaften Jadebuddha-Tempel zu besichtigen, womit wir einen Schritt zurück in die Geschichte taten, da wir die Reise des berühmten Buddha bis zu seinem endgültigen Ruheort zurückverfolgten. Eine Sache war sicher, Shanghai winkt seine Besucher herbei, immer wieder zurückzukehren, mit dem Versprechen, jedes Mal neue Überraschungen zu erleben.

Suzhou: Paradies auf Erden

Suzhou, bekannt als das „Venedig des Ostens“, sitzt auf einem verwickelten Netzwerk von Wasserwegen, die schließlich mit dem Großen Kaiserkanal, der einer der längsten künstlich gebauten Kanäle in der Welt sein soll, zusammenlaufen. Es wird geschätzt, dass er 800 Meilen lang ist und ursprünglich gebaut wurde, um Reis von den Ebenen des Jangtse als ein Tribut zur kaiserlichen Regentschaft in Beijing zu transportieren. Suzhous Bevölkerung wird auf 5,7 Mio. Einwohner geschätzt, die mir in starkem Kontrast zu den arbeitswütigen Menschen in Beijing erschienen, da die Atmosphäre in der Stadt gelassen, ruhig und entspannend auf uns wirkte, so dass wir uns sehr wohl fühlten.

Eine der herausragenden Merkmale Suzhous konnte in seinen atemberaubenden Gartenanlagen gefunden werden, die es geschafft haben, in ihrer ursprünglichen Form zu überleben. Die Gärten symbolisierten tatsächlich eine harmonische, friedliche und gelassene Atmosphäre, wodurch sie in einer anderen Welt zu existieren schienen. Als wir einen langen entspannenden Spaziergang machten, war es nicht schwer, sich vorzustellen, wie die kaiserlichen Majestäten und ihre Konkubinen, die in dieser Schönheit residierten, sich so himmlisch umgeben von den Geschenken von Mutter Natur gefühlt haben mussten.

Suzhou zu besuchen, ohne die vergnügliche Erfahrung einer berühmten Kanalbootfahrt zu machen, war undenkbar. Wasserwege und Kanäle an jeder Ecke erinnerten uns mit ihren traditionellen chinesischen Booten daran, und die singenden Ruderfrauen waren zu gut, als dass man an ihnen vorbeigehen hätte können. Als wir uns für eine 45minütige Fahrt auf ein Boot begaben, war das Dahingleiten auf dem dunkelgelben Wasser des Kanals wahrhaftig eine berauschende Erfahrung – den Anblick vorbeigleitender Pagoden und alter Gebäude, die auf ihren wässrigen Fundamenten an den Ufern des Wasserweges standen, genießend.