Japans besondere Rezession
 
Ohne angemessene Lösung des Problems der wirtschaftlichen Struktur kann Japans Wirtschaft ein eigenständiges Wachstum nicht erreichen und wird mehr von anderen Nationen abhängen.

Von Feng Zhaokui

„Ohne Reform kein Wirtschaftswachstum“, äußerte Junichiro Koizumi im April 2001, als er sich um die Führerschaft der Japanischen Liberaldemokratischen Partei und den Posten des Premierminister bewarb. Obwohl diese Erklärung beabsichtigte, seine Entschlossenheit für das Vorantreiben der Reform zu zeigen, ist diese jedoch allzu wahr geworden.

Zwei Jahre später nach seinem Amtsantritt und einem schwachen Wirtschaftswachstum hat Koizumi bei dieser Reform keinen merklichen Fortschritt erzielt. Japans Wirtschaft begann sich seit dem Februar vorigen Jahres, langsam wieder zu beleben. Die Wachstumsrate der vier Quartale 2002 lag bei Null, 1,3%, 0,8% bzw. 0,4%. Das erste Quartal dieses Jahres zeigte eine Zunahme um 0,1% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Diese Zahlen bedeuten, dass sich das Wirtschaftswachstum Japans seit dem zweiten Quartal 2002 bemerkenswert verlangsamt hat.

Im Finanzjahr 2001 (vom April bis zum nächsten März) erlitt Japans Bruttoinlandsprodukt (BIP) das größte negative Wachstum (-1,2%) in der schwerwiegendsten Rezession seit dem 2. Weltkrieg. Das BIP des Finanzjahres 2002 stieg in geringer Gewinnspanne (1,5%) an, höher als das geschätzte 0,9%. Im Jahr 2000 erreichte Japans BIP 539,2 Billionen Yen. Ein Rückgang um 6,8 Billionen Yen wurde im nächsten Jahr ausgewiesen, obwohl die Zahl im Jahr 2002 wieder auf 540,6 Billionen Yen stieg. Das heißt, dass Japans BIP in den zwei Finanzjahren der Koizumi-Administration nur um 1,4 Billionen Yen oder 0,25% stieg.

Im Vergleich zu den 1990ern, das sogenannte „verlorene Jahrzehnt“ mit einer Jahreswachstumsrate von 1%, hat Japans Wirtschaft im 21. Jahrhundert keinen merklichen Fortschritt gemacht.

Das gravierende Problem der japanischen Wirtschaft ist ihre Struktur. Ohne angemessene Lösung dieses Problems kann die Wirtschaft ein eigenständiges Wachstum nicht erreichen und wird immer mehr von anderen Nationen abhängen. Besonders erwähnenswert ist, dass der Export für Japan der einzige Ausweg ist. Dieser wird sogar schlechter als im Vorjahr ausfallen, aufgrund der unklaren Aussichten der amerikanischen Wirtschaft nach dem Krieg im Irak und der unsicheren asiatischen Wirtschaft unter dem Einfluss von SARS. Daher ist es schwer, die Leistung der japanischen Wirtschaft in diesem Jahr zu prognostizieren. Die Wachstumsrate wird schätzungsweise zwischen -0,5% und 0,7% betragen, ca. 1% geringer als im Jahr 2002.

Die gegenwärtige Wirtschaftslage in Japan kann mit den folgenden sechs Aspekten beschrieben werden:

1. Schleppende Deflation

Die stetige Senkung von Warenpreisen hat zu einem kontinuierlichen Rückgang des BIP Japans in den Jahren 2001 und 2002 geführt. Das nominelle Wachstum sank innerhalb zweier Jahre von 515,4 Billionen Yen im Jahr 2000 auf 499 Billionen Yen im Jahr 2002.

Wirtschaftliche Aktivitäten eines Landes sollten nicht auf Preisen eines bestimmten Jahres, z. B. 1995, basieren, sondern auf aktuellen Preisen. Daher ist das augenblickliche Gefühl der Menschen für die Wirtschaftslage näher am nominellen BIP-Wert.

Die japanische Regierung verkündete, dass sie sich nach 2005 von der Deflation befreien werde. Unter dem Druck der globalen Deflation scheint dies jedoch eine harte Nuss zum Knacken zu sein. Einige Menschen verwechseln die Deflation in Japan mit dem Deflationsphänomen in Europa und Amerika. Es mangelt diesen an der Einsicht, dass erstens die Deflation in Japan eine schleppende Plage geworden ist; und zweitens die Deflation in Japan nicht nur den kontinuierlichen Preissturz, sondern auch die kontinuierliche Abwertung von Vermögen umfasst.

2. Hartnäckige finanzielle Probleme

Alle Marktwirtschaften sind wahrscheinlich mit dem Problem von „Luftblasenwirtschaft“ und Finanzkrisen konfrontiert. Nach dem Platzen der „Luftblasen“ in Japan in den 1990ern wurden die USA durch die gleiche „Krankheit“ — hauptsächlich in der IT-Industrie — geschlagen. Aber Japan bot einen wirklich seltenen Fall. Es ist sogar nach einem Jahrzehnt noch nicht in der Lage, aus den Schatten dieser Luftblasenwirtschaft zu treten. Schwer einforderbare Kredite von Banken bleiben ein schwieriges Problem, was die schleppende Wirtschaft immer noch mehr belastet.

Die japanische Regierung verkündete, im Jahr 2004 50% der nicht eintreibbaren Darlehen zu reduzieren. Hierfür haben Japans wichtigste Banken seit dem Herbst vorigen Jahres die Beseitigung ihrer schwer einforderbaren Darlehen beschleunigt. Insgesamt 6,4 Billionen Yen an nicht eintreibbare Darlehen wurden im Vorjahr gestrichen. Auf diese Weise sanken die nicht eintreibbaren Darlehen der 15 wichtigsten Banken von 27,2 Billionen Yen im März 2002 auf 20,8 Billionen Yen im März dieses Jahres. Hinzu kam der Verlust am Aktienmarkt. Daher haben die nicht eintreibbaren Darlehen der Banken dem Finanzsystem weitere Unsicherheitsfaktoren hinzugefügt. Um die Nationalisierung öffentlichen Kapitals zu verhindern, gaben japanische Banken ihre Pläne bekannt, die Kapitalversorgungsrate zu steigern. Allerdings versetzte der kontinuierliche Sturz auf dem Aktienmarkt sieben große Bankengruppen in eine Notlage, so dass ihre Defizite im Jahr 2002 4,6 Billionen Yen erreichten. Am 17. Mai verlangte Resona Bank, die fünftgrößte Bank Japans, die Hilfe der Regierung, die sofort mit öffentlichen Fonds in Höhe von 17 Mrd. US$ antwortete. Dies war das erste Mal in den vergangenen vier Jahren, dass die japanische Regierung derartige Maßnahmen für heimische Banken ergriff.

3. Flaue inländische Nachfrage

Zum Wirtschaftswachstum (0,3%) Japans im Jahr 2002 trug die inländische Nachfrage mit -0,4% und die ausländische Nachfrage (Nettexport) mit 0,7% bei. Mit anderen Worten wurde die nachlassende Nachfrage durch den Zuwachs der ausländischen Nachfrage ausgeglichen, was ein geringes Wachstum brachte.

Die inländische Nachfrage umfasst die nichtstaatliche und die öffentliche Nachfrage. Trotz eines Wachstums von 1,5% in der nichtstaatlichen Konsumtion sanken Ausgaben für Wohnungen und Investition in die Ausstattung der Unternehmen jedoch um 4,8% bzw. 3,8%. In der Folge ging die gesamte nichtstaatliche Nachfrage um 0,6% zurück. Ein wichtiger Grund für die Reduzierung der Investitionen der Unternehmen ist das langwierige Problem der übermäßigen Schulden der Unternehmen. Obwohl sie Profite machen möchten, mussten sie jedoch zuerst Schulden abzahlen, anstatt in ihre Ausstattung zu investieren.

Einer Untersuchung der Japanese Policy Bank zufolge werden die gesamten Jahresausgaben für die Ausstattung im Jahr 2003 schätzungsweise um 3% gegenüber 2002 sinken. Dies wird das dritte. aufeinanderfolgende Jahr des Rückgangs in diesem Bereich sein. Andererseits kann die Regierung angesichts der stockenden Finanzen des Landes nicht mehr mit öffentlichem Geld die Wirtschaft stimulieren. Als Folge würde das Wachstum der öffentlichen Nachfrage nur bei 0,3% liegen.

Strukturelle Probleme haben zur flauen inländischen Nachfrage geführt. Unter diesen Bedingungen wird die Wiederbelebung der japanischen Wirtschaft in großem Maßstab vom Wachstum der ausländischen Nachfrage abhängen.

4. Unsicherheit der äußeren Umgebung

Im Jahr 2002 stiegen Japans Export und Import um 8,2% bzw. 2,1% gegenüber 2001. Das heißt, dass das Wachstum der Nettoexporte den Rückgang der inländischen Nachfrage ausgeglichen hat. Die japanische Wirtschaft fiel im Jahr 2002 unvermeidlich wieder in die Rezession. Kann die ausländische Nachfrage die Wirtschaft dieses Jahres vorantreiben? Es gibt noch viel Bedenken.

Das größte Problem, das die globale Wirtschaft beeinflusst, sind die negativen Einflüsse, die durch den Krieg der USA im Irak verursacht worden sind. Es ist zu vermuten, dass die Weltwirtschaft dieses Jahres wieder nicht in Schwung kommt. Die bekannten Probleme gibt es weiterhin. Insbesondere bleiben viele Probleme in den entwickelten Ländern ungelöst. Beispielsweise sind die USA immer noch mit der harten Aufgabe der Wirtschaftsumstrukturierung konfrontiert und schenken ausländischem Investment größere Aufmerksamkeit, während sie durch finanzielles Defizit und übermäßige Haushaltsdarlehen entkräftet werden. Europa ist ebenfalls durch die Steigerung finanziellen Defizits, die Zunahme der Arbeitslosigkeit und die schleppende Umstrukturierung überwältigt worden. Diese Probleme werden zwangläufig weiterreichendere Einflüsse auf die Weltwirtschaft als der Krieg im Irak haben, der schnell beendet wurde. Zusammengefaßt sind die extremen Faktoren für die japanische Wirtschaft nicht zufriedenstellender als im letzten Jahr.

Da Exporte für die flaue japanische Wirtschaft mit einer mangelnden inländischen Nachfrage von großer Wichtigkeit sind, ist die Wirtschaftslage in den USA — dem größten Importeur Japans — von besonderer Bedeutung. Noch viele Unsicherheiten bleiben in der amerikanischen Wirtschaft, die durch die Fluktuation ihres Wechselkurses begleitet wird. Japans Exporte in die USA nahmen im Januar und Februar dieses Jahres um 3,8% bzw. 13,6% ab, für Japan wahrscheinlich ein dunkles Jahr. Allerdings haben seine starken Exporte nach anderen asiatischen Ländern, insbesondere nach China, diesem Jahr ein geringes Wachstum beschert.

Besonders erwähnenswert ist die Triebkraft der Exporte nach China für Japans Wirtschaft. Die nicht zufriedenstellenden Exporte in die USA wurden durch die riesige Nachfrage der Chinesen ausgeglichen. Eine beträchtliche Zunahme ist in Japans Exporten nach China im Januar und dem Februar dieses Jahres (27,5% bzw. 66,6%) festzustellen. Allerdings ist es schwer zu sagen, ob Exporte Japans Wirtschaft vorantreiben werden, wenn man den kürzlich durch SARS gebrachten Einfluss auf Chinas Wirtschaft und die ganze ostasiatische Wirtschaft berücksichtigt.

5. Preissturz auf dem Aktien- und dem Immobilienmarkt

Seit dem Platzen der „Luftblasenwirtschaft“ Japans Anfangs der 1990er sind die Aktienpreise und die Immobilienpreise gesunken. Insbesondere nach der zweiten Hälfte des Jahres 2002 stellte der Aktienmarkt in Tokio mehrmals negative Rekorde auf. Beeinträchtigt durch den Krieg im Irak und die nukleare Krise der Demokratischen Volksrepublik Korea, ging der durchschnittliche Nikkei-Aktienpreis Ende März dieses Jahres auf 8000 Yen zurück. Der Preis im April betrug durchschnittlich 7909 Yen, während der durchschnittliche Bodenpreis um 5,9% zurückging, was einen 11 Jahre dauernden Preissturz bedeutet.

Der Rückgang des Vermögenspreises übte gravierend negative Einflüsse auf die japanische Wirtschaft aus. Der Preissturz auf dem Aktienmarkt führte zur Reduzierung der hinreichenden Rate des Kapitals von Banken. Die Senkung der Immobilienpreise machte es schwieriger, das Problem der nicht eintreibbaren Darlehen von Banken zu lösen, was die Stabilität des ganzen Finanzsystems und die Vertrauenswürdigkeit der Finanzinstitutionen beeinträchtigen wird.

6. Im Schatten der Rezession

Zur Zeit befindet sich die japanische Wirtschaft in einer besonderen Rezessionsperiode, die durch die folgenden Besonderheiten gekennzeichnet ist: Erstens kann selbst die Zirkulation der „Wiederbelebung“ Japan nicht helfen, über den Schatten der Rezession zu springen; zweitens kann Japan selbst nicht die langsame aber kontinuierliche Deflation überschreiten; drittens können die wichtigen Makrosteuerungsmethoden, darunter Finanzen, nicht funktionieren; viertens kann sogar eine extrem mildere Finanzpolitik Investitionen nicht wiederbeleben, da Fonds von Unternehmen in Form der Rückzahlung von Schulden in Banken fließen, anstatt dass das Geld der Haushalten durch Banken in Unternehmen fließt; fünftes verteilten Politiker, von politischer Überlegung ausgehend, Ressourcen an „Sonnenuntergangsbranchen“, die für die Entwicklung nur ein kleines Potential haben, was den Zufluss von Kapital in vielversprechende Bereiche beeinträchtigt hat. Dies hat zu einer riesigen Vergeudung der Mittel geführt.

Nichtsdestotrotz ist die japanische Wirtschaft weltweit die zweitgrößte und soll nicht vernachlässigt werden. Glänzende Erfolge sind in seiner IT-Industrie erzielt worden. Sein Breitband-Netzwerk wird weltweit als das Beste betrachtet. Gleichzeitig rühmt es sich Unternehmensgiganten wie Sony und Toyota zu haben, die durch die Umstrukturierung, Erweiterung von Exporten und die Anschließung an den internationalen Markt gut funktionieren. Als ein nur durch einen schmalen Wasserstreifen getrenntes Nachbarland sollte China die Wirtschaftskooperation mit Japan intensivieren.