Versuchsweise Einführung eines medizinischen Betreuungssystems
 
Funktioniert das geplante genossenschaftliche medizinische Betreuungssystem? Testprogramme werden momentan in den Provinzen Jiangxi und Jiangsu durchgeführt.

Von Li Xiaorou

Provinz Jiangxi: Vorbereitungen werden getroffen

Der Kreis Nanchang in der Provinz Jiangxi ist als einer der sieben Versuchskreise für das genossenschaftliche medizinische Betreuungssystem neuen Typs ausgewählt worden. Das System zielt darauf ab, für arme ländliche Einwohner im ganzen Land eine öffentliche Krankenversicherung zu errichten.

Wan Huoyi, Direktor des Amtes für Gesundheitswesen des Kreises Nanchang, sagte, er fühle, dass er eine schwere Last auf sich genommen habe, nachdem er das Testprogramm studiert habe. Das medizinische Betreuungssystem sei für die Bauern so wichtig wie Ackerland, fügte Wan hinzu.

Am 19. Oktober 2002 veröffentlichte der Staatsrat einen Beschluss über die weitere Intensivierung der ländlichen Hygienearbeit, der plant, einen neuen Typ des genossenschaftlichen medizinischen Betreuungssystems für ländliche Gebiete mit Fonds der Zentralregierung, der lokalen Regierungen und der Bauern einzurichten.

In der Tat hat die Zentralregierung seit Anfang dieses Jahres jährlich jedem Landbewohner in den zentral- und westchinesischen Gebieten 10 Yuan (1,20 US$) zur Verfügung gestellt. Die lokalen Regierungen wurden ebenfalls dazu aufgefordert, jedem Landbewohner pro Jahr einen Zuschuss von mindestens 10 Yuan zu geben, und die Bauern zahlen auch einen bestimmten Beitrag, um so das genossenschaftliche medizinische Betreuungssystem zu errichten.

Es gibt im Kreis Nanchang 900 000 Einwohner. Nach dem Versuchssystem der medizinischen Betreuung kann das Gesundheitsamt des Kreises jährlich insgesamt 18 Mio. Yuan erhalten, wobei pro Einwohner 10 Yuan von der Zentralregierung, 4 Yuan von der Provinz, 3 Yuan von der Stadt Nanchang und 3 Yuan vom Kreis Nanchang kommen.

Nachdem der Kreis Nanchang Anfang Juni als ein Testgebiet bestätigt worden war, stellte Wan eine Untersuchung über die medizinischen Ausgaben der Bauern, ihr Alter und ihre Krankengeschichten sowie lokale medizinische Einrichtungen an. Der Anteil der Subvention für medizinische Ausgaben der Bauern wird auf der Grundlage der Untersuchung festgelegt. Wenn die durchschnittlichen Ausgaben der Bauern für medizinische Behandlung in den vergangenen Jahren weniger als die aufgebrachten Fonds sind, sollen 100% der medizinischen Ausgaben zurückerstattet werden. Sonst wird der Anteil reduziert. Das Prinzip ist, das grundlegende Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und den Ausgaben aufrechtzuerhalten.

Auf der Basis des Pro-Kopf-Einkommens von 2530 Yuan im letzten Jahr wurde jeder Bauer aufgefordert, jährlich 15 Yuan für das Projekt zu zahlen.

Die größte Sorge der Planer ist, ob das Projekt fortgesetzt werden kann. Die weitere Durchführung dieses Projektes sei schwieriger als seine Inangriffnahme, sagte Wan. Der Schlüssel für Erfolge liege darin, ob die Bauern davon profitieren könnten und ob das Gleichgewicht zwischen den Einnahmen und den Ausgaben aufrechterhalten werden könne, fügte Wan hinzu.

Nach dem Plan soll das Geld von den Bauern zusammengelegt und dann von zuständigen Abteilungen an lokale medizinische Institutionen entrichtet werden. Von den Bauern zu verlangen, einen Beitrag zu zahlen, ist die härteste Aufgabe. Sie sind unwillig, ihre wenigen Ersparnisse zu teilen. Einige Bauern weigern sich, das Untersuchungsformular auszufüllen, und verbieten sogar medizinischen Mitarbeitern das Haus.

Li Siyun, Verantwortlicher des Krankenhauses der Gemeinde Youlan des Kreises Nanchang, sagte, diese Situation sei verstehbar, da die Bauern in der Vergangenheit dazu aufgefordert worden seien, verschiedenartige Gebühren wie Versicherungen für Vieh und Haus zu zahlen. Sie hätten jedoch nie davon profitiert, was der Glaubwürdigkeit der Regierung geschadet habe, so Li.

Die Durchführung des Plans erfordere die Unterstützung der lokalen Regierungen und Parteikomitees, eine weite Propaganda und koordinierte Maßnahmen. Daher müsse dies ein systematisches Projekt sein, betonte Wan Huoyi.

Wen Tiejun, Experte für ländliche Probleme, sagte, dass es für China, ein Land mit 900 Mio. Bauern, wirklich schwierig sei, ein umfassendes medizinisches Betreuungssystem einzuführen.

Provinz Jiangsu: Bereits Nutzen haben

Die Bauern in der Provinz Jiangsu haben bereits vom neuen medizinischen Betreuungssystem profitiert. Zhang Tingting, eine Einwohnerin der Gemeinde Louzhuang, ist eine unter ihnen. Sie bezahlt jährlich 40 Yuan für ihre ganze Familie, die sich an das genossenschaftliche medizinische Betreuungssystem angeschlossen hat. Im Jahr 2002 war sie krank und gab 49 900 Yuan für die ärztliche Behandlung aus. Ihr wurden jedoch 17 300 Yuan vom genossenschaftlichen medizinischen Betreuungssystem zurückerstattet.

Hu Guangzhong, ein Bauer in Huai’an, gab mehr als 20 000 Yuan für eine Operation für die Entfernung des Gehirntumors seiner Frau und weitere 600 Yuan für die Blinddarmoperation seines Sohnes aus. Er bekam etwa 10 000 Yuan vom genossenschaftlichen medizinischen Betreuungssystem zurück.

Jetzt erfasse das genossenschaftliche medizinische Betreuungssystem in der Provinz Jiangsu 60,8% der Bauern, womit Jiangsu unter Chinas Provinzen, autonomen Gebieten und regierungsunmittelbaren Städten (abgesehen von Shanghai) an erster Stelle rangiere, sagte Xia Yingqiu, ein Beamter des Gesundheitsamtes der Provinz Jiangsu. 35,36% der Bauern hätten an der Krankenversicherung für schwere Krankheiten teilgenommen, 20% mehr als der Landesdurchschnitt.

Ab diesem Jahr wird Provinz Jiangsu in drei Jahren ein genossenschaftliches medizinisches Betreuungssystem neuen Typs mit dem Schwerpunkt auf der Krankenversicherung für schwere Krankheiten etablieren, um die Verarmung der Bauern wegen Krankheiten zu verhindern.

Zhou Min, Direktor des Gesundheitsamtes der Provinz Jiangsu, äußerte, dass die öffentlichen Gesundheitsstandards der Provinz insgesamt gesehen immer noch niedrig seien und dass die Kluft zwischen den städtischen und den ländlichen Gebieten und die zwischen dem Süd- und dem Nordteil von Jiangsu immer noch groß sei. Zur Zeit sei Krankheit ein wichtiger Grund der Armut. Einer Untersuchung seines Amtes vor einigen Jahren zufolge seien 70% der verarmten Haushalte von schweren Krankheiten betroffen gewesen, so Zhou.

Die Bauern sagten oft: „Die Behandlung einer Erkältung kostet soviel wie die Reisernte von einem halben Mu (etwa 0,03 ha), und die Heilung einer Blinddarmentzündung macht die Arbeit eines halben Jahres umsonst.“

„Der neue Typ des genossenschaftlichen medizinischen Betreuungssystems zielt darauf ab, die Armut, die durch Krankheiten verursacht worden ist, von Grund auf zu beseitigen“, sagte Xia.

Nach dem neuen System soll die Subvention für die Krankenversicherung eines Bauern im Durchschnitt 30 Yuan betragen, wobei 10 Yuan von der Provinzregierung, 10 Yuan von der Kreisregierung und 10 Yuan von dem Bauern selbst kommen. Jiangsu wird drei Schritte machen, um das neue System zu etablieren: In diesem Jahr werden fünf Testdörfer in Nordjiangsu ausgewählt werden; das System wird im nächsten Jahr in der ganzen Provinz verbreitet werden, wobei über 60% der Bauern erfasst werden; und im übernächsten Jahr soll diese Rate auf mehr als 80% steigen.

Anfang April dieses Jahres begann der Huaiyin-Bezirk der Stadt Huai’an, das neue System probeweise durchzuführen. Etwa 500 000 Bauern (72,26% der Gesamtzahl) waren beteiligt.

„Dieses System findet unter den Bauern großen Anklang, denn dies ist für sie keine Last, sondern eine Investition in ihre Gesundheit“, sagte Xia.

Jetzt hat die Regierung ein Verwaltungsorgan für die Durchführung des genossenschaftlichen medizinischen Betreuungssystems und ein Sonderkomitee für die Überwachung der Kapitalnutzung gegründet und macht regelmäßig in den Medien die Einnahmen und Ausgaben bekannt.