Der Weg zur CAFHZ
 

Die China-ASEAN-Freihandelszone (CAFHZ) wird beiden Seiten eine internationale Wirtschafts- und Handelspräsenz geben und als ein bedeutendes Wirtschaftsorgan wie die EU und die Nordamerikanische Freihandelszone fungieren.

Von Sun Cheng (Der Autor ist Forschungsrat am Chinesischen Institut für Internationale Studien.)

Die China-ASEAN-Freihandelszone (CAFHZ) ist, seitdem chinesische Staatsführer und Regierungschefs der ASEAN-Länder im November 2001 einen Konsens über die Errichtung einer Freihandelszone (FHZ) innerhalb von 10 Jahren erzielt haben, stets entwickelt worden. Im Mai 2002 wurden die offiziellen Verhandlungen begonnen. Sechs Monate später unterzeichneten beide Seiten das Rahmenabkommen über die allseitige Wirtschaftskooperation zwischen China und der ASEAN, ein Meilenstein in den Beziehungen zwischen China und den ASEAN-Ländern und in der regionalen Wirtschaftskooperation und ein Zeichen, dass das CAFHZ-Projekt in Angriff genommen worden ist.

Nach dem Rahmenabkommen und den einschlägigen Dokumenten soll die FHZ im Jahr 2010 fertiggestellt sein. Neue ASEAN-Mitglieder werden sich einer Nachfrist von fünf Jahren erfreuen. Beide Seiten werden allmählich die Zollbarrieren für importierte Produkte aufheben. China wird zudem im Rahmen des sogenannten „frühen Erntepakets“ einigen wirtschaftlich unterentwickelten ASEAN-Mitgliedern bevorzugte Behandlungen gewähren. In Übereinstimmung mit der Erweiterung der Kooperation werden die beiden Seiten in den Bereichen Landwirtschaft, Arbeitskräfteressourcen, Information, Investment und Erschließung des Einzugsgebiets des Mekong-Flusses zusammenarbeiten.

Im Abkommen heißt es, dass China und die ASEAN in acht Bereichen, darunter u. a. die Landwirtschaft, die Forstwirtschaft und Aquaprodukte, die Handelsliberalisierung realisieren und im Jahr 2006 den Zoll für Agrarprodukte aufheben werden. Im Juni dieses Jahres unterzeichneten China und Thailand in Beijing ein Abkommen, um ab dem 1. Oktober dieses Jahres den bilateralen Handel von Obst und Gemüse mit einem Null-Zoll zu belegen. Dieses Zollbefreiungsprogramm steht ebenfalls allen anderen ASEAN-Ländern offen. Obwohl der Obst- und Gemüsehandel nur als ein kleiner Betrag des Handelsvolumens betrachtet wird, zeigt er jedoch, dass der Aufbau der CAFHZ einen wesentlichen Fortschritt gemacht hat.

Die Anzahl der Projekte für technologische Kooperation und gegenseitiges Investment ist gestiegen. In Übereinstimmung mit dem China-ASEAN-Memorandum der Übereinkunft in der Landwirtschaftskooperation werden die beiden Seiten eine langfristige Kooperation in den Bereichen Hybrid-Reis, Fischfang, Aquaprodukte, Biotechnik, Farm-Equipment und Maschinenbauindustrie im Fokus haben. China hat einigen ASEAN-Ländern Personaltrainingsprogramme geliefert. Es hat zudem mit einigen ASEAN-Mitgliedern, darunter Thailand, Singapur, die Philippinen, Vietnam und Myanmar, Kooperationsabkommen und Memoranden der Übereinkunft im Bereich des Tourismus unterzeichnet. Darüber hinaus sollen auch Memoranden betreffs der IT-Kooperation unterzeichnet werden.

Was die Erschließung des Einzugsgebiets des Mekong-Flusses anbelangt, hat die Kooperation zwischen China und der ASEAN in den Bereichen Transport, Erschließung von Ressourcen, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Tourismus beträchtliche Erfolge erzielt. Eine Autobahn von Kunming in der südwestchinesischen Provinz Yunnan bis nach Bangkok, der Hauptstadt Thailands, befindet sich im Bau. Der Plan für die Pan-Asien-Eisenbahnlinie ist in der Ausarbeitung. Die Schifffahrtsbedingungen entlang des Mekong-Flusses sind merklich verbessert worden. Der Aufbau dieser infrastrukturellen Einrichtungen wird zur wirtschaftlichen Integration der ASEAN-Wirtschaften beitragen und die Wirtschaftsbeziehungen zwischen China und der ASEAN verstärken.

Aktive Förderung der FHZ vonseiten Chinas

Als einer der CAFHZ-Initiatoren hofft China, der Region Impulse zu geben. Entsprechend dem Niveau der Wirtschaftsentwicklung jedes Landes hat China mit jedem ASEAN-Mitglied zusammengearbeitet, um verschiedene Termine für die Handelsliberalisierung zu vereinbaren. China gewährt Laos, Kambodscha und Myanmar bevorzugte Zollsätze und räumt denjenigen Ländern, die keine WTO-Mitglieder sind, Meistbegünstigung ein. Es hat zudem den wirtschaftlich unterentwickelten ASEAN-Ländern bei der Erschließung des Mekong-Einzugsgebiets Unterstützung in den Bereichen Kapital und Material zukommen lassen.

China hat Überlegenheiten im Anbau von Hybrid-Reis und im IT-Bereich. Es nimmt aktiv technologischen Austausch mit den ASEAN-Mitgliedern vor. Beispielsweise gründete es auf den Philippinen ein Hybrid-Reis-Anbauzentrum. China unterstützt zudem die „E-ASEAN-Initiative“, die der Region große technologische Fortschritte bringen wird.

Die CAFHZ ist sowohl für China und als auch für die ASEAN vorteilhaft. Sobald sie etabliert sein wird, wird die CAFHZ ein riesiger Markt in der Region, der sich einer Bevölkerung von 1,7 Mrd. Menschen, eines Bruttoinlandsprodukts von über 2 Billionen US$ und eines Handelsvolumens von 1,2 Billionen US$ rühmen wird. Zur Zeit beträgt der Anteil des Handelsvolumens zwischen beiden Seiten an dem jeweiligen gesamten Außenhandelsvolumen knapp 10%. Aber sobald die FHZ gegründet sein wird, werden die gegenseitigen Exporte beider Seiten schätzungsweise um 50% steigen. Der thailändische Handelsminister sagte voraus, dass sich die ASEAN mehr Vorteile erfreuen werde.

Angekurbelt durch die Inangriffnahme des CAFHZ-Projektes, belief sich das bilaterale Handelsvolumen zwischen China und der ASEAN im Jahr 2002 auf 54,8 Mrd.US$, 31,8% mehr als im Vorjahr. Nach einem Bericht soll das bilaterale Handelsvolumen in den kommenden drei Jahren ein Jahreswachstum von 10% halten. Da China sich immer noch in einer Periode des rapiden Wachstums befindet, kann es für andere Länder in der Region einen großen Exportmarkt und mehr Entwicklungsmöglichkeiten anbieten und dadurch der Motor der regionalen Wirtschaft werden.

China ist für ASEAN-Geschäftsleute nach wie vor ein traditioneller Investmentort. Mit dem schnellen Wachstum Chinas Wirtschaft ist das Investment chinesischer Unternehmen in den ASEAN-Ländern ebenfalls beträchtlich aufgestockt worden. Statistiken im September 2002 zufolge hat die Anzahl der Investmentprojekte chinesischer Unternehmen in Südostasien bereits 769 erreicht, und zwar mit einem Gesamtinvestment von 1,16 Mrd. US$. Die ASEAN ist derzeit für Chinas Bau- und Arbeitskräfteservices ein wichtiger Importmarkt. Die beiden Seiten haben verschiedene Dialog-Kanäle gebildet und ein CAFHZ-Informationsnetzwerk errichtet, um so ihren Unternehmen rechtzeitige und effektive Informationen zur Verfügung zu stellen.

Historische Bedeutung

Der CAFHZ-Aufbau zeigt, dass die China-ASEAN-Beziehungen reifer geworden sind. Ein enger Wirtschaftskontakt und ein gegenseitig tiefes politisches Vertrauen sind für die zukünftige Wirtschaftskooperation Voraussetzungen. Die stärkeren Wirtschaftsbeziehungen haben wiederum für die bilaterale Freundschaft eine solide Grundlage gelegt.

Im November 2002 unterzeichneten China und die ASEAN-Mitglieder die Deklaration über das Verhalten der Anrainer-Länder im Südchinesischen Meer, mit dem Ziel, den Frieden und die Stabilität der Region aufrechtzuerhalten. Im Juni 2003 entschied China, sich dem ASEAN-Abkommen der Freundschaft und Kooperation anzuschließen, wodurch China das erste Nicht-ASEAN-Mitglied dieses Abkommens wurde. Die gemeinsamen Bemühungen Chinas und der ASEAN-Mitglieder im Kampf gegen SARS im Frühling dieses Jahres sind ein weiteres Zeichen ihrer verstärkten Kooperation.

Um die CAFHZ zu etablieren, werden China und die ASEAN-Mitglieder ihre Marktpotentiale weiter erschließen, die Handelsumgebung verbessern und die gegenseitige Ergänzung entfalten, um ein günstiges Umfeld für eine gemeinsame Entwicklung zu schaffen. China und die ASEAN-Mitglieder haben zwar ähnliche industrielle Strukturen, ergänzen einander jedoch von der Perspektive der Handelsstrukturen aus. Der erweiterte regionale Handel und die stabile regionale Wirtschaft werden den Schlag auswärtiger wirtschaftlicher Einflüsse dämpfen. Die CAFHZ wird ein Handelsorgan von der gleichen Bedeutung wie die EU und die Nordamerikanische Freihandelszone schaffen.

Aufgrund großer wirtschaftlicher Kluften zwischen verschiedenen Ländern und der Einflüsse nichtwirtschaftlicher Faktoren begann die Wirtschaftskooperation in Ostasien sehr viel später als in europäischen und amerikanischen Ländern. Diese langsame Entwicklung hat die ostasiatischen Länder in eine ungünstige Situation gebracht, in der Ära der Wirtschaftsglobalisierung zu konkurrieren. Die Inangriffnahme des CAFHZ-Projektes wird der regionalen Wirtschaftskooperation ein gutes Beispiel geben. Hoffentlich wird dies die FHZ-Verhandlungen zwischen der ASEAN und Japan und der Republik Korea fördern und für eine FHZ in Ostasien Erfahrungen liefern und Bedingungen schaffen.