Die Früchte des Weins

 

Chinas Weinwirtschaft ist bereit zum Sprung in ein goldenes Zeitalter mit Hausmarken, die immer besser werden, und ausländischen Labels, die auf geringere Importzölle warten

Von Chai Mi

Wird jemals die Zeit kommen, wenn ein Connaisseur eine Flasche roten Changyu in die Hand nimmt, ihn entkorkt und ausruft: „Ah, der chinesische Wein ist doch der beste in der Welt“ – oder eine Flasche Great Wall nur in den feinsten Lokalen kredenzt wird.

Sicher ist diese Zeit noch in einiger Ferne, wenn inländische Weine nur einen Bruchteil des Preises der ausländischen Weine kosten und „baijiu“, ein hochprozentiges Getränk, das aus Sorghum und Mais gewonnen wird, und Bier die alkoholhaltigen Lieblingsgetränke der Menschen sind. Aber Weinerzeuger sagen, dass sich die Lage rasch ändert.

„Die chinesische Weinwirtschaft wird ein Highlight in der Welt werden“, prophezeite Sun Liqiang, Vorstandsvorsitzender der „Changyu Wine Group Co. Ltd.“, eines der größten Unternehmen in der Weinwirtschaft. „Der Vorsitzende der OIV erzählte mir bei einer internationalen Weinkonferenz letzten Septembers, dass ihn die Entwicklung der chinesischen Weinwirtschaft überrascht hätte. Er sagte voraus, dass der Weinkonsum in Asien, besonders in China, am schnellsten in der Welt anwachsen würde und zwar in weniger als drei Jahren.“

Von 1994 bis 2000, als das jährliche Wachstum der Welt-Wein-Erzeugung bei stetigen 6,5% lag, steigerte sich Chinas Weinverbbrauch um 61,8%. Allein 2002 wuchs die Produktion der China Great Wall Wine Co. Ltd., der Changyu Wine Group Co. Ltd. und der Dynasty Winery Ltd. von 30% bzw. 40%, besonders erstere, die um 100% zulegte. Das durchschnittliche Wachstum der ganzen Industrie überschritt 10%.

Die jährlich erzeugte Weinmenge liegt bei annähernd 27 Mio. Tonnen; China erzeugt freilich nur 300 000 Tonnen pro Jahr. Die Statistik zeigt, dass der globale durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch 7,5 Liter im Jahr beträgt, in China aber nur 0,5, das entspricht 1/15 des Weltdurchschnitts. Chinas Weinwirtschaft hat also viel Spielraum und das Potential für ihr Wachstum.

Chinas wachsende Weinwirtschaft mit ihren guten Aussichten zieht mehr und mehr Kapital an. 2002 war die Weinwirtschaft bestrebt, sich bekannter zu machen und ihren Geschäftsbereich auszudehnen. Mittlerweile versuchen auch solche Firmen wie die Kweichou Moutai Co. Ltd., die Tsingtao Brewery Co. Ltd. und die Hong Konger Leung Group, die bisher nicht in Wein machten, durch eine Fusion oder durch Ankauf das Weingeschäft zu tätigen.

2002 erwarb die Chemiefirma Leung’s Group die Suwu Zhuangyuan Winery Corp. Ltd. in der westchinesischen Provinz Gansu, die ein Traubenanbaugebiet von 1667 Hektar umfasst, und richtete ein Vertriebsnetz ein, das 120 Mio. Yuan kostete. Der Vorstandsvorsitzende dieser Firma sagte, dass das Anbaugebiet auf 5333 Hektar ausgeweitet werden soll, Schritt für Schritt mit ihrem wachsenden Marktanteil. Inzwischen hat sie mit einer Serie von Ankäufen begonnen – eine gesamte Investition von über 300 Mio. Yuan. Der Regierung der Provinz unterstützt die Firma rückhaltlos, weil die zusätzlichen Investitionen die lokale Landwirtschaft beflügeln sollen.

Suwu Zhuangyuan’s Weinberge liegen in einem Gebiet mit den besten Bedingungen: wenig Regen, viel Sonnenschein und es gibt keinen Bedarf an Pestiziden.

China Great Wall, Changyu, Dynasty und sechs weitere lokale Weinerzeuger halten gegenwärtig zusammen 80% des landesweiten Anteils am Weinmarkt.

Huang Shengming, Generalsekretär der Vereinigung der Nationalen Chinesischen Lebensmittel-Industrie, sagte, dass Great Wall, Changyu und Dynasty über 60% der Marktanteile in Südchina halten, dem wichtigsten Absatzmarkt. Great Wall ist die Nr. 1 in Nordchina, Südchina, Nordwestchina und wird am meisten in Südwestchina beachtet, wo sie auf einen Marktanteil von 66,13% kommen. Changyu und Tonghua-Wein nehmen die ersten Plätze in Ostchina bzw. Nordostchina ein. In den letzten Jahren haben chinesische Spitzenweine an die internationalen Normen der Herstellungstechnologie, Qualität und Geschmack angeschlossen. Annährend alle Traubensorten findet man auf einer Anbaufläche von 300 000 Hektar in China. Mittlerweile haben die einheimischen Weinerzeuger ein vergleichsweise ausgereiftes Vertriebsnetz etabliert mit erhöhtem Markenbewusstsein und Vertriebskapazität.

Es steht zu erwarten, dass Chinas Weinmarkt das „Einpersonenstück“ aufführt, bevor die Zölle im Jahre 2004 gesenkt werden. Gegenwärtig verbleibt der Importzoll auf Wein hoch, so auf 65% in 2002. Aber die Tarife werden auf 14% 2004 fallen, was den Weg der ausländischen Weine nach China ebnen wird. Qu Zhe, Generalmanager der China National Cereals, Oil and Foodstuff Import and Export Corp., sagte dazu: „Ausländischer Wein wird den Wettbewerb auf dem chinesischen Weinmarkt anheizen. Dieser wird auch die neue Umbildung der einheimischen Weinwirtschaft beschleunigen und damit Impulse für ihre Entwicklung geben.“

Weinhändler haben bereits ihre Marketing-Aktivitäten erhöht. Für die jüngste Werbe-Maßnahme im chinesischen Zentral-Fernsehen (CCTV) bot Changyu 28,9 Mio. Yuan; die Xinjing Sun Time Group bot 42,9 Mio. Yuan, und die Impression Winery, ein neuer Star in der einheimischen Weinwirtschaft, 82,5 Mio. Yuan.

Im Moment dominieren Great Wall, Changyu und Dynasty aus Ostchina den Markt – aber in den letzten zwei Jahren wuchsen Weinerzeuger in Westchina sehr schnell wegen ihres Vorteils im Traubenwachstum. Han Zhipin, Chefingenieur der Suwu Zhuangyuan , zeigte, dass Boden, Niederschläge und Sonnenlicht in Westchina günstiger für das Wachstum der Trauben sind. Die Qualitätstrauben in Verbindung mit einem enormen Kapital-Input haben der Weinwirtschaft in Westchina eine beträchtliche Schubkraft in den letzten zwei Jahren verliehen.

Sun Liqiang sagte voraus, dass in 2003 der Wein aus Westchina auf dem ostchinesischen Markt auftauchen wird, ebenso wie die Anzahl ausländischer Marken steigen wird; lokale Weinmarken werden kräftig wachsen; und das oben erwähnte Phänomen der Konzentration eines Weinerzeugers in einer Region wird sich bis zu einem gewissen Grade wandeln. Nichtsdestotrotz werden Great Wall, Changyu und Dynasty ihre beherrschende Position behalten.

Nach Sun’s Analyse wird zuerst die Konkurrenz unter den Spitzenweinen härter werden. Auf der einen Seite haben einige starke chinesische Weinerzeuger ihre Umstrukturierungsmaßnamen abgeschlossen, auf der anderen Seite werden die reduzierten Zölle, neue Konsumgewohnheiten und eine wachsende Nachfrage mehr ausländische Marken anziehen.

Zweitens wird das Wachstum einiger lokaler Weinmarken die Konkurrenz verstärken. Einige traditionelle Weinerzeuger werden sich strengen, Herausforderungen zu stellen haben.

Drittens wird es neue Weinerzeuger geben, wenn mehr Kapital in diesen Wirtschaftszweig fließt. Diese Ankömmlinge mit ihren neuen Konzepten und Techniken werden tiefe Wandlungen für Chinas Weinerzeuger bewirken.

Und viertens wird dieser Luxusmarkt eine größere Umbildung erleben, bei der einige Firmen ihre Vorteile ausnutzen werden.

„Nur vom Aspekt des Wettstreites auf dem Markt her betrachtet, glaube ich nicht, das die Konkurrenz zur Zeit die schärfste ist. Die kommenden vier bis fünf Jahre sind wahrscheinlich die entscheidenden Jahre für die Unternehmen in diesem Sektor“, sagte Sun.

Die Konkurrenz umfasst alle Bereiche der Produktion, einschließlich Rohstoffbasen, Qualität, Facharbeiter, Kapital und Datennetz.“

„Wenn große Veränderungen mit einer Senkung der Profite und einer Marktstandardisierung einher gehen, dann sollte das Geschäft mit aller Erfahrung und breitem Horizont angegangen werden. Nur so können wir im Feuer der Konkurrenz bestehen.“

Und er schloss seine Ausführungen: „Chinas Beitritt zur WTO bringt Herausforderungen und Chancen für jede Industrie einschließlich der Weinwirtschaft. Wir sehen uns mehr Herausforderungen und Möglichkeiten gegenüber.“