Einander reich machen
 
China ist wieder einmal der Gastgeber des Treffens von Weltführern auf hoher Ebene in Boao, um die asiatische Marktintegration anzukurbeln.

Freundschaft ist kein Spiel

Von Zhang Ruowu

Ein Hauptkennzeichen der chinesischen Diplomatie dieser Tage ist ihr Bemühen um allumfassende Verbindungen mit den asiatischen Nachbarn, insbesondere mit Südostasien. Schlüsselfiguren Beijings neuen Führungsteams, sowohl Staatspräsident Hu Jintao als auch Premier Wen Jiabao, haben ihr starkes Interesse bekundet, Chinas Nachbarschaftsbeziehungen zu expandieren.

Es würde allerdings falsch sein, anzudeuten, wie es einige eifersüchtige westliche Beobachter taten, dass Beijing lediglich ein Spiel spiele, um Chinas Nachbarn aus der amerikanischen Umlaufbahn zu locken. Noch absurder ist ihre Vermutung, dass China versuche, die Monroe-Doktrin in Asien zu kopieren, eine politische Maßnahme der USA von 1823, die versuchte, den europäischen Einfluss in der westlichen Hemisphäre zu begrenzen.

Weder haben viele Chinesen, außer einigen Gelehrten der diplomatischen Geschichte, von der Monroe-Doktrin gehört noch interessieren sie sich dafür, was diese genau besagte. Chinas Verbindungen mit Südostasien haben historische Wurzeln, die weit ins 19. Jahrhundert zurückgehen. Und viele Familien müssen nicht daran erinnert werden, wie tief diese Verbindungen gehen.

Die Chinesen unterstützen Beijings Nachbarschaftspolitik, da viele von ihnen Verwandte in südostasiatischen Ländern haben, Millionen von ihnen (auch wenn sie ihre Namen auf andere Weise buchstabieren und die Pässe anderer Länder haben) und ihre Geschäftsverbindungen, von Massenaufträgen bis zu persönlichen Besuchen, prosperieren mit einer Rate, die nirgendwo sonst in der Welt gesehen wird.

Unterdessen haben viele dieser Länder, seit Asien in den letzten Jahren von Finanzturbulenzen und globalen Terrorbedrohungen heimgesucht worden ist, ihren Verbindungen mit China größere Bedeutung beigemessen. Ein rapides wachsendes China kann, wie sie erkannt haben, seine Gelegenheiten mit seinen Nachbarn teilen, und indem es dies tut, die regionale Stabilität aufrechterhalten. Kein anderes Land kann China bei der Ausführung dieser Rolle ersetzen.

In der Tat haben China und Südostasien auf der zwischenmenschlichen und zwischengeschäftlichen Ebene weitaus mehr gemeinsame Interessen. Es gibt nach wie vor viel Raum für Wachstum, da Chinas Handel mit ASEAN-Mitgliedern in den ersten acht Monaten dieses Jahres auf 33,3 Mrd. US$ gestiegen ist. Im Vergleich dazu sind all die Differenzen, die sie in der Vergangenheit gehabt haben mögen, von geringerer Bedeutung und sogar weniger wichtig im Vergleich zu den potentiellen Gewinnen, die sie für die Zukunft anvisiert haben. Jetzt bereits mit einem gesamten Handelsvolumen von 1,2 Billionen US$ ist diese Region dazu bestimmt, ein wichtiger Teil der Weltmarktes zu werden.

Dies würde eine Zukunft sein, die freien Besuchsverkehr und einen Fluss von Waren und Dienstleistungen einbeziehen würde und gemeinsame Prosperität und Sicherheit. Allerdings scheint dies nicht selbstverständlich den Schutz einer Hegemoniestruktur zu erfordern. Auch ist es nicht notwendig, wie es eindeutig von den chinesischen Führungskräften bestätigt wurde, den Mitgliedern dieser regionalen Partnerschaft zu verbieten, ihre eigenen internationalen Ziele festzulegen.

Denn schließlich stellt sich die Frage, was ist der realistische Nutzen davon, eine unterentwickelte Region unter eine nicht-teilende Hegemonie zu stellen? Es liegt genau an den langen Beziehungen des chinesischen Volkes mit Südostasien, dass China eine gleichberechtigtere und dynamische Partnerschaft begrüßt, da das Land davon überzeugt ist, dass seine Nachbarn diese auch begrüßen würden.