UN drängt China zur Bildungsreform
 
Von Wang Changyong

(Der Autor ist ein Reporter der Financial Times.)

Katarina Tomasevski, UN-Sonderberichterstatterin über das Recht auf Bildung, sagte vor kurzem in Beijing, dass China nur 2% seines BIPs für die Bildung ausgebe und die Regierung nur 53% der Schulgelder zur Verfügung stelle, was weniger sei als was die meisten anderen Länder mit einem schulpflichtigen Bildungssystem ausgeben würden.

Chinas offiziellen Statistiken zufolge gibt das Land 3,41% seines BIPs für die Bildung aus; der von der UN empfohlene Richtwert liegt bei 6%.

Tomasevski nahm auf Einladung der chinesischen Regierung vom 9.-21. September an einer Bildungsinspektionsreise in China teil.

Was Tomasevskis Aussage über Chinas niedriges Niveau der staatlichen Finanzierung für die Bildung anbelangt, äußerten einige chinesische Finanz- und Bildungsexperte, dass die verschiedenen statistischen Methoden, die von China und den entwickelten Ländern genutzt würden, der Grund für die niedrigen Zahlen sein könnten.

He Zhenyi, ein Forschungsrat der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, zufolge ist es nicht wissenschaftlich China mit anderen Ländern, was den Anteil des haushaltsmäßigen Bildungsfonds am BIP anbelangt, mit anderen Ländern zu vergleichen, da Chinas Pro-Kopf-BIP relativ niedrig ist.

Eine wissenschaftlichere Methode ist es den Anteil des haushaltsmäßigen Bildungsfonds an den Etatausgaben zu messen. Er wies darauf hin, dass dieser Anteil im Moment „nicht niedriger als in entwickelten Ländern“ sei.

Trotz dieser Verteidigung hat die Erklärung der UN-Beamtin Überlegungen über die Unangemessenheit des Bildungssystems ausgelöst.

Grundbildung vs. Weiterbildung und Hochschulwesen

Experten sagen, dass die Bereitstellung von öffentlichen Bildungsressourcen sich hauptsächlich auf die Grundbildung, die Unterstützung für Schüler aus armen Familien und einige wichtige infrastrukturelle Aufbauarbeiten konzentrieren sollte. Ein Problem der Bereitstellung von Bildungsressourcen ist momentan jedoch die unklare Aufteilung der Funktionen zwischen der Regierung und dem Markt. Die Regierung hat große Beträge von Ressourcen in die Weiterbildung bzw. das Hochschulwesen gesteckt, während die Ausgaben für die schulpflichtige Bildung unangemessen geblieben sind.

In den vergangenen paar Jahren haben der Betrag und die Wachstumsquote der Bereitstellung für die schulpflichtige Bildung diejenigen der nicht-schulpflichtigen Bildung übertroffen. Das Wachstum des Gesamtinputs in die schulpflichtige Bildung ist jedoch nach wie vor niedriger als das der nicht-schulpflichtigen Bildung. Im Jahr 2001 wuchs der Gesamtinput in die schulpflichtige Bildung um 18,2%, verglichen mit einem Wachstum von 21,3% des Inputs in die nicht-schulpflichtige Bildung und einem durchschnittlichen Wachstum des Bildungsinputs im Ganzen von 20,2%. Da die nicht-schulpflichtige Bildung zunehmend marktorientiert wird, zieht sie immer mehr Marktressourcen an. Unterdessen kann die schulpflichtige Bildung kaum Investment vom Markt erhalten.

Das chinesische Bildungsgesetz legt ausdrücklich fest, dass das Wachstum der haushaltsmäßigen Bereitstellung für die Bildung auf allen Ebenen der Regierung größer als das Wachstum der laufenden Finanzeinnahmen sein sollte. Aber zwischen 1997-2000 war das Wachstum der haushaltsmäßigen Fonds für die Bildung des Landes, insbesondere für die Mittelschule der Unterstufe, niedriger als das Wachstum der laufenden Finanzeinnahmen des Landes. Der Hauptgrund für das langsame Wachstum des Inputs in die schulpflichtige Bildung sei, dass die etatmäßigen Bereitstellungen für die schulpflichtige Bildung zurückgefallen seien, sagen Experten.

Gegenwärtig machen die etatmäßigen Bereitstellungen nur 57,9% des Inputs für die Grundbildung aus, zählen jedoch 50,7% des Inputs für das Hochschulwesen.

Dahingegen finanzieren in einigen europäischen Ländern die öffentlichen Ressourcen die Grundbildung (Grundschule bis Mittelschule der Oberstufe). Selbst in Ländern wie den USA, Japan und der Republik Korea, wo die Grundbildung marktorientierter ist, machen die öffentlichen Ressourcen über 75% aus.

Dr. Xu Antuo vom Wissenschaftlichen Forschungsinstitut unter dem Finanzministerium zufolge sollten mit der Einführung von mehr Marktmechanismen die Weiter- und Höhere Bildung sich weniger finanzielle Zuweisungen aneignen.

He Zhenyi bemerkte auch, dass Marktmechanismen in die Nicht-Grundbildung wie die Berufsausbildung, Schulungen und das normale Hochschulwesen eingeführt werden sollten, um die Haushaltszuweisungen in dieser Hinsicht zu reduzieren.

Verantwortung vs. Finanzressourcen

Nach ihrer Inspektion kritisierte Tomasevski China wegen einiger Probleme in seinem Bildungssystem wie die schulische Ausbildung der Kinder von ländlichen Arbeitern in den Städten und die willkürliche Gebührenerhebung in einigen Schulen. Da die Verantwortung für die Bildung an die Lokalregierungen delegiert worden sei, die allerdings finanziell unangemessen ausgestattet seien, um die öffentliche Bildung zu unterstützen, seien chinesische Familien jetzt mit immer größeren Bildungsausgaben konfrontiert, sagte sie.

Chinesische Finanzexperten räumten ein, dass die Kritik von Tomasevski einen wichtigen Punkt angeführt habe. Da ihnen die Verantwortung für die Bildung übertragen worden sei, sollten Lokalregierungen entsprechende ausreichende Finanzressourcen gewährt werden, so die Experten.

Die armselige Koordination zwischen Bildungs- und Finanzsystem habe zu einer exzessiven Abhängigkeit der Grundbildung von lokalen Haushalten geführt, was wiederum zu einer irrationalen Bereitstellung von Ressourcen in der öffentlichen Bildung geführt habe, so die Experten.

In Chinas gegenwärtigem System sind die Regierungen auf Kreisebene für die Grundbildung verantwortlich, während die Regierungen auf Zentral- und Provinzebene für das Hochschulwesen zuständig sind.

Im Finanzsystem ist die Bereitstellung von haushaltsmäßigen Fonds der Distribution der Grundbildung entgegengesetzt. Vor allem erfreuen sich Regierungen auf höheren Ebenen einer größeren Haushaltsbefugnis als die Regierungen auf niedrigeren Ebenen und die Autorität für lokale Finanzzuweisungen bleibt hauptsächlich bei den Regierungen auf Provinzebene. Kreis- und Ortregierungen sind, obwohl sie die Hauptträger der Grundbildung sind, in der Tat die Schwächsten, was Finanzressourcen und die finanzielle Unabhängigkeit anbelangt.

Auf dem Prinzip, dass die Finanzen auf einer Ebene die Bildungsausgaben auf der gleichen Ebene zu verantworten haben, basierend erfreuen sich Provinz- und Stadtregierungen mit Stärken in den finanziellen Ressourcen und finanzieller Unabhängigkeit besserer Bedingungen, um die Bildungsausgaben auf der entsprechenden Ebene zu garantieren. Folglich haben Kreis- und Ortregierungen die schulpflichtige Bildung auf dem Land, die eine große Bevölkerung betrifft, trotz ihrer karger Finanzressourcen zu unterstützen.

Darüber hinaus haben die Zentral- und Provinzregierungen die Befugnis, politische Richtlinien für die schulpflichtige Bildung zu machen, während Kreisregierungen für die Umsetzung dieser Richtlinien zuständig sind. Normalerweise wird eine neue Richtlinie für jeglichen Punkt der Bildungsausgaben Druck auf die Finanzkapazitäten von Kreis-/Ortregierungen ausüben, die kaum entsprechende Fonds erhalten.