Neue Rentenpläne für die Bauern
 
Von Jin Ren

Für Xin Fengqiao, einen 66jährigen Bauern aus Qingdao, Provinz Shandong, war der 21. September ein Tag wie kein anderer. An jenem Morgen erhielt er ein Bankbuch von der lokalen Behörde für Arbeitssicherheit, mit dem er monatlich 87 Yuan (10,5 US$) als seine Rente abheben können wird.

Xin ist nicht der einzige Nutznießer derartiger Experimente für Versicherungen auf Erlebensfall für die ländlichen Bewohner. Über 10 000 Bauern in Qingdao sind „Bauern im Ruhestand“ geworden.

Tausende von Jahren lang wurden alte Bauern am Ende ihrer Arbeitstage mit Grund und Boden sowie Kindern belohnt. Xin und seine Frau hingen, was ihren Lebensunterhalt anging, von ihren Söhnen ab.

„In der Vergangenheit gaben uns unsere Söhne, wenn die Erntesaison gut gewesen war, Geld für einen Urlaub. In den Jahren einer schlechten Ernte hatten sie allerdings kaum Geld, das sie selber hätten sparen können. Inzwischen sind meine Frau und ich dem Sozialabsicherungssystem beigetreten, und uns wird eine monatliche Rentenauszahlung garantiert. Mit unseren beiden Rentenbeträgen zusammen, 174 Yuan (21 US$) pro Monat, leben wir so gut, als ob wir einen dritten Sohn hätten.“

Da das Ackerbauland mit dem Beginn der Urbanisierung abgenommen hat, ist die Sozialabsicherung für Bauern, die ihr Land verloren haben, ein Problem geworden, das die soziale Stabilität beeinträchtigt. Wen Tiejun, ein Forscher am Forschungszentrum für Ländliche Wirtschaft unter dem Landwirtschaftsministerium, sagte, dass das gesamte Agrarland Chinas aufgrund von Erosion, Verwüstung, Versalzung und steigenden Alkaliwerten mit einer jährlichen Rate von fast 670 000 Hektar abnehme. Und mindestens 268 000-335 000 Hektar von Ackerland wird für andere Zwecke genutzt.

„Viele Bauern sind nach der Beschlagnahmung ihres Landes für den Bau von Industrieparks Arbeiter geworden, und auch wenn ihre Einnahmen größer geworden sind, machen sich viele von ihnen Sorgen darüber, ob ihre Ersparnisse für den Ruhestand ausreichen werden“, sagte Wen.

Ein Urbanisierungsprogramm, das 1994 ausgeführt wurde, reduzierte das Pro-Kopf-Ackerland in Xin Fengqiaos Dorf und fünf Nachbarorten innerhalb von acht Jahren um das Zehnfache, nämlich von 0,047 Hektar auf 0,0047 Hektar. Die lokalen Bauern wandten sich an übergeordnete Behörden um Hilfe, und am 1. Juli 2003 entschied die Stadtregierung von Qingdao, probeweise das ländliche Rentensystem in diesem Bezirk zu starten.

Dem System zufolge können alle lokalen Bauern ab dem Alter von 18 Jahren an dem Programm teilnehmen, indem sie 15 Jahre lang 267 Yuan (etwa 32,5 US$) pro Jahr oder alles auf einmal einzahlen. Wenn eine Bäuerin das Alter von 55 Jahren oder ein Bauer das Alter von 60 Jahren erreicht, wird ihr bzw. ihm monatlich an einem bestimmten Datum eine Rente ausgezahlt werden. Xin war davon überzeugt, dass es ein „guter Handel“ ist, da seine Berechnungen zeigten, dass die Gesamtprämie innerhalb von vier Jahren an eine Person ausgezahlt werden könnte.

Song Binwen vom Zentrum für Sozialabsicherung der Universität Wuhan äußerte, dass die Arbeitslosigkeit traditionell kein Problem im ländlichen China gewesen sei, da Bauern gewohnt gewesen seien „das Land zu bearbeiten und später im Leben von der Familie unterstützt zu werden“.

„Die Beschleunigung der Urbanisierung hat die Realität verändert – die Bauern sind nun dem Druck der Beschäftigung und der Gefahr der Arbeitslosigkeit ausgesetzt“, sagte Song.

Als die Reform und Öffnung die Urbanisierung beschleunigte, wurden willkürliche Bauprojekte in Angriff genommen, was zu einer unbegrenzten Expansion von Städten und Ortschaften entlang Chinas Küstengebieten geführt hat. Eine Konsequenz dieses Trends war, dass eine große Fläche Land beschlagnahmt wurde, wodurch viele Bauern von ihrer Arbeit freigesetzt wurden. Experten schätzten, dass über 20 Mio. Bauern ihr Land wegen Bauprojekten verloren haben.

Die Bauern brauchen zudem einen finanziellen Auftrieb, da sie fast immer nicht über die gleichen beruflichen oder sozialen Fähigkeiten wie die Städter verfügen, was sie behindert, wenn sie eine Arbeitsstelle in der Stadt suchen.

Viele Bauern leben momentan mit der Gefahr, dass sie nicht mehr für ihren Lebensunterhalt sorgen können werden, und haben wenig Hoffnung auf eine zukünftige Arbeitsplatzsicherheit in einem anderen Feld. Die Urbanisierung hat zu immer mehr arbeitslosen Bauern geführt, und diese Menschen ziehen auf ihrer Arbeitssuche in die Städte, die unsichere Beschäftigungssituation in den ländlichen Gebieten wird durch eine steigende Arbeitslosigkeit in den Städten demonstriert.

Statistiken zeigen, dass landesweit 20% der Empfänger des grundlegenden Existenzzuschusses Bauern sind. In einigen Orten beläuft sich dieser Anteil sogar auf 80%.