Das Shenzhou-Programm visiert den Mond an
 

Nach dem erfolgreichen Start der Shenzhou 5, die Chinas ersten Astronauten am 15. Oktober ins All trug, begannen die Spitzenraketenwissenschaftler der Nation, sich auf die nächsten Schritte des Weltraumprogramms des Landes zu konzentrieren.

Zhang Baokun, stellvertretender Chefdesigner der Rakete „Langer Marsch 2F“, welche das Raumschiff Shenzhou 5 ins All transportierte, sagte, dass die zukünftige Shenzhou 6 sehr wahrscheinlich zwei Astronauten ins All tragen würde und dass die Rakete „Langer Marsch 2F“ bereits mit Antriebskraft ausgerüstet sei, ein Raumschiff mit zwei bis drei Personen an Bord in die Umlaufbahn zu befördern.

Zhang zufolge begann China im Jahr 1965, Raketentriebwerke zu entwickeln. Nach einigen Jahren der Bemühungen war die Treibstoffkapazität der Trägerraketen der Serie „Langer Marsch“ gravierend verbessert worden. „All die Verbesserungen waren von chinesischen Wissenschaftlern unabhängig ohne ausländische Hilfe erzielt worden“, sagte Zhang. Das Sechste Institut der China Aerospace Science and Technology Corp. (CASTC) lud einst russische Experten ein, das Treibwerk zu testen, die sagten, dass dieses stabil sei und dass Russland selber nur ein Treibwerk auf dem gleichen Niveau habe. „Chinas Raketentreibwerk ist von Weltklasse, wahrscheinlich das Beste überall“, sagte Zhang stolz.

Er äußerte, das Institut entwickele eine neue Generation von Treibwerksystemen für große Trägerraketen, die von dem gegenwärtigen mit 75 Tonnen Flüssigsauerstoff/Kerosin betriebenen Treibwerk auf ein mit 120 Tonnen Flüssigsauerstoff/Kerosin betriebenes Treibwerk, das durch eine hohe Schubkraft und Umweltfreundlichkeit gekennzeichnet sei, modernisiert würde.

Der Plan laute, dass drei Astronauten an Bord der Shenzhou 6 in den nächsten zwei Jahren ins Weltall gehen und dort für sieben Tage bleiben würden, so Xu Dazhe, Vizegeneralmanager der CASTC. „Der Zeitpunkt für dies wird auf der Basis der gegenwärtigen Quote des Fortschrittes in der relevanten Forschung und Entwicklung wahrscheinlich noch vorverlegt werden“, gab Xu am 27. Oktober zu verstehen.

„Die Rückkehr der Shenzhou 5 markierte Chinas Erfolg in seinem ersten bemannten Raumflug und den ersten Schritt seines bemannten Raumprogramms. Die Ankoppelung ist die nächste vor uns liegende Herausforderung“, sagte Zhang Qingwei, Generalmanager der CASTC.

China habe seine dreiphasige Strategie des bemannten Raumprogramms im Jahr 1992 geplant, als das Programm gestartet worden sei, so Zhang Qingwei.

Die erste Phase, einen Menschen ins All zu befördern, ist bereits abgeschlossen. Die zweite Phase ist die Einrichtung eines Weltraumlabors und einer Weltraumstation, aber bevor das passieren kann, muss das Programm Umlaufbahntechnologien entwickeln, einschließlich der Ankoppelungstechnologie. Die dritte Phase wird die Mondlandung sein.

Zhang sagte, dass China schließlich eine bemannte Raumstation bauen würde, um technologische Probleme in großangelegten wissenschaftlichen Weltraumexperimenten und -anwendungen zu lösen, womit eigene Beiträge für die friedliche Erforschung und Nutzung der Weltraumressourcen gemacht würden.

Chinas Weltraumlaborprojekt involviert die Technologie der Ankoppelung einer bemannten Raumfähre in der Umlaufbahn, das Gehen im All und die Möglichkeit, dass Astronauten im All leben und Forschungen machen würden, so Zhang.

„China wird wirtschaftlichere und zuverlässigere Trägerraketen entwickeln, eine Raumstation entwickeln und starten, eine Dienstleistungsstruktur einer erdnahen Umlaufbahn etablieren, angewandte Satelliten und Raumstationen in verschiedenen Umlaufbahnen koordinieren und ihnen bei der Legung einer technologischen Grundlage für die tiefere Weltraumerforschung volle Geltung verschaffen und eine Operationsplattform liefern“, setzte er hinzu.

Abschussstätte

Yu Jianping, stellvertretender Chefdesigner des Abschussstättensystems für Chinas Programm der Bemannten Raumfahrt, der auch der Direktor des Beijinger Sonder-Designinstitutes ist, sagte, dass der erfolgreiche Start der Shenzhou 5 gezeigt habe, dass Chinas Raumfahrzeugabschussstätte eine der besten der Welt geworden sei, und zwar mit eine Abschussrampe, die in der Lage sei, eine 10-Tonnen schwere Raumstation in die Umlaufbahn zu befördern.

Yu zufolge begann China 1993, den Standort für eine Abschussstätte auszusuchen, die dann 1998 gebaut wurde und eine allgemeine Montage auf vertikale Weise, vertikale Tests des kombinierten Körpers des Raumfahrzeugs und der Trägerrakete und den vertikalen Transport des kombinierten Körpers ermöglicht. Die Technologie der automatischen Fernüberwachung und -kontrolle des Starts wird ebenfalls genutzt. Das vertikale System ist das fortschrittlichste der Welt und kann eine hohe Qualität und eine schnelle Montage und Testung der Raketen und Raumfahrzeuge gewährleisten, was bedeutet, dass China mehr Raketen sicherer starten kann.

Während des Baus einer Raumstation würden einige Einrichtungen der Abschussstätte adjustiert, renoviert oder neu gebaut werden und zwar in Übereinstimmung mit der modernisierten Trägerrakete und der Größe und dem Typ des Raumfahrzeugs. Die Abschussstätte als Ganzes werde jedoch nicht verändert werden, so Yu.

Monderforschung

Yuan Jiajun, Präsident der Chinesischen Akademie der Raumtechnologie, sagte, dass Chinas Weltraumprogramm zufolge eines der nächsten Ziele nach der Shenzhou 5 die Entsendung eines Astronauten auf den Mond sei, was das Chang’e-Projekt genannt werde. Ein chinesischer Mondforscher-Roboter soll in den nächsten drei Jahren auf dem Mond landen. Wenn das Projekt reibungslos vonstatten geht, wird ein chinesischer Astronaut in 10 Jahren seinen Fuß auf den Mond setzen.

Seit das Chang’e-Projekt im März dieses Jahres gestartet wurde, sind bereits große Durchbrüche in der Entwicklung von Schlüsseltechnologien gemacht worden.

Nach gründlichen Kalkulationen und Diskussionen haben chinesische Wissenschaftler die Umlaufbahn eines Monderforschungssatelliten bestimmt und die Kontrollprobleme während dessen Reise zum Mond und andere technologische Probleme des Satelliten an sich wie Stromversorgung, Struktur- und Temperaturkontrolle gelöst. Das Design eines Sensors der ultravioletten Strahlung für die Erforschung auf der Oberfläche des Mondes ist fertiggestellt worden, und die Entwicklung des Prototypen einer Richtungsantenne doppelter Dimension ist abgeschlossen. Experimente zeigen, dass die Antenne allen Erfordernissen der Satellitenbeobachtung und -kontrolle und der Datenübertragung entspricht.

Auch wenn Chinas Monderforschungsprojekt einen späten Start hatte, hat es seine eigenen Vorteile in der Trägerraketenentwicklung und ein Test- und Kontrollsystem. Es gibt noch eine Menge von technologischen Problemen vor der Monderforschung wie z.B. Treibstoffprobleme zu lösen.