Vizeminister für Arbeit & Sozialabsicherung: Mehr Arbeitsplätze für Bauern in den Städten

 

Im Jahr 2020 wird die Hälfte der chinesischen Bevölkerung in den Städten leben und arbeiten, im Vergleich dazu sind es gegenwärtig nicht mehr als 35%. Dies bedeutet, dass etwa 200 Mio. ländliche Bewohner ihren Wohnsitz in die Städte verlegen werden. Aber wohin werden sie alle gehen? Wie werden sie ihren Lebensunterhalt verdienen? Wo werden ihre neuen Arbeitsplätze herkommen?

Auf einem kürzlich in Beijing abgehaltenen Seminar über die Urbanisierung führte der Vizeminister für Arbeit und Sozialabsicherung, Wang Dongjin, aus, warum die Entwicklung des Arbeitsmarktes bzw. die Schaffung von nicht-landwirtschaftlichen Arbeitsplätzen für die Bauern im Rahmen der chinesischen Städteentwicklung Priorität genießen sollte. Im Folgenden sind die wichtigsten Punkte seiner Rede abgedruckt:

China ist mit der beispiellosen Herausforderung konfrontiert, seine überschüssigen ländlichen Arbeitskräfte auf nicht-landwirtschaftliche Arbeitsplätze in den Städten und Ortschaften umzuschichten, während weiter neue Arbeitsplätze für die freigesetzten Arbeiter und neu hinzugekommenen Arbeitssuchenden in der bereits existierenden städtischen Bevölkerung bereitgestellt werden müssen. Angesichts dieser Umstände müssen die städtische Planung und der Prozess der städtischen Entwicklung der Schaffung von Arbeitsplätzen eine strategische Wichtigkeit beimessen.

Schaut man auf den Fortschritt, den China in dieser Hinsicht bereits erreicht hat, zurück, können wir ermutigt feststellen, dass der Anteil der städtischen Beschäftigung am landesweiten Gesamtbetrag von 1992 bis 2002 von 27% auf 33,6% gestiegen ist. Da sich die Arbeitsplatzanzahl aller ländlichen Unternehmen bzw. Industriebranchen und Dienstleistungen in den ländlichen Gebieten insgesamt auf 130 Mio. belief, fanden weiter 100 Mio. Bauern in weiter entlegeneren Städten eine Arbeit.

Chinas langfristiges Ziel ist es, den Anteil der städtischen Beschäftigung bis 2020 auf 50% zu steigern, während das Ziel einer 0%igen Arbeitslosigkeit erreicht werden soll. Um dieses Ziel zu verwirklichen, muss China sich bemühen, seinen Beschäftigungsplan aktiv zu fördern, während es eine nachhaltige und gesunde städtische und ländliche Wirtschaftsentwicklung aufrechterhält.

Ein Gleichgewicht zwischen Wachstum und Arbeitsplätzen

Die Regierungsorgane auf allen Ebenen müssen das Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen gleichermaßen betonen; und das Letztgenannte sollte eines der wichtigsten Ziele der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung sein.

Die Vollbeschäftigung ist die Grundlage der sozialen Stabilität und des Wirtschaftswachstums. Da Städte und Ortschaften ein großes Potential haben, Arbeitsgelegenheiten zu schaffen, muss ein relativ rapides Wirtschaftswachstum in diesen Gebieten aufrechterhalten werden.

Die Anpassung an die wirtschaftlichen und industriellen Strukturen muss sowohl den Bedarf des technologischen Fortschritts als auch den der Erweiterung der Beschäftigung berücksichtigen. Kleine und mittlere Unternehmen müssen eine aktive Rolle in der Arbeitsplatzschaffung spielen. Der Dienstleistungssektor besitzt ein großes Potential für die weitere Entwicklung, und er sollte gefördert werden, der Hauptbereich für die Erweiterung der Beschäftigung in den Städten und Ortschaften zu werden.

Die soziale Stabilität ist das A und O

Der Schritt, die überschüssigen ländlichen Arbeitskräfte in nicht-landwirtschaftliche Sektoren der Städte und Ortschaften zu leiten, muss passieren, während gleichzeitig die soziale Stabilität aufrechterhalten wird. Die Urbanisierung ist zu einem gewissen Grad die Bewegung der Bevölkerung und der Beschäftigung in die Städte und Ortschaften, und zwar auf der Grundlage der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung.

Die Geschichte hat gezeigt, dass, wenn die Industrialisierung grundlegend erreicht worden ist, das Verhältnis der Beschäftigung in der Landwirtschaft, in der Industrie und im Dienstleistungssektor 24:33:43 ist. Im Jahr 2000 befand es sich in China bei 51:22,5:26,5, wobei das Pro-Kopf-BIP bei etwa 800 US$ lag.

Bis 2020 soll Chinas Pro-Kopf-BIP auf 3200 US$ steigen, wobei das Verhältnis der Beschäftigung in der Landwirtschaft, der Industrie und dem Dienstleistungssektor bei 29:26:45 liegen wird. Gleichzeitig könnte das Verhältnis der städtischen und der ländlichen Arbeitskräfte 1:1 erreichen. Es ist unausweichlich, dass die ländliche Produktivität scharf steigen und die städtische Beschäftigung um eine weite Spanne wachsen wird. Zu diesem Zweck sollten die überschüssigen ländlichen Arbeitskräfte auf geordnete Weise, welche die soziale Stabilität aufrechterhält, in nicht-landwirtschaftliche Industriebranchen in Städten und Ortschaften geleitet werden.

Flexiblere Beschäftigungsprogramme

China muss eine Vielfalt an flexiblen Arbeitsgelegenheiten einführen und verschiedene Typen der Selbständigkeit ermutigen.

Ein Marktmechanismus sollte durch eine unabhängige Beschäftigung eingerichtet werden; und zwar mit Marktregulierungen als Grundlage und der Regierungsanleitung als die Antriebskraft. Ein öffentlich-staatliches Beschäftigungsdienstleistungssystem sollte gestärkt werden, und Beschäftigungsservicezentren der städtischen Gemeinden sollten weit verbreitet sein. Unterdessen sollte mehr Kapital in Beschäftigungsunterstützungsservice gehen, welches im Zuge des Wachstums der Finanzeinnahmen gesteigert werden sollte.

Die städtische Beschäftigung sollte verschiedene Nachfragen bedienen, um so viele Arbeitsplätze wie möglich zu schaffen und die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

Karriereerziehung und Arbeitsqualität

Indem mehr in die Karriereerziehung und -schulung investiert wird, wird China in der Lage sein, die Qualität seines Arbeitskräftepools zu verbessern. Die Grund- und Berufsausbildung in den Städten sollte mehr Gewicht erhalten, womit die Städte und Ortschaften zu Stützpunkten für eine Vielfalt von talentierten Leuten gemacht werden. Unterdessen sollte der Grundbildung der Bauern und deren Schulung in praktischen technischen Fertigkeiten mehr Aufmerksamkeit zukommen. Dies wird ländlichen Bewohnern erlauben, die Herausforderungen des Umsiedelns vom Land in die Stadt anzugehen.

Die Urbanisierung als Unterstützung für die Sozialabsicherung

Mehr Menschen zu ermöglichen, am Sozialabsicherungssystem teilzunehmen: Als ein Entwicklungsland mit einer großen Bevölkerung hat China ein Sozialwohlfahrtssystem eingeführt, das allmählich immer mehr Gebiete abdecken wird. In den städtischen Gebieten sind viele selbständige Arbeiter, die oft ehemals Bauern waren, nicht von den Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherungsprogrammen erfasst. Die Versicherungen für Unfälle am Arbeitsplatz und den Mutterschaftsurlaub gelten nur für eine kleine Anzahl von Menschen. Renten- und Krankenversicherungsprogramme für Bauern sind nach wie vor in der Recherchen- und Testphase.

Indem die Reform vertieft wird, wird China in der Lage sein, ein Sozialabsicherungssystem aufzubauen, dass alle Angestellten, städtische und ländliche, abdeckt.

Den Sozialabsicherungsfonds ausgleichen: Internationale und chinesische Erfahrungen haben gezeigt, dass eine Kombination von grundlegenden und vielfältigen Ergänzungsplänen notwendig ist, um einen ausgeglichenen Sozialabsicherungsfonds zu erreichen. Dieser Pool soll von der Regierung, den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern gemeinsam finanziert werden. Um den Sozialabsicherungsfonds zu gewährleisten, müssen Bemühungen unternommen werden, Veruntreuung und Verluste zu verhüten.

Zahlungsrisiken meiden: Es ist unmöglich, ein hoch bezahltes Sozialwohlfahrtssystem in China, einem Entwicklungsland mit zig Millionen von Menschen, die noch unter der Armutsgrenze leben, zu haben. Daher bietet es sich für China an, ein Absicherungssystem auf niedriger Ebene, aber mit weitem Einzugsbereich zu übernehmen, um Zahlungsrisiken zu vermeiden.

Die städtische und ländliche Sozialabsicherung integrieren: Gegenwärtig haben die Renten- und Krankenversicherungen in den chinesischen Städten und Ortschaften einheitliche Konten, auf welche die Regierung, die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer einzahlen. Ländliche Testexperimente mit einem Rentensystem haben nur individuelle Konten eingerichtet. Was die Krankenversicherung anbelangt, so bewegen sich die ländlichen Gebiete auf ein kooperatives System zu, womit es für ländliche Arbeitskräfte schwierig gemacht wird, sich mit dem städtischen Sozialabsicherungssystem zu integrieren.

Es ist dringend, dass China einen Weg findet, die städtischen und ländlichen Sozialabsicherungssysteme im Prozess der Urbanisierung zu integrieren. Was die überschüssigen ländlichen Arbeitskräfte, die in den Städten und Ortschaften beschäftigt sind, anbelangt, so müssen alle Arbeitgeber ihre Angestellten mit einer Unfallversicherung für den Arbeitsplatz versorgen. Unterdessen sollten Übergangsmaßnahmen in Betracht gezogen werden, zum Beispiel die Bereitstellung von erschwinglichen Versicherungen, welche die Bauernarbeiter in die Renten- und Krankenversicherungspläne einschließen.

Seit China der Welthandelsorganisation im Jahr 2001 beitrat, hat sich das Land mehr in der internationalen Wirtschaftskooperation engagiert. Die Zusammenarbeit mit anderen Ländern hat die Lücken in Chinas Sozialabsicherungssystem offensichtlich gemacht und in Fällen, wo China keine Sozialversicherung oder akzeptierbare Versicherungspläne hat, zu Streitigkeiten zwischen Nationen geführt. China hat ein Sozialabsicherungskooperationsabkommen mit Deutschland und der Republik Korea unterzeichnet, welches sich um die Bürger aus diesen Ländern kümmert. In der Zukunft wird China ähnliche Abkommen mit anderen Ländern unterzeichnen.

Im Prozess der Urbanisierung wollen einige Lokalregierungen ausländische Unternehmen, die Chinas Sozialabsicherungsgesetze verletzten, absichtlich ignorieren. Selbst wenn sie denken, dass dies eine lockerere Investmentumgebung schaffen wird, ist es in der Tat kurzsichtig und muss gestoppt werden.