Asiatischer Kapitalmarkt bringt regionale Stärke
 
Von Cao Yuanzheng

(Der Autor ist Chefökonom der Bank of China International (China) Ltd.)

Der asiatische Kapitalmarkt begann sich in den 1980ern mit drei rapide zu entwickeln: hervortretenden Eigenschaften

1. Rapides Wachstum. In Übereinstimmung mit der schnell wachsenden asiatischen Wirtschaft wuchs der asiatische Kapitalmarkt im letzten Jahrzehnt schneller als jeder andere Markt in der Welt und wurde daher der „aufsteigende Kapitalmarkt“ genannt.

Den Statistiken der World Federation of Exchanges (Verband der wichtigsten Börsenplätze) zufolge stieg die Anzahl der börsennotierten Firmen in 19 asiatischen Schwerpunkt-Ländern und Regionen von 1990 bis 2000 um 89,2%.

Dagegen stieg die Anzahl der börsennotierten Firmen an den Börsen in New York und London nur um etwa 20% bzw. 60%.

2. Kleine Größe und relativ schwache Rentabilität der börsennotierten Firmen.

Trotz des schnellen Anstiegs der Anzahl der börsennotierten Firmen, ging der Wert des asiatischen Kapitalmarktes nur um 56,3% hoch.

Dagegen erlebte der Wert der Märkte in New York und London ein vierfaches bzw. siebenfaches Wachstum in der gleichen Periode.

Dies zeigt, dass börsennotierte Firmen in Asien von kleiner Größe sind und folglich wird ihre niedrigere Rentabilität ein großes Anliegen.

3. Große Fluktuationen. In den letzten 10 Jahren hat der asiatische Kapitalmarkt eine riesige Fluktuation erlebt, die durch die asiatische Finanzkrise markiert gewesen ist.

Der Jahresend-Aktienpreisindex war von 1992 bis 1994 in der Republik Korea (ROK), Thailand und Taiwan um 51%, 80% bzw. 33% gestiegen.

Allerdings ist der Aktienmarktwert an den Börsen von New York und London, abgesehen von dem Tief aufgrund des Zerplatzens der IT-Seifenblasen im Jahr 2000, im Anstieg begriffen gewesen und von 1992-99 hatte der Jahresend-Marktwert im Vergleich zum jeweiligen vorhergehenden Jahr niemals ein negatives Wachstum verzeichnet.

Diese Eigenschaften des asiatischen Kapitalmarktes sind tief verwurzelt. Die meisten asiatischen Länder sind Entwicklungsländer und ihre Kapitalmärkte stehen in engem Zusammenhang mit ihrer Industrialisierung. In diesen Ländern waren die Kapitalmärkte unterentwickelt und von Wirtschaftsentwicklungsstrategien mit Schwerpunkt Industrialisierung beeinflusst. In der Tat sollten die Kapitalmärkte in diesen Ländern die Verantwortung der Beschleunigung der Industrialisierung übernehmen. Angesichts dieses Umstandes stellen sich die dem asiatischen Kapitalmarkt innewohnenden Schwächen wie folgt dar:

1. Überbetonung der Finanzierungsnachfrage und Vernachlässigung des grundlegenden Systemaufbaus für den Kapitalmarkt. Für jegliches Entwicklungsland ist der Mangel an Kapital und Devisen der Engpass seiner Industrialisierung.

Daher ist die Schaffung von Finanzierungskanälen ein großes Anliegen und die Finanzierungsfunktion des Kapitalmarktes selbstverständlich überbetont gewesen.

Als die inländische Finanzierung kaum die Nachfrage erfüllen konnte, wurde die internationale Finanzierung durch die Öffnung des Kapitalmarktes eine weitere Überlegung.

Dagegen hinkte der Aufbau von Systemen für die Unterstützung der Entwicklung des Kapitalmarktes wie der des Kredit- und des Selbstdisziplinsystems und des Aufsichtssystems hinterher.

2. Ein Marktungleichgewicht aufgrund der zu starken Gewichtung der Equity-Finanzierung. Sowohl im Zusammenhang mit dem inadäquaten Aufbau eines Kreditsystems als auch mit dem relativ niedrigen Level der Unternehmen waren die meisten asiatischen Kapitalmärkte wie die in Hong Kong, Singapur, Thailand und Taiwan stark unilateral, d.h. der Markt war von Equities mit einer großen Anzahl von individuellen Investoren dominiert, während der Anleihenfinanzierungsmarkt unterentwickelt war.

Folglich gab es nur begrenzten Spielraum für die Absicherung im Markt, was schnell große Fluktuationen verursachen kann.

3. Schlechte Übereinstimmung zwischen dem Kapitalmarkt und dem gesamten Wirtschaftssystem.

Die Marktwirtschaft ist ein System und der Kapitalmarkt ist lediglich ein Teil des Systems. In der Vergangenheit reichten das Aufsichtssystem und der Unternehmensaufbau in asiatischen Ländern allerdings nicht an die Standards, die vom Kapitalmarkt erfordert wurde, heran.

Makroökonomisch wurde der Kapitalmarkt bis zu einem gewissen Ausmaß vom Währungsmarkt bedient und in makroökonomisch Hinsicht blieb die Insider-Kontrolle ein großes Problem und die Unternehmensverwaltung hatte noch verbessert zu werden.

Die strukturellen Schwächen sind interne Faktoren für potentielle Krisen. In der Tat kann mit passenden externen Bedingungen eine potentielle Krise Realität werden.

Nach 1996 begann im Zuge der Beschleunigung der Öffnung der Kapitalmärkte vonseiten vieler asiatischer Länder große Mengen von Auslandskapital hinzuzuströmen.

Folglich stiegen die tatsächlichen Wechselkurse, was wiederum die Wettbewerbskraft in den Exporten behinderte. Die Gewinne der Unternehmen sanken gravierend und viele Unternehmen hatten infolge der Schwierigkeiten des Bargeldflusses weitaus weniger Investmenterträge als Investmentkosten. Dies ließ Investoren den Investmentwert der Unternehmen in diesen Ländern neu überdenken und die Kapitalflucht beschleunigte sich.

Da es kein effektives Makro-Aufsichtssystem und keine gesunde Unternehmensverwaltung gab plus des Mangels an Vertrauenswürdigkeit löste die Liquiditätskrise 1997 schließlich die asiatische Finanzkrise aus.

Seither hat der asiatische Kapitalmarkt viele Veränderungen gesehen. Nach fünf Jahren Schock und schmerzlicher Neuanpassungen sind jetzt wieder Lichtblicke in Sicht. Die Marktgröße hat ein Erholungswachstum gezeigt und noch wichtiger ist, dass das Ziel des Kapitalmarktes begonnen hat, sich von der Unterstützung des BIP-Wachstums und der Beschleunigung der Industrialisierung zur Maximierung der Interessen der Aktionäre zu verlegen. Die Veränderungen zeigen sich ganz besonders wie folgt:

1. Die Unternehmensverwaltung steht auf dem Programm. Die Unternehmensverwaltung ist eine Organisationsform und ein Prinzip, welche die Nutzung und Erwartung für das Recht der Kontrolle von Unternehmensressourcen beeinflussen könne. Eine gesunde Unternehmensverwaltung ist die Basis für eine Firma, Wert zu schaffen.

Für die heutzutage börsennotierten Firmen umfasst die Unternehmensverwaltung die internen Mechanismen einer Firma wie die Systeme in Bezug auf die Aktionäre, den Vorstand und das Management.

Sie umfasst auch den Aufbau des Marktsystems außerhalb der Firma wie die Systeme in Bezug auf die Marktregulierung, den Arbeitskräftemarkt und den Kapitalmarkt. Im Allgemeinen kann man sagen, dass nach der asiatischen Finanzkrise von 1997 die asiatischen Länder Reformen initiiert haben, um den Systemaufbau mit Konzentration auf die Unternehmensverwaltung zu verbessern.

Allmählich haben börsennotierte Firmen in Asien das Prinzip der Maximierung der Interessen der Aktionäre klargestellt, womit eine solide Grundlage für den Kapitalmarkt gelegt und für eine langfristige Garantie der gesunden Entwicklung des Marktes gesorgt wurde.

2. Aufbau der Vertrauenswürdigkeit. Die Entwicklung der Marktwirtschaft ist vom Aufbau der Systems der Vertrauenswürdigkeit nicht zu trennen. Abgesehen vom Aufbau eines harten Systems wie die Regeln und Vorschriften ist der Aufbau eines weichen Systems der Vertrauenswürdigkeit wie die Selbstdisziplin und die Vertrauenswürdigkeit ebenfalls wesentlich.

Nach der Finanzkrise haben asiatische Länder erkannt, dass die Vertrauenswürdigkeit ein wichtiges soziales Kapital ist, insbesondere nach der Bekanntgabe des die Welt schockierenden Enron-Ereignisses.

Ohne Vertrauenswürdigkeit können Mitglieder in der Gesellschaft kaum mit anderen Mitgliedern zusammenarbeiten, was den Zusammenbruch des Ecksteins für den Markt bedeutet. Im Aktienmarkt zum Beispiel bildet der Mangel an der Vertrauenswürdigkeit ein großes Risiko für Investoren, verursacht durch eine Informationsasymmetrie, was das Marktvertrauen schwächt und zu einer Marktkrise führt.

Dank der Bemühungen von Finanzvermittlern in der Selbstdisziplin zusammen mit strengeren Regeln hat der Aufbau eines Kreditsystems im asiatischen Kapitalmarkt bemerkenswerten Fortschritt gemacht.

3. Entwicklung von institutionellen Investoren. Institutionelle Investoren spielen eine wesentliche Rolle in der Entwicklung eines Kapitalmarktes, der Verbesserung der Unternehmensverwaltung und der Zunahme der Transparenz.

Während allerdings institutionelle Investoren entwickelt werden, müssen die Widersprüche zwischen der Risikokontrolle und qualifizierten Investoren angemessen gehandhabt werden.

Während die Risiken von institutionellen Investoren kontrolliert werden, sollten angemessene Aufsichts- und Anreizmechanismen eingeführt werden, so dass institutionelle Investoren qualifizierte Marktspieler werden können.

Dies ist in den Fokus des aufsteigenden Kapitalmarktes Asiens gerückt worden. In den letzten paar Jahren haben die asiatischen Kapitalmärkte von den Erfahrungen und Lektionen der entwickelten Märkte in Europa und Nordamerika sowie von anderen auftauchenden Märkten gelernt, während sie politische Maßnahmen in Übereinstimmung mit ihren eigenen Bedingungen ausarbeiteten.

Eine Gruppe von institutionellen Investoren, repräsentiert von Sozialsicherheitsfonds, reift heran, was besonders in Hong Kong und auf dem chinesischen Festland offensichtlich wird.

4. Verbesserte Aufsichtskapazität. Erfahrungen in anderen asiatischen Ländern zeigen, dass die Entwicklung des Kapitalmarktes nicht nur mit der Expansion der Marktspieler, sondern mit einer Reihe von brandneuen Themen wie der Indexierung von Anleihen, der Preisfestsetzung, von Kreditrisiken und der Entwicklung von Derivaten, zusätzlich zu den ernsten Herausforderungen in der Aufsichtskapazität, konfrontiert sein wird.

Die Aufsichtsbehörden müssen die Reihenfolge der Reformen im Kapitalmarkt ruhig angehen sowie eine Reihe von Problemen in Bezug auf inländische Investoren, in- und ausländische Vermittlungsinstitutionen und ausländische Investoren.

Der Aufbau eines Rechtssystems und die Ausmerzung der Aufsichtskorruption und von zu lascher Gesetzesdurchsetzung haben in den asiatischen Ländern große Aufmerksamkeit auf sich gezogen.

5. Aktive und stetige Adjustierung des makrowirtschaftlichen Managementsystems. Nach der Finanzkrise haben asiatische Länder die marktorientierte Adjustierung und Reform des makrowirtschaftlichen Managementsystems gestärkt, um mit dem Tempo der Entwicklung des Kapitalmarktes mitzuhalten.

Dies wird in den Gesetzen und Vorschriften, die für den Kapitalmarkt formuliert werden, offensichtlich. Außer dass die Lücken im ehemaligen Rechtssystem gefüllt werden, haben einige Länder und Regionen wie die ROK, Malaysia, Hong Kong und Singapur ihren Verhaltenskodex im Hinblick auf die Informationsbekanntgabe, den Schutz der Interessen der kleinen Aktionäre und die Maximierung der Interessen der Aktionäre geändert.

6. Schrittweise Öffnung. Man hat aus der asiatischen Finanzkrise erkannt, dass die Öffnung des Kapitalmarktes dazu beitragen kann, die Entwicklung des inländischen Marktes zu fördern. Die Öffnung eines aufsteigenden Kapitalmarktes enthält auch große Risiken.

Daher müssen umfassende Arrangements im Rahmen jeden Schrittes getroffen werden. In der Tat gibt es Statistiken, die zeigen, dass asiatische Länder nach gründlichem Nachdenken über die Finanzkrise einige Adjustierungen gemacht haben.

Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass der asiatische Kapitalmarkt nach fünf Jahren langwierigerer Reformen allmählich auf die richtige Bahn gekommen ist.

Mit der blühenden asiatischen Wirtschaft wird der asiatische Kapitalmarkt großartige Aussichten haben. Nicht nur als ein regionaler Markt, sondern auch als ein Teil des weltweiten Kapitalmarktes, wird er eine immer wichtigere Rolle in der wirtschaftlichen Globalisierung spielen.