Intakte chinesisch-amerikanische Verbindungen dienen beiden Seiten
 

China und die USA sollten sich entscheiden, eher miteinander zu kooperieren als sich zu konfrontieren, wenn es zu Uneinigkeiten kommt – beide Seiten scheinen eine reifere, vernünftigere und pragmatischere Einstellung anzunehmen, um ihre strategischen Interessen zu sichern.

Von Zan Jifang

Alle Zeichen zeigen, dass beide, China und die USA, beabsichtigen, auf dem Weg der Kooperation zu bleiben, trotz der Tatsache, dass die beiden in jüngster Zeit in hitzigen Debatten über die Aufwertung Chinas Währung und das US-Handelsdefizit gegenüber China involviert waren.

Um die Handelsspannungen mit den USA zu mildern, machte China den ersten Schritt, indem es vor kurzem mit US-Firmen wie Boeing, General Electric und großen Autoherstellern Geschäftsabkommen in Höhe von mehr als 6 Mrd. US$ schloss, ein bedeutender Schritt, um zu zeigen, dass Beijing aufrichtig ist.

Zuvor hatten sich die beiden Länder konsultiert und über viele wichtige Angelegenheiten koordiniert wie die Bekämpfung des Terrorismus, die Nuklearkrise auf der Koreanischen Halbinsel, den Krieg im Irak und den Friedensprozess im Nahen Osten. Beide Seiten haben die Kooperation über diese Themen erweitert und entschieden, diesbezüglich regelmäßige Diskussionen abzuhalten.

Im politischen Feld haben sich Staatsoberhäupter und leitende Beamte beider Länder, seit Chinas neue Führung an der Macht ist, häufig getroffen. In weniger als einem halben Jahr haben der chinesische Staatspräsident Hu Jintao und US-Präsident George W. Bush viele Telefonkonferenzen abgehalten und sich zum ersten Mal im Juni in Evian, Frankreich, getroffen. Die beiden Staatschefs erreichten auf dem 11. Treffen der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftskooperation im Oktober in Thailand einen breiten Konsens über viele bilaterale und internationale Angelegenheiten. Der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao wird die USA später dieses Jahr besuchen, eine Reise, von der die internationale Presse sagte, dass sie das gegenseitige Verständnis weiter verbessern und die gegenseitig nützliche Kooperation zwischen den beiden Ländern vertiefen würde.

Die beiden Länder hätten in den letzten Jahren dank der Bemühungen und der Unterstützung von Führungskräften beider Länder ebenfalls mehr Fortschritt im bilateralen Austausch und in der bilateralen Kooperation zwischen ihren beiden Armeen gesehen, so der chinesische Verteidigungsminister Cao Gangchuan am 29. Oktober im Rahmen eines zweitägigen Besuchs in den USA.

Seit den 1990ern ist die Frage, ob die beiden Ländern bereit sind, einen normalen und aktiven Militäraustausch durchzuführen, eine Methode zur Beurteilung des Zustandes der chinesisch-amerikanischen Beziehungen geworden. Caos USA-Reise markierte das erste Mal, dass ein chinesischer Verteidigungsminister das Pentagon seit 1996 besuchte, womit ein neues Kapitel in der Geschichte des bilateralen Militäraustausches aufgeschlagen wurde. Darüber hinaus haben sich Kriegsschiffe beider Länder vor kurzem mit gegenseitigen Besuchen beehrt, was auch auf die Tatsache hinweist, dass die chinesisch-amerikanischen Militärverbindungen ihr höchstes Niveau seit den 1990er erreicht haben.

Die Handels- und Investmentkooperation ist von großer Bedeutung für die bilateralen Beziehungen und der Eckstein von stabilen bilateralen Verbindungen. Nach dem Kalten Krieg sind die Verbindungen zwischen den beiden Ländern, auch wenn die US-Politik gegenüber China nicht beständig war, nicht vorübergehend abgebrochen oder umgekehrt worden. Ein wichtiger Grund hierfür ist, dass die Wirtschafts- und Handelsverbindungen sich allmählich zu einem wichtigen Aspekt der bilateralen Beziehungen entwickelt haben und zu einer Hauptantriebskraft in politischen Beziehungen worden sind.

Im Vergleich mit dem Kalten Krieg und der Periode direkt nach dessen Beendigung ist die Grundlage der chinesisch-amerikanischen Beziehungen stärker. Gegenwärtig basieren die bilateralen Beziehungen auf der Konvergenz der strategischen Interessen der beiden Länder.

Chinas dringendes Ziel ist es, die umfassende nationale Stärke zu verbessern und ein Land mit bescheidenem Wohlstand aufzubauen. Daher ist die Steigerung des Wirtschaftswachstums Chinas Toppriorität. Für dieses Ziel muss China versuchen, jegliche Wirtschaftsangriffe von außerhalb des Landes zu verhindern.

Die US-Seite sieht als ihre vorrangigste Aufgabe die Auslöschung der Bedrohung vonseiten des internationalen Terrorismus. Die Terroranschläge vom 11. September veranlassten die USA, ihren strategischen Fokus auf die Bekämpfung des Terrorismus zu lenken, womit ihre Außenpolitik und ihr strategischer Prozess verändert wurden. Gleichzeitig wurde damit der Hintergrund für ihre Chinapolitik verändert.

Die US-geführte globale Anti-Terrorismus-Kampagne, die Kriege in Afghanistan und im Irak, welche die USA initiierten, und die Nuklearkrise auf der Koreanischen Halbinsel haben die unnachgiebigen Anti-Kommunisten in der Bush-Administration gezwungen, ihre Politik gegenüber China neu zu überdenken. Die USA haben unerwartete Rückschläge im Aufbau des Irak und im Friedensprozess im Nahen Osten hinnehmen müssen. In beiden Angelegenheiten brauchen sie Chinas Kooperation.

Die Nuklearkrise, die letzten Oktober begann, hat trotz der Mehrparteiengespräche wenig bedeutenden Fortschritt gemacht. Dies deutet auf ein Versagen auf der Seite der Bush-Administration hin, die versucht, die Krise durch Isolation und In-Schach-Haltung der Demokratischen Volksrepublik Korea (DPRK) zu lösen. Um die gegenwärtige Pattsituation mit der DPRK zu beenden, eine Eskalation der Nuklearkrise zu verhüten und die Angelegenheit diplomatisch zu regeln, sind die USA sehr auf China angewiesen.

Es darf jedoch nicht übersehen werden, dass China und die USA nach wie vor verschiedene Meinungen über einige Angelegenheiten haben, insbesondere hinsichtlich der Taiwan-Frage und über die Menschenrechte. Diese Dinge sind instabile Elemente, welche die bilateralen Beziehungen beeinträchtigen werden und in absehbarer Zeit nicht verschwinden werden.

Noch bedeutender ist, dass die USA aufgrund ihrer globalen strategischen Interessen China nach wie vor als einen potenziellen Rivalen betrachten, weshalb Elemente der In-Schach-Haltung in der Chinapolitik der USA nach wie vor zu finden sind.

Viele sind jetzt davon überzeugt, dass die USA ihre geopolitischen strategischen Interessen expandieren, indem sie Vorteile aus der Anti-Terrorismus-Kampagne ziehen und ihre militärische Präsenz in Gebieten um China herum aufstocken. Zweifelsohne übt dies zusätzlichen militärischen Druck auf China aus.

Darüber hinaus sind die bilateralen Verbindungen in der Geschichte der chinesisch-amerikanischen Beziehungen in großem Ausmaß von der Innenpolitik der USA beeinträchtigt worden, insbesondere in den Jahren der Präsidentschaftswahlen. Chinesische Analytiker warnten, dass die chinesisch-amerikanischen Beziehungen Schwankungen zu sehen bekommen würden, da das Jahr 2004, das Jahr der Präsidentschaftswahlen in den USA, näher rücke.

Was die Taiwan-Frage anbelangt, die ein wesentlicher Punkt in den bilateralen Beziehungen ist, so hat die Bush-Administration die Strategie des Kalten Krieges, China mittels der Taiwan-Frage in Schach zu halten, noch nicht völlig aufgegeben.

Das Weiße Haus hat ebenfalls seinen Waffenhandel mit Taiwan nicht aufgegeben, und Washington hat jüngst seinen Waffenverkauf an Taiwan aufgestockt und die militärische Kooperation mit der Insel verstärkt. Nächstes Jahr ist Wahljahr auf Taiwan, und um mehr Unterstützung zu erhalten, könnten die Taiwan-Behörden sich in separatistischer Rhetorik engagieren, um neue Spannungen in der Taiwan-Straße hervorzurufen. Dies wird ebenfalls eine Prüfung für die chinesisch-amerikanischen Beziehungen sein.

Aber wie es der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger auf einem jüngsten Seminar, organisiert vom Chinesischen Institut für Internationale Strategische Studien – eines Chinas berühmtester Forschungsorgane – sagte, so seien die grundlegenden Interessen der USA und China parallel angesiedelt, und die Beziehungen zwischen den beiden würden sich in ihrer „konstruktivsten Periode“ seit 30 Jahren befinden. Die reibungslose Entwicklung der bilateralen Beziehungen dient den grundlegenden Interessen der Menschen beider Länder und wird ebenfalls zur Aufrechterhaltung des Friedens, der Stabilität und der Entwicklung in der Welt beitragen. Angesichts dieses Umstandes ist es sicher vorauszusagen, dass es unmöglich sein wird, eine der beiden Seiten von der Bahn der gegenseitigen Kooperation zu bringen.