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Jeder produziert Müll. Wir produzieren Abfall, wenn wir einen Apfel schälen und die Schale wegschmeißen, wenn wir ein Packet öffnen und das Packpapier in den Papierkorb stopfen oder wenn wir eine verbrauchte Batterie wegwerfen. Da immer mehr Waren produziert werden, um das Leben der Menschen angenehmer und vielfältiger zu machen, werden immer mehr Materialien potentieller Müll, wie Einwegpapierbecher und Essstäbchen aus Holz, Plastiktüten und die wunderschöne Verpackung der Mondkuchen.

Von Chen Wen

Während China eine rapide Entwicklung des Städtebaus und des Lebensstandards erlebt hat, ist eine oft vergessene Nebenwirkung dieses Wachstums der riesige Anstieg der Menge des Abfalls bzw. des städtischen festen Mülls (municipal solid waste, MSW), der von der riesigen Bevölkerung des Landes produziert wird.

Den Statistiken des Aufbauministeriums zufolge belief sich die Menge des MSW letztes Jahr in 660 Städten in China auf unglaubliche 134,7 Mio. Tonnen.

MSW ist der Abfall, der von den täglichen Lebensaktivitäten der Menschen erzeugt und normalerweise in organischen und anorganischen Müll unterteilt wird.

Informationen von Rudolf Walder, technischem Chefberater der Industrieentwicklungsorganisation der UNO (UNIDO), zeigten, dass MSW sich hauptsächlich aus Küchenabfällen, Papier, Plastik, Stoff, Bambus und Holz, Obstschalen, Metallen, Glas, Schlacke und anderem zusammensetzt.

Nie Yongfeng, einem Professor der Abteilung für Umweltwissenschaft und -technik der Tsinghua-Universität, zufolge wird MSW in China gegenwärtig hauptsächlich auf Müllhalden gebracht und für die hygienische Landauffüllung genutzt. Der größte Teil wird jedoch lediglich mit grundlegender Technologie behandelt, und viele potentielle Schadstoffe und schädliche Nebenprodukte bleiben zurück.

Nie sagte, dass MSW in einigen Küstengebieten im Südosten Chinas auch Müll der Leichtindustrie enthalte. Der technische UN-Berater Walder äußerte, dass MSW in China eine beträchtliche Menge riskanter Elemente enthalte, da ein Mangel an getrennter Müllsammlung von gesundheitsgefährdendem Müll und von Haushaltsmüll und Abfall von Kleinunternehmen bestehe.

Unangemessene Müllabladung und unbehandelte Landauffüllung hatten negative Auswirkungen auf die Umwelt sowie auf die öffentliche Gesundheit. Die schädlichen Elemente von MSW können direkt in die Luft verdunsten oder das Grundwasser und Flüsse verschmutzen. Dies ist eine Hauptgefahr für die öffentliche Gesundheit und Landwirtschaft.

Nie sagte Beijing Rundschau, dass Großstädte wie Beijing und Shenzhen größere Bemühungen als andere Städte unternommen hätten, ihren Müll zu entsorgen, da von den Lokalregierungen diesem Bereich mehr Aufmerksamkeit und verstärkt Gelder und bessere Technologie zugekommen seien.

Aufmerksamkeit von der Regierung ist ein wesentlicher Faktor dafür, das Management von MSW in China zu verbessern, da der Import von fortschrittlicher Technologie für die Behandlung von MSW hauptsächlich von der Regierung finanziert wird.

„Die Regierung sollte dem MSW-Management Wichtigkeit beimessen und die adäquaten Gelder für die Entsorgung des Mülls gewährleisten. Der detaillierte Ablauf der Behandlung sollte jedoch eher unter der Zuständigkeit von professionellen administrativen Institutionen als unter der Regierung selbst stehen“, sagte Nie.

Er setzte hinzu, dass, obwohl in den letzten Jahren im MSW-Management Fortschritt gemacht worden sei, die Aufmerksamkeit, welche die Regierung dem MSW-Management schenke, bei weitem nicht angemessen sei. In einigen Gebieten würden die Lokalregierungen lediglich sogenannte „Projekte“ ohne jegliche umfassende oder realistische Planung betonen. „Es ist kein Problem, das durch ein oder zwei Projekte gelöst werden kann“, sagte Nie.

Technologie kann unter keinen Umständen im Management von MSW ignoriert werden. Es gibt Technologien für eine bessere Müllbehandlung durch Kompostieren, Verbrennung und hygienische Landauffüllung. Einem Rundschreiben der UNIDO zufolge enden mehr als 90% des Mülls in China jedoch in der Landauffüllung. Verbrennungs- und Kompostieraktivitäten befinden sich noch in einem frühen Stadium der Entwicklung.

Vom 8.-19. September fand das China-Workshop zur Schulung eines Sauberen MSW-Managements und Managements von gesundheitsgefährdendem Müll, gesponsert von der Schweizer Regierung, der UNIDO, dem Aufbauministerium und dem Nationalen Umweltschutzamt in Beijing statt. Insgesamt 12 Experten aus der Schweiz und Deutschland kamen, um ortsansässige Experten aus den Testprovinzen Sichuan, Fujian und Shandong zu schulen, die beauftragt wurden, nach Meisterung der Technologie ähnliche Schulungsworkshops in ihren jeweiligen Provinzen abzuhalten.

Dies war nicht das erste Mal, dass ein derartiges Schulungsprojekt initiiert worden war. Zhou Wenhong, Projektmanagerin der Abteilung für Auswärtige Wirtschaftskooperation des Umweltschutzamtes der Provinz Sichuan, sagte zu Beijing Rundschau, dass ähnliche Schulungsworkshops 2001 abgehalten worden seien und dass sie gefunden habe, dass die Informationen äußerst hilfreich für die Handhabung des Problems des festen Mülls vor Ort gewesen seien.

„Technologie ist erhältlich, aber der Technologietransfer braucht Geld“, sagte Rudolf Walder. „China hat in Sachen Wissen und Technologie großen Fortschritt in den letzten fünf Jahren gemacht. Die Ingenieure wissen, was zu tun ist, aber es besteht ein Mangel an Geldern.“

Fonds sind ein großes Problem. Der Mangel an Geldern sei ein gravierender Faktor, der die Entwicklung der MSW-Behandlung beschränke, sagte Rudolf. Er bemerkte, dass in der Schweiz die meisten Gelder von der Öffentlichkeit kämen, während in China die Regierung die Hauptquelle für die Finanzierung sei. Er schlug vor, dass China Finanzierungsunterstützung von internationalen Organisationen wie der Weltbank ersuchen und Auslandsinvestment anziehen solle, indem günstige Bedingungen für ausländische Firmen, die wünschen, an den Bemühungen teilzunehmen, angeboten würden.

Viele große und mittlere Städte wie Beijing, Shanghai, Tianjin, Guangzhou, Xiamen, Wuhan und Shenyang haben in der Praxis bereits mit finanzieller Unterstützung von ausländischen Regierungen oder der Weltbank in Form von Darlehen große moderne Müllbehandlungsstätten gebaut.

Und einige Städte wie Wuxi, Guangzhou, Wuhan und Beihai haben zudem Müllentsorgungsgebührensysteme eingeführt, durch welche die Gebühren für die Mühlentsorgung direkt oder indirekt von den Orteinwohnern erhoben werden.

Im Juni 2002 gaben das Aufbauministerium und drei andere zuständige Abteilungen gemeinsam eine Ankündigung heraus, in der gefordert wurde, dass alle Städte in China bis Ende 2003 von ihren Einwohnern Müllentsorgungsgebühren erheben sollten.

Einer Erhebung von Zhou Hongchun vom Forschungszentrum für Entwicklung des Staatsrates zufolge machen in einigen Gemeinden in den USA, wo ein Müllentsorgungsgebührensystem existiert, die jährlichen Ausgaben 0,15-0,5% des gesamten Familieneinkommens aus und in anderen entwickelten Ländern wie der Schweiz, Deutschland und Österreich etwa 0,3%.

Auf der Rate von 0,3% basierend würden die Leute mit einem Jahreseinkommen von 6000 (724,6 US$) bis 15 000 Yuan (1811,6 US$) 18 (0,22 US$) bis 45 Yuan (5,43 US$) für die Müllabfuhr jedes Jahr bezahlen. Dies sei für die chinesischen Stadtbewohner basierend auf ihrem gegenwärtigen Einkommensniveau aufbringbar, so Zhous Erhebung.

Letztes Jahr begannen über 70 chinesische Städte, Gebühren für die Müllentsorgung zu erheben, der Betrag des eingesammelten Geldes war jedoch weitaus weniger als ursprünglich erwartet. Zum Beispiel hätte Beijing 2002 130 Mio. Yuan (15,7 Mio. US$) einnehmen sollen, nahm aber eigentlich nur 10 Mio. Yuan (1,2 Mio. US$) ein; Tianjin hätte 28 Mio. Yuan (3,4 Mio. US$) einnehmen sollen, nahm aber nur 5 Mio. Yuan (603 865 US$) ein.

Viele seien sich der Pflicht der Bezahlung für die Müllentsorgung nicht vollkommen bewusst, sagten einige Beamte des Aufbauministeriums. Einige weigerten sich, die Gebühren zu bezahlen, und andere erachten diese Art von Gebühren sogar als illegal.

Der Hauptgrund dafür sei, dass die zuständigen Abteilungen gescheitert seien, die Bedeutung des Müllentsorgungsgebührensystem bekannt zu machen, und dass ein Mangel an effektiven Mitteln für die Einziehung der Gebühren bestanden habe, so ein Beamter des Aufbauministeriums.

Einem Schulungshandbuch der UNIDO zufolge sei Chinas MSW-Behandlung und -Management immer noch eine Kombination zwischen Regierungs- und Dienstleistungsfunktionen. Das Managementsystem sei eher schwach und nicht gut organisiert, so heißt es im Handbuch, und die MSW-Behandlung in China könnte vielversprechende Marktaussichten haben, wenn es einen effektiven Marktmechanismus geben würde.