Schmerzlicher Verlust von Kulturbesitz
 
Von Zhao Hong

Kulturgüter sind ein wichtiger Träger und Beweis der historischen und kulturellen Entwicklung eines Landes oder einer Nation. Sie sind die Lebenslinie einer Zivilisation und eine Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Geschichte ohne die Untermauerung von Kulturobjekten ist fragwürdig und Kultur unvollständig.

Im Verlauf von ungefähr 100 Jahren nach dem Opium-Krieg (1840-42) war die chinesische Nation immer wieder der Demütigung und Ausbeutung von imperialistischen Mächten ausgesetzt. Viele erstklassige Kulturobjekte wurden geraubt und ins Ausland gebracht. Mehr als 1 Mio. chinesische Artefakte werden gegenwärtig in mehr als 200 Museen in 47 Ländern weltweit aufbewahrt; die Kulturgüter, die sich in Privathänden befinden, sind so zahlreich, dass keine genauen Angaben möglich sind.

Großbritannien, ein altes imperialistisches Land, plünderte China einst willkürlich aus und beraubte das Land vieler seiner Kulturgüter. Nur ein Teil der Kriegsbeute, die im Britischen Museum zu sehen ist, füllt bereits eine ganze Ausstellungshalle. Unter den Ausstellungsstücken sind Wandgemälde aus Dunhuang, die von Marc Aurel Stein gestohlen wurden, dessen Name wird allerdings in keiner Museumserklärung erwähnt. Wahrscheinlich schämten sich die Briten der abscheulichen Taten ihres Landsmanns.

Frankreich schloss sich dem Raubzug durch Chinas Kulturlandschaft ebenfalls an. Der Wert der Artefakte aus Dunhuang, die jetzt in der Bibliotheque Nationale und im Musee Guimet aufbewahrt werden, ist kaum zu schätzen.

Das zaristische Russland war ebenfalls hemmungslos im Gerangel um Chinas Artefakte, insbesondere um die aus dem Westlichen Xia-Reich (1038-1227). Aufgrund dieser Tatsache waren zeitgenössische chinesische Studien der Geschichte und Charakteristiken dieses Königreiches im Nordwesten Chinas auf Materialien, die in Russland aufbewahrt waren, angewiesen.

Gestützt auf ihre stabile militärische und finanzielle Stärke ergatterten die USA eine große Anzahl von chinesischen Kulturobjekten. In den letzten Jahren hat der Auktionsmarkt wiederholt teure Transaktionen chinesischer Kulturantiquitäten gesehen. Beispielsweise wurde eine Bronzeware, die in der zentralchinesischen Provinz Hunan in den 1920ern entdeckt worden war, im Jahr 2001 für 9,24 Mio. US$ versteigert. Das teure Kunstwerk ist allerdings nicht intakt, da der obere Teil gegenwärtig in China ist, und darauf wartet, mit dem Hauptteil vereint zu werden. 2002 wurde eine olivenförmige Vase, die während der Herrschaft von Kaiser Yongzheng der Qing-Dynastie (1723-36) hergestellt wurde, an einen chinesischen Käufer für mehr als 40 Mio. HK-Dollar verkauft.

Japan spielte ebenfalls eine schändliche Rolle bei der Plünderung Chinas Kulturerbes. Es begann 1902 mit seinen Raubzügen in China. Einer amerikanischen Erhebung zufolge schaffte Japan vor 1943 mehr als 15 Mio. Bücher aus China heraus. Nach dem Widerstandskrieg gegen die japanische Aggression 1945 zeigten unvollständige Statistiken von der chinesischen Regierung, dass die japanischen Invasoren insgesamt 3,6 Mio. Stücke und 1870 Kisten mit Kulturobjekten raubten und 741 Denkmäler zerstörten. In den folgenden Jahren verlangte China allerdings nur 10 Kisten mit Fossilien, die in Zhoukoudian ausgegraben worden waren, 35 000 alte Bücher und 58 alte Gemälde, die von General Chang Hsueh-liang gesammelt worden waren, zurück.

Die meisten chinesischen Artefakte, die über die Welt verteilt sind, sind geraubt und gehandelt worden. Die Ruinen des Yuanmingyuan werden bis heute als Zeugen dieser historischen Katastrophe geschützt.

Der Yuanmingyuan im westlichen Vorortgebiet von Beijing, bestand aus drei miteinander verbundenen Gärten – dem Yuanmingyuan (Garten der Perfektion und des Lichts), dem Changchunyuan (Garten des Ewigen Frühlings) und dem Wanchunyuan (Garten der Zehntausend Quellen). Er hatte einen Umfang von 10 km und bedeckte eine Fläche von etwa 350 ha. Nach 150 Jahren der Bauzeit im Auftrag von aufeinanderfolgenden Qing-Kaisern gab es über 200 Bauwerke im chinesischen und westlichen Stil im Yuanmingyuan und über 100 Landschaftsstätten.

Während des 2. Opiumkrieges (1856-60) besetzte die englisch-französische Alliierte Armee Beijing und plünderte den Yuanmingyuan. Am 18. Oktober 1860 setzten die Invasoren diesen „Garten der Gärten“ in Brand und überließen ihn drei Tage und drei Nächte dem Feuer.

Unter den Artefakten, die in den Plünderungen und dem Brand verlorengingen, waren mehr als 100 000 goldene, silberne, Jade- und kupferne Buddha-Statuen sowie zahlreiche Bronzewaren aus der Shang- und der Zhou-Dynastie (1600-771 v. Chr.), Porzellan, alte Bücher und Gemälde, kaiserliche Stempel, Holdschnitzereien und Juwelen.

Am Bedauerlichsten ist wohl, dass eine Ausgabe des Siku Quanshu (Vollständige Bücherei der Vier Zweige der Literatur), die im Yuanmingyuan aufbewahrt wurde, verschwand. Das Siku Quanshu, die umfassendste Enzyklopädie der chinesischen Gelehrsamkeit vom Altertum bis zur Qing-Dynastie, wurde von 1772 bis 1782 unter dem Edikt von Kaiser Qianlong zusammengestellt. Es umfasst mehr als 3503 Werke in mehr als 36 000 Bänden und deckt eine breite Reichweite an Themen, darunter Klassik, Geschichte, Literatur, Philosophie, Geografie, Politik, Regeln und Vorschriften, Wirtschaft, Soziologie, Astronomie, Wissenschaft, Technologie und Medizin ab. Nur die besten Werke, die die 5000jährige chinesische Kultur und Zivilisation repräsentierten, wurden für die Aufnahme in diese gigantische Kompilation ausgewählt.

In einem Schreiben vom 25. November 1861 an Oberst Butler äußerte der großartige französische Schriftsteller Victor Hugo, dass es im Fernen Osten einen bemerkenswerten Garten, genannt der Sommerpalast (Yuanmingyuan) gebe. Unter den Meisterwerken der Architektur habe Griechenland das Pantheon, Ägypten die Pyramiden, Rom die Amphitheater und Paris den Notre Dame, der Orient habe jedoch den Sommerpalast. Alle Relikte des Notre Dame zusammen könnten sich nicht mit dem Reichtum dieses großartigen orientalischen Kunstmuseums messen. Eines Tages brachen allerdings zwei Einbrecher in dieses Museum ein, verwüsteten, raubten und verbrannten es und gingen dann Hand in Hand mit ihren Taschen voller Schätzen von dannen. Einer der Einbrecher, so Hugo, habe Frankreich, der andere Großbritannien geheißen.

In diesem Schreiben drückte Hugo seine Hoffnung aus, dass Frankreich eines Tages, die Dinge, die es von China geplündert habe, wieder zurückgegeben möge.

Inländische Gesetzgebung und internationale Konventionen

China begann die Gesetzgebung über den Schutz von Kulturobjekten im Jahr 1930, als die Kuomintang-Regierung das erste Gesetz des Landes über den Schutz von Kultur verabschiedete. Später formulierten die Zollbehörden Vorschriften über den Export von Artefakten.

Seit der Gründung der Volksrepublik China 1949 hat der Staat die Gesetzgebung über den Schutz von Kulturobjekten intensiviert. Das Gesetz über den Schutz von Kulturartefakten, das am 19. November 1982 in Kraft trat, ist das erste Sondergesetz des Landes im Kulturbereich. Der Staatsrat sowie das Ministerium für Außenwirtschaftliche Beziehungen und Handel und das Staatliche Büro für Kulturartefakte erließen ebenfalls eine Reihe von Dokumenten und Rundschreiben über das Management und den Schutz von Kulturobjekten, um zur Regelung von konkreten Problemen beizutragen. Darüber hinaus enthalten auch die Verfassung und das Strafgesetz unmissverständliche Vorschriften über Kulturobjekte und deren Schutz.

Am 28. Oktober 2002 verabschiedete der Ständige Ausschuss des 9. Nationalen Volkskongresses, Chinas oberste Legislative, die Abänderung des Gesetzes über den Schutz von Kulturartefakten. In der Abänderung werden neue Ideen und Forderungen in bezug auf Kulturobjekte, deren Operation und Schutz dargelegt.

Die chinesische Regierung hat zudem der internationalen Kooperation mehr Bedeutung geschenkt. Am 22. November 1985 trat China der UN-Konvention über den Schutz von Weltkultur- und Weltnaturerbe bei und begann, seine Bemühungen für den Schutz von Kulturgut mit den internationalen Gepflogenheiten zu integrieren.

Bisher ist das Land vier solchen internationalen Konventionen beigetreten, darunter der Konvention über den Schutz von Kultur- und Naturerbe am 22. November 1985, der Konvention über Mittel des Verbots und der Verhütung des illegalen Imports, Exports und Transfers des Besitzers von Kulturgut am 25. September 1989, der Unidroit-Konvention über gestohlene und illegal exportierte Kulturobjekte am 7. März 1997 und der Konvention über den Schutz von Kultureigentum im Falle eines bewaffneten Konflikts am 31. Oktober 1999.

Die Konvention über die Mittel des Verbots und der Verhütung von illegalem Import, Export und Transfer des Besitzes von Kulturgut besagt, dass es jedem Staat obliegt, Kulturgut, das auf seinem Territorium existiert, gegen die Gefahren des Diebstahls, der heimlichen Ausgrabung und des illegalen Exports zu schützen. Um den Schutz von Kulturgut gegen den illegalen Import, Export und Transfer des Besitzes zu gewährleisten, verpflichten sich die Unterzeichner dieser Konvention, ein oder mehrere nationale Organe mit qualifizierter Belegschaft in genügender Anzahl, um die folgenden Funktionen effizient auszuführen, einzurichten: zur Ausarbeitung von Gesetzes- und Vorschriftentwürfen für die Sicherung des Schutzes von Kulturerbe und insbesondere für die Verhütung von illegalem Import, Export und Transfer des Besitzes von wichtigem Kulturgut beizutragen; eine Liste von wichtigen staatlichen und privaten Kulturgütern, deren Export eine beachtliche Verarmung des nationalen Kulturerbes bilden würde, zu etablieren und auf dem neusten Stand zu halten, und zwar auf der Basis einer landesweiten Inventur geschützten Kultureigentums sowie zuzusehen, dass dem Verschwinden von jeglichen Kulturobjekten angemessene Publicity gegeben wird.

Die Konvention über den Schutz von Kulturerbe wurde geschaffen, da das Kultur- und Naturerbe zunehmend mit Zerstörung bedroht ist und der Schutz dieses Erbes auf Staatsebene oft, aufgrund des Umfangs der Ressourcen, die notwendig sind, und der ungenügenden wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technologischen Ressourcen des Landes, wo das zu schützende Gut sich befindet, unvollständig bleibt. Sie enthält Definitionen bezüglich des Kultur- und Naturerbes sowie Artikel über den nationalen und internationalen Schutz von Kultur- und Naturerbe, internationale Komitees für den Schutz von Weltkultur- und Weltnaturerbe, Fonds für den Schutz von Weltkultur- und Weltnaturerbe und Bedingungen und Arrangements für internationale Hilfe. Der Schutz des Kulturerbes bildet einen wichtigen Teil der Konvention.

Die Unidroit-Konvention über gestohlene und illegal exportierte Kulturobjekte ist für Forderungen internationalen Charakters betreffs der Rückgabe von gestohlenen Kulturobjekten. Sie adressiert auch die Rückkehr von Kulturobjekten, die von dem Territorium eines Unterzeichnerstaates im Widerspruch zu dessen Gesetzen entwendet wurden, um den Schutz des Kulturerbes des Staates zu gewährleisten. Kulturobjekte in der Konvention umfassen Objekte mit religiösem und weltlichem Hintergrund, die für die Archäologie, Vorgeschichte, Geschichte, Literatur, Kunst oder Wissenschaft von Bedeutung sind und zu einer der Kategorien gehört, die im Anhang der Konvention aufgelistet sind. Es heißt, dass der Besitzer eines Kulturobjektes, das gestohlen wurde, dieses zurückgeben soll und ein Unterzeichnerstaat kann das Gericht oder eine andere zuständige Behörde eines anderen Unterzeichnerstaates auffordern, die Rückkehr eines Kulturobjekts, dass von dem Territorium des anfragenden Staates illegal exportiert wurde, anzuordnen.

Die Konvention über den Schutz von Kultureigentum im Falle eines bewaffneten Konflikts, auch als die Den Haager Konvention bekannt, besagt, dass jede Unterzeichnerpartei verpflichtet ist, den Export von Kultureigentum aus einem Territorium, das während eines bewaffneten Konflikts besetzt wurde, zu verhüten und Kultureigentum, das sich auf seinem Territorium in der Nähe von Kampfhandlungen befand, an zuständige Behörden des Territoriums, das zuvor besetzt wurde, zurückzugeben, falls dieses Eigentum illegal exportiert worden ist. In der Konvention heißt es, dass derartiges Eigentum niemals als Kriegsentschädigung behalten werden soll.

Nach dem Beitritt zu o.g. internationalen Konventionen hat die chinesische Regierung ihren Anspruch auf gestohlene und illegal exportierte Artefakte weiter beibehalten. Diplomatische und Rechtsverfahren nutzend, ist ihr die Wiedererlangung von vielen Kulturartefakten gelungen.