Chronologie Beijings CCEW
 
Von Ding Wenlei

Die Zentrale Konferenz über die Wirtschaftsarbeit (Central Conference on Economic Work, CCEW) ist eine äußerst wichtige Tradition, die von der chinesischen Regierung nach einer Überprüfung, wie ihre existierenden Strategien funktioniert haben, genutzt wird, um jeweils zur Jahreswende ihre makroökonomischen Strategien auszuarbeiten. Zehn CCEWs haben seit 1994 stattgefunden. Hier ist ein Überblick über die CCEWs der Jahre 1994-2002 und ihre hervorstechendsten politischen Maßnahmen, abgesehen von der unaufhörlichen Reform der staatseigenen Unternehmen (SEUs) und der Öffnung zum internationalen Markt:

1994 (28. Nov.-1. Dez.): Die vorrangigste Aufgabe für das kommende Jahr 1995, wie es von Staatspräsident Jiang Zemin, Ministerpräsident Li Peng und Vizeministerpräsident Zhu Rongji vorgeschlagen wurde, war, die weit verbreitete Inflation, ein Ergebnis des beispiellosen Wachstums der industriellen Kapazität in den vorhergehenden Jahren, unter Kontrolle zu bringen. Andere Aufgaben umfassten die Vertiefung der SEU-Reform und die Expansion des Angebots von Agrar- und Lebensmittelprodukten.

1995 (5.-7. Dez.): Während die Nation bereit war, ihren 9. Fünfjahresplan für die gesellschaftliche und wirtschaftliche Entwicklung zu starten, war Beijings Schwerpunkt für 1996, inmitten des Fortschrittes der Reform in allen Bereichen, als Aufrechterhaltung der milden Preisfluktuation und der Stärkung der Landwirtschaft und der Bildung definiert worden. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch der Slogan „China durch die Bildung zu revitalisieren“ Teil Beijings Wirtschaftspolitik.

1996 (21.-24. Nov.): Dies war das erste Mal, dass Spitzenentscheidungsträger schworen, „neue Industriebranchen eines hohen Wachstums zu nähren“. Dies würde durch die weitere Öffnung des chinesischen Marktes realisiert werden, während mit der relativ strikten Geldpolitik fortgefahren würde, um den Inflationsdruck zu mildern, verkündeten sie.

1997 (9.-11. Dez.): Die Zentralregierung fällte die Entscheidung, im Finanzmanagement weiter vorsichtig vorzugehen und „Finanzrisiken“ der Nation zu reduzieren, während die Strategien für die Reform der sozialen Sicherheit, die SEU-Reform und die Finanzreform festgelegt würden.

1998 (7.-9. Dez.): Die erste CCEW unter Vorsitz Zhu Rongji, der zuvor zum chinesischen Ministerpräsident ernannt worden war, fand statt. Eine merkliche Verlagerung in Beijings wirtschaftspolitischer Orientierung war zu erkennen, nämlich der Wandel von einer relativ konservativen Politik mit einem Anti-Inflations-Schwerpunkt zu einer, die vorrangig entworfen war, um die inländischen Verbraucherausgaben anzukurbeln. Andere wichtige Punkte, abgesehen von der Fortsetzung der SEU-Reform, umfassten die Förderung der Exporte und der Aufbau von Marktordnungen. Das „Finanzrisiko“ der Nation wurde weiter als eine der größten Gefahren wahrgenommen.

1999 (15.-17. Nov.): Nach starkem Druck, den Yuan abzuwerten (während eines Angriffs von internationalen Währungen auf den Hong Kong-Dollar) und verheerenden Überschwemmungenm im Jangtse-Tal brachte dieses Jahr große Herausforderungen mit sich. Unter solchen Umständen entschied Beijing, eine proaktive bzw., wie sie von ausländischen Analytikern genannt wurde, eine „expansive“ Finanzpolitik aufrechtzuerhalten, um die Geldversorgung zur Untermauerung des inländischen Investments und der Verbraucherausgaben zu steigern.

2000 (28.-30. Nov.): Die Entscheidung war gemacht worden, mit der proaktiven Finanzpolitik, gekoppelt an eine „stabile und sichere“ Geldpolitik, fortzufahren. Unterdessen wurden neue Technologien, insbesondere Informationstechnologien, als eine neue Antriebskraft für das Wirtschaftswachstum in den Mittelpunkt gestellt.

2001 (27.-29. Nov.): Die proaktive Finanzpolitik wurde aufgestellt, um in ihr viertes Jahr zu gehen, viele neue Bemühungen wurden skizziert, um die Struktur und Effizienz der Wirtschaft zu verbessern.

2002 (9.-10. Dez.): Die letzte CCEW unter Vorsitz von Ministerpräsident Zhu Rongji, der drei Monate später seine Amtszeit beendet haben würde, fand statt. Das folgende Kabinett, unter Führung von Ministerpräsident Wen Jiabao, würde alle politischen Hauptmaßnahmen, welche die Zentralregierung in seiner Amtszeit verabschiedet hatte, übernehmen. Es gab jedoch ein besonderes Interesse, welches von der Zentralregierung mehr Beachtung als jemals zuvor erhielt: nämlich die massive Anzahl der Arbeitslosen in einigen wettbewerbsschwachen Branchen und alten Industriestädten der Nation. Die Wiederbeschäftigung und die soziale Sicherheit standen unter allen Themen ganz oben auf der Tagesordnung der zentralen Entscheidungsträger.