Privatunternehmer: Von Natur aus böse?
 

China hat gegenwärtig mehr als 10 Mio. Unternehmen, davon sind 99% Privatunternehmen. Ich sollte sagen, mehr als 9,9 Mio. Privatunternehmen sind legal entwickelt worden. Daher ist es unfair zu vermuten, dass sie von Natur aus Gesetzesbrecher sind.

In letzter Zeit sind viele Leitende chinesischer Privatunternehmen wegen strafbarer Handlungen wie Bestechung, Betrug und illegale Geldanhäufung entweder in Untersuchungsverfahren gewesen oder ins Gefängnis gekommen. Viele sind der Ansicht, dass die meisten Unternehmer durch illegales Vorgehen am Anfang ihrer Karriere reich geworden seien. Daher seien ihre Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit stets fragwürdig.

Andere sind jedoch davon überzeugt, dass die Gesellschaft diesen Millionären nicht die ganze Schuld geben sollte. Da Chinas gegenwärtige Gesetze ihre eigenen Probleme hätten, seien die Straffung der Überwachung und die Abänderung der Gesetze die einzigen Lösungen.

Die Kontroverse hat die grundlegende Richtlinie der Regierung über die Unterstützung von Privatunternehmen noch nicht beeinträchtigt. Die Frage, wie privates Eigentum geschützt werden soll, wird momentan immer noch geprüft. Zuständige Regierungsabteilungen sind dabei, politische Maßnahmen über die Unterstützung der Entwicklung von Privatunternehmen auszuarbeiten.

Dies entspricht der menschlichen Natur

Zou Lan (Forschungsrat des Unirule Institute of Economics): Einige Millionäre gerieten nur wegen Problemen im Bereich des Kapitalflusses, der durch eine unbegrenzte finanzielle Expansion und Geldmissbrauch verursacht wurde, in Schwierigkeiten. Sie bestechen Bankbeamte und begehen Finanzbetrügereien, wenn sie Kredite nicht auf normalem Weg bekommen können. Wenn dieses Phänomen in großem Ausmaß auftritt, wird es Ärger mit sich bringen.

Ende 2002 hatten die Besitzer einiger bekannter Privatunternehmen ein Treffen. Zufälligerweise wurden die Ehrlichkeit und die Glaubwürdigkeit vieler CEOs der 500 Top-Unternehmen der Welt öffentlich heftig Infrage gestellt. Diese Millionäre blickten auf ihre eigene Entwicklungsgeschichte zurück und lehnten Fehlverhalten , wie sie in früheren Jahren, vorkamen, ab. Da diese Praktiken im Anfangstadium ihrer Geschäfte mit geringer öffentlicher Aufmerksamkeit vor sich gingen, verursachten sie nicht zu viel Ärger. Tatsache ist, dass diese Unternehmer einen hohen Preis zu zahlen haben würden, wenn sie diese Handlungen fortsetzen würden.

Die Regierung und die Öffentlichkeit schenken den unlauteren Machenschaften kleiner Unternehmen im Allgemeinen kaum Aufmerksamkeit. Da diese Unternehmen sich jedoch entwickelt haben, werden immer mehr Menschen ihre Operationen überprüfen. Kein Fehler wird durchgelassen und jeder entdeckte wahrscheinlich noch übertrieben werden.

Im Zuge der Entwicklung und Standardisierung der Marktwirtschaft ist es möglich und notwendig, ein Unternehmen auf normalem und standardisiertem Weg zu betreiben. Ein Unternehmen kann niemals durch Betrügereien erfolgreich entwickelt werden. Dies ist ebenfalls der Grund, warum diese bekannten inländischen Millionäre ihre früheren Sünden bereuten und jetzt Ehrlichkeit und Glaubwürdigkeit besondere Aufmerksamkeit schenken.

Sühnen mit Geld

Larry Lang (Professor der Chinese University of Hong Kong): Die Tatsache, dass viele Privatunternehmen durch illegale Nutzung staatlicher Ressourcen Vermögen akkumuliert haben, kann als ihre „menschliche Natur“ betrachtet werden. Mit der rapiden Entwicklung von Privatunternehmen in China werden Probleme in der Nutzenverteilung immer sichtbarer, was eine große Bedrohung für die soziale Stabilität und die Wirtschaftsordnung darstellt.

Die „menschliche Natur“ wird die Entwicklung der chinesischen Privatwirtschaft schwerwiegend behindern, wenn es an einer angemessenen Lösung mangelt. Viele Besitzer erfolgreicher Privatunternehmen würden ins Ausland gehen, um eine neue Identität anzunehmen. Hong Konger Medien berichteten, dass drei der 10 Top-Privatunternehmer Chinas dabei sind, die Formalitäten für die Auswanderung in die USA zu erledigen. Die meisten Privatunternehmer haben ihre Fonds durch verschiedene Kannäle, legale als auch illegale, ins Ausland transferiert, um dort zu investieren. Dies hat nicht nur die gesunde Entwicklung der Privatwirtschaft in China beeinträchtigt, sondern auch Auswirkungen auf Chinas Wirtschaftsentwicklung und Steuereinnahmen gehabt.

Privatunternehmen können ihr Fehlverhalt durch BOT (Building, Operating und Transfer) sühnen. Selbstverständlich sollten diejenigen, die absichtlich Betrügereien begehen, davon ausgeschlossen sein. Letztgenannte sollten, ohne zu zögern, nach dem Gesetz bestraft werden.

Wer ist perfekt?

Zhong Wei (Professor des Finanzforschungszentrums der Beijinger Pädagogischen Universität):

· Was das Thema der „menschlichen Natur“ anbelangt, haben alle reichen Menschen Probleme, wenn wir davon ausgehen, dass die millionenschweren Privatunternehmer von Natur aus korrupt sind. Aus Analysen auf dieser Grundlage können wir schließen, dass die Führungskräfte von Staatsunternehmen wahrscheinlich die gleichen Tendenzen haben. Jetzt, wo China in der Übergangsphase von einer Planwirtschaft zu einer marktorientierten Wirtschaft steckt, haben viele Leitende von vertraglich übernommenen Staatsunternehmen von den Arbeitern verlangt, niedrige Löhne als Gegenleistung für die medizinische Versorgung, eine Wohnung und die Rente zu akzeptieren. Darüber hinaus sind viele Arbeiter während der Reform der Staatsunternehmen unter verschiedenen Vorwänden freigesetzt worden. Staatsunternehmen änderten die Verträge einseitig, sogar ohne Informierung der Arbeiter ab. Soll dies als das Böse der „menschlichen Natur“ betrachtet werden? Wir sollen zugeben, dass Staatsunternehmen ebenfalls große Fehltritte begangen haben.

· Was das Thema, Reichtum anzusammeln, anbelangt, steht dieses im Zusammenhang damit, ob irrationale gesetzliche Bestimmungen implementiert werden oder nicht, und ob Gesetze zurückverfolgt werden können oder nicht. In der starren Planwirtschaft konnten die ersten Geschäfte der meisten Privatunternehmer kaum einer Untersuchung standhalten. Die Probleme sind kompliziert: Erstens übertraten die Privatunternehmer die irrationalen Bestimmungen in der Planwirtschaft. Zu jener Zeit wäre eine Person allein schon, wenn sie Hühner bzw. Enten gezüchtet hätte, als ein böser Kapitalist betrachtet worden. Jegliches Vorgehen für die Geldanhäufung wurde als Verletzung der irrationalen Bestimmungen betrachtet. Diese waren die gemeinsamen Erfahrungen derjenigen, die als erste reich wurden.

Zweitens haben sich Chinas Wirtschaftsvorschriften in den vergangenen zwei Jahrzehnten dermaßen rapide verändert, dass Geschäftsleute keine passenden Gesetze finden konnten, an die sie sich in ihren Geschäftsaktivitäten hätten halten können. Sie hatten ihre Geschäfte in der Grauzone zwischen Legalität und Illegalität abzuwickeln. Drittens stimmt es, dass viele Millionäre, in der Gegenwart bzw. in der Vergangenheit, ihr Vermögen illegal angesammelt haben. Allerdings ist es übertrieben, dass alle Privatunternehmer von Natur aus böse sind.

· Was das Thema des grausamen Images der Reichen anbelangt, so handelt es sich meiner Meinung nach um eine moralische Frage. Im Allgemeinen wird von den Geschäftsleuten erwartet, sich an die Gesetze zu halten und die Steuern rechtzeitig zu entrichten. Ob sie gewissenlos oder nicht, hängt von ihrem Willen ab. Wie viele Sänger bzw. Filmstars sind verglichen mit millionenschweren Geschäftsleuten reich und gleichzeitig gewissenhaft? Selbstverständlich ist es großartig, wenn reiche Menschen gewissenhaft vorgehen.

Ich bin davon überzeugt, dass die Anzahl der reichen Menschen mit einem sozialen Verantwortungsbewußtsein sicher steigen wird. Ich hoffe, dass diese reichen Menschen sich an die Schwierigkeiten in ihrer Entwicklung erinnern und bereit sein werden, Beiträge zur Gesellschaft zu leisten, anstatt Vermögen zu sammeln und dieses zu missbrauchen.

Zwecklose Debatten

Wang Songqi (Vizeleiter des Finanzforschungszentrums der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften): China hat gegenwärtig mehr als 10 Mio. Unternehmen, 99% davon sind Privatunternehmen. Ich sollte sagen, mehr als 9,9 Mio. Privatunternehmen sind legal entwickelt worden. Daher ist es unfair zu vermuten, dass sie von Natur aus Gesetzesbrecher sind.

In der Tat sind nicht alle über Nacht reich gewordenen Millionäre gleich. Einige unter ihnen kamen an ihr Vermögen, indem sie von der Geldgier korrupter Beamter profitierten, während andere durch die Ergreifung von Marktgelegenheiten reich wurden. Diese Marktgelegenheiten, die zufällig auftauchen, sind nicht universal, da sie nicht als Geschenke für bestimmte Einzelpersonen kommen. Nur diejenigen, die in der Lage sind, diese Gelegenheiten beim Schopfe zu ergreifen, können behaupten, dass sie Glück gehabt haben. Glück trifft oft mit Fähigkeiten zusammen. Wir können während der Diskussionen über das Vermögen dieser Unternehmer unsere Denkmethoden ändern. Vergessen wir die „menschliche Natur“ und lassen wir die Vergangenheit ruhen. Wir können es als gegeben annehmen, dass ihr Vermögen legal ist, solange keine schwierwiegende Bestechung involviert ist. Wir können zudem von den Erfahrungen der deutschen Regierung lernen, nämlich, es gibt keine Untersuchung, solange das Kapital, das ins Ausland fließt, vor einem festgesetzten Termin wieder zurückfließt. Für jede Regierung und jede Gesellschaft ist es stets vorteilhaft, die Steuererhebung und die Beschäftigung zu erhöhen. Prozesse in großem Maße zu führen wird einem Land stets schaden.

Verschiedene Maßnahmen sollten ergriffen werden, um die Marktordnung zu sanieren und die Gesetze und Verordnungen zu verstärken, damit eine „gesunde marktorientierte Wirtschaft“ etabliert werden kann. Wir sollten unterdessen zudem die gegenwärtige Situation in China in Erwägung ziehen, die Unzulänglichkeiten des Systems analysieren und sorgsam Ziele für eine Razzia auszusuchen.