Alte Pflanze könnte bald nur noch Geschichte sein
 
Die Euphratpappel, einst eine Pflanze von symbolischer Bedeutung im Wüstengebiet des Uigurischen Autonomen Gebiets Xinjiang im Nordwesten Chinas, verschwindet inmitten der zunehmend schlimmeren ökologischen Degradation.

Von Wendy Chen

Die Euphratpappel ist eine spezielle alte Baumspezies, die in trockenen und halbtrockenen Gebieten wächst und eine Geschichte von mehr als 6,8 Mio. Jahren hat. Sie ist seit langem wegen ihrer unterschiedlichen Grade an Toleranz gegenüber salzhaltigen Böden, periodischer Vernässung und kalten und trockenen Bedingungen bekannt. In China kann sie vor allem in Xinjiang angetroffen werden. Das Euphratpappelwaldgebiet erstreckt sich endlos entlang des Mittel- und Unterlaufs des Flusses Tarim, ist über 10 km weit und fast 1000 km lang und bildet einen „Grünen Korridor“, der als ein natürlicher Schutzschirm gegen den sich verlagernden Sand der Taklimakan-Wüste dient.

Das Tarim-Flusstal hatte einst die größte Verteilung an jungfräulichen Wäldern der Euphratpappel. Aber seit den 1950ern haben exzessive Abholzungen im ganzen Tal, der Bau von Reservoirs an den Oberläufen des Flusses und willkürliche Landgewinnung am Mittel- und Unterlauf des Flusses das ökologische Gleichgewicht zerstört, die Durchflussmenge des Tarim vermindert und sogar saisonbedingte Austrocknungen verursacht. Der Grundwasserspiegel ist dann gesunken, und damit verdorrte eine große Fläche von Euphratpappelwäldern und anderer Vegetation und verging aufgrund eines ernsten Mangels an Wasser. Statistiken zufolge sind die Euphratpappelwälder am Ober- und Mittellauf des Tarim von 400 200 ha in den 1950ern auf 240 120 ha gegenwärtig zurückgegangen, und am Unterlauf ist die Anzahl von 54 027 ha auf 7337 ha gesunken.

Der natürliche Schutzschirm gegen die Taklimakan-Wüste steht kurz davor, zu verschwinden. Folglich greifen Sandstürme immer stärker um sich. Lokale Bewohner sagten, dass Sandstürme in den letzten Jahren zunehmend ernster geworden seien. Die Wüste hat durch die von Menschenhand geschaffene Verteidigungslinie durchbrochen und schreitet weiter vor in Richtung der Wohngebiete.

Die zuständigen Regierungsabteilungen haben einige abhilfeschaffende Maßnahmen ergriffen, wie den Bau von Gräben und die Pflanzung von Vegetation, aber diese helfen nicht wirklich, den Trend der ökologischen Degradation und der Abnahme der Euphratpappel umzukehren. Wenn künstliche Oasen und Wüstenflächen beide expandieren, nehmen die Flächen der natürlichen Flüsse, Seen, Vegetation und Steppen merklich ab. Auch wenn die ökologischen Bedingungen in einigen Gebieten verbessert werden, warnten Experten, dass die ganze Situation degradiere.

Die Dringlichkeit der ökologischen Verschlimmerung des Tarim-Tals hat die Aufmerksamkeit der Zentralregeirung und von lokalen Regierungen erregt. Seit dem Jahr 2000 ist das Wasser von anderen Flüssen fünfmal in den „Grünen Korridor“ des Unterlaufs des Tarim abgeleitet worden, was die Ökologie des Flussufers in gewisser Weise verbessert hat.

Um den Trend der ökologischen Degradation am Unter- und Mittellauf des Flusses grundlegend zu hemmen, arbeiten einige zuständige Abteilungen an einem Projekt zur Nutzbarmachung des Tarim. Das Projekt umfasst hauptsächlich den Bau eines 640 km langen Wasserweiterleitungsdamms sowie den Bau und den Wiederaufbau von 31 ökologischen Deichen.

Es gibt allerdings unterschiedliche Meinungen über die ökologischen Deiche, die entlang des Flusses dort, wo das Wasser bei Überschwemmungen leicht übertritt, gebaut werden sollen, um den Verlust an Wasser auf dessen Weg zum Unterlauf des Flusses zu reduzieren.

Experten der lokalen Forstabteilungen sind der Ansicht, dass, da die Euphratpappel und andere Vegetation entlang der Ufer des Tarim vom Grundwasser, das vom Überfließen des Flusswassers geliefert wird, leben, das Grundwasser, sobald die ökologischen Deiche in Einsatz gebracht werden, ohne entsprechende Wasserergänzung reduziert werden wird. Folglich werden die Euphratpappelwälder am Unterlauf des Flusses vielleicht gerettet werden, während die am Ober- und Mittellauf in Gefahr sein würden.

Allgemein besteht die Auffassung, dass in Xinjiang ein schlimmer Wassermangel herrscht, aber dies ist mit Sicherheit nicht der Fall. Die Pro-Kopf-Wasserressource in Xinjiang rangiert in China auf Platz vier. Es handelt sich hauptsächlich um Grundwasser, das von geschmolzenem Eis und Schnee kommt. Der Hauptgrund hinter dem ernsten Wassermangel der Region sind die unangemessene Verteilung und die irrationale Nutzung der Wasserressourcen, einschließlich der Besprengung, die eine große Verschwendung an Wasser verursacht.

Daher schlagen einige Experten vor, dass der wesentliche Punkt für die Erholung des ökologischen Systems im Tarim-Tal sei, Wasser zu sparen und die Tröpfelbewässerung einzuführen.