Das Verlagswesen zieht ausländische Investoren an
 

Von Feng Jing

Das Forum über die Globalisierung Chinas Verlagswesens fand am 18. September während der 10. Internationalen Beijinger Buchmesse statt. Auf dem Forum, das von der Higher Education Press (HEP) und dem China Book Business Report (CBBR) gesponsert wurde, sprachen Führungskräfte der Staatlichen Presse- und Publikationsadministration (SPPA) und des Bildungsministeriums sowie Vertreter von weltbekannten Verlagshäusern über die Globalisierung Chinas Verlagswesens. Im Folgenden sind Auszüge aus den jeweiligen Kommentaren abgedruckt.

Was ist Globalisierung?

Shen Rengan (Vizeminister der Staatlichen Copyright-Administration):

Der Terminus Globalisierung, der in Chinas Verlagswesen benutzt wird, bedeutet kurz gefasst, ausländische Dinge für den chinesischen Gebrauch anzupassen und chinesische Dinge in die Welt einzuführen.

In den letzten Jahrzehnten haben wir bei der Anpassung ausländischer Dinge für China gute Arbeit geleistet. Zahlreiche ausländische Bücher, audio-visuelle Produkte und elektronische Publikationen sind in China übersetzt und herausgegeben worden. Dies versetzt uns in die Lage, an den intellektuellen Erträgen der ganzen Menschheit teilzuhaben. Ich habe 10 Verlage besichtigt, bei denen mir erzählt wurde, dass die ausländischen Publikationen 7-37% ihres jeweiligen Gesamtoutputs ausmachten.

Aufgrund einiger historischer Gründe haben wir allerdings weniger Arbeit, was die Verbreitung von chinesischen Publikationen in der Welt anbelangt, geleistet. Mehr Bemühungen sollten gemacht werden, herausragende chinesische Publikationen in die Welt einzuführen.

Mit einer langen Geschichte, einer tiefgründigen Kultur und einer stark ausgeprägten Kreativität seiner Menschen sollte China größere Beiträge zum Fortschritt der Menschheit leisten.

Matthew Sullivan (Präsident von CCH Asia):

CCA aus den Niederlanden ist eine globale Verlagsunternehmensgruppe und CCA Asia ist eine ihrer Tochterfirmen. Ich bin Australier, lebe aber in Singapur. Ich bin für die Geschäfte in Hong Kong, Malaysia, Japan und Singapur verantwortlich. CCH hat zudem auch eine US-Firma und eine asiatische Firma gekauft. Seine Operation in China hat bereits die Lokalisierung vollzogen: chinesische Angestellte, chinesische Warenlieferanten und chinesische Kunden. Mein Posten ist nichts Besonderes, spielt jedoch eine globale Rolle. Ich bin nicht nur für das Asien-Geschäft verantwortlich, sondern auch für unsere Führungskräfte in Europa und in den USA.

Alle Geschäftsleute im Verlagswesen sind jetzt globale Geschäftsleute, was eine unbestrittene Tatsache ist. Der Verlagssektor dient als eine Antriebskraft der Globalisierung, was sich auf den freien Markt-, Kultur- und Informationsfluss bezieht.

Gelegenheiten und Herausforderungen

Liu Zhipeng (Geschäftsführender Direktor der HEP):

Die Globalisierung im Verlagswesen zwingt uns darüber nachzudenken, wie Chinas Verlagswesen größer und stärker zu machen ist. Im Jahr 2002 tat die HEP sich mit Universitätsverlagen zusammen und restrukturierte ihre Kapitalstruktur, um sich zu modernisieren und neue Markennamen zu entwickeln.

In dieser Hinsicht maß die HEP der Entwicklung im In- als auch im Ausland die gleiche Bedeutung bei. Seit wir im Jahr 2002 14 Verlagsfilialen eingerichtet haben, überlegen wir nun, Niederlassungen im Ausland aufzubauen.

Unser Globalisierungsplan würde in vier Phasen durchgeführt werden:

Die Erneuerung in Übereinstimmung mit den Erfordernissen der Modernisierung und Globalisierung durchführen;

das Geschäft im In- als auch im Ausland expandieren;

eine internationale Firma aufbauen; und den Trend des globalen Verlagswesens führen.

Es wird mehr als 10 Jahre dauern, diesen Plan zu vervollständigen.

Huang Bailian (Bildungsministerium):

Seit dem 5. Mai ist nicht nur ausländischem Kapital sondern auch inländischem Kapital anderer Sektoren erlaubt, in Chinas Zeitungs- und Zeitschriftengroßhandel und Einzelhandelsmärkte zu fließen; dies war ein Vorgehen, Chinas Markt für alle WTO-Mitglieder zu öffnen. Da China seine Schutzmaßnahmen im Verlagswesen allmählich aufhebt, wird diese Branche mit einem heftigen Wettbewerb, der von ausländischen Verlagsgiganten mitgebracht wird, konfrontiert werden.

Gegenwärtig hinkt China, was die Größe der Verlagshäuser, den administrativen Level, das Verkaufsvolumen und die Qualität der Angestellten anbelangt, diesen internationalen Giganten hinterher. Chinas Verlagsunternehmen werden ein riesiges Risiko tragen, wenn sie direkt mit ausländischem Wettbewerb konfrontiert sein werden. Daher sollten sie ihre Kapazität verbessern und sich um Entwicklung bemühen, was der einzige Weg ist, mit dem internationalen Wettbewerb fertig zu werden. Ansonsten werden sie nicht überleben können.

Matthew Sullivan:

CCH hat sich durch Fusionen aus einem Familienunternehmen in eine große globale Unternehmensgruppe entwickelt. Jetzt ist es an der US-Börse notiert. In den letzten 12 Jahren hat es mehr als 300 Firmen weltweit aufgekauft. Gegenwärtig hat es mehr als 20 000 Angestellte in 26 Ländern. Im Jahr 2002 machte CCH einen Umsatz von 4 Mrd. Euro mit Profiten in Höhe von 750 Mio. Euro. Wenn die chinesischen politischen Maßnahmen es zulassen, wird es auch chinesische Verlagsunternehmen übernehmen.

Viele Verlagshäuser haben sich auf diese Weise entwickelt. In den kommenden Jahren wird China ähnliche Vorgänge zu sehen bekommen, wobei große Unternehmen sich in gigantische Unternehmensgruppen entwickeln und kleine Firmen im Wettbewerb verschwinden werden. Im Zuge Chinas Öffnung des Verlagswesens werden immer mehr ausländische Firmen in den chinesischen Markt eintreten.

Die Globalisierung wird ebenfalls zahlreiche Gelegenheiten mitbringen und chinesische Unternehmen in die Lage versetzen, den ausländischen Markt zu erforschen.

Wie groß ist Chinas Markt?

Matthew Sullivan:

In den vergangenen 15 Jahren haben wir eine Menge getan, um Informationen über China zur Verfügung zu stellen. Verschiedene chinesische Produkte verkaufen sich in unserem Unternehmen gut. Zu Beginn lieferten wir lediglich chinesische Publikationen an transnationale Unternehmen, die sich über China informieren wollten. Inzwischen sind viele von ihnen in den chinesischen Markt eingetreten, sie kaufen aber dennoch weiter unsere Produkte.

Der Preis von Chinas Publikationen ist weitaus niedriger als der von den USA. Mit dem Geld, das wir durch den Verkauf von chinesischen Produkten verdienten, stiegen wir in die Kooperation mit chinesischen Verlagsunternehmen ein und haben dann Produkte zum lokalen Preis auf dem chinesischen Markt verkauft.

Die Nachfrage nach Rechts-, Finanz- und Wirtschaftsbüchern wächst rapide. China wird weltweit wahrscheinlich nach den USA und Japan der fünft- oder sogar drittgrößte Markt für diese Bücher werden.

John Black (Vizepräsident von McGraw-Hill):

China hat einen riesigen und komplizierten Markt. Der Wettbewerb zwischen chinesischen Verlagen ist bereits ziemlich heftig. Sie sind sicher nicht bereit, den Markt mit ausländischen Firmen zu teilen. Das ist der Grund, warum ich sage, dass Chinas Markt kompliziert ist. Andere Probleme umfassen, dass der Durchschnittspreis von chinesischen Büchern weitaus niedriger ist als der weltweit und dass ausländische Autoren und Verlage nach wie vor über Chinas ungenügenden Schutz der geistigen Eigentumsrechte beunruhigt sind. Wir wissen, dass die chinesische Regierung viele Maßnahmen ergriffen hat, um die Situation zu verbessern und großartige Errungenschaften gemacht hat. Wir hoffen jedoch nach wie vor, dass mehr Fortschritte in dieser Hinsicht zu sehen sein werden.

Gollen Hong (Vizepräsient von Pearson Asia):

John Black sieht Chinas niedrige Preise für Publikationen als einen nachteiligen Faktor für ausländische Unternehmen. Ich stimme mit dieser Meinung nicht überein. Meiner Ansicht nach ist Chinas Markt so riesig, dass alle Preisfestsetzungsprobleme gedeckt werden können. Was den Schutz des geistigen Eigentumsrechts anbelangt denke ich, dass China in diesem Bereich große Fortschritt gemacht hat.

Wettbewerb und Kooperation

Liu Zhipeng:

Die HEP beabsichtigt, inländische und internationale Märkte zu entwickeln, indem voller Gebrauch von den Ressourcen sowohl im In- als auch im Ausland gemacht wird.

Momentan konzentrieren wir uns auf den inländischen Markt. Um jedoch ausländische Ressourcen anzuziehen, werden wir auf drei Weisen Bemühungen machen:

Fortfahren, ausländische Copyrights einzuführen;

internationale strategische und kooperative Partnerschaften suchen, um gemeinsam den Lehrbuchmarkt zu expandieren; und die Kooperation mit ausländischen Autoren suchen.

Chinas Bildungsmarkt und ausländische Bildungsressourcen ergänzen einander. Darüber hinaus ist das Wachstum des weltweiten Verlagswesens relativ gering – etwa 2-3% -- während das des chinesischen bei 20-30% liegt.

Dies hat eine schwer verdiente Gelegenheit zur Kooperation geschaffen. Ich besuchte vor kurzem verschiedene große amerikanische Unternehmen.

Sie alle sahen China als ihren wichtigsten Kooperationspartner und sagten, dass Chinas Markt, der sei, auf den sie am liebsten wollten.

Im Rahmen der Kooperation kann es allerdings zu Widersprüchen kommen. Lösungen sollten gesucht werden. Wenn dies nicht gelingen sollte, können die Differenzen beiseite geschoben werden. Die Entwicklung ist ein wesentliches Prinzip und auch ein gemeinsamer Wunsch.

Gollen Hong:

Wettbewerb macht Fortschritt und Kooperation schafft Vergnügen.

In Kooperation mit ausländischen Unternehmen können Chinas Verlagsunternehmen ihre Produkte durch die weltweiten Verkaufsstellen ihrer Kooperationspartner verteilen.

Dies kann die Risiken der chinesischen Seite gravierend reduzieren und ist ebenfalls ein guter Start für die Kooperation.

In den nächsten 10 Jahren, bevor China seinen Verlagsmarkt der Welt gänzlich öffnen wird, ist Kooperation mit chinesischen Verlagsunternehmen, denke ich, der beste Weg für ausländische Investoren, in Chinas Markt einzutreten.

Wenn China seinen Verlagsmarkt ganz öffnen wird, wird jeder ein Konkurrent werden. Diese Art von Wettbewerb ist jedoch mit Kooperation verbunden und sollte zwischen Unternehmen und Arbeitskollegen ermutigt werden.

John Black:

Wir sind davon überzeugt, dass Chinas Verlagswesen eine helle Zukunft hat, was auch für die Entwicklung von ausländischen Unternehmen viele Gelegenheiten mitbringen wird. Gegenwärtig entwickelt Chinas Markt sich in vollem Schwung.

In dieser Zeit brauchen wir mehr Kooperation anstatt Wettbewerb. McGraw-Hill hofft, sich der Kooperation anzuschließen.

Mit großem Vergnügen lassen wir andere Firmen an unserem Copyright und unserer Kerntechnologie und Kultur teilhaben.

Viele spezielle Fertigkeiten sind in den Erwerb eines Copyrights und in das Marketing eines guten Arbeitsstückes involviert.

Wir sind bereit, unsere Erfahrungen mit chinesischen Herausgebern zu teilen.

Wir können einen heftigen Wettbewerb in Chinas Markt voraussagen und sind bereit, ein Konkurrent in ihm zu werden.

Der globale Verlagsmarkt ist riesig und so ist der Verlagsmarkt in den USA und in China. Daher gibt es viele Gelegenheiten für Geschäftsleute dieser Branche, Erfolg zu haben.