Diskriminiert das Rentenalter die Frauen?
 

Kritiker des Unterschieds im Rentenalter zwischen Mann und Frau sagen, dass Frauen das Recht hätten, so lange wie ihre Kollegen zu arbeiten.

In China gehen Männer im Alter von 60 Jahren und Frauen im Alter von 55 Jahren in Rente. „Dies ist zum Schutz der Interessen der Frauen“, äußerten Beamte. Auf der 9. Nationalen Frauenkonferenz, die am 22. August 2003 in Beijing stattfand, sagten Kritiker des Unterschieds im Rentenalter zwischen Mann und Frau, Frauen hätten das Recht, so lange wie ihre Kollegen zu arbeiten.

Experten, die für die Revision des Gesetzes über den Schutz der Rechte und Interessen der Frauen verantwortlich sind, diskutierten dieses Thema, und die neue Bestimmung, dass Männer und Frauen im gleichen Alter in den Ruhestand treten sollen, wird wahrscheinlich in das Gesetz über den Schutz der Rechte und Interessen der Frauen aufgenommen werden.

In Übereinstimmung mit den gegenwärtigen Bestimmungen ist das Rentenalter für berufstätige Frauen, die in Regierungsorganisationen und -institutionen arbeiten, 55 Jahre und das für Arbeiterinnen in Unternehmen 50 Jahre, was jeweils 5 Jahre früher als bei den Männern ist. Ein Beamter des Personalministeriums sagte, dass die Rentenpolitik, die vor Jahrzehnten festgesetzt wurde, ursprünglich auf den Schutz der Interessen der Frauen abgezielt habe.

Nach der Gründung der Volksrepublik China im Jahr 1949 wurde eine große Anzahl von Frauen berufstätig. Während des Aufbaus des Neuen China verlangte die relativ rückständige Wirtschaft, dass Frauen einige körperlich schwere Arbeit verrichteten. Hinzu kam, dass jede Frau mindestens zwei Kinder aufzog und gewöhnlich mehr Hausarbeit als ihr Mann zu erledigen hatte. Das frühere Rentenalter für Frauen spielte beim Schutz der Frauen vor einer Arbeitsüberlastung eine positive Rolle.

50 Jahre später ist die Situation offensichtlich ganz anders. Chinas Familienplanungspolitik hat bereits viele Frauen von der Kinderaufzucht befreit. Mit der Verbesserung der Gesundheists- und Lebensbedingungen sowie des Bildungswesens und der Verlängerung der Lebenserwartung sagt eine zunehmende Anzahl der Frauen zudem, dass die Bestimmung über das Rentenalter veraltet, ja sogar diskriminierend sei.

Der Plan für die Veränderung des Rentenalters der Frauen hat fast über Nacht die Aufmerksamkeit aller Gesellschaftsschichten erregt und eine Runde lebhafter Debatten ausgelöst. Einige applaudierten dem Vorschlag und sagten, dass das Vorgehen der Gleichstellung des Rentenalters für Mann und Frau die Rechte der Frauen gewährleisten werde und sozialen Fortschritt markiere. Allerdings bezweifeln Kritiker, ob ein gemeinsames vom Gesetz unterstütztes Rentenalter wirklich sozialen Fortschritt repräsentieren könne.

Rechte der Frauen erneuern

Dongfang Er (Reporter der Jiangnan Times): Seit Jahren ist die Praktik, dass Frauen fünf Jahre früher als Männer in Rente gehen, als Schutz der Rechte und Interessen der Frauen betrachtet worden. Unzählige arbeitende Frauen, die in den Bereichen Beschäftigungsmöglichkeiten und soziale Konkurrenzfähigkeit ursprünglich weniger Überlegenheiten als Männer hatten, hatten keine andere Alternative, als ihren Arbeitsplatz im Alter von 55 Jahren zu verlassen, obwohl sie dort noch große Beiträge hätten leisten können.

Was bedeuten die Rechte der Frauen? Welche Art von Rechten brauchen die Frauen, damit die Fürsorge und der Schutz einer Nation und einer Gesellschaft für diese gezeigt werden? Es ist offensichtlich, dass die gegenwärtige Rentenpolitik, die behauptet, den Schutz der Rechte der Frauen zu gewährleisten, in der Tat ihrem Recht auf Arbeit geschadet hat.

Es lässt sich nicht abstreiten, dass das frühere Rentenalter für Frauen lange für die Hilfe und den Schutz der Frauen eine Rolle gespielt hat. Als ein Produkt der Planwirtschaft kann diese Politik den heutigen Erfordernissen jedoch nicht länger entsprechen. Heute führt der frühere Ruhestand zu einer geringeren Rente für Frauen im Vergleich zu der ihrer Kollegen. Die Politik, die ursprünglich auf den Schutz der Rechte der Frauen abzielte, ist eine Art von Beschränkung geworden, die Frauen behindert, die gleichen Beschäftigungsmöglichkeiten und die gleiche Bezahlung zu erhalten.

Dies bedeutet, dass keine abstrakten Rechte für Frauen existieren. Die Rechte der Frauen sollten sich mit der gesellschaftlichen Entwicklung verändern. Nur ein Recht, das für eine aktuelle Angelegenheit, gegeben wird, arbeitet dafür, die umfassende gesellschaftliche Stellung der Frauen zu erhöhen.

Rechte der Frauen schützen

Yang Gengshen (Reporter der Southern Metropolitan News): Der gesellschaftliche Fortschritt hat die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen verlängert, und Frauen mit höherem Bildungsniveau können geistige Arbeit genau so gut wie Männer leisten. Es ist eine enorme Vergeudung an Arbeitskräfteressourcen, wenn Frauen gezwungen werden, vor Männern in Rente zu gehen. Gleichzeitig bedeutet das frühere Rentenalter eine geringere Rente für Frauen. Die gegenwärtigen Bestimmungen über das Rentenalter weisen keinen Respekt für das Recht der Frauen auf Arbeit auf, und das gleiche Rentenalter für Mann und Frau sollte ins Gesetz über den Schutz der Rechte und Interessen der Frauen aufgenommen werden.

Von Frauen zu verlangen, früher als ihre Kollegen in Rente zu gehen, ist zweifelsohne eine Art von Beschränkung des Rechts der Frauen auf Arbeit. Jede Person sollte das Recht haben, solange sie ihrer Arbeit gerecht werden kann, diese zu leisten. Nur wenn Menschen sich des natürlichen Rechts auf Arbeit erfreuen, können sie entscheiden, zu arbeiten oder nicht, je nach ihrem Willen. Die Regierung oder die zuständigen administrativen Abteilungen sollten keine Mühe scheuen, das Recht jedes Bürgers auf Arbeit zu schützen, und dann ihrer Entscheidung Respekt zollen. Weder die Regierung noch die Gesellschaft hat das Recht, die Rechte der Bürger zu beschneiden.

Darüber hinaus ist die Wahl zu arbeiten oder weiter zu arbeiten unter der Bedingung, dass man seiner Arbeit gerecht werden kann, für einen Bürger nicht nur sein Recht, sondern ist noch wichtiger dafür, nach einem höheren Lebensstandard zu streben. Es ist offensichtlich, dass Menschen durch Arbeit größere Einnahmen als ihre Rente verdienen können, was bessere Lebensbedingungen bedeuten wird.

Allerdings ist das o. g. Recht ein bißchen idealistisch, und kann im realen Leben nicht vollständig verwirklicht werden. Daher sind einige Bestimmungen ausgearbeitet worden. Aufgrund beschränkter Beschäftigungsmöglichkeiten sollten z. B. Menschen in einem bestimmten Alter in den Ruhestand treten, um jungen Leuten mehr Beschäftigungsmöglichkeiten zu bieten. Da einige Beschränkungen für Rechte der Bürger unvermeidlich existieren, sollten große Anstrengungen unternommen werden, um die best mögliche Gleichberechtigung in diesem Bereich anzustreben. Der Unterschied zwischen Männern und Frauen im Rentenalter ist für die Frauen unfair, und hat das Recht der Bürger verletzt.

Es ist offensichtlich, dass wir den Schutz der Rechte des Volkes nicht ignorieren können, auch wenn wir mit einer ernsten Beschäftigungssituation konfrontiert sind. Daher ist es notwendig, den Unterschied zwischen Männern und Frauen im Rentenalter auszugleichen. Xia Yinlan, eine Expertin für die Revision des Gesetzes über den Schutz der Rechte der Frauen, sagte, dass die Gesetzgebung für das gleiche Rentenalter für Mann und Frau, sowohl das gleiche Recht auf Pensionierung als auch ein flexibles Prinzip, nach dem Frauen ihrem Willen und Fähigkeiten entsprechend wählen können, in Ruhestand zu gehen oder weiter zu arbeiten, berücksichtigen sollte. Das flexible Prinzip weist auf den Schutz und den Respekt des Rechts der Bürger auf Arbeit hin.

Kein Fortschritt

Qiu Feng (Reporter der Southern Weekend): Was möchten die Menschen? Der Vorschlag über die Gesetzgebung hinsichtlich des gleichen Rentenalters für Männer und Frauen bringt mich dazu, über diese Frage nachzudenken.

Sollten Männer und Frauen im gleichen Alter in Ruhestand gehen? Ich habe keine definitive Antwort. Ich möchte nur eine Tatsache darlegen: Obwohl das gleiche Recht auf Arbeit für Männer und Frauen für uns alle notwendig ist, verdient ein komfortables und hochqualitatives Familienleben ebenfalls Schutz. Es ist schwierig, eine Wahl zu treffen.

Allerdings wird die Intervention des Gesetzes, die der Gleichberechtigung in Sachen Arbeit einen gesetzlichen Schutz gewährt, wahrscheinlich einen negativen Einfluss auf das Familienleben ausüben. Wir können nicht mit Bestimmtheit sagen, dass das Wohlergehen, das durch die Verlängerung der Arbeitszeit mitgebracht worden ist, den Preis einer niedrigen Qualität des Familienlebens ausgleichen kann. Angesichts dieses Wert-Konflikts sollten weise Gesetzgeber umsichtig vorgehen. Sie sollten hinsichtlich dieser Frage Stillschweigen bewahren und Arbeitnehmern und Arbeitgebern die Wahl überlassen. Dies wird wahrscheinlich die beste Lösung sein, die von der Öffentlichkeit weit anerkannt wird.

Das Konzept der Gleichberechtigung der Geschlechter beinhaltet das Prinzip, dass Arbeit ein heiliges Recht ist. Nach einer sozialen Theorie kann eine Person nur durch Arbeit ihren eigenen Wert realisieren und für die Gesellschaft Beiträge leisten.

Die Menschen diskutieren jedoch immer noch darüber, welche Art von Aktivitäten zur Arbeit zählt. Ausländische Wirtschaftswissenschaftler äußerten, dass Hausarbeit eine Art Arbeit mit sozialem Wert sei, die als ein Teil des BIPs verzeichnet werden sollte. Darüber hinaus sollte die Gesellschaft diesen zu Hause Arbeitenden eine angemessene Entlohnung geben.

Allerdings bemühen sich Gelehrte und Politiker im Namen der Frauenrechte immer noch um das Recht der Frauen auf Arbeit, ein Recht für Menschen, von anderen beschäftigt zu werden und dafür Lohn zu erhalten. Menschen in der ganzen Welt sind daran gewöhnt, mittels großartiger sozialer Theorien Familienangelegenheiten zu analysieren: Die ökonomische Basis entscheidet den Überbau, daher entscheidet der wirtschaftliche Status der Frauen in gewissem Sinne ihre politische Position in der Gesellschaft; gleichermaßen hat derjenige, der mehr Geld verdient, der Ehemann oder die Ehefrau in einer Familie, in den Familienangelegenheiten das letzte Wort. Es scheint, dass Familien ein neuer Ort des Machtkampfes geworden sind.

Frauen können daher die gleichen Rechte bzw. die gleiche Macht in Familien bzw. in der Gesellschaft wie Männer erhalten und unter der Voraussetzung, dass sie die gleichen Vermögensressourcen (Einkommen, Ansehen und Status)wie Männer erwerben können, die Gleichberechtigung der Geschlechter wirklich verwirklichen.

Die Mehrheit der Menschen, die das gleiche Rentenalter für Mann und Frau unterstützen, stimmt mit der o. g. Idee überein, und auf dieser Logik basierend, wird Arbeit ein Recht und die Verlängerung der Arbeitszeit bedeutet mehr Zinsen.

Ich will nicht sagen, dass diese Idee falsch sei. Aber während sie einige enorme gesellschaftliche Fortschritte ausgelöst hat, hat diese Idee gleichzeitig jedoch einige unerwartete Resultate mit sich gebracht.

Beispielsweise mangelt es den meisten Stadtbewohnern im Berufsalter an einem hochqualitativen Familienleben. Zur Arbeit zu gehen ist die einzige wichtige Angelegenheit für Männer und Frauen geworden. Bedauerlicherweise sind Familien damit im Allgemeinen nicht mehr als Zellen der sozialen Produktion geworden.

Wir sind bereits an diese Situation gewöhnt. Sind die Menschen (Männer, Frauen, alt und jung) glücklich, wenn sie nach diesem gottgegebenen Recht streben? Es ist schwer zu sagen.