Ein Hightech-Versprechen
 

In einem Interview mit Beijing Rundschau-Reporter Zhou Xinhua diskutierte der israelische Botschafter in China, Yehoyada Haim, die neuen Parameter der chinesisch-israelischen Kooperation sowie die Situation im Nahen Osten.

Beijing Rundschau: Der israelische Präsident Moshe Katsav besuchte vom 17. bis zum 21. Dezember China, mit dem Ziel, die chinesisch-israelische Kooperation zu fördern. Würden Sie bitte einige der gemeinsamen Hauptprojekte, welche zwischen den beiden Ländern geplant sind, erläutern und einige der Felder benennen, von denen Sie denken, dass sie, was die bilaterale Kooperation anbelangt, die vielversprechendsten sind.

Yehoyada Haim: China ist weltweit ein wichtiges Land und zwar in politischer und in wirtschaftlicher Hinsicht; und es ist ein ständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates. Die israelische Regierung hat den bilateralen Beziehungen stets große Wichtigkeit beigemessen. Präsident Katsavs Chinabesuch wird die israelisch-chinesischen Beziehungen in jedem Feld weiter stärken.

Israel und China haben eine extensive Kooperation in einer Reichweite von Feldern ausgeführt, wobei die bilaterale Kooperation nicht nur zwischen den Regierungen, sondern auch zwischen Firmen aus beiden Ländern durchgeführt wird. Diese Art von Kooperation ist besonders in der Landwirtschaft effektiv. Es gibt zwei riesige moderne Farmen, welche gemeinsam in Beijing und in Ürümqi (Hauptstadt des Uigurischen Autonomen Gebiets Xinjiang) aufgebaut worden sind.

Aber das vielversprechendste Feld für die bilaterale Kooperation ist in den Hightech-Projekten zu finden. Israel hat keine andere Ressource als die Hightech. Es möchte sein Wissen und seine Erfahrungen mit China teilen. Eine derartige Kooperation ist nicht nur für Israel wichtig, sondern auch für China. China hat 1,3 Mrd. Menschen und Israel hat 6 Mio., beides sind intelligente Völker.

BR: Premierminister Ariel Sharon hat vor kurzem vorgeschlagen, dass Israel einige unilaterale Einräumungen gegenüber der Angelegenheit der jüdischen Siedlungen machen würde. Wie sehen Sie diesen Vorschlag?

YH: Ich hoffe, dies wird ein Durchbruch in Israels Beziehungen mit Palästina sein. Israelis und Palästinenser sollten lernen, Seite an Seite zu leben. Wir sollten geduldig sein. Wir sollten unseren Kindern in der Schule beibringen, wer unsere Nachbarn sind und dass ihre Nachbarn nicht ihre Feinde sind. Dies ist ein guter Weg, die Feindschaft zwischen den beiden Seiten abzubauen, auch wenn dies Zeit brauchen wird.

BR: Wie sehen Sie die Aussichten der israelisch-palästinensischen Beziehungen?

YH: Viele Programme zur Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts sind vorgeschlagen worden; und immer wenn ein neues Programm vorgeschlagen worden ist, haben wir die Verhandlungen erneut zu beginnen. Wir arbeiten alle Details wieder aus, um zu gewährleisten, dass alle Seiten, einschließlich der Extremisten, das Programm annehmen können. Dies ist wirklich ein Problem.

Moslems predigen, ihren Nachbarn keinen Schaden zuzufügen. Aber bei den Selbstmordbombenanschlägen kommen viele unschuldige Menschen um, darunter Frauen und Kinder. Einige Menschen sprechen über Konflikte zwischen Zivilisationen. Ich denke stets darüber nach, wie Zivilisationen vorgehen, um zu überleben, ich denke, das Wichtigste ist, dass sie keine Verbrechen verüben oder andere Zivilisationen terrorisieren.

BR: Der ehemalige irakische Staatschef Saddam Hussein wurde Ende 2003 gefangengenommen. Sind Sie darüber erfreut?

YH: Ich wurde im Irak geboren, und ich bin halbkurdisch. Ich persönlich habe gesehen, wie die Iraker unter Saddam Husseins Herrschaft zu leiden gehabt haben. Meine Familie verließ den Irak wegen des Terrors, der von Saddam Hussein geschaffen worden war. Er richtete seine Waffen nicht nur gegen seine eigenen Leute, sondern bedrohte damit auch den Rest der Welt.

BR: Wie sehen Sie die Rolle der USA im Irak?

YH: Die USA sind die einzige Supermacht der Welt, daher sollte jeder ihre Rolle im Nahen Osten akzeptieren. Momentan ist ihr Ziel im Nahen Osten die Bekämpfung des Terrorismus. Einige Länder haben keine andere Wahl, als dies zu akzeptieren. Einige mögen denken, es ist bequem, so vorzugehen. Die USA produzieren die Musik für die Region. Die Frage ist jetzt, ob Palästina und Israel dazu Tango miteinander tanzen werden.