Es ist an der Zeit, vernünftig zu sein
 

Die US-Frustration im Irak weist den Weg zu einer neuen Ära des Multilateralismus in der Weltpolitik.

Von Wang Yusheng

(Der Autor ist ein ehemaliger leitender Beamte Chinas in der APEC.)

Das letzte Jahr war in vielen Aspekten ein ereignisreiches, insbesondere wegen der zunehmenden Verbreitung des Terrorismus weltweit. Dies zusammen mit dem eskalierenden Unilateralismus der USA im Rahmen ihrer Anstrebung der Weltdominanz, einer Weitung des Risses über den Atlantik, insbesondere was die Wertausrichtung anbelangt, und den eskalierenden Kämpfen zwischen den USA und Russland in Zentralasien, gab Beobachtern viel Denknahrung.

Aber abgesehen von diesen im Allgemeinen negativen Ereignissen ist auch etwas Positives in der globalen politischen Arena aufgetaucht. Eine zunehmende Anzahl von Weltmächten sind zu rationalen Kräften was die Handhabung von internationalen Angelegenheiten anbelangt geworden, eine Entwicklung, die Gutes für das kommende Jahr verheißt.

Fast alle großen Weltmächte, außer Großbritannien und Japan, haben ihre Unzufriedenheit mit dem US-Unilateralismus und der US-Hegemonie ausgedrückt. Aber basierend auf ihren jeweiligen Interessen und Forderungen versuchten sie ihr Bestes, um Konfrontationen mit der Supermacht zu vermeiden. Deutschland und Frankreich waren beide gegen den Irakkrieg, aber im Rahmen des UN-Sicherheitsrates haben sie Einräumungen zugunsten der USA gemacht. Was Russland anbelangt, so führte es, obwohl die USA versucht haben, seinen strategischen Einflussraum zu erobern, insbesondere in Zentralasien, nach wie vor Kooperation mit der US-Seite in Sachen Antiterrorismus durch. China betont auch, dass es mehr gemeinsame Interessen mit den USA als Differenzen habe und unterstützt aktiv die Antiterrorismuskampagne. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese Länder der Supermacht unter jeglichen Umständen folgen. Im Gegenteil, sie haben wiederholt Washington aufgerufen, seinen Unilateralismus aufzugeben und Interessen und Forderungen anderer Länder zu berücksichtigen.

All dies sind rationale Einstellungen, welche für die Aufrechterhaltung der Weltstabilität und die Unterstützung der USA, ihren unilateralen Weg zu verlassen, günstig sind.

An ihre unvergleichliche Stärke glaubend ergriffen die USA unilaterale Aktionen, um den Krieg gegen den Irak letzten März zu starten, ungeachtet der Opposition vonseiten der internationalen Gemeinschaft und der UN. Aber die Frustration nach dem Krieg hat diesen Glauben schwanken lassen und die USA veranlasst, die Hilfe des Weltorgans zu erbitten. Im Irak sind nur 5% der Iraker davon überzeugt, dass die USA für die demokratischen Interessen ihres Landes kämpfen. In den USA glauben 37% der Amerikaner, dass die USA die größte Bedrohung des Weltfriedens sind. Selbst die japanischen Medien, die traditionell der Meinung der US-Regierung folgen, haben die japanischen Staatsführer gewarnt, nicht zu viel zu riskieren, um mit Washington mitzuhalten.

Die Gefangennahme von Saddam Hussein ist kein Wendepunkt für die schwierige Lage der USA im Irak gewesen. Da die US-Regierung zuvor Saddam unterstützte und gemeinsame Sache mit dem totalitären Führer in seiner Verfolgung von Massenvernichtungswaffen machte, könnte der Prozess gegen Saddam sie selbst zum Verteidiger im Gericht machen.

Einige sensible Leute in den USA haben geäußert, dass die Regierung den dualen Standard in ihrer Antiterroristenkampagne und die falschen Konzepte, welche gewisse Religionen und Kulturen mit dem Terrorismus vermischen, aufgeben sollte. Dies sei im Trend der Zeit, Frieden und Entwicklung zu verfolgen.

Die ersten Sechs-Parteien-Gespräche über die koreanische Nuklearproblematik stellten ein neues Muster der Handhabung von großen internationalen Sicherheitsthemen auf. Dies ist das Ergebnis der gemeinsamen Bemühungen von rationalen Kräften in der Region, darunter China. Die USA hatten die Demokratische Volksrepublik Korea (DPRK) weiter mit Androhung von Gewalt unter Druck gesetzt und die DPRK hatte weiter eine unnachgiebige Einstellung gegenüber dem Druck der Supermacht beibehalten. Die Sechs-Parteien-Gespräche schafften es, die beiden Todfeinde zusammenzubringen, um einen friedliche Lösung der Nuklearproblematik zu finden. Die Gespräche sandten ein positives Signal an die Welt – nämlich, in Bezug auf wichtige internationale Sicherheitsthemen, kann die internationale Gemeinschaft, insbesondere die Betroffenen, gemeinsam eine friedliche Lösung durch Dialog anstatt Konfrontation oder den Einsatz von Gewalt finden. Dies ist eine Negation von Unilateralismus in jeglicher Form.

Internationale Sicherheit kann nicht durch unilaterale Aktionen aufrechterhalten werden. Die zweiten Sechs-Parteien-Gespräche sollen die friedliche Beilegung der koreanischen Nuklearproblematik fördern sowie dem multilateralen Dialogsmechanismus bei der Handhabung von internationalen Sicherheitsthemen einen starken Aufschwung verleihen.