Lasst die Spiele beginnen
 

Wie macht sich der goldene Junge der Demokraten, John Kerry, gegenüber dem gegenwärtigen US-Präsidenten George W. Bush, während das Fieber im Vorfeld der Wahlen in Amerika steigt?

Von Zhou Bian

Auch wenn das eigentliche Rennen zwischen den US-Präsidentschaftskandidaten der beiden Parteien noch nicht angefangen hat, sagen Analytiker voraus, dass der Präsidentschaftsbewerber der Demokraten sehr wahrscheinlich John F. Kerry sein werde. Damit hätten wir einen guten Zeitpunkt, diesen politischen Veteranen mit dem amtierenden Präsidenten zu vergleichen. Beide sind Absolventen der Yale University und Mitglieder der Skull & Bones Society, eine Elite der Universität und des Landes. Der einzige Grund für eine solche Zufälligkeit ist, dass beide Nachkommen von blaublütigen Aristokraten sind. Sie haben ein ähnliches Alter, Bush ist zwei Jahre jünger als der 60-jährige Kerry. Allerdings stehen die beiden, trotz ihres ähnlichen Hintergrunds, jetzt auf zwei gegenüberliegenden Seiten einer Kluft was theoretische Systeme und kulturelle Werte anbelangt; beide sind gänzlich auf einen heftigen Kampf vorbereitet.

Der Wettbewerb ist nicht nur für das Land von wesentlicher Bedeutung, sondern auch für die internationale Gemeinschaft, da er über die wichtigste Person in der Welt entscheiden wird und welche Außenpolitik der Sieger des Wettbewerbs wählen wird, wird einen großen Einfluss auf die Welt ausüben. Daher konzentriert sich dieser Vergleich auf die Ansichten der beiden Kandidaten über die US-Außenpolitik.

Die Geschichte der US-Wahlen beweist, dass ganz gleich, wie erfolgreich ein amtierender Präsident in dem Bereich der auswärtigen Angelegenheiten auch ist, nur wirtschaftliche Errungenschaften ihm weitere vier Jahre im Weißen Haus versichern werden. Allerdings hat die Tragödie vom 11. September Sicherheitsfragen auf die gleiche Stufe wie die Wirtschaft gestellt, wenn nicht sogar noch höher eingestuft. Die Außenpolitik werde die Präsidentschaftswahl dieses Jahres dominieren, so Wirtschaftsexperten, dies im Kontrast zu den drei letzten Präsidentschaftswahlen, als die Außenpolitik nach der Wirtschaft, dem Gesundheitswesen und Pensionen die zweite Geige spielte.

Da die Sicherheit jetzt das größte Interesse der Amerikaner ist, versucht Bush der Wählerschaft zu beweisen, dass er der Schutzengel der nationalen Sicherheit ist und nur er die Furcht vor Terror in den Köpfen der Amerikaner zerstreuen kann. Aber angesichts der heftigen Befragung über die nicht auffindbaren Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein und des Scheiterns, Iraks Wiederaufbau effektiv zu planen, könnte Bush es hart finden, sein Volk dahin zu bringen, ihn als den Retter der Sicherheit zu sehen.

Während dieser Periode ist Kerry, ein Veteranenmitglied des Senatkomitees für auswärtige Beziehungen und des Senatkomitees für den Geheimdienst sowie ein Kriegsheld mit einer musterhaften Leistung im Vietnamkrieg, zu einem möglichen Retter der Amerikaner aufgestiegen. Dieser Mann scheint eher an die Handhabung von Sicherheitsfragen gewöhnt zu sein und diesbezüglich sensibler vorzugehen. Er zeigte ein profundes Verständnis für die nationale Sicherheit und internationale Angelegenheiten, und zwar in jüngsten Reden in seiner Kampagne zum Präsidentschaftskandidaten mit seinen Kollegen aus der Demokratischen Partei sowie in Reden, die er früher über einige wesentliche internationale Angelegenheiten gehalten hat. Kerrys Ansichten über die Außenpolitik erhielten viel Beifall in der internationalen Welt.

Hinsichtlich des Interesses der Amerikaner in Sachen Bekämpfung des Terrorismus ist Kerry von dem Antikriegsstandpunkt seines demokratischen Rivalen Howard Dean abgewichen. In einer seiner Reden widerlegte er sowohl die Fürsprecher einer passiven Außenpolitik von Dean und Bushs Unilateralisten sowie dessen Präventivpolitik. Er formulierte den dritten Weg einer Außenpolitik, Internationalismus, unterstützt durch ein starkes Militär.

Sich gegen Deans Standpunkt einer umfassenden Verteidigungspolitik aussprechend schlug Kerry vor, dass die USA sich selbst in internationale Angelegenheiten involvieren und ein aktives Spiel in der Weltarena geben sollten. Er kritisierte Bushs Cowboy-Stil bei der Handhabung auswärtiger Angelegenheiten und äußerte, dass dessen unangemessene Handhabung des Nachkriegswiederaufbaus des Irak die US-Beziehungen mit den eigenen Alliierten unterminiert habe. Er implizierte, dass, wenn er gewählt würde, er versichern würde, dass die USA in die internationale Gemeinschaft zurückkehren würden und er das Land sicherer und stärker machen würde.

Die unlateralistische und präventive Politik, welche die Bush-Administration verfolgt hat, stand im Fokus seiner Kritik. Kerry kritisierte, dass Bush die kollektive Sicherheit aufgegeben und internationale Institute und das Völkerrecht ignoriert habe. Er drückte seinen Wunsch aus, die Kooperation mit anderen Mächten in Sachen Wiederaufbau des Irak anzustreben und Washingtons Beziehungen mit seinen Alliierten wiederherzustellen.

Kerry ist allerdings bei der Darstellung eines perfekten Images der Außenpolitik auch mit Schwierigkeiten konfrontiert. Er hat Bushs Militäraktion gegen den Irak in der Kongressdebatte über den Krieg im Oktober 2002 unterstützt und seine jetzige Kritik über Bushs Initiierung des Irakkriegs lässt Zweifel über seine Integrität aufkommen. Abgesehen von diesem Punkt hat Kerry unerwartet viel Glück gehabt. Als er erklärte, dass er beabsichtige, am Präsidentschaftsrennen teilzunehmen, waren sogar seine Unterstützer über seine Kampagne für den wichtigsten Posten des Landes pessimistisch. Der Grund ist einfach; er ist seit 20 Jahren ein Bundessenator gewesen, ein politischer Veteran, der den Amerikanern, die eher neue Gesichter auf der eintönigen politischen Bühne sehen möchten, sehr vertraut war. Die Vorwahlen der Demokraten begannen am 19. Januar; bis zum 25. Februar hatte Kerry bereits 18 Siege in 20 Bundesstaatsnominierungswettbewerben eingeheimst.