Den Hammer einschlagen lassen
 
Washington intensiviert die Fahndung nach Osama bin Laden

Von Rong Ying

(Der Autor arbeitet am Chinesischen Institut für Internationale Studien.)

Seit Januar sind die US-Streitkräfte, die in Afghanistan stationiert sind, mit groß angelegten Offensiveinsätzen gegen die noch verbliebenen Taliban- und Al Qaeda-Kräfte entlang der Grenze zwischen Afghanistan und Pakistan beschäftigt gewesen. Die Militäroperationen, welche zusammen mit der Unterstützung der beiden asiatischen Ländern durchgeführt worden sind, zielten darauf ab, einen „Hammer und Amboss“-Effekt zu erzielen, um die Überreste der Taliban und von Al Qaeda letztendlich auszumerzen und insbesondere ihre Führer, Mullah Omar und Osama bin Laden, zur Strecke zu bringen.

Seit die Operation „Hammer und Amboss“ begann, hat es viele Spekulationen über das Ende von bin Laden gegeben. Einige sagen, er sei „eingepfercht“ „wie eine Ratte“, andere schätzten, er sei bereits gefangen genommen und die gute Nachricht werde erst vor der US-Präsidentschaftswahl im November verkündet werden. Bisher verneinen beide, die USA und Pakistan, dass bin Laden als Häftling festgenommen wurde. Gleichzeitig gab das US-Militär zuversichtlich bekannt, dass bin Laden diesmal nicht fliehen können werde.

Seit das Taliban-Regime im November 2001 zusammenbrach, haben die USA eine etwa 10 000 Mann starke Truppe in Afghanistan zurückbehalten. Um Terroristen auszumerzen und bin Laden und Omar zu ergreifen, führte das US-Militär 2002 und 2003 zwei Sonderoperationen durch. Im Vergleich mit diesen beiden gescheiterten Offensiven, welche entweder durch inkorrekte Taktiken oder unpräzise Geheimdienstinformationen gekennzeichnet waren, ist die Operation „Hammer und Amboss“ raffinierter.

Operation „Hammer und Amboss“

Erstens, das US-Militär hat sich mit Pakistan zusammengetan. Es ist das erste Mal, dass die USA mit Afghanistan und Pakistan kooperiert haben, um gegen Terroristen entlang deren Grenze vorzugehen. Das US-Militär sucht jeden Haushalt in den drei Provinzen Paktika, Paktia und Khost in Afghanistan nach diesen angeblich sich versteckenden Terroristen durch. Unterdessen hat das pakistanische Militär eine große Anzahl von Kräften entlang seiner Grenze zu Afghanistan stationiert, um jegliche Bewegung von Afghanistan zu verbieten. Pakistan hat eine Reihe von Anti-Terroristen-Maßnahmen in den Stammesregionen seiner nordwestlichen Grenzprovinz, insbesondere Süd-Waziristan, ergriffen. Lokalen Stammeschefs ist es angeordnet worden, Leute, die beschuldigt werden, Terroristen zu beschützen, auszuhändigen. Eine Handvoll von Al Qaeda-Terroristen ist laut Meldung festgenommen worden. Durch diese Methode erwartet Washington, Druck auf Taliban- und Al Qaeda-Stützpunkte auszuüben und schließlich bin Laden durch Kooperation mit afghanischem und pakistanischem Personal festzunehmen.

Zweitens, die USA haben ihr System für die Sammlung von Geheimdienstinformationen gestärkt. Das Militär fährt fort, mit seinen fortschrittlichen Satelliten- und anderen Technologien, bin Laden zu lokalisieren, und übt mit Verhören weiter Druck auf die festgenommenen Taliban- und Al Qaeda-Terroristen aus. Die USA sind ebenfalls begierig, wertvolle Informationen von Freunden und Familien der Verhafteten zu erhalten, eine Methode, die erfolgreich für die Festnahme von Saddam Hussein im Irak eingesetzt wurde.

Drittens, die USA haben ihre Taktik geändert. Den US-Medien zufolge hat Präsident George W. Bush ein neues Programm gebilligt, um bin Laden zur Strecke zur bringen. Dementsprechend sollen US-Kräfte in Einheiten geteilt und unter afghanischen Dörfern verteilt werden, um mit den Ortsansässigen vertraut zu werden und wichtige Geheimdienstinformationen zu erwerben. Die USA betonten auch, dass die Sondereinsatztruppe 121, welche Saddam gefangen nahm, an der Jagd auf bin Laden teilnehmen würde.

Sogar mit all diesen Bemühungen erwartet Washington nicht, bin Laden schnell zu finden. Als er gefragt wurde, wann bin Laden gefangen genommen werden könnte, sagte US-Außenminister Colin Powell auf einem jüngsten Besuch in Afghanistan, er sei zuversichtlich, dass bin Laden verhaftet würde, aber er sei sich nicht sicher, wann dies passieren würde. Aber das US-Militär, das in Afghanistan stationiert ist, versprach, dass bin Laden noch in diesem Jahr geschnappt werden würde.

Analytiker äußerten, dass die Offensive des US-Militärs acht Monate vor den allgemeinen Wahlen aus innenpolitischen Berücksichtigungen vorgenommen würde. Da die Bush-Regierung sich über das Scheitern der Lieferung eines gerechten Grundes für den Irakkrieg ärgere, könnte die Gefangennahme von bin Laden und Omar etwas Gesicht für den US-Präsidenten retten und seine Popularität für die anstehenden Wahlen verbessern. Allerdings können die Schwierigkeiten im Verlauf der Friedenserhaltung und des Wiederaufbaus in Afghanistan nicht grundlegend behoben werden.

US-Taktiken in Frage gestellt

Einige haben vorausgesagt, dass die afghanischen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen kaum planmäßig ablaufen werden könnten, da die Sicherheitssituation im Land sich verschlechtert habe. „Afghanistan: Are We Losing the Peace“, geschrieben vom U.S. Council on Foreign Relations und der Asia Society im Juni 2003, warnte, die Situation in Afghanistan würde schlechter, der wirtschaftliche Wiederaufbau würde kaum erreicht und die Anarchie mit der Herrschaft der Kriegsherren würde wiederkehren, es sei denn, der Karzai-Regierung würde mehr Unterstützung gewährt werden.

Zu einem gewissen Ausmaß können die Schwierigkeiten in Afghanistan der Haltung der USA zugeschrieben werden. Die USA messen dem Aufenthaltsort von bin Laden größere Bedeutung zu als der Friedenserhaltung im Land. Die USA sind seit langem auf die lokalen Kriegsherren oder militanten Clans angewiesen gewesen, um bin Laden zur Strecke zu bringen. Das US-Militär lässt diese entweder die Führung übernehmen oder Geheimdienstinformationen liefern. Einige Kriegsherren machen sich die Begierde der USA, bin Laden zu fangen, zu Nutze und bieten falsche Informationen, was ihren Rivalen Rückschläge versetzt.

Zweifelsohne schwächen die US-Taktiken die Autorität der zentralen Regierung Karzais, und die unüberlegten Bombardierungen der USA haben unter den Zivilisten viele Opfer gefordert und starke Abneigung unter den Ortsansässigen ausgelöst.

Die USA müssen ihren Vorgehensmodus ändern. Sie begannen, Druck auf Pakistan auszuüben, Unterstützung zu gewähren, und forderten von diesem, die Grenze zu Afghanistan abzusperren und zu helfen, Terroristen, die sein Territorium betreten, zu überwachen. Pakistan hat zugestimmt, zu kooperieren, aber aufgrund von inländischem politischen Druck erlaubt es dem US-Militär nicht, Terroristen im Land zu jagen.

Es viel leichter für die USA, einen militärischen Sieg als Frieden zu erreichen. Der US-„Hammer“ wird bin Laden früher oder später treffen, womit ihrer Anti-Terroristen-Kampagne in Afghanistan der letzte Anstrich gegeben wird. Allerdings ist die Gefangennahme von bin Laden nur von symbolischer Bedeutung für einen anhaltenden Frieden. Sie wird die Sicherheitssituation im Land weder grundlegend verbessern, noch wird sie die gegenwärtige weltweite Anti-Terroristen-Situation ändern. Die Überbleibsel der Taliban und von Al Qaeda haben einen weiten Einfluss in Afghanistan, insbesondere unter den Paschtunen. Noch wichtiger ist, dass Al Qaeda sich selbst von einem zentralisierten Kommando zu einem Organ mit harter Disziplin transformiert hat, nämlich zu einem Terroristennetzwerk, welches sich aus lokalen radikalen Organisationen, die gemeinsame Ziele teilen, zusammensetzt. Die Terroristen sind weitaus stärker ideologisch gefärbt als zuvor. Nur eine starke Hand kann diese Angelegenheit lösen.