Markthindernisse zerstören, Augenbrauen hochziehen
 

Es sieht so aus, dass China in den nächsten drei Jahren der größte Baumarkt werden und damit die vorrangige Bühne für den internationalen Wettbewerb sein wird.

Von Lan Xinzhen

Wenn Sie die Gelegenheit haben, irgendeine von Chinas großen Städten zu besuchen, werden Sie wahrscheinlich feststellen, dass die neusten Gebäude eindeutig nicht traditionell sind. Eher wie ein Mischmasch an Modernität – also keine ikonenhaften roten Backsteine und grünen Ziegel – sieht das architektonische Antlitz des heutigen China aus. Sie können einen Milchkaffee in einem Café im europäischen Stil trinken oder in einem Hotel schlafen, nicht wissend, ob sie in Shanghai oder Toronto sind. Internationale Baufirmen haben in der Tat die Skylines in ganz China verändert.

Das vergangene Jahrzehnt hat eine abnehmend dominante Rolle von inländischen Bauunternehmen und die Übernahme eines zunehmend großen Teils durch ausländische Firmen, insbesondere in den letzten fünf Jahren, gesehen. Über 140 der 255 Spitzenbauauftragnehmer der Welt haben Operationen in China gestartet, und etwa 120 chinesisch-ausländische Joint Ventures im Bau- und Designbereich sind genehmigt worden. In der Tat ist eine große Fläche auf der Leinwand des modernen China für ausländische Architekten reserviert worden.

Chinas WTO-Verpflichtungen zufolge werden vollständig ausländische Immobilienunternehmen dieses Jahr zugelassen werden. Unterdessen werden chinesisch-ausländische kooperative und Joint Venture-Immobilienfirmen sich der nationalen Behandlung ¾ ein Prinzip, an das sich die WTO-Mitglieder halten sollten ¾ erfreuen. Beijing hat eigentlich bereits 2002 begonnen, die Beschränkungen für den ausländischen Zugang zu seinem Immobilienmarkt zu lockern. Im Jahr 2003 gab es 20 Immobilienprojekte mit Auslandskapital in Beijing, wobei eine gesamte Baufläche von mehr als 5 Mio. qm und ein Gesamtinvestment von etwa 3 Mrd. Yuan (362,32 Mio. US$) involviert waren. Ausländische Investoren kamen aus Ländern wie Deutschland, Singapur, Japan, den USA, Kanada, Großbritannien, den Niederlanden und Indonesien. Unter den 2122 Immobilienunternehmen in Beijing sind 106, in die von ausländischen Unternehmen investiert wurde, und solche aus Hong Kong, Macao und Taiwan.

Es gibt mehrere Faktoren, die zu dem blühenden Baumarkt beigetragen haben. Die Wohnungssystemreform 1998 ist einer der Schlüsselfaktoren, die den Immobilienmarkt stark stimuliert und dessen Wachstum gefördert haben. Chinas Beitritt zur WTO und seine erfolgreiche Bewerbung für die Olympischen Spiele 2008 haben beide die Aufmerksamkeit auf das Potenzial des Marktes gelenkt.

Statistiken zeigen, dass Beijing 280 Mrd. Yuan (33,82 Mrd. US$) in Projekte für die Olympischen Spiele 2008 investieren wird, darunter werden 180 Mrd. Yuan (21,74 Mrd. US$) in die Infrastruktur und 17 Mrd. Yuan (2,05 Mrd. US$) in Sporteinrichtungen gesteckt werden. In städtischen Gegenden werden 3 Mio. qm an alten oder baufälligen Häusern neu gebaut werden, und 60 Mio. qm an Wohngebäuden werden von 2002 bis 2007 fertiggestellt werden. Die Anzahl der Hotels wird bis 2008 von den gegenwärtigen 300 auf 800 ansteigen. Ein Olympischer Park, der 1,215 Hektar bedeckt, wird ebenfalls gebaut werden.

Die Grundlage für Wettbewerb legen

Ausländische Immobiliengiganten wie ING Real Estate aus den Niederlanden und die US-amerikanische Hines Real Estate Investment and Management Co. haben sich beeilt, um in dieser Gelegenheit vorzustoßen.

Hines hat sowohl in das bekannte Embassy House und den Millennium Tower, beides öffentliche Bürogebäude, investiert. Diesen Juli wird Park Avenue, ein hochklassiges Wohnprojekt – das erste derartige Immobilienprojekt, in das Hines investiert hat – fertiggestellt und für den Verkauf geöffnet.

ING Real Estate, der drittgrößte Immobiliengigant der Welt und auch eine der ersten ausländischen Baufirmen, die nach China kamen, ist dabei, das Chinageschäft der Londoner Baring Asset Management zu erwerben, womit sein Vorgehen, seinen Marktanteil in China zu erweitern, deutlich wird.

China sei einer der sich am schnellsten entwickelnden Baumärkte geworden, sagte Wang Ning, stellvertretender Leiter der Baumarktverwaltungsabteilung des Aufbauministeriums. Weltweite Ausschreibungen sind jetzt auch möglich, insbesondere für Stadien für die Olympischen Spiele 2008 in Beijing, welche in Übereinstimmung mit den internationalen Standards entworfen und gebaut werden sollen. Wang bemerkte auch, dass China innerhalb der nächsten drei Jahre der größte Baumarkt werden und damit die vorrangige Bühne für den internationalen Wettbewerb sein werde.

Beijing gab Anfang dieses Jahres ein Regierungsdokument heraus, welches erdacht wurde, um mehr Gelegenheiten für ausländische Immobiliengeschäfte zur Verfügung zu stellen. Das Dokument setzt ausländische und inländische Immobilienbauunternehmer sowie Investoren auf ein und die gleiche Grundlage. Dem Dokument zufolge stellte Beijing beginnend mit dem 9. Januar die Praxis des Transfers des Landnutzungsrechts für kommerzielle Projekte ein. In Zukunft wird das Landnutzungsrecht für alle derartigen Projekte durch offene Ausschreibungen, Auktionen oder den Handel auf Landmärkten transferiert werden.

Das Auslandsinvestment ist nicht auf den Bau beschränkt. Der Immobilienkreditmarkt ist ebenfalls für Auslandskapital attraktiv geworden. Im Jahr 2002 gründete die größte Investmentbank von Australien, die Macquarie Bank, die Macquarie Securitisation Shanghai Co. Ltd. (MSS), die erste Firma, die Hypothekenberatungsdienste in China anbietet. An ihrem ersten Betriebstag unterzeichnete MSS ein Abkommen mit der Shanghaier-Filiale der China Construction Bank, mit dem Ziel, gemeinsam den Finanzierungsmarkt im Immobiliensektor zu erschließen. MSS hat sein Geschäft bisher auf den Shanghai-Markt für existierende Wohnbauten und die Verteilung von Wohnungsdarlehenprodukten durch ein Netzwerk von 1500 bis 2000 kleinen und mittleren Immobilienagenten konzentriert.

Der Anteil des inländischen Marktes ist folglich verkleinert worden. Die Akquisition von Immobilien, die Auslandskapital involvieren, ist unter ausländischen Investoren im Anstieg begriffen. Die Hines und Trust Co. kaufte das Millennium Mansion, welches von Hyundai gebaut wurde, für 95 Mio. US$. Rodamco Asia, auch aus den Niederlanden, kaufte 60% der Anteile des Maple Garden der Beijing-Hong Kong Garden Villa House Property Development Co. Ltd. sowie die gesamte Beteiligung am Some Seat Apartment von einer singapurischen Firma, Capital Land, in Shanghai.

Chinas Immobilienmarkt würde jetzt besser als eine Arena, wo internationale Firmen nicht länger daran gemessen werden, woher sie kommen, sondern daran, wie wettbewerbsfähig sie sein können, beschrieben werden.

Mit der Verbesserung verschiedener Marktinstitutionen, der Vertiefung der Wohnungsreform, der Heranreifung des Finanzierungsmarktes und der Öffnung der Landnutzungsrechtstransaktion würden ausländische Investoren mehr Vertrauen haben, wenn sie in den Markt eintreten würden, so Wang Ning.