Weltpolitik: Der richtige Weg
 

Von Lii Haibo

Was ist Politik? Man kann die Definition in jedem Wörterbuch bzw. jeder Enzyklopädie finden, aber es gibt viele individuelle Interpretationen, die auf den eigenen Erfahrungen einer Person und ihres Verständnisses basieren. Hier ist ein Beispiel.

Damals in den 1940ern hatte der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Chinas, Mao Zedong, einst die gleiche Frage an Hu Yaobang, einen jungen Revolutionär und einen von Maos Zöglingen, gestellt. Hu drückte sein Verständnis für das Wort aus, aber der Vorsitzende war mit Hus Antwort nicht wirklich zufrieden.

„Deine Erkenntnis über diese Angelegenheit ist nicht tiefgründig genug“, sagte Mao zu Hu, der später Parteichef wurde. „Was ist Politik? Versuche, deine Unterstützer mehr werden zu lassen und reduziere deine Opposition. Das ist Politik“, schlussfolgerte Mao.

Maos Interpretation, einfach und nachdenklich stimmend, ist heutzutage nach wie vor von Bedeutung. Politik, Innen- als auch Außenpolitik, mag vielleicht eine tiefe Wissenschaft sein. Sie kann jedoch als eine so einfache Angelegenheit wie die Handhabung von Beziehungen zwischen Freunden, Partnern und Feinden verstanden werden.

Meine Ansicht über die Verfolgung einer erfolgreichen Politik ist, zu versuchen, mehr Freunde, Alliierte und Partner zu machen – je mehr, desto besser. Gleichzeitig, versuche, deine Feinde zu vermindern – je weniger, desto besser. Das Prinzip stimmt auch für die Militärwissenschaft, die eine besondere Form der Politik ist. Im idealsten Fall ist eine politische Einheit in der Lage, eine einheitliche Front zu etablieren, welche aus ihren Alliierten und neutralen Kräften, welche 95% der Bevölkerung ausmachen, besteht. Ihre Gegner sollten nicht mehr als 5% ausmachen.

Mit diesem Standard finden wir mindestens zwei wesentliche Fehler in der gegenwärtigen Anti-Terror-Politik der USA und dem Krieg, welche die Bush-Regierung unternommen hat.

Erstens sollte Washington seine Bemühungen auf die Terroristen, welche die USA angriffen, konzentrieren und den Krieg gegen das Taliban-Regime und Al-Qaeda zu Ende führen. Es war ein strategischer Fehler der Bush-Regierung, vor einem Jahr ihren Fokus auf den Irak zu verlegen. Indem gleichzeitig zwei Kriege geführt wurden, die nicht notwendigerweise miteinander im Zusammenhang standen, verstieß Bush gegen ein militärisches Tabu. Ein Feind zu einer Zeit ist stets eine weise Wahl für jegliche Kampfgruppe – von Straßengangstern, Guerillaeinsatztruppen bis zu Elitetruppen wie der 101. Airborne Division. Wie viele geäußert haben, ist es eine unabstreitbare Tatsache, dass, indem ihr Fokus auf Bagdad verschoben wurde, das Weiße Haus und das Pentagon Al Qaeda einen Gefallen getan haben. Den Terroristen und ihren Alliierten war Zeit gegeben worden, sich neu zu organisieren.

Die Mehrheit der Menschen weltweit kann die Rechtfertigung für die Invasion in den Irak immer noch nicht begreifen. Es ist nicht boshaft, die Militäroperationen im Irak als einen unnötigen Krieg zu beschreiben. Saddam Hussein war nichts weiter als eine „Schildkröte in einem Behälter“, die jeden Moment gefangen werden konnte. Jetzt ist er ein Gefangener, der eine harte Strafe vor sich hat, aber die Welt bleibt unsicher, wie wir anhand der jüngsten Bombenexplosionen in Madrid gesehen haben. Wo ist der wahre Sieg? Washingtons tatsächliche bisherige Leistungen sind eine Verpfuschung der Chance des Gewinnens eines gründlichen Sieges in Afghanistan und eine wachsende Paranoia über Massenvernichtungswaffen.

Der zweite Fehler, wahrscheinlich der größere, ist, dass die Bush-Regierung seit Beginn des Irakkriegs mehr Feinde im Nahen Osten und weniger Freunde weltweit, insbesondere in Europa, zu haben scheint. Unilateralismus ist zu gewissem Grad eine andere Form der Isolation, die immer zu einer gewissen Art von Scheitern in der politischen Arena führt. In China kennen sogar die Kinder das alte Motto: „Eine gerechte Sache erfreut sich reichlicher Unterstützung, während eine unfaire Sache wenig Unterstützung findet.“ Wir können dieses Sprichwort auf eine andere Weise verstehen: Wenn man wenig Unterstützung erhält, sollte man vorsichtig sein. Es könnte ein Signal sein, dass etwas mit der Kampagne, die man führt, nicht in Ordnung ist.

Nun, es gibt keine Zweifel über die Gerechtigkeit der Bekämpfung des Terrorismus. Die einzige Frage lautet: wie. Ein Hauptgrund hinter diesen beiden Fehlern liegt in der Tatsache, dass die Bush-Regierung eine Tendenz hat, von Waffen besessen zu sein. Ja, die heutigen Waffen entwickeln sich rapide und der Entwicklungsstand steigt sprunghaft. Moderne Wissenschaft macht den Militarismus zunehmend unhaltbar für Länder und Gruppen, die Amerika als feindliches Regime sieht. Aber wie wir bezeugt haben, ist ein Krieg mit Hightechmunition offensichtlich nicht die Antwort. Tomahawk-Raketen werden vielleicht keinen vollkommenen Triumph herbeiführen, aber einen einheitlichen Frontwillen.

Es ist ein Muss für die gesunden Kräfte weltweit, eine starke und breite Einheitsfront zu schmieden. Solch eine Front sollte nicht nur die sogenannten Koalitionsnationen umfassen, sondern, noch wichtiger, solche Länder und Organisationen, welche auf eine Weise oder eine andere mit Washington nicht übereinstimmen. Die führende US-Gruppe sollte lernen, politisches Geschick zu nutzen, wie Kompromisse unter Alliierten, um ihre Ziele zu erreichen. Als die einzige Supermacht der Welt sollten die USA eine wesentliche Rolle in dieser Front spielen, während sie der UNO gewähren sollten, die Führung zu übernehmen. Terrorismus ist der Krebs der menschlichen Gesellschaft. Er sollte mit der Teilnahme aller Mitglieder der Weltgemeinschaft angegriffen werden. Kein Land und auch keine andere Organisation außer der UNO kann die führende Rolle spielen. Kein Land sollte im Rahmen dieser Bemühungen außen vor gelassen werden.

Theoretisch und praktisch ist es möglich, den Kampf gegen den Terrorismus mit ganzem Herzen zu unterstützen und immer noch gegen eine politische Partei oder eine politische Figur, welche dieselbe Sache sich zu eigen gemacht hat, zu sein. Wir haben dies in Spanien passieren gesehen. Wenn wir glauben, dass die einheitliche Front unsere beste Waffe ist, um den letztendlichen Sieg zu gewinnen, dann brauchen wir uns nicht darum kümmern, wer im Amt ist und wer nicht. Herr Bush ist gescheitert, solch eine Front aufzubauen, aber er hat immer noch eine Chance, es wieder gutzumachen. Wenn Washington nicht klug genug ist, zur Korrigierung der o.g. kräftezehrenden Defekte beizutragen, dann hat die Supermacht ein langfristiges Problem der progressiven Anämie, vor der keine Waffen, wie ausgetüftelt sie auch sein mögen, sie schützen können.