Aufgebracht, aber eingesperrt
 

Hamas-Führer werfen mit Worten gegen die USA um sich, aber sehr wahrscheinlich kaum mit etwas anderem.

Von Xiao Ni

Bis vor ein paar Tagen hatte die palästinensische islamische Widerstandsbewegung, die als Hamas bekannt ist, sich größtenteils als eine religiös-nationalistische Gruppe im Widerstand gegen Israel definiert. Am 28. März sagte der neue Hamas-Führer Abdel Aziz al-Rantissi bei einer Ansprache vor einer Demonstration von etwa 5000 Unterstützern an der Islamischen Universität der Stadt Gaza: „Bush ist ein Feind Gottes, ein Feind des Islam, ein Feind der Moslems. Amerika hat einen Krieg gegen Allah verkündet; der israelische Premierminister Ariel Sharon hat einen Krieg gegen Allah verkündet. Allah verkündet einen Krieg gegen Amerika, Bush und Sharon.“

Somit hat Hamas explizit impliziert, dass die USA ein Ziel sein könnten, beschuldigend, dass die israelische Ermordung des Hamas-Gründers Sheikh Ahmend Yassin am 22. März nur mit einem stillschweigenden Einverständnis vonseiten Washingtons stattfinden konnte. Rantissi tat vor seinen Unterstützern kund, dass er „den Sieg des Landes Palästina durch die Hand von Hamas heraufkommen sehen kann“.

Am 24. März bemerkte der Hamas-Chef allerdings, dass seine Gruppe keine Absicht hege, die USA anzuvisieren. „Wenn sie sich Sorgen machen, dann sind sie dumm, da wir viele Male gesagt haben, dass wir nur unseren Feind, die (israelischen) Besetzer anvisieren werden“, sagte Rantissi an jenem Tag.

„Hamas hat nicht die Fähigkeit, die USA anzugreifen. Rantissis Worte waren dafür gedacht, seine Loyalität gegenüber Sheikh Yassin zu zeigen und Unterstützung als der neue Führer von Hamas zu erhalten“, sagte Li Guofu, ein Forschungsrat am Chinesischen Institut Internationaler Studien zur Beijing Rundschau.

Li denkt, dass ein Angriff gegen die USA Hamas Unterstützung auf internationaler Ebene schwächen würde, selbst in der arabischen Welt. Hamas hat daher bisher seine Angriffe gegen Israel in religiöser und nationalistischer Hinsicht gerechtfertigt, womit es Sympathie und Unterstützung zuhause und in der moslemischen Welt gesammelt hat. Eine Verlagerung in dieser Politik würde Hamas Beziehungen mit den moslemischen Alliierten der USA komplizierter machen, die sonst auch für die Ambitionen des palästinensischen Nationalstaates Verständnis haben würden.

Der chinesische Nahostexperte wies auch die Möglichkeit zurück, dass Hamas mit internationalen Terroristengruppen wie Al Qaeda zusammenarbeiten könnte. „Wenn Hamas sich mit Al Qaeda zusammentun würde, würde es die internationale Unterstützung verlieren“, äußerte Li. „Persönlich denke ich, dass Hamas seinen Plan nicht ändern wird und nur Israel als Ziel nehmen wird.“

Aber Hamas Vergeltung, einschließlich versuchter Selbstmordbombenanschläge, sind in mehreren aufeinanderfolgenden Tagen nach Yassins Ermordung alle vereitelt worden, da Israel sich vor seinem Anschlag auf den Hamas-Gründer bereits gegen eine gewalttätige palästinensische Reaktion vorbereitet hatte. Seit dem 22. März hat Israel unter höchster Alarmbereitschaft gestanden. Die Militär- und Polizeisicherheitskräfte sind in prekären Gebieten wie um Shopping-Centers, Regierungsbüros und Synagogen dramatisch aufgestockt worden. Die von Israel besetzten Territorien der West Bank und des Gaza-Streifens sind vollständig blockiert worden.

Die israelische Sicherheitsabteilung behauptete, dass Hamas-Ressourcen ihr Limit erreicht hätten und Israel 95% der versuchten Selbstmordanschläge erfolgreich vereitelt habe. Experten sind der Ansicht, dass radikale palästinensische Organisationen durch das Design von Sprengsätzen, welche sie für Terrorangriffe entwerfen, beschränkt seien, was ein Vorteil für die israelischen Sicherheitskräfte ist.

„Es wird extrem schwierig sein für Hamas, kurzfristig Rache für die Ermordung von Yassin zu üben, da Israel umfassende Vorbereitungen getroffen hat. Die Situation in Israel kann jedoch nicht lange anhalten, da das normale Leben der Menschen unterbrochen worden ist“, sagte Li.

In einer anderen Entwicklung hat Libanons Hisbollah versprochen, sich mit Hamas zu koordinieren, was die Situation weiter komplizierter machen könnte.

Am 27. März erklärte der Chef der libanesischen islamischen Miliz, Sheikh Hassan Nasrallah, auf einer großen Versammlung von Trauerenden für Yassin in Beirut, dass die Organisation jeglichem Auftrag gehorchen würde, welchen Hamas ihr geben würde, um Israel anzugreifen.

„Die Hisbollah-Mitglieder, vom Organisationschef bis zum gewöhnlichen Soldaten und den Frauen, unterstehen wie Hamas-Mitglieder und Soldaten Ihrem Kommando“, sagte Nasrallah zu Khaled Meshaal, dem neu ernannten umfassenden Führer von Hamas.

Hisbollah wurde 1982 gegründet, nachdem Israel im Libanon eingefallen war. Die Organisation hat etwa 5000 Mitglieder in ihren Stützpunkten im schiitischen moslemischen Gebiet im Süden des Libanon, nördlich von Israel. Hisbollah steht in enger Verbindung mit Hamas, was Angriffe gegen Israel anbelangt. An dem Tag, als Yassin ermordet wurde, feuerte Hisbollah auf israelische Ziele in der Nähe der Grenze, das erste Mal seit Oktober 2003.

„Es ist die Natur von Hamas, seine Bemühungen mit Hisbollah zu koordinieren, da sie das gemeinsame Ziel haben, Israel zu unterminieren und es ihnen an Stärke mangelt, mit der israelischen Armee direkt zu konkurrieren“, sagte Li.