Den Drachen betreten
 

Ganz gleich wie Sie sie auch betrachten, die Zahlen sind beeindruckend. Chinas Wirtschaftswachstum trug von 1980 bis 2000, 14%, auf Platz zwei nur nach den USA (20%), zum globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei. Damit ist China jetzt die weltweit viertgrößte Handelsnation und hat im letzten Jahrzehnt ein sechsfaches Wachstum im Handel mit den ASEAN-Ländern verzeichnet.

Aber von weit wichtigerer Konsequenz als die Statistiken ist der positive Einfluss der Chinas Öffnung auf viele andere Wirtschaften, Nachbarländer und -regionen ausgeübt hat, wodurch die Letzteren alle von Chinas regem Außenhandel profitiert haben.

Trotz des goldenen Aufwärtstrends Chinas Wirtschaft mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von etwa 9% in den letzten 25 Jahren mangelt es der Industrialisierung und Urbanisierung des Landes jedoch an einem ausgewogenen Fortschritt. Die Urbanisierung ist weit zurückgeblieben. Wenn die gegenwärtigen Programme die dringenden Probleme hinsichtlich der Landbevölkerung nicht lösen können, wird es für das Land sehr schwierig sein, das Ziel des Aufbaus einer Gesellschaft bescheidenen Wohlstands zu verwirklichen. Dies ist die größte Herausforderung, mit der die Nation in den kommenden zehn Jahren konfrontiert ist.

Von Wu Zongzhi

Wenn die riesige Zunahme der von China hergestellten Produkte auf dem internationalen Markt und jüngste Kaufverträge gewaltigen Ausmaßes aus China nicht ausreichen, Beobachter zu überzeugen, dass das Land sich momentan zur Lokomotive der Weltwirtschaft entwickelt, sollten positive Statistiken selbst die wohl hartnäckigsten Skeptiker gewinnen.

Während die durchschnittliche Wachstumsrate in den vergangenen 25 Jahren bei 9% gelegen hat, hat sich Chinas Beitrag zum globalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 1980 bis 2000 auf 14% belaufen, – nach Adjustierung für die Kaufkraftparität -, womit China nur nach den USA (20,7%) weltweit an zweiter Stelle stand, so Yuan Zhengqing, Außerordentlicher Forschungsrat des Instituts für Weltwirtschaft und -politik der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften, zufolge.

Positive Rolle in der globalen Entwicklung

Mit einem jährlichen Wachstum des BIP von 9,1% überschritten Chinas Im- und Exporte im Jahr 2003 850 Mrd. US$, womit China weltweit die viertgrößte Handelsnation geworden ist. Noch bedeutender ist, dass dank der Erweiterung seines Marktes nach seinem Beitritt zur WTO im Jahr 2001 viele Wirtschaften, insbesondere Nachbarländer und –regionen, von Chinas robustem Außenhandel stark profitiert haben.

Als Folge der starken inländischen Nachfrage stiegen Chinas Importe letztes Jahr, wobei die Wachstumsrate im ersten Monat 2003 unerwartet bis auf 63,4% ging. Seine Jahresimporte aus Japan, den USA und der EU überschritten im vorigen Jahr jeweils 100 Mrd. US$, und seine Nachbarwirtschaften, darunter Japan, die Republik Korea (ROK), südostasiatische Länder sowie Hong Kong und Taiwan, wiesen alle ein Wachstum gegenüber dem Vorjahr von über 30% in ihren nach China gehenden Exporten auf. Durch die Beibehaltung hoher Handelsdefizite mit Nachbarländern und -regionen im Jahr 2003, wobei 14,7 Mrd. US$ auf Japan, 16,4 Mrd. US$ auf südostasiatische Länder und 23 Mrd. US$ auf die Republik Korea entfielen, hat China eine bedeutende Rolle in der Wiederbelebung der Wirtschaft dieser Länder und Regionen gespielt.

In einem Artikel, der von der Wochenzeitschrift Washington Observer am 7. Januar dieses Jahres veröffentlicht wurde, wies Donald Straszheim, unabhängiger Wall-Street-Ökonom, darauf hin, dass China seinen Marsch auf eine Marktwirtschaft beschleunige und sein rapides Wachstum durch die Übernahme einer Hauptrolle beim Im- und Export in der ganzen Welt anderen Ländern und Gebieten in der asiatisch-pazifischen Region direkt Vorteile bringe.

Als er darüber sprach, wie tief ihn Asiens aufsteigende Wirtschaft und internationaler Handel beeindrucke, drückte Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank, aus, dass China offensichtlich stärker werde, und das Land für das globale Wachstum auffällige Beiträge leiste.

Im Jahr 2003 erzielten internationale Frachtschiffaufträge vor dem Hintergrund eines starken Anstiegs des Kargotransports nach China ein auffälliges Wachstum.

Dies berücksichtigend kommentierte die Hong Konger Zeitung Ta Kung Pao: „Ohne China-Geschäfte kann ein Schiffunternehmen jetzt keine gewinnbringenden Aussichten sehen“.

Was Chinas zunehmenden Einfluss im internationalen Angelegenheiten anbelangt, betonte Yuan Zhengqing, dass dies in erster Linie Chinas Verhalten als ein verantwortliches Land zugeschrieben werden sollte. Als die asiatische Finanzkrise im Jahr 1997 ausgebrochen sei, sagte Yuan, habe China sein Versprechen, seine Währung nicht abzuwerten, eingehalten und innerhalb seiner Macht den betroffenen Wirtschaften seine Unterstützung gewährt, was nicht nur den regionalen Anstrengungen geholfen habe, die Krise zu überwinden, sondern auch das Lob der internationalen Gemeinschaft erhalten habe.

Im Zuge der Reform und Öffnung intensiviere China auch die Integration mit der Außenwelt, sagte Yuan weiter. Außer dem Beitritt zur WTO wie auch anderen internationalen Organisationen habe China auch seine eigene Überlegenheit voll zur Geltung gebracht und seinen steigenden internationalen Status genutzt, um die Etablierung vieler regionaler Kooperationsmechanismen zu initiieren und daran teilzunehmen. In diesem Bereich habe die Gründung der Shanghaier Kooperationsorganisation, die sich aus China, Russland, Kasachstan, Kirgistan, Tadschikistan und Usbekistan zusammensetze, in einem innovativen Konzept und einem kooperativen Geist ein neues Modell der regionalen Kooperation geschaffen, so Yuan. Sie weise eine gemeinsame Initiierung durch große und kleine Länder auf, räume den Sicherheitsinteressen und der Kooperation gegenseitigen Nutzens Priorität ein und verkörpere ein neues Sicherheitskonzept auf der Grundlage des gegenseitigen Vertrauens, der Gleichberechtigung und des Strebens nach gemeinsamer Entwicklung, fügte Yuan hinzu.

Unterdessen hat Chinas Wirtschaftsentwicklung der regionalen Integration große Impulse gegeben, was wiederum seine Rolle bei der Förderung dieses Prozesses bedeutender gemacht hat. Beispielsweise hat die Kooperation zwischen China und der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, während Chinas Entwicklung und riesiger Markt für die Prosperität der ASEAN-Länder noch entscheidender geworden sind. Der Handel zwischen China und den ASEAN-Ländern hat in den vergangenen 10 Jahren ein sechsfaches Wachstum verzeichnet. Seit 1997 ist der bilaterale Handel jährlich durchschnittlich um 20% gestiegen, was den Handelsgesamtwert im Jahr 2002 auf 54,77 Mrd. US$ und in den ersten acht Monaten 2003 auf 47,73 Mrd. US$ belaufen ließ. Mit der Unterzeichnung des „Rahmenvertrags über die allseitige Wirtschaftskooperation zwischen China und der ASEAN“ im Jahr 2002, der das Ziel für die Etablierung einer China-ASEAN-Freihandelszone im Jahr 2010 festsetzte, und die Zulassung Chinas zum Vertrag für die Freundschaft und Kooperation in Südostasien im Oktober vorigen Jahres hat der regionale Kooperationsmechanismus erste Gestalt angenommen.

Ein vielversprechendes Jahr

Anfang dieses Jahres prophezeite Chinas Staatliches Informationszentrum (State Information Center, SIC) in einem Blaubuch, dass die chinesische Wirtschaft dem im vorigen Jahr gesetzten Ziel folgen und im Jahr 2004 den rapiden Wachstumstrend aufrechterhalten werde. Die nationale Wirtschaft werde schätzungsweise um 8,5% steigen. Die Volkswirtschaft werde von der Phase der Erholung zu der der Blüte vorrücken, so das SIC.

Gao Huiqing, Mitglied des SIC-Expertenkomitees, erklärte, dass, seit China im Jahr 1998 seine proaktive Finanzpolitik eingeführt habe, das Investment in Anlagevermögen eine wichtige Triebkraft für das Wirtschaftswachstum gewesen sei. Obwohl die im Haushaltsplan vorgesehenen Investmentbeträge im Jahr 2003 klein seien, sagte er, sei die Investmentrate jedoch sehr hoch und erreichte in den ersten drei Quartalen ein Rekordhoch von 42%.

Hinsichtlich der Frage, ob ein derartiges investmentbedingtes Wachstum aufrechterhalten werden könne oder nicht, bestand Gao darauf, dass eine hohe Investmentrate im Anfangsprozess der Wirtschaft unvermeidlich sei. Er sagte, dass von überseeischen Erfahrungen ausgehend, ein anhaltendes und rapides Anlagevermögeninvestment gegenüber einem relativ stabilen Konsumwachstum notwendig sei, um ein gesundes Wirtschaftswachstum zu gewährleisten. Da das Geld der Regierung hauptsächlich für öffentliche Wohlfahrtsprojekte in den Bereichen Transport, Städtebau und Umweltschutz genutzt werde, werde es letztendlich in die Kategorie der Konsumtion fallen. Daher gebe es keinen Grund, sich um ein übermäßiges Investment und eine mangelnde Nachfrage der Verbraucher zu sorgen, sagte Gao abschließend.

Wirtschaftswissenschaftler und Beamte haben mittlerweile eine große Hoffnung darauf gesetzt, dass die inländische Nachfrage die Wirtschaft ankurbeln wird. Eigentumswohnungen, Autos, Bildung, Gesundheitspflege und IT-Produkte würden als die fünf sich herauskristallisierenden Prioritäten in den Ausgaben der Verbraucher betrachtet, sagte Zheng Xinli, stellvertretender Direktor des Amtes für Politikforschung beim ZK der KP Chinas, und würden in der Zukunft als wichtige Motoren der Wirtschaft dienen.

In einem jüngsten Studienbericht prophezeite die Bank JP Morgan Chase, dass im Jahre 2008 die Konsumtion anstatt des Investments die Entwicklung Chinas Wachstumskreislaufs beherrschen werde, während Autos die wichtigste Ware würden und die Autokultur reif sein werde. Diese Bank verkündete, dass die chinesischen Verbraucher nach Jahren des intensiven Sparens ihr Vertrauen wieder gestärkt hätten, und dass das gegenwärtig gedeihende Investment und der blühende Export der Konsumtion große Impulse geben würden, da sie tatsächlich zur Steigerung des Einkommens der chinesischen Haushalte geführt hätten.

Golden Sachs behauptete, dass offizielle Handelsstatistiken aufgrund der Veränderung der Konsumstruktur die Dynamik der inländischen Nachfrage Chinas unterschätzt hätten. In der Tat sei der Konsummarkt seit Ende 2002 bereits wieder im Aufwärtstrend.

Professor Song Guoqing des Chinesischen Zentrums für Wirtschaftsforschung der Peking-Universität, der für seine richtige Voraussage des Wachstumstrends der chinesischen Wirtschaft in den letzten Jahren bekannt ist, gab vor kurzem die Prognose ab, dass sich die Wachstumsrate der Wirtschaft des Landes im Jahr 2004 auf über 9% und im zweiten Quartal wahrscheinlich auf 10% belaufen werde, beide Raten sind höher als im Jahr 2003.

„Obwohl Chinas ,goldene Wachstumsperiode’ seit 25 Jahren anhält“, sagte Song, „wird das Wachstum in den kommenden 20 Jahren nicht zurückgehen und das BIP-Wachstum wird in den kommenden 10 Jahren bei nicht weniger als 8% liegen.“