China fördert das Aktienmarktgeschäft
 

Bedeutende Wirtschaftsexperten haben in hohen Tönen über das Regierungsdokument in Bezug auf die Entwicklung Chinas Aktienmarktes gesprochen und es als ein Rezept für einen Teil der Volkswirtschaft, der chronisch kränkelt, gepriesen.

Von Wu Zhongzhi

Chinas Aktienmarkt ging 2003 durch eine düstere Periode, die durch einen niedrigen Index, einen stagnierenden Handel, einen Abfluss von Kapital und fallende Aktienpreise gekennzeichnet war. Diese Faktoren zusammen verursachten Verluste im ganzen Sektor. Das Vertrauen der Aktieninvestoren fiel im September und Oktober auf das niedrigste Niveau, bevor es zu einem leichten Wiederaufwärtstrend Ende des Jahres kam. Einige zogen sogar in Betracht, dass der Aktienmarkt marginalisiert würde, und beklagten sich über die „laissez-faire attitude“ der Kontrollbehörden.

Anfang Februar dieses Jahres gab der Staatsrat seine Entscheidung in einem langen Dokument über die Beschleunigung der stabilen Entwicklung Chinas Kapitalmarktes bekannt. Das Dokument mit neun Punkten über die politischen Maßnahmen, 5000 Schriftzeichen umfassend, belebte die Begeisterung der Aktieninvestoren unverzüglich und der Aktienmarkt, der seit drei Jahren in einer Flaute gesteckt hatte, begann wieder einen Aufschwung zu zeigen.

Nach 13 Jahren der Erforschung und Entwicklung ist Chinas Kapitalmarkt weiter expandiert, mit angebotenen Produkten, die zunehmend vielfältig werden, darunter Aktien, Fonds, Obligationen und Termingeschäfte. Als eine Brücke zwischen Investoren und Firmen, die Kapital für die Entwicklung aufbringt, ist Chinas Aktienmarkt eine Hauptantriebskraft in der Entwicklung der Volkswirtschaft gewesen. Während Chinas Kapitalmarkt auftauchte und sich in einer Übergangsperiode von einer Plan- zu einer Marktwirtschaft entwickelte, ist er von einigen institutionellen Fehlern geplagt worden, die ihn behinderten, seine ihm gebührende Rolle zu spielen.

Bedeutende Wirtschaftsexperten sprachen in hohen Tönen über das Regierungsdokument und priesen es als ein Rezept für den chronisch kranken Kapitalmarkt.

Das Dokument des Staatsrates sei ein Meilenstein in der Geschichte des chinesischen Kapitalmarktes, sagte der berühmte Wirtschaftsexperte Hang Zhiguo, hinzusetzend, dass es dazu beitragen werde, den Markt auf umfassende Weise zu regulieren.

Der namhafte Wirtschaftsexperte Wu Xiaoqiu ist davon überzeugt, dass der Aufbau des Kapitalmarktes in den kommenden 20 Jahren ein wesentlicher Teil Chinas Finanzsystemreform sein wird. Er sagte, das neu herausgegebene Regierungsdokument, welches die Basisrolle des Kapitalmarktes in der Bereitstellung von Ressourcen betone, erforsche eigentlich einen Modus bzw. eine Weise, der bzw. die sich für Chinas Finanzsystemreform eigne.

Ein weiterer gefeierter Wirtschaftsexperte Liu Jipeng, sagte voraus, dass andere wesentliche und spezifischere Maßnahmen ausgearbeitet würden, womit der Kapitalmarkt in eine neue Entwicklungsphase gesteuert würde.

Zweifelsohne wird das Dokument einen tiefen Einfluss auf Chinas Kapitalmarkt als Ganzem ausüben.

Versicherungssektor tritt in den Markt ein

Das Dokument des Staatsrates ermutigt, dass Versicherungsfonds in vielfältigen Formen direkt in den Kapitalmarkt investiert werden, und erlaubt einen größeren Prozentsatz an Aktieninvestment von Sozialversicherungsfonds, berufsbezogenen Pensionsfonds und kommerziellen Versicherungsfonds. Es fordert den Aufbau einer Gruppe von glaubwürdigen, gesetzestreuen und professionellen institutionellen Investoren, damit die institutionellen Investoren, die sich hauptsächlich aus Fondsmanagement- und Versicherungsgesellschaften zusammensetzen, die dominanten Spieler im Kapitalmarkt werden.

„Dies zeigt, dass die Beschränkungen, welche den Zugang zum Versicherungsfonds in den Kapitalmarkt begrenzten, begonnen haben, lockerer zu werden“, sagte Professor Hao Yansu, Direktor der Versicherungsabteilung der Zentralen Universität für Finanzen und Wirtschaftswissenschaften.

Die vergangenen paar Jahre waren Zeuge eines rapiden Wachstums in der Versicherungsbranche. Die jüngsten Daten zeigten, dass sich die gesamten Vermögen des Versicherungssektors am 31. Dezember 2003 auf 912,28 Mrd. Yuan (110,18 Mrd. US$) beliefen. Trotz des nachteiligen Schlags von SARS (Akutes Atemwegssyndrom) erreichte die Versicherungsprämie 2003 immer noch 388 Mrd. Yuan (46, 86 Mrd. US$), ein Plus von 27% gegenüber dem vorhergehenden Jahr.

Versicherungsfonds direkt in den Kapitalmarkt zu investieren ist weltweit eine allgemeine Praxis. In China sind die Fondsoperationen von Versicherungsgesellschaften jedoch auf Bankguthaben, den Kauf und Verkauf von Schuldverschreibungen und Finanzierungsobligationen oder den indirekten Eintritt in den Kapitalmarkt durch Wertpapierinvestmentfonds beschränkt. Gegenwärtig belaufen sich die Investmentfonds, welche indirekt in den Kapitalmarkt investiert werden, auf weniger als 5% der Gesamtprämie. Weniger Investmentkanäle für die Versicherungsprämie haben die Abfindungskapazität der Versicherer geschwächt, womit die Entwicklung des Sektors behindert wurde.

Indem Versicherungsgesellschaften und Fondsfirmen als Hauptspieler im Kapitalmarkt definiert werden, habe die Zentralregierung zum ersten Mal ihre Förderung für weitere Kanäle für Investment von Versicherern bekannt gegeben, bemerkte Professor Hao Yansu. Dies zeige eine Lockerung der Beschränkungen für das Investment von Versicherungsfonds, sagte Hao. In der Zukunft können Versicherer direkt in den Aktienmarkt investieren, indem eine Vermögensmanagementfirma etabliert wird, und sie können auch in Obligations- und Kapitalmärkte in Übersee investieren.

Hao äußerte, dass, auch wenn die Hardline-Politik, welche den Fluss von Versicherungsfonds in den Kapitalmarkt blockiere, sich gelockert habe, koordinierte Vorschriften, die dazu beitragen, das Dokument des Staatsrates zu implementieren, ausgearbeitet werden sollten. Die Vorschriften sollten die Investmentprojekte, Anteile der unterschiedlichen Investmentprodukte und Risikokontrollmaßnahmen abdecken.

Gelegenheiten, reich zu werden

Seit die Bekanntgabe der Regierung herauskam, haben die auf eine fallende Tendenz eingestellten Börsen ihre betriebsame Atmosphäre wiedergewonnen. Die meisten Aktionäre sind davon überzeugt, dass eine Gelegenheit, den Wohlstand zu mehren und sich der Früchte des volkswirtschaftlichen Wachstums zu erfreuen, kurz bevorsteht.

In den letzten paar Jahren ist der Börsennotierung von Firmen und der Aufbringung von Kapital für börsennotierte Firmen zwar viel Aufmerksamkeit gewidmet worden, aber die Interessen der Investoren sind stark vernachlässigt worden. Angesichts einer solchen Situation brachten einige Unternehmen durch unfaire Mittel Geld am Aktienmarkt auf. Das Dokument unterstreicht die Notwendigkeit, die Qualität der börsennotierten Firmen zu verbessern. Insider sind davon überzeugt, dass dies eine grundlegende Garantie für eine reibungslose Entwicklung des Kapitalmarktes ist.

Eine Steuerpolitik auszuarbeiten, die Investment in den Kapitalmarkt ermöglicht, ist klar und deutlich in dem Regierungsdokument festgelegt. Dies hat die Befürchtungen vonseiten der Aktionäre in dieser Hinsicht zerstreut.

Wertpapierfirmen würden am meisten profitieren, sagte Yin Zhe, ein Forschungsmitarbeiter der Wertpapierforschungsabteilung Xiangcai. Es wird erwartet, dass sich ihr Geschäft im Zuge des Wiederaufschwungs des ganzen Kapitalmarktes ausweitet. Dem Dokument zufolge wird es qualifizierten Wertpapierfirmen erlaubt werden, Obligationen herauszugeben, das Management von Darlehen wird intensiviert und ein Maßstab für den Aufkauf und die Fusion wird aufgestellt werden. Diese Bemühungen sollen das Umfeld für die Entwicklung von Wertpapierfirmen verbessern.

Grünes Licht für den Second Board Markt

Das Dokument schlägt ebenfalls die Gründung eines „vielschichtigen Marktsystems“ vor, indem der Main Board Markt verbessert und der Second Board Markt und ein Risikokapitalinvestmentmechanismus etabliert werden. Die Beschleunigung des Second Board Markts wird die Finanzierungskanäle für kleine und mittlere Unternehmen (SME) erweitern.

SME haben eine zunehmend wichtige Rolle in der Entwicklung der Volkswirtschaft gespielt, dennoch erfreuen sie sich nicht der entsprechenden Behandlung, was die Finanzierung anbelangt, obwohl sie nach Kapital dürsten.

Das Dokument werde der Entwicklung eines Second Board Markts grünes Licht geben, sagte Zhao Xijun, stellvertretender Direktor des Finanzierungs- und Aktienforschungsinstituts der Chinesischen Volksuniversität. Mit der Etablierung eines vielschichtigen Aktienmarkts und eines Equity-Transfer-Systems werden Börsen eines neuen Typs auftauchen. Der Second Board Markt und der Third Board Markt würden Schritt für Schritt etabliert werden, sagte Zhao.

Reife Aktienmärkte in Übersee setzen sich aus Main Board und Second Board Märkten zusammen, wobei der Erstgenannte reifen Unternehmen dient und der Letztgenannte SME und Jungunternehmen. Die beiden Märkte interagieren als zwei Räder des gleichen Fahrrades. China hat mit großen Anstrengungen im vergangenen Jahrzehnt greifbare Errungenschaften in Sachen des erstgenannten Rades gemacht. Aber angesichts der neuen historischen Situation ist ein weiteres Rad erforderlich, um eine allgemeine Entwicklung des Aktienmarktes anzukurbeln.

Lösung für Equity-Teilung

In der Marktwirtschaft werden Waren auf der Basis des gleichen Wertes getauscht. Der Handel von Aktien, eine Art von Finanzware, sollte auch den Regeln des Wertes folgen. Aus historischen Gründen umfassen Aktien, welche von einer chinesischen Firma ausgegeben werden, handelbare und international nicht-handelbare Aktien, wobei einige sogar A-, B- und H-Aktien umfassen. Diese Praxis führte zu verschiedenen Werten eines Typs von Aktien und Equity-Teilung, was für die langfristige Entwicklung des Wertpapiermarkts abträglich ist und ebenfalls den legitimen Rechten und Interessen der öffentlichen Investoren schadet.

Equity-Teilung repräsentiere institutionelle Defekte, die plötzlich unter speziellen Umständen der Entwicklung Chinas Kapitalmarktes auftauchten, sagte Dr. Ba Shusong, stellvertretender Direktor des Finanzforschungsinstituts des Staatsrats. Eine angemessene Lösung des Problems sei wesentlich für die zukünftige Entwicklung des Kapitalmarktes, äußerte er.

Das Dokument der Regierung forderte eine angemessene Lösung des Problems, indem der Transfer von nicht-handelbaren Aktien von börsennotierten Firmen reguliert wird, um den Verlust von Staatsvermögen zu verhüten und das Problem von einigen börsennotierten Firmen, welche noch nicht-handelbare Aktien haben, vorsichtig zu lösen. Das Dokument unterstrich auch, dass die Lösung des Problems die Marktregeln respektieren sollte, helfen sollte, die Stabilität und die Entwicklung des Marktes aufrechtzuerhalten und die Interessen der Investoren, insbesondere die öffentlichen Interessen, schützen sollte.

Ba bemerkte, dass dies einen scharfen Kontrast zur Praxis in der Vergangenheit bilden würde, die sich lediglich darauf konzentrierte, einen Verlust des Staatsvermögens zu vermeiden und mehr Gewinne aus der Reduzierung der Staatsaktien zu gewinnen.

„Wir können weder das Problem der Reduzierung der Staatsaktien noch die Liquidität von Aktien über Nacht runter setzen“, sagte Wirtschaftsexperte Cao Fengqi, „aber wir erwarten dieses Jahr einen Durchbruch in dieser Hinsicht“.

QFII-Qualifikation

Die International Finance News berichtete, dass Yuan Shuqin, der für die Chinesische Aktienabteilung der UBS AG zuständig ist, sagte: „Wir sind zufrieden mit dem Dokument. Gegenwärtig gibt es einen guten Schwung im A-Aktien-Markt. Seit das QFII (qualified foreign institutional investors) -System in den A-Aktien-Markt eingeführt worden ist, haben ausländische Organisationen dem Markt zunehmende Bedeutung beigemessen. Wir sind zuversichtlich.“

Trotz der unfreundlichen Leistung im Aktienmarkt 2003 zog Chinas A-Aktien-Markt nach wie vor viele ausländische Investoren an. Viele große ausländische Finanzinstitutionen beworben sich letztes Jahr um die QFII-Qualifikation. Seit die UBS AG und die Nomura Securities Co. Ltd. im Mai 2003 von China QFII erhielten, folgten acht weitere ihren Fußstapfen, darunter Citigroup Global Markets, Morgan Stanley International, Goldman Sachs & Co., HSBC Plc, die Deutsche Bank AG, ING Bank N.V. und J.P. Morgan Chase & Co.

Einige dieser ausländischen Firmen expandierten das Investment in Chinas Aktienmarkt. Beispielsweise verdoppelte die UBS AG ihr Investment auf 650 Mio. US$. Jetzt hat das Gesamtinvestment der ausländischen Organisationen mit QFII-Qualifikation 1,65 Mrd. US$ erreicht. Trotz der flauen Situation in Chinas Kapitalmarkt haben diese ausländischen Investoren gute Erträge aus ihrem Investment in den A-Aktien-Markt erzielt – 50%, einige sogar bis zu 90%, so Yuan.

Die Interessen der ausländischen Investoren in Chinas A-Aktien-Markt werden durch den Aufstieg von Hong Kongs H-Aktien ermutigt, da der Erstgenannte sich, was das Wesen anbelangt, von den Letztgenannten nicht unterscheidet. Darüber hinaus wird der A-Aktien-Markt im Zuge der Verbesserung des Management- und des Aufsichtssystems reifer, sagte Yuan.

Trotz der großen Begeisterung der Investoren für A-Aktien hat die Beschränkung, dass jedes Investment nicht niedriger als 50 Mio. US$ und nicht höher als 800 Mio. US$ sein darf, die Tätigkeiten der Investoren beschnitten. Dies ist ein klares Zeichen, dass ein verbessertes Management in diesem Bereich notwendig ist.