Pragmatische Kooperation
 

Deutschland, eine technische Hochburg, und China, der größte aufsteigende asiatische Markt, profitieren von ihrer pragmatischen Kooperation.

Von Xiao Zhou

Deutschland ist der erste Stop auf der Europatour des chinesischen Ministerpräsidenten. Dies hat wieder die weitreichende Aufmerksamkeit auf die bilateralen Beziehungen, insbesondere die Wirtschaftsbeziehungen, gelenkt. Auch wenn über Chinas Beziehungen zu dieser führenden westeuropäischen Nation in China nicht so enthusiastisch wie über Beziehungen zu den USA, Japan, Russland oder Frankreich berichtet wird, sind die Chinesen Zeugen des Booms der bilateralen Wirtschaftskooperation geworden. Viele sind mit deutschen Marken wie Benz, BMW und Siemens äußerst vertraut, und einige städtische Kosmopoliten haben sich vielen in der Welt in ihrer Wertschätzung deutschen Biers angeschlossen. Nicht zu übersehen ist allerdings die Oberhand von deutschen mechanischen und elektrischen Produkten in der chinesischen Gesellschaft.

Das Blühen der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen liege nicht nur an der starken gegenseitigen Ergänzung ihrer Wirtschaften, sondern auch an der Unterstützung der beiden Regierungen, so der ehemalige chinesische Botschafter in Deutschland Mei Zhaorong zur Beijing Rundschau, hinzusetzend, dass die Finanzhilfe der deutschen Regierung für China in großem Ausmaß zur bilateralen Wirtschaftskooperation beigetragen habe. Das chinesisch-deutsche Handelsvolumen entspreche fast Chinas Handelsvolumen mit Großbritannien, Frankreich und Italien zusammen, bemerkte Mei.

Seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen im Jahr 1972 haben die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern sich rapide entwickelt. Deutschland ist seit 29 Jahren Chinas größter europäischer Handelspartner. Im Jahr 1972 lag Deutschlands Exportvolumen nach China bei nur 270 Mio. Euro. Bis zum Jahr 2002 hatte es sich um das 50fache vergrößert. Den Zollzahlen zufolge belief sich der chinesisch-deutsche Handel in den ersten sieben Monaten von 2003 insgesamt auf 22,3 Mrd. US$, ein Plus von 55,3% gegenüber dem vorhergehenden Jahr. Der bilaterale Handel mit Deutschland machte 33,6% des China-EU-Handels aus.

Den Statistiken der deutschen Botschaft in China zufolge hat Deutschland Japan als der wichtigste Exportmarkt Chinas überholt. Die Produkte, die jedes Land anzubieten hat, sind ziemlich unterschiedlich. Deutschlands Exporte nach China umfassen hauptsächlich mechanische, elektrische, Auto- und chemische Produkte, während China vor allem Textilien, Kleidung und mechanische Produkte nach Deutschland exportiert.

Deutschland steht unter den europäischen Ländern auch in Sachen Technologietransfer auf Platz eins. Seit Juli 2003 hat China 6768 Technologietransferverträge mit Deutschland mit einem Gesamtkapital von 26,14 Mrd. US$ unterzeichnet. Deutschlands Magnetschwebetechnologie, welche als erstes in Shanghai in Betrieb genommen wurde, verursachte eine große Sensation.

Deutschland führt Europa auch in Sachen Investment. Statistiken vom chinesischen Handelsministerium zeigen, dass deutsche Geschäftsinvestitionen im Juli 2003 9,17 Mrd. US$ erreichten, was nach Großbritannien unter allen EU-Ländern auf Platz zwei lag.

Der hervorragendste Aspekt der bilateralen Wirtschaftsbeziehungen ist der Boom der chinesisch-deutschen Joint Ventures. Der chinesischen Botschaft in Deutschland zufolge geht das deutsche Investment wie das anderer Nationen vor allem in Projekte, welche eine große Saat an Kapital, einschließlich von Hightech, erfordern. Vierzehn deutsche Unternehmen, darunter die Industriegiganten Siemens, BASF Chemie und Volkswagen, haben Ressourcen nach China fließen lassen. Große chinesisch-deutsche Joint Ventures umfassen die Shanghai Volkswagen Auto Co. Ltd., die BMW-Huachen Automobile Co. Ltd., die Beijing Aircraft Maintenance and Engineering Co. Ltd. und Bayer Petrochemie, die Liste geht noch weiter.

Deutschlands Investment in China hat sich seit Ende der 1990er auch auf einige wenige Dienstleistungssektoren ausgeweitet.

Ende 2002 hatten 12 deutsche Banken sieben Filialen in China eröffnet, darunter sind drei, denen erlaubt war, Geschäfte in RMB abzuwickeln. Acht deutsche Versicherungsfirmen haben ebenfalls ihr Glück in China versucht.

Das erste chinesisch-deutsche Reiseunternehmen wurde Ende 2003 eröffnet. Die deutsche Tourist Union International (TUI) und die China Travel Service Corp. haben mit mehreren anderen Partnern in dem Unternehmen kooperiert. Um sich an Chinas Verpflichtungen gegenüber der Welthandelsorganisation (WTO) zu halten, ist ausländischen Investoren erlaubt worden, seit Ende 2003 Aktien in Reiseagenturen in China zu erwerben. Gänzlich ausländische Agenturen werden ab 2005 zugelassen werden. Das chinesisch-deutsche Reiseunternehmen, in dem TUI mehrheitsbeteiligt ist, ist das erste seiner Art in China.

Am 15. Februar 2004 wurde die chinesisch-deutsche Bausparkasse Co. Ltd., die erste chinesisch-ausländische private Sparbank in China, welche die China Construction Bank (CCB) und die Schwäbisch Hall aus Deutschland zusammen gründeten, in Tianjin eröffnet.

Unterdessen hat Chinas Investment in Deutschland in den letzten Jahren ebenfalls stetig zugenommen.

Im Juni 2003 hatte China 159 nicht-finanzielle Geschäftsorganisationen mit einem Gesamtinvestment von 74,77 Mio. US$ in Deutschland etabliert. Im Oktober 2002 kaufte der chinesische Fernsehhersteller TCL die bankrotte deutsche Schneider Elektronik AG für etwa 8,2 Mio. Euro.

Die beiden Regierungen haben große Unterstützung angeboten, um die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu fördern. China ist der größte Nutznießer Deutschlands Hilfe, wobei „weiche“ Darlehen und Spenden der Regierung seit 1985 nach China fließen. Analytiker sagen, dass häufiger hochrangiger Besuch zwischen den beiden Ländern die starke Bereitschaft beider Parteien demonstriert hat, eine alles umfassende und tiefgehende Beziehung zu pflegen.

Staatsführer der beiden Länder haben häufig Besuche ausgetauscht. Während des Beijing-Besuchs des deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder Ende 2003 wurden 11 Abkommen über die bilaterale Kooperation unterzeichnet. Und mehr als 38 deutsche Unternehmensleiter, einschließlich des Generaldirektors der Siemens AG Heinrich von Pierre, begleiteten Schröder auf seiner Reise.

Wens Deutschlandbesuch werde die bilaterale Wirtschaftskooperation weiter expandieren und vertiefen, so der ehemalige chinesische Botschafter in Deutschland Mei Zhaorong zur Beijing Rundschau.